Ich weiß, ich bin spät dran. Eigentlich wollte ich mir die Arbeit auch gar nicht machen, aber dann las ich vor Kurzem den Jahresrückblick 2014, der mich an so viele schöne Dinge erinnert hat, dass ich mich einem Rückblick für 2016 nicht entziehen konnte. Here we go.

Januar

Gleich zu Beginn des Jahres ließ sich das Fräulein Wunder sehr spontan Ohrringe stechen. Den Wunsch danach hatte sie schon länger, aber wir vertrösteten sie immer darauf, dass sie das entscheiden dürfe, wenn sie ein Schulkind sei.
Beim ersten Anlauf im Oktober vergangenen Jahres überlegte sie es sich noch beim Juwelier anders, doch im Januar fasste sie den Entschluss vor dem Schaufenster und wenig später prangten zwei wunderschöne blaue Blümchen an ihrem Ohr. Und sie war sooooo tapfer!

Leider vernahm die Geschichte keinen sehr schönen Verlauf. Am Anfang war alles wunderbar, doch dann entzündete sich das rechte Ohrläppchen. Wir säuberten ab da jeden Tag das Ohr und schmierten es vorsichtig mit Desinfektionsmittel ein. Ganz langsam wurde es besser.
Dann verkündete sie eines Tages, dass sie den Stecker des rechten Ohrrings verloren hätte. Man muss dazu sagen, dass das Fräulein Wunder niemanden mehr an irgendetwas heran lässt, wenn sie dort Schmerzen hat oder irgendwelche befürchtet. Es war mir also nicht so ganz möglich, das Ohr zu kontrollieren. Fest stand, dass der Stecker weg war, sich der Ohrring im Ohr drehen aber nicht herausziehen lies. Nach tagelangem Hin und Her ließ ich das Fräulein Wunder und ihr Ohr schließlich in Ruhe. Es war nicht entzündet, der Ohrring saß fest an Ort und Stelle und war nicht festgewachsen, denn man konnte ihn ja drehen.
Schließlich verlor sie den Ohrring im Dezember im Schwimmbad. Und wenig später stellten wir fest, dass der vermisste Stecker immer noch IN ihrem Ohr steckte. Und auch hier durfte ich nur rudimentär nachsehen und schon gar nicht an dem Ohr herumdoktern um zu sehen, ob ich den Stecker vielleicht so entfernen könnte. Wobei mir dies auch ziemlich unwahrscheinlich erschien. Er hatte sich im Ohrläppchen sozusagen häuslich nieder gelassen. Ich sah mich schon einen Termin beim Chirurgen machen, damit er das Teil herausschneiden kann, als das Fräulein eines Abends triumphierend ins Wohnzimmer gestürmt kam und verkündete „Ich hab’s geschafft!“ und uns stolz den Stecker präsentierte. Große Freude auf allen Seiten.
Inzwischen trägt sie keine Ohrringe mehr und möchte auch keine neuen. Ich bin erleichtert.

Februar

Zu Fastnacht hatte das Fräulein Wunder ihren ersten großen Auftritt mit ihrer Jazztanzgruppe im Turnverein. Sie war mächtig aufgeregt und anschließend total stolz.

Auch ich war dieses Jahr mit meinen Mädels an Fastnacht wieder unterwegs. Diesmal nicht direkt am schmutzigen Donnerstag wie bisher in Bürstadt, sondern diesmal zwei Orte weiter. Unser Thema dieses Jahr war „Froschkönig“. Ich bestellte hoch motiviert einen grasgrünen Petticoat im Internet und stellte leider erst hinterher fest, dass dieser aus China kommt und erst ein paar Tage nach der Faschingsveranstaltung geliefert wird.
Also kaufte ich mir grünen Tüll und begann mit der Hand das Ganze irgendwie zusammen zu nähen. Zwei Tage vor der Veranstaltung kam dann doch noch das Paket aus China. Heureka!

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Tatsächlich hatte ich zu diesem Zeitpunkt wieder einmal einige Kilos zugelegt und ich fühlte mich den ganzen Abend extrem unwohl. Deshalb gibt es auch leider kein besseres Bild als nebenstehendes von mir.

Nach diesem Abend entschloss ich mich dazu, wieder etwas für meine Figur zu tun. Es dauerte zwar erst einmal zwei Wochen, bis ich wieder auf dem richtigen Weg war, aber schlussendlich kam ich dann doch bei meinem altbewährten WeightWatchers an.
Seit dem letzten Mal vor etwa 10 Jahren hat sich das Programm komplett verändert, auch wenn es natürlich im Kern gleich geblieben ist: Lebensmittel werden in Punkte kategorisiert und man darf nur eine bestimmt Punktezahl am Tag essen. 10 Kilo sollten es mindestens werden, 15 wären noch besser.

 

 

 

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Die Musik und ich haben eine lange und sehr bewegte Beziehung. Eigentlich von Anfang an. Von der ersten Dschingis Khan Schallplatte bis hin zum letzten The Weeknd Album, das ich mir kürzlich im iTunes-Store gekauft habe.

Die jüngeren unter Euch wissen vielleicht gar nicht mehr wie das war, als man Musik tatsächlich nur im Laden kaufen konnte. Erst als Schallplatten, dann auf CD.
Das waren noch Zeiten, als ich regelmäßig durch WOM, ProMarkt oder später MediaMarkt und Saturn streifte und mich durch die unzähligen CDs wühlte. Anfangs musste man noch zu einer zentralen Theke gehen, die CDs entweder von einem Angestellten oder selbst in einen Player einlegen und konnte dann in die einzelnen Scheiben hinein hören.
Später wurde das bereits digitalisiert und man suchte sich eine Station mit Kopfhörer, wo man die Barcodes der CDs unter einen Scanner hielt und dann die einzelnen Titel kurz angespielt bekam. Ganze Nachmittage habe ich so in diesen Läden verbracht, bevor ich stolz mit einem oder mehreren (meistens mehreren) Alben nach Hause ging.

Damals war auch MTV gerade stark im Kommen. Ich kann mich noch erinnern, wie wir teilweise SMS hin und her geschickt haben um ja nicht die Premiere eines neuen Linkin Park Videos zu verpassen.
Überhaupt. Das Tauschen von Musik war damals noch etwas aufwendiger als heute. Heute ziehe ich die mp3-Daten auf nen Stick und alles ist gut (oder Dropbox oder, oder). Damals haben wir noch ganze CDs gebrannt und teilweise per Post an geliebte Menschen verschickt.

Dann die Zeit, als ich meine Freizeit im Internet und dem Backstreet Boys Universum verbrachte. Das Suchen von Musik, die man nicht im Laden kaufen konnte. Die teilweise grottenschlechten Mitschnitte von Konzerten oder Pre-Versionen von irgendwelchen Songs. Damals begann sich die Musik im World-Wide-Web heimisch zu fühlen. Ich entdeckte die Möglichkeit, aus YouTube-Videos mp3 zu erstellen. Myspace war total im Kommen und eröffnete ganz neue Musikmöglichkeiten.

Heute gibt es Amazon-Music und Spotify und noch so vieles mehr. Musik ist überall sofort verfügbar und das zum großen Teil kostenlos. In meinen Anfangszeiten un-vor-stell-bar.

Und nun standen sie da. Meine heißgeliebten CDs. Bestimmt über 300 Stück. Mit etlichen verbinde ich eine besondere Geschichte, habe sie durch die Gegend geschleppt, im Auto gehört, in den Walkman eingelegt, auf der Arbeit über Kopfhörer konsumiert und letztendlich nach und nach alle in meine virtuelle Bibliothek eingespielt.
Sie verstaubten und wurden nur noch angerührt, wenn ich die Kinderzimmer aufräumte und sie in den rosafarbenen Kinder-CD-Player legte. Aber schön sahen sie im Regal aus. Das immerhin.

Irgendwann muss man sich einfach von gewissen Dingen trennen. Sie nehmen Platz weg und werden einfach nicht mehr in ausreichender Weise gewürdigt. Zudem ist das ja totes Kapitel, auch wenn selbst mir klar ist, dass man mit gebrauchten CDs heute kein Vermögen mehr verdienen kann.

Trotzdem meldete ich mich bei Momox an und tippte einen Nachmittag lang Barcodes ein. Von meiner umfangreichen Sammlung wollte Momox weniger ankaufen, als gedacht. Ein paar Überraschungen gab es trotzdem.
Im Normalfall liegt bei diesen Portalen der Ankaufspreis einer CD bei etwa 15 – 25 Cent (ja, hier darf gerne eine Runde geweint werden). Wahrscheinlich ist das irgendwie ne Masche, denn sobald der Rechner über einen Euro pro CD anzeigt, gibt das einen kleinen Glücklichkeitskick. Haben die echt geschickt gemacht.
Zwei Ausnahmen gab es in meiner riesigen CD Sammlung. Den höchsten Preis mit sagenhaften 14,00 Euro erzielte … *bitte kurz überlegen, für welche CD ihr so viel Geld ausgeben würdet* … *Trommelwirbel* … *wohlgemerkt im Ankauf, ihr wollte ja damit auch noch etwas Geld verdienen* …. *Trommelwirbel* … Der Soundtrack zum letzten Einhorn. Ungelogen!!
Den zweithöchsten Preis – von 11,00 Euro konnte ich mir immerhin ein bißchen erklären – wurde für Musicology von Prince geboten.
Soviel dazu.

Ich brachte also heute ein gut 16 Kilo schweres Paket zur Post (kostenloser Versand, immerhin) und freue mich nun auf eine Summe jenseits der 100 Euro, die hoffentlich demnächst auf mein Konto eingeht.

Blieb also der erschreckend große Rest. Obwohl ziemlich klar ist, dass ich wahrscheinlich darauf sitzen bleibe, habe ich heute diese CDs gesammelt als Pakete in Ebay eingestellt.

(Hier nur zwei Beispielen von sechs)

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Und mir blutet das Herz. Da sind wirklich Scheiben dabei, zu denen ich sozusagen eine persönliche Beziehung habe. Die mir wichtig und teuer sind. Und jetzt werden sie vielleicht (hoffentlich) von jemandem gekauft, der sie womöglich nicht zu schätzen weiß. Hach.

Es ist ja nicht so, dass die Musik für mich verloren geht. Natürlich habe ich vor dem Versand geprüft, ob auch schön alles in meiner Musikbibliothek eingespielt ist. Und ich habe gestern und heute ganz viel Musik gefunden, an die ich schon lange nicht mehr gedacht habe und die ich mir jetzt nach und nach wieder zu Gemüte führen werde. Ich neige ja dazu, mir ganz lange immer die gleichen Bands und Alben anzuhören, weil ich sie gerade ganz toll finde. Dabei fallen etwas sperrige Sachen wie Tool, I Mother Earth oder Marilyn Manson schonmal unter den Tisch.
Aber auch gefälligere Alben wie Groove Guerilla, Patricia Barber, Dredge oder Silje Neergard tauchten wieder in meinem Fokus auf. Und, und, und.

An dieser Stelle also der dringende Aufruf, Euch mal wieder mit Eurer Plattensammlung zu beschäftigen. Egal ob analog oder digital. Blast den Staub von der Musik und gebt ihr die Aufmerksamkeit, die sie verdient! Ihr werdet es nicht bereuen.

Und wenn ihr meint, dass ihr noch ein bißchen Nachschub gebrauchen könnt. Oder Inspiration. Oder einfach eine neue Musikperspektive. Dann schaut doch einfach mal bei Ebay vorbei und unterstützt damit nicht nur die Unsterblichkeit der Musik, sondern auch den Claudia-Maaß-Pfingsturlaub-Fonds. Meine Robbie Williams Konzert-Karte hat ja freundlicherweise bereits Momox übernommen.

In diesem Sinne gehabt Euch wohl und liebt die Musik, so wie sie Euch.

Als ich 39 Jahre alt wurde, war ich davon überzeugt, dass mein Leben die nächsten 50 Jahre ohne weitere besondere Vorkommnisse vorüber gehen würde. Eine eher niederschmetternde Erkenntnis.
Ich war seit fast 20 Jahren mit dem selben Mann zusammen, hatte eine Tochter und wir planten kein weiteres Kind, wir lebten in Eigentum, ich hatte seit der Ausbildung den selben Arbeitgeber und seit Jahren den gleichen Freundeskreis. Alles schien in Stein gemeißelt.

Bereits ein Jahr später gesellte sich zum Fräulein Wunder Miss Allerliebst (ursprünglich nicht geplant, denn wer will schon mit 40 noch einmal Eltern werden), zwei Jahre später trennte sich mein Arbeitgeber von mir. Alles war anders. Nichts schien mehr in Stein gemeißelt.

Mit dem Fräulein Wunder erblühte mein neues, soziales Ich. Und im Laufe der Zeit lernte ich, dass es so etwas wie Stillstand nicht gibt, es sei denn, man möchte dies unbedingt. Und manchmal zwingen einen die äußeren Umstände quasi dazu, seinen Horizont zu erweitern.

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Gestern hatte ich die Ehre im Zuge der Geburtstagsfeier meiner urältesten Freundin nach Jahren mal wieder eine echte Diskothek von innen zu sehen.

Ich hatte im Vorfeld keine großen Vorstellungen und Erwartungen. Es hieß immer nur, die Location sei ganz eigen aber schön und die Musik sei auch gut.

Der erste Eindruck war dann auch sehr positiv. Viel Raum, eine große Bar, genug Sitz- und Kuschelmöglichkeiten am Rand und eine Tanzfläche, die zu Beginn noch recht spärlich mit zwei tanzenden Frauen gefüllt war und ausnahmsweise nicht wie eine Arena wirkte.

Bei näherer Betrachtung der zwei tanzenden Mitmenschen bekam ich dann auch einen Vorgeschmack auf das Publikum dieses Etablissements und das ließ mich den ganzen Abend über breit grinsen.
Die beiden Damen schätze ich mal so auf Ende vierzig, mit 80er Jahre Dauerwelle, Bootcut-Jeans und ausgelassenen Tanzbewegungen. Die hatten so gar keine Hemmungen vor einer sich langsam füllenden Kulisse so richtig auf Michael Jackson abzugehen.

Je mehr Gäste hereinströmten, desto interessanter und schräger wurde es. Manchmal wusste man gar nicht, wo man zu erst hinsehen sollte. Da waren diese vielen Hausfrauen und Bürofachangestellten Anfang fünfzig mit modischer Kurzhaar-Stachelfrisur, dazwischen die (nur etwas) jüngeren, langhaarigen Highheels-Tussen, dann die übergewichtigen Mittfünfzigerinnen in Leggins und seltsamen Streifenkleidern und meine persönliche Favoritin die Frau, die wahrscheinlich kurz vor den sechzig stand, aber wie zwanzig aussehen wollte, in megakurzen Lederhotpans, über denen ihr Bauch sich in der zu engen weißen Bluse kugelte.
Dabei die Herren in Camp-David Hemden, ebenfalls im gesetzten Alter, die ganz Coolen mit Lesebrille im Ausschnitt ihres Hemdes, meist mit Glatze und extrem fragwürdigem Tanzstil.
Der DJ dann mit halblangen Haaren, Topfschnitt und Leopardensakko.

Das alles wirkte auf mich wie RTL 2 in echt, ihr versteht?

Was sie aber alle einte, war der Spaß an der Musik und der Bewegung. Selten habe ich einen Ort erlebt, an dem so viel Lebensfreude zusammen gekommen ist. Da gab es keine blöde Anmache, da wurde einfach getanzt. Da wurde nicht das „vertrauliche“ Gespräch gesucht, um dann ungeniert betatschen zu können, da wurde zum Fox gebeten. Da wurde gejubelt, wenn das richtig Lied kam und da wurde extrem ausdauernd dieser Flashmop zu „Fantasie Girl“ getanzt, auch nachdem das Lied schon seit mindestens einer halben Stunde vorbei war.

Die Musik war nun nur bedingt meins, was aber die „Show“ drumherum mehr als wett gemacht hat. Ein rundum gelungener Abend, der eigentlich so einmal im Jahr ein Muss sein sollte, und wenn es nur darum geht, sich einen Abend wie im Kino und dabei extrem jung und sexy zu fühlen.

Heute die 6 um 200 Gramm verfehlt. Macht aber nix. Fühle mich so schlank und sexy wie seit Monaten nicht mehr. Und das, nachdem ich das letzte Wochenende eigentlich nur gegessen und (Alkohol) getrunken habe. WW und Shred sei Dank!

Heute Eröffnung der Grillsaison im Schrebergarten einer Freundin, mit selbst eingelegten Putenschnitzeln und Nudelsalat. Ich fahre freiwillig, damit ich mir die Alkoholpunkte gar nicht erste einfange.
Morgen dann 65. Geburtstag meiner Mama, die die gesamte Familie und Freunde zum Brunchen ins Lokal einlädt. Da werden definitiv keine Punkte gezählt. Freue mich darauf, wieder in mein 40+1 Geburtstagskleid hineinzupassen.

So viel von der Körperfront. Wünsche euch ein ähnlich gelungenes und mit vielen schönen Momenten angefülltes Wochenende.

Ich habe Urlaub. Ursprünglich habe ich diesen beantragt, weil das Fräulein Wunder Osterferien hat. In ihren letzten Ferien habe ich immer gearbeitet, das bedeutete für sie frühes Aufstehen und Betreuung durch den Hort der Schule oder die Großeltern.
In meiner Kindheit waren Ferien damals Ferien: lange Ausschlafen, in den Tag hinein leben – Ferien eben. Das wollte ich dem Fräulein Wunder diesmal auch ermöglichen.
Doch Pustekuchen. Das Fräulein hat sich entschieden auf eine viertägige Freizeit zu Fahren.

Ich gebe zu, dass ich sehr, sehr stolz war und bin, dass sie sich das mit ihren sechs Jahren schon zutraut. Sie nahm sich eine Freundin zur Verstärkung mit und fuhr am Dienstag mit 25 anderen Kindern in die Ferienfreizeit in ein Keltendorf.

Mit der Verabschiedung hatte ich wenig Probleme. Ich wusste, dass sie jede Menge Spaß haben würde. Sie drückte mich zwar drei Mal öfter als sonst, hüpfte dann aber freudig von dannen, als es hieß es ginge endlich los.
Erst am Abend, als ich gemütlich mit meinen Käfer-Mamas beim Essen in einem netten Lokal saß fragte ich mich, wie es ihr wohl so geht. Was macht sie gerade? Liegt sie schon im Bett? Gab es etwas zu essen, dass sie mag? Hat die Zimmerverteilung zu ihrer Zufriedenheit geklappt? Vermisst sie mich?

Und auf der anderen Seite ist da Miss Allerliebst für die ich jetzt richtig viel Zeit und Muße habe. Wir haben den Dienstag im Schwimmbad verbracht, sind gerutscht und geschwommen, haben viele schöne Momente geteilt.
Für mich ist es beinahe wie eine neue Erfahrung mich nur auf ein Kind konzentrieren zu können. Die Aufmerksamkeit ist intensiver, zielgerichteter. Mit zwei Kinder hat man manchmal das Gefühl, auf Situationen nur reagieren zu können, jedes Kind gar nicht richtig für sich wahrzunehmen. Zudem hat uns der Alltag  immer im Griff. Da sind so viele andere Dinge die nebenher berücksichtigt werden müssen.

Als ich gestern Abend ins Bett ging – am zweiten Tag der Ferienfreizeit – spürte ich dann diese Sehnsucht. Das Vermissen meines Kindes: Ihre Stimme. Ihr Geruch. Ihre Präsenz.
Gott sei Dank nur ein kurzer Moment, aber im Hinterkopf bleibt, dass es noch zwei Tage sind, bis ich mein Mädchen wieder in die Arme schließen kann.

Verstärkt wird diese ganze Gefühlsduselei durch das Buch, das ich gerade lese. Es handelt sich dabei um einen wirklich brutalen, blutigen FBI-Thriller, aber es geht darin auch um Verlust. Den Verlust des Ehemannes und der einzigen Tochter der Ermittlern. Und um den Verlust der Mutter für ein 10jähriges Mädchen.
Der Autor beschreibt so eindringlich diese Dunkelheit, die Verzweiflung, diese monströse Welle des Schmerzes, dass es mir jedes Mal ganz anders wird.

Und dann denke ich an meine Kinder: Das eine weit weg auf großer Entdeckungstour und schmerzlich vermisst, das andere wohlbehütet in seinem Bett, die Decke weggestrampelt wie immer aber mit diesem allerliebsten, friedlichen Gesichtsausdruck, dass mir die Kehle ganz eng wird.

Manchmal vergesse ich im Trubel des Alltags, welch ein Segen meine Kinder für mich sind.  Wie sehr ich sie brauche und wie viel sie mir geben. Wie sehr ich sie liebe und welch großen Teil von mir sie ausmachen.
Es tut wirklich gut, daran erinnert zu werde.

Im Grunde beschäftige ich mich ja durchgehend mit mir und meinem Körper – speziell die Körpermitte. Hinten wie vorne. Und immer fühle ich mich zu dick und/oder unansehnlich. Dass das Schwachsinn ist weiß ich selbst. Hilft nur leider nix.

Also habe ich im Laufe der Zeit einiges an Diäten und Kram ausprobiert. Wirklich geholfen hat damals nur Weightwatchers. Ich brauche einen Plan, eine Vorgabe was ich wann in welchen Mengen essen darf. Das hat immerhin für 25 Kilo Gewichtsabnahme gesorgt.
Dann hörte ich mit dem Rauchen auf, das Fräulein Wunder und drei Jahre später Miss Allerliebst wurden geboren und schwups sind 15 Kilo wieder auf den Hüften drauf und haben sich da häuslich eingerichtet.

Ich fand leider nicht mehr so richtig den Dreh zurück in mein WW-Programm, so dass ich, als Miss Allerliebst so etwa ein halbes Jahr alt war, erst einmal mit Sport anfing. Das Laufen begleitet mich ja immer noch, meine Jillian Michaels DVDs auch immer mal wieder. Und ganz sicher hat der Sport dazu geführt, dass ich mich fiter und gesünder fühle. Aber so wirklich an den Kilos hat sich da auf lange Sicht nichts getan. Dafür mache ich das alles vielleicht zu unregelmäßig, setze im Winter gerne mal für längere Zeit aus, meist in den Vorweihnachtsfresswochen im November und Dezember.

Vor knapp drei Wochen hatte ich dann (mal wieder) die Nase voll. Irgendetwas musste passieren, weil die Hosen immer enger wurden und ich mich langsam aber sicher richtig unwohl fühlte.
Über Facebook wurde ich auf BodyChange aufmerksam. Vielleicht hat der ein oder andere schonmal etwas davon gehört. Zugpferd ist hier Detlef D.Soost, bekannt aus Funk und Fernsehen, erst als Choreograph bei „Popstars“ und dann als Fitnesscoach bei „The Biggest Loser“. Ich mag den Typ eigentlich. Irgendwie. Auch wenn ich, glaube ich, nicht mit ihm trainieren wollte.
Jedenfalls (ich schweife mal wieder ab), war schon vor der Anmeldung klar, dass diese „Ernährungsumstellung“ (so wird das Programm angepriesen) ohne Kohlenhydrate auskommen würde. Diese Idee, keine Nudeln, Reis, Kartoffeln und Brot mehr zu essen, fasziniert mich schon seit längerem. Ich konnte mir das überhaupt nicht vorstellen, da ich eher so der Beilagenesser bin. Nach dem Besuch eines Büffets ist mein Teller zu 3/4 mit Nudeln und zu 1/4 mit Fleisch gefüllt. Obenauf noch etwas Soße und gerne auch Gemüse und ich bin glücklich.
Jetzt also keine Kohlenhydrate mehr. Mich reizte diese Vorstellung und der „Gewichtsverlustrechner“ ermittelte stolze 15 Kilo, die ich in 10 Wochen abnehmen würde. Also meldete ich mich an, bezahlte 90 Euro für 10 Wochen Programm und sah mich schon schlank und glücklich.

Als ich mir das erste Video zu dem Thema „Welche Lebensmittel darf ich essen, welche nicht?“ ansah, bereute ich den Schritt allerdings gleich wieder. Besser kann eine Diät (oder „Ernährungsumstellung“) ja gar nicht starten, oder? Nach 5 Minuten bereits desillusioniert und verärgert zu sein. Aber der Reihe nach.
Nicht nur, dass ich ab jetzt keine Kohlenhydrate mehr zu mir nehmen durfte, auch Milchprodukte und Obst (!!) waren ab nun tabu.
Blieben noch Fleisch und Fisch (wobei ich letzteres nicht esse), Eier (davon jede Menge), Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse und die „Abnehmbooster“ Avocado, Limetten, Ingwer und Chili.
Joah, war jetzt nicht so prickelnd. Aber gut. Bezahlt ist bezahlt. Das wird doch irgendwie machbar sein.
Ab der dritten Wochen sollte Sport dazu kommen („Die ersten beiden Wochen konzentrieren wir uns nur auf deine Ernährung“). Ich erhielt ein pdf mit Rezepten, die meine Töchter wahrscheinlich schon nachkochen könnten und das eine Kochvideo mit Detlef, das ich mir ansah, wirkte extrem … dilettantisch. Überhaupt … ich habe mich gewissenhaft durch die FAQs und Anweisungen gelesen, benötigte dafür gerade mal ne Stunde oder so und musste immer wieder den Kopf schütteln, weil vieles für mich so gar nicht nachvollziehbar war. Da stand zum Beispiel unter „Umgang beim Essengehen oder Einladungen bei Freunden“ sinngemäß: Lernen sie nein zu sagen. Je öfter sie das probieren, desto leichter fällt es ihnen.
Bitte? Ich hatte sowas erwartet wie „Essen Sie lieber einen Salat statt Spaghetti“ oder „Ihren Döner können Sie auch auf dem Teller ohne Brot oder Pommer bestellen“.
Lernen Sie nein zu sagen. Ich war echt kurz davor mich aufzuregen.

Das beste an dem ganzen Programm – und das sage ich jetzt tatsächlich ohne jedwede Ironie – ist der eine Tag in der Woche, an dem man essen darf was man will! Man muss dem Körper nämlich ab und an ein paar Kalorien zum Arbeiten geben, sonst denkt er, es ist ne Hungersnot ausgebrochen und macht die Fettdepots dicht (so habe ich das zumindest verstanden).

Also die Reste meiner Motivation zusammen gekratzt und losgelegt.

In der ersten Woche war ich erstmal krank zu Hause. Von daher fiel mir die Umstellung etwas leichter. Erstaunlicherweise fehlten mir die Kohlenhydrate zu den warmen Mahlzeiten (also in unserem Fall am Abend) überhaupt nicht. Ich konnte mein Hackfleisch mit Karotten und Minze essen und den anderen dabei zusehen, wie sie ihre Nudeln dazu aßen. Nach einer Woche entdeckte ich im Bioladen sogar Linsennudeln, die für meinen Geschmack sehr nahe an normale Hartweizengriesnudeln ran kommen, die man aber, weil „Ersatzprodukt“, nur zwei Mal die Woche essen darf.
Seltsamerweise wurde in den BC-Rezepten gerne alles püriert. Manchmal kam ich mir da echt vor wie ein Kleinkind.

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Linsenpüree mit Putenschnitzel

Auch war es anfangs kein Problem mittags statt einem Wurstbrötchen drei Rühreier mit Wurst/Gemüse etc. zu  mir zu nehmen.

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Rührei mit Salami und Mandelbrot

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Avocado mit Tomaten, Falaffel, gefüllten Mini-Paprika und Rohkost

Nur das Brot. Ja, das Brot ließ sich leider selbst nach harter Recherche nicht wirklich adäquat ersetzen.

Ich backte Mandelbrot, das selbst der tolle Mann am Abend ungegessen wieder mit nach Hause brachte und das will etwas heißen.
Ich backte mir morgens Fladen aus Eiern, Kichererbsenmehl und Leinsamen und fand die nur so mitteltoll bis buäh.
Ich versuchte es mit Falaffel, das war vielleicht noch die schmackhafteste Alternative, die muss man aber auch aus Kichererbsenmehl zubereiten oder die Mischung von Alnatura kaufen (was ich gemacht habe), weil die kein zusätzliches Weizenmehl enthält. Also auch abends oder morgens am Herd stehen und brutzeln. Wie man eigentlich alles, was man zu sich nimmt in irgendeiner Form zubereiten muss und sei es nur, den Salat zu schnippeln, was mir auch extremst auf die Nerven gegangen ist.
Am Ende versuchte ich es dann mit sogenannten „Böhtchen“, Brötchen aus pürierten Kidneybohnen und Flohsamenschalen. Als ich dann morgens beim Frühstück in der Kantine saß und am vorletzten Bissen meines „Böhtchens“ herumwürgte, beschloss ich, dass es nach zwei Wochen nun endlich genug sei.
Wer bin ich denn sag mal? Mein Leben ist zu kurz um mich von Zeug zu ernähren, das mir nicht mal im Ansatz schmeckt, mir Obst zu verkneifen, obwohl man doch von Kindesbeinen an gesagt bekommt, dass das sehr gesund sei und selbst der Joghurt und die Scheibe Käse auf dem (nichtvorhandenen) Brot Teufelszeug ist. Ich dachte wirklich sehr oft „So ein Schwachsinn!“.

Was man dem Programm zu Gute halten muss: Es wirkt. Ich habe in den zwei Wochen 1,6 Kilo abgenommen. Und der „Ich-darf-essen-was-ich-will-Tag“ ist natürlich schon auch cool. Essen ohne Reue, das hatte ich schon eine ganze Zeit nicht mehr so wirklich.
Zudem führt der Verzicht von Kohlenhydrate dazu, dass man weniger Heißhunger hat (eigentlich gar nicht) und sich nicht so vollgestopft fühlt.

In sofern haben mir diese zwei Wochen schon etwas gebracht. Ich habe mich reumütig wieder bei Weightwatchers angemeldet und bin sozusagen nahtlos in dieses neue Programm übergegangen. Ich werde mir auf jeden Fall öfter die Kohlenhydrate zu den Mahlzeiten sparen und mein Brot, und sei es nur Knäcke, mit jedem Bissen genießen.

Guten Appetit.