Als ich 39 Jahre alt wurde, war ich davon überzeugt, dass mein Leben die nächsten 50 Jahre ohne weitere besondere Vorkommnisse vorüber gehen würde. Eine eher niederschmetternde Erkenntnis.
Ich war seit fast 20 Jahren mit dem selben Mann zusammen, hatte eine Tochter und wir planten kein weiteres Kind, wir lebten in Eigentum, ich hatte seit der Ausbildung den selben Arbeitgeber und seit Jahren den gleichen Freundeskreis. Alles schien in Stein gemeißelt.

Bereits ein Jahr später gesellte sich zum Fräulein Wunder Miss Allerliebst (ursprünglich nicht geplant, denn wer will schon mit 40 noch einmal Eltern werden), zwei Jahre später trennte sich mein Arbeitgeber von mir. Alles war anders. Nichts schien mehr in Stein gemeißelt.

Mit dem Fräulein Wunder erblühte mein neues, soziales Ich. Und im Laufe der Zeit lernte ich, dass es so etwas wie Stillstand nicht gibt, es sei denn, man möchte dies unbedingt. Und manchmal zwingen einen die äußeren Umstände quasi dazu, seinen Horizont zu erweitern.

(mehr …)

Gestern hatte ich die Ehre im Zuge der Geburtstagsfeier meiner urältesten Freundin nach Jahren mal wieder eine echte Diskothek von innen zu sehen.

Ich hatte im Vorfeld keine großen Vorstellungen und Erwartungen. Es hieß immer nur, die Location sei ganz eigen aber schön und die Musik sei auch gut.

Der erste Eindruck war dann auch sehr positiv. Viel Raum, eine große Bar, genug Sitz- und Kuschelmöglichkeiten am Rand und eine Tanzfläche, die zu Beginn noch recht spärlich mit zwei tanzenden Frauen gefüllt war und ausnahmsweise nicht wie eine Arena wirkte.

Bei näherer Betrachtung der zwei tanzenden Mitmenschen bekam ich dann auch einen Vorgeschmack auf das Publikum dieses Etablissements und das ließ mich den ganzen Abend über breit grinsen.
Die beiden Damen schätze ich mal so auf Ende vierzig, mit 80er Jahre Dauerwelle, Bootcut-Jeans und ausgelassenen Tanzbewegungen. Die hatten so gar keine Hemmungen vor einer sich langsam füllenden Kulisse so richtig auf Michael Jackson abzugehen.

Je mehr Gäste hereinströmten, desto interessanter und schräger wurde es. Manchmal wusste man gar nicht, wo man zu erst hinsehen sollte. Da waren diese vielen Hausfrauen und Bürofachangestellten Anfang fünfzig mit modischer Kurzhaar-Stachelfrisur, dazwischen die (nur etwas) jüngeren, langhaarigen Highheels-Tussen, dann die übergewichtigen Mittfünfzigerinnen in Leggins und seltsamen Streifenkleidern und meine persönliche Favoritin die Frau, die wahrscheinlich kurz vor den sechzig stand, aber wie zwanzig aussehen wollte, in megakurzen Lederhotpans, über denen ihr Bauch sich in der zu engen weißen Bluse kugelte.
Dabei die Herren in Camp-David Hemden, ebenfalls im gesetzten Alter, die ganz Coolen mit Lesebrille im Ausschnitt ihres Hemdes, meist mit Glatze und extrem fragwürdigem Tanzstil.
Der DJ dann mit halblangen Haaren, Topfschnitt und Leopardensakko.

Das alles wirkte auf mich wie RTL 2 in echt, ihr versteht?

Was sie aber alle einte, war der Spaß an der Musik und der Bewegung. Selten habe ich einen Ort erlebt, an dem so viel Lebensfreude zusammen gekommen ist. Da gab es keine blöde Anmache, da wurde einfach getanzt. Da wurde nicht das „vertrauliche“ Gespräch gesucht, um dann ungeniert betatschen zu können, da wurde zum Fox gebeten. Da wurde gejubelt, wenn das richtig Lied kam und da wurde extrem ausdauernd dieser Flashmop zu „Fantasie Girl“ getanzt, auch nachdem das Lied schon seit mindestens einer halben Stunde vorbei war.

Die Musik war nun nur bedingt meins, was aber die „Show“ drumherum mehr als wett gemacht hat. Ein rundum gelungener Abend, der eigentlich so einmal im Jahr ein Muss sein sollte, und wenn es nur darum geht, sich einen Abend wie im Kino und dabei extrem jung und sexy zu fühlen.

Heute die 6 um 200 Gramm verfehlt. Macht aber nix. Fühle mich so schlank und sexy wie seit Monaten nicht mehr. Und das, nachdem ich das letzte Wochenende eigentlich nur gegessen und (Alkohol) getrunken habe. WW und Shred sei Dank!

Heute Eröffnung der Grillsaison im Schrebergarten einer Freundin, mit selbst eingelegten Putenschnitzeln und Nudelsalat. Ich fahre freiwillig, damit ich mir die Alkoholpunkte gar nicht erste einfange.
Morgen dann 65. Geburtstag meiner Mama, die die gesamte Familie und Freunde zum Brunchen ins Lokal einlädt. Da werden definitiv keine Punkte gezählt. Freue mich darauf, wieder in mein 40+1 Geburtstagskleid hineinzupassen.

So viel von der Körperfront. Wünsche euch ein ähnlich gelungenes und mit vielen schönen Momenten angefülltes Wochenende.

Ich habe Urlaub. Ursprünglich habe ich diesen beantragt, weil das Fräulein Wunder Osterferien hat. In ihren letzten Ferien habe ich immer gearbeitet, das bedeutete für sie frühes Aufstehen und Betreuung durch den Hort der Schule oder die Großeltern.
In meiner Kindheit waren Ferien damals Ferien: lange Ausschlafen, in den Tag hinein leben – Ferien eben. Das wollte ich dem Fräulein Wunder diesmal auch ermöglichen.
Doch Pustekuchen. Das Fräulein hat sich entschieden auf eine viertägige Freizeit zu Fahren.

Ich gebe zu, dass ich sehr, sehr stolz war und bin, dass sie sich das mit ihren sechs Jahren schon zutraut. Sie nahm sich eine Freundin zur Verstärkung mit und fuhr am Dienstag mit 25 anderen Kindern in die Ferienfreizeit in ein Keltendorf.

Mit der Verabschiedung hatte ich wenig Probleme. Ich wusste, dass sie jede Menge Spaß haben würde. Sie drückte mich zwar drei Mal öfter als sonst, hüpfte dann aber freudig von dannen, als es hieß es ginge endlich los.
Erst am Abend, als ich gemütlich mit meinen Käfer-Mamas beim Essen in einem netten Lokal saß fragte ich mich, wie es ihr wohl so geht. Was macht sie gerade? Liegt sie schon im Bett? Gab es etwas zu essen, dass sie mag? Hat die Zimmerverteilung zu ihrer Zufriedenheit geklappt? Vermisst sie mich?

Und auf der anderen Seite ist da Miss Allerliebst für die ich jetzt richtig viel Zeit und Muße habe. Wir haben den Dienstag im Schwimmbad verbracht, sind gerutscht und geschwommen, haben viele schöne Momente geteilt.
Für mich ist es beinahe wie eine neue Erfahrung mich nur auf ein Kind konzentrieren zu können. Die Aufmerksamkeit ist intensiver, zielgerichteter. Mit zwei Kinder hat man manchmal das Gefühl, auf Situationen nur reagieren zu können, jedes Kind gar nicht richtig für sich wahrzunehmen. Zudem hat uns der Alltag  immer im Griff. Da sind so viele andere Dinge die nebenher berücksichtigt werden müssen.

Als ich gestern Abend ins Bett ging – am zweiten Tag der Ferienfreizeit – spürte ich dann diese Sehnsucht. Das Vermissen meines Kindes: Ihre Stimme. Ihr Geruch. Ihre Präsenz.
Gott sei Dank nur ein kurzer Moment, aber im Hinterkopf bleibt, dass es noch zwei Tage sind, bis ich mein Mädchen wieder in die Arme schließen kann.

Verstärkt wird diese ganze Gefühlsduselei durch das Buch, das ich gerade lese. Es handelt sich dabei um einen wirklich brutalen, blutigen FBI-Thriller, aber es geht darin auch um Verlust. Den Verlust des Ehemannes und der einzigen Tochter der Ermittlern. Und um den Verlust der Mutter für ein 10jähriges Mädchen.
Der Autor beschreibt so eindringlich diese Dunkelheit, die Verzweiflung, diese monströse Welle des Schmerzes, dass es mir jedes Mal ganz anders wird.

Und dann denke ich an meine Kinder: Das eine weit weg auf großer Entdeckungstour und schmerzlich vermisst, das andere wohlbehütet in seinem Bett, die Decke weggestrampelt wie immer aber mit diesem allerliebsten, friedlichen Gesichtsausdruck, dass mir die Kehle ganz eng wird.

Manchmal vergesse ich im Trubel des Alltags, welch ein Segen meine Kinder für mich sind.  Wie sehr ich sie brauche und wie viel sie mir geben. Wie sehr ich sie liebe und welch großen Teil von mir sie ausmachen.
Es tut wirklich gut, daran erinnert zu werde.

Im Grunde beschäftige ich mich ja durchgehend mit mir und meinem Körper – speziell die Körpermitte. Hinten wie vorne. Und immer fühle ich mich zu dick und/oder unansehnlich. Dass das Schwachsinn ist weiß ich selbst. Hilft nur leider nix.

Also habe ich im Laufe der Zeit einiges an Diäten und Kram ausprobiert. Wirklich geholfen hat damals nur Weightwatchers. Ich brauche einen Plan, eine Vorgabe was ich wann in welchen Mengen essen darf. Das hat immerhin für 25 Kilo Gewichtsabnahme gesorgt.
Dann hörte ich mit dem Rauchen auf, das Fräulein Wunder und drei Jahre später Miss Allerliebst wurden geboren und schwups sind 15 Kilo wieder auf den Hüften drauf und haben sich da häuslich eingerichtet.

Ich fand leider nicht mehr so richtig den Dreh zurück in mein WW-Programm, so dass ich, als Miss Allerliebst so etwa ein halbes Jahr alt war, erst einmal mit Sport anfing. Das Laufen begleitet mich ja immer noch, meine Jillian Michaels DVDs auch immer mal wieder. Und ganz sicher hat der Sport dazu geführt, dass ich mich fiter und gesünder fühle. Aber so wirklich an den Kilos hat sich da auf lange Sicht nichts getan. Dafür mache ich das alles vielleicht zu unregelmäßig, setze im Winter gerne mal für längere Zeit aus, meist in den Vorweihnachtsfresswochen im November und Dezember.

Vor knapp drei Wochen hatte ich dann (mal wieder) die Nase voll. Irgendetwas musste passieren, weil die Hosen immer enger wurden und ich mich langsam aber sicher richtig unwohl fühlte.
Über Facebook wurde ich auf BodyChange aufmerksam. Vielleicht hat der ein oder andere schonmal etwas davon gehört. Zugpferd ist hier Detlef D.Soost, bekannt aus Funk und Fernsehen, erst als Choreograph bei „Popstars“ und dann als Fitnesscoach bei „The Biggest Loser“. Ich mag den Typ eigentlich. Irgendwie. Auch wenn ich, glaube ich, nicht mit ihm trainieren wollte.
Jedenfalls (ich schweife mal wieder ab), war schon vor der Anmeldung klar, dass diese „Ernährungsumstellung“ (so wird das Programm angepriesen) ohne Kohlenhydrate auskommen würde. Diese Idee, keine Nudeln, Reis, Kartoffeln und Brot mehr zu essen, fasziniert mich schon seit längerem. Ich konnte mir das überhaupt nicht vorstellen, da ich eher so der Beilagenesser bin. Nach dem Besuch eines Büffets ist mein Teller zu 3/4 mit Nudeln und zu 1/4 mit Fleisch gefüllt. Obenauf noch etwas Soße und gerne auch Gemüse und ich bin glücklich.
Jetzt also keine Kohlenhydrate mehr. Mich reizte diese Vorstellung und der „Gewichtsverlustrechner“ ermittelte stolze 15 Kilo, die ich in 10 Wochen abnehmen würde. Also meldete ich mich an, bezahlte 90 Euro für 10 Wochen Programm und sah mich schon schlank und glücklich.

Als ich mir das erste Video zu dem Thema „Welche Lebensmittel darf ich essen, welche nicht?“ ansah, bereute ich den Schritt allerdings gleich wieder. Besser kann eine Diät (oder „Ernährungsumstellung“) ja gar nicht starten, oder? Nach 5 Minuten bereits desillusioniert und verärgert zu sein. Aber der Reihe nach.
Nicht nur, dass ich ab jetzt keine Kohlenhydrate mehr zu mir nehmen durfte, auch Milchprodukte und Obst (!!) waren ab nun tabu.
Blieben noch Fleisch und Fisch (wobei ich letzteres nicht esse), Eier (davon jede Menge), Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse und die „Abnehmbooster“ Avocado, Limetten, Ingwer und Chili.
Joah, war jetzt nicht so prickelnd. Aber gut. Bezahlt ist bezahlt. Das wird doch irgendwie machbar sein.
Ab der dritten Wochen sollte Sport dazu kommen („Die ersten beiden Wochen konzentrieren wir uns nur auf deine Ernährung“). Ich erhielt ein pdf mit Rezepten, die meine Töchter wahrscheinlich schon nachkochen könnten und das eine Kochvideo mit Detlef, das ich mir ansah, wirkte extrem … dilettantisch. Überhaupt … ich habe mich gewissenhaft durch die FAQs und Anweisungen gelesen, benötigte dafür gerade mal ne Stunde oder so und musste immer wieder den Kopf schütteln, weil vieles für mich so gar nicht nachvollziehbar war. Da stand zum Beispiel unter „Umgang beim Essengehen oder Einladungen bei Freunden“ sinngemäß: Lernen sie nein zu sagen. Je öfter sie das probieren, desto leichter fällt es ihnen.
Bitte? Ich hatte sowas erwartet wie „Essen Sie lieber einen Salat statt Spaghetti“ oder „Ihren Döner können Sie auch auf dem Teller ohne Brot oder Pommer bestellen“.
Lernen Sie nein zu sagen. Ich war echt kurz davor mich aufzuregen.

Das beste an dem ganzen Programm – und das sage ich jetzt tatsächlich ohne jedwede Ironie – ist der eine Tag in der Woche, an dem man essen darf was man will! Man muss dem Körper nämlich ab und an ein paar Kalorien zum Arbeiten geben, sonst denkt er, es ist ne Hungersnot ausgebrochen und macht die Fettdepots dicht (so habe ich das zumindest verstanden).

Also die Reste meiner Motivation zusammen gekratzt und losgelegt.

In der ersten Woche war ich erstmal krank zu Hause. Von daher fiel mir die Umstellung etwas leichter. Erstaunlicherweise fehlten mir die Kohlenhydrate zu den warmen Mahlzeiten (also in unserem Fall am Abend) überhaupt nicht. Ich konnte mein Hackfleisch mit Karotten und Minze essen und den anderen dabei zusehen, wie sie ihre Nudeln dazu aßen. Nach einer Woche entdeckte ich im Bioladen sogar Linsennudeln, die für meinen Geschmack sehr nahe an normale Hartweizengriesnudeln ran kommen, die man aber, weil „Ersatzprodukt“, nur zwei Mal die Woche essen darf.
Seltsamerweise wurde in den BC-Rezepten gerne alles püriert. Manchmal kam ich mir da echt vor wie ein Kleinkind.

IMG_2862

Linsenpüree mit Putenschnitzel

Auch war es anfangs kein Problem mittags statt einem Wurstbrötchen drei Rühreier mit Wurst/Gemüse etc. zu  mir zu nehmen.

IMG_2863

Rührei mit Salami und Mandelbrot

IMG_2869.jpg

Avocado mit Tomaten, Falaffel, gefüllten Mini-Paprika und Rohkost

Nur das Brot. Ja, das Brot ließ sich leider selbst nach harter Recherche nicht wirklich adäquat ersetzen.

Ich backte Mandelbrot, das selbst der tolle Mann am Abend ungegessen wieder mit nach Hause brachte und das will etwas heißen.
Ich backte mir morgens Fladen aus Eiern, Kichererbsenmehl und Leinsamen und fand die nur so mitteltoll bis buäh.
Ich versuchte es mit Falaffel, das war vielleicht noch die schmackhafteste Alternative, die muss man aber auch aus Kichererbsenmehl zubereiten oder die Mischung von Alnatura kaufen (was ich gemacht habe), weil die kein zusätzliches Weizenmehl enthält. Also auch abends oder morgens am Herd stehen und brutzeln. Wie man eigentlich alles, was man zu sich nimmt in irgendeiner Form zubereiten muss und sei es nur, den Salat zu schnippeln, was mir auch extremst auf die Nerven gegangen ist.
Am Ende versuchte ich es dann mit sogenannten „Böhtchen“, Brötchen aus pürierten Kidneybohnen und Flohsamenschalen. Als ich dann morgens beim Frühstück in der Kantine saß und am vorletzten Bissen meines „Böhtchens“ herumwürgte, beschloss ich, dass es nach zwei Wochen nun endlich genug sei.
Wer bin ich denn sag mal? Mein Leben ist zu kurz um mich von Zeug zu ernähren, das mir nicht mal im Ansatz schmeckt, mir Obst zu verkneifen, obwohl man doch von Kindesbeinen an gesagt bekommt, dass das sehr gesund sei und selbst der Joghurt und die Scheibe Käse auf dem (nichtvorhandenen) Brot Teufelszeug ist. Ich dachte wirklich sehr oft „So ein Schwachsinn!“.

Was man dem Programm zu Gute halten muss: Es wirkt. Ich habe in den zwei Wochen 1,6 Kilo abgenommen. Und der „Ich-darf-essen-was-ich-will-Tag“ ist natürlich schon auch cool. Essen ohne Reue, das hatte ich schon eine ganze Zeit nicht mehr so wirklich.
Zudem führt der Verzicht von Kohlenhydrate dazu, dass man weniger Heißhunger hat (eigentlich gar nicht) und sich nicht so vollgestopft fühlt.

In sofern haben mir diese zwei Wochen schon etwas gebracht. Ich habe mich reumütig wieder bei Weightwatchers angemeldet und bin sozusagen nahtlos in dieses neue Programm übergegangen. Ich werde mir auf jeden Fall öfter die Kohlenhydrate zu den Mahlzeiten sparen und mein Brot, und sei es nur Knäcke, mit jedem Bissen genießen.

Guten Appetit.

 

 

 

 

 

Da mich gerade meine Laufmotivation ziemlich im Stich lässt und ich zudem noch erkältet bin und somit gar nicht laufen könnte, selbst wenn ich wollte, bastle ich mir heute mal meine eigene Motivations- und Erfolgswand.

Nachdem meine Freundin Michi und ich im letzten Jahr beim Frauenlauf in Mannheim gestartet sind, hatten wir Blut geleckt und wollten mehr.
Also starteten wir in diesem Jahr recht früh am 21. März beim 29. Sandhofener Straßenlauf. Es war noch recht frisch, das Wetter die letzten Tage nicht so berauschend. Dafür kam während des Laufs die Sonne heraus und die Strecke, die über zwei Runden à 5 KM hauptsächlich über Feld und am Ende durch ein Wohngebiet führte, war sehr angenehm.
Grundsätzlich ist es bei solchen Läufen so, dass man am Start losläuft und einen dann nach und nach alle schnelleren Läufer überholen.

IMG_2232IMG_2233
_AX_1139

Nach einer gewissen Zeit kommen dann nur noch vereinzelt Läufer von hinten angerannt und um mich herum sind nur noch Teilnehmer, die in etwa meine Geschwindigkeit laufen. Und immer ist einer dabei, der einen Tick schneller läuft als ich. An den hänge ich mich dann dran.
In Sandhofen war es ein Mann, der seine Runtastic-App auf volle Lautstärke gestellt hatte und der mir sozusagen zwischendurch immer wieder einen Zwischenstand lieferte. Zudem hat er ganz furchtbar geröchelt und hatte einen seltsamen Laufstil. Den habe ich versucht immer hinter mir zu halten. Ich weiß nicht, was gegen Ende mit ihm passiert ist, denn beim Zieleinlauf war er nicht mehr da. Und so schnell war ich leider nicht um ihn wirklich abgehängt zu haben. Aber er hat dafür gesorgt, dass ich eine wirklich richtig gute Zeit gelaufen bin. 10 Minuten schneller als in meinen bisherigen Trainings!

LaPrintCertificate

Gesamtteilnehmer 10 km: 593
Platz Gesamtwertung: 543

Gesamtteilnehmer Klasse W40: 56
Platz Klasse W40: 47

Gesamtzeit: 1:04 Stunden
Pace pro KM: 6:40 Minuten

Dann gab es eine längere Pause, bis zur Hitzeschlacht beim 2. Frauenlauf in Mannheim am 3. Juli 2015. Auf dieses Ereignis hatten wir mittwochs im Lauftreff hingearbeitet, hatten dort neue Freundschaften geschlossen und fühlten uns einigermaßen trainiert für die knapp 6 Kilometer.

11229280_862216650512629_5389774519683062798_n IMG_2440 11659439_1436597953332042_884706766170916746_n

Dass es dann fast 40 Grad haben würde, damit hatte im Vorfeld keiner gerechnet und nachdem sich dies dann die letzte Woche vorher abzeichnete, hieß das Motto: einfach loslaufen, durchhalten und unterwegs nicht umkippen.
Die Strecke führte diesmal komplett durch und um den Luisenpark herum. Somit war für recht viel Schatten gesorgt. Außerdem hatte man die Wasserstationen verdoppelt und unterwegs Rasensprenger zur Abkühlung aufgestellt. Wie auch im letzten Jahr funktionierte die Organisation reibungslos. Selbst duschen konnten wir hinterher, trotz über 1.000 Teilnehmerinnen.
Ich möchte hiermit jedem, der gerne läuft oder walkt, diesen Frauenlauf ans Herz legen. Es macht so viel Spaß und ist mehr ein Event denn ein Lauf. Nicht umsonst lautet das offizielle Motto „Laufen wie es mir gefällt“. Hier kommt es nicht auf Zeiten, sondern auf den Spaß an. Und den hat man vorher, während und hinterher.
Tatsächlich haben wir dieses Jahr durch die Teilnahme am Lauftreff und unsere Anmeldung als Engelhorn-Sports-Lauftreff-Gruppe, den Pokal für die größte teilnehmende Gruppe gewonnen. Mit Preisverleihung und allem Zipp und Zapp.

11709315_911126545625054_5393039547553335192_n IMG_2450

certificate1058

Gesamtteilnehmer 6 km: 1044
Platz Gesamtwertung: 329

Gesamtteilnehmer Klasse W40: 392
Platz Klasse W40: 96

Gesamtzeit: 36:33 Stunden
Pace pro KM: 6:10 Minuten
(ca. Angabe, da die Länge der Strecke nicht so ganz eindeutig zu ermitteln ist)

Es folgte der 1. Frauenlauf Ludwigshafen am 4. September 2015. Leider konnte meine Freundin Michi diesmal nicht mitlaufen, da sie im Urlaub weilte. Also habe ich das erste Mal einen Lauf mehr oder weniger alleine bestritten. Wobei auch auf diesen Lauf im Lauftreff hingearbeitet wurde, so dass sich viele Mittwochs-Mädels dort einfanden.
Aber erst einmal hieß es sich anstellen, um sich seine Startnummer und Lauf-Shirt abzuholen. Das hat mir in Mannheim besser gefallen. Da kann man ein paar Tage vorher alle Unterlagen bei Engelhorn-Sports abholen und ist somit vorab gerüstet.

IMG_2501
Der Veranstaltungsort war ziemlich cool, direkt am Rhein, Start und Ziel vor der Bar, viele Zuschauer und Mitläufer. Hier war die größte Herausforderung definitiv die „Schneckennudel-Brücke“ die zur Parkinsel hinüber führt.

image

Auf dem Hinweg ging es noch einigermaßen. Ca. Kilometer 1,5. Aber auf dem Rückweg, etwa Kilometer 4,5, ist das schon wirklich fies. Und dieser Drehwurm von Brücke scheint kein Ende zu nehmen. Aber wie hat meine Lauftrainerin Gaby immer gesagt: „Das mit den Anstiegen ist nur ne Kopfsache.“ Daran muss ich wohl noch arbeiten.
Die Strecke war etwas länger als in Mannheim, die Temperaturen wesentlich angenehmer. Und hinterher gab es noch einen kleinen Sekt mit Maracujasaft und die Siegerehrung mit beleuchtetem Rheinpanorama im Hintergrund. Schöööön. Und auch noch schnell wie der Wind gewesen. Was will man mehr?

certificate457

Gesamtteilnehmer 6,5 km: 616
Platz Gesamtwertung: 248

Gesamtteilnehmer Klasse W40: 226
Platz Klasse W40: 83

Gesamtzeit: 39,20 Stunden
Pace pro KM: 6:00 Minuten

Der letzte Lauf fand dann vor kurzem, am 20. September 2015 statt: Der 21. Mutterstadter Volkslauf. Leider musste ich auch hier kurzfristig alleine starten, weil Michis Sohn krank geworden war. Das empfand ich schon als Herausforderung. Nach Mutterstadt, wo ich noch nie gewesen war, zu einem Lauf, den ich nicht kannte. Aber auch das war dann gar kein Problem. Ich traf auf dem Weg vom Auto zum Veranstaltungsort sogar einen guten Freund meiner Eltern und so war die Wartezeit vor dem Start und bis zur Siegerehrung angefüllt mit Fachsimpeleien.

IMG_2538 IMG_253920-mutterstadter-volkslauf_53555_30449

Auch bei diesem Lauf habe ich wieder jemanden gefunden, der mich ein paar Kilometer mitgezogen hat. Die Frau und ich liefen bestimmt zwei bis drei Kilometer zusammen, wobei ich immer den Eindruck hatte, sie macht das ganz locker und ich keuche aus dem letzten Loch. Aber dann, ganz plötzlich, blieb sie stehen und ich lief weiter. Später trafen wir uns bei der Getränkeausgabe und sie bedankte sich fürs Mitziehen und erklärte, sie habe Seitenstechen gehabt und hätte das Tempo nicht mehr mitlaufen können. Wie man sich doch manchmal täuscht.
Die 10 Kilometer waren toll. Zwei Runden durch den Mutterstadter Wald, die Sonne kam später noch heraus und es regnete, trotz meiner Befürchtungen, nicht. Meine Zeit war auch prima. Eine ganze Minute schneller als in Sandhofen zu Beginn der Saison. Wenn ich jetzt noch die Zeiten vom 6 Kilometer-Lauf auf einen 10 Kilometer-Lauf übertragen könnte, wäre ich der King.

Bildschirmfoto 2015-10-03 um 09.11.00

Gesamtteilnehmer 10 km: 338
Platz Gesamtwertung: 307

Gesamtteilnehmer Klasse W40: 23
Platz Klasse W40: 14 (das klingt doch cool, oder :D)

Gesamtzeit: 1:03 Stunden
Pace pro KM: 6:30 Minute

In diesem Jahr stehen noch zwei 10 Kilometer-Läufe in Maxdorf und Feudenheim an. Auf letzteren arbeitet gerade der Lauftreff hin, sodass wir auch dort sicherlich wieder mit mehreren Mädels starten. Wenn alles läuft wie geplant, haben Michi und ich damit erfolgreich am Engelhorn-Cup teilgenommen. Das wäre doch mal was.

Ich glaube, ich bin jetzt schon viel motivierter.

Es gibt so viele Gründe, warum hier in letzter Zeit keine Beiträge mehr erscheinen. So viel hat sich grundlegend in unserem täglichen Leben geändert.

Das, was uns zeitlich am meisten durcheinander wirbelt ist wohl, dass ich wieder angefangen habe zu arbeiten. Und ich liebe es. Ich hatte ganz vergessen wie befriedigend es sein kann, nicht mehr nur „die Mama von“ zu sein, eigene Entscheidungen zu treffen und Erfolgserlebnisse jenseits vom Alltag als Hausfrau und Mutter zu haben. Ich habe tolle Kollegen, eine anspruchsvolle, aber machbare Aufgabe, die mich jeden Tag wieder auf eine angenehme Art fordert und kann für vier Stunden einfach Ich sein. Und auch wenn diese Stelle nur bis Ende des Jahres befristet ist, hat sie mich doch schon jetzt so viel weiter gebracht, meinen Horizont erweitert (man muss sich mal vorstellen, dass ich 26 Jahre lang nur einen einzigen Arbeitgeber hatte) und mir gezeigt, dass ich immer noch flexibel und rege im Kopf bin. Vielleicht kann das der Ein oder Andere da draußen nachvollziehen.

Ein paar Wochen vor meinem Arbeitsantritt wurde Miss Allerliebst zudem ein Kindergartenkind. Bis zu den Sommerferien stand ihr das Fräulein Wunder dort noch zur Seite, was vieles einfacher machte. Zum Beispiel die Eingewöhnung in der Frühgruppe. Denn durch meinen Start in die Arbeitswelt verschoben sich auch die morgendlichen Zeiten der Kinder. Die ersten Wochen brachte ich die beiden Mädels noch gegen halb neun in den Kindergarten, da ab da ihre Erzieherinnen anwesend waren. Doch schon bald fing ich früher an zu arbeiten und die Kinder mussten zwischen halb acht und acht in den Kindergarten. Bis halb neun werden dort alle Kinder in einer Frühgruppe betreut. Mit Erziehern, die Miss Allerliebst und das Fräulein Wunder nicht wirklich kennen.
Auch diese Hürde haben wir  inzwischen ganz gut gemeistert. Schwierig wurde es dann noch einmal nach den Sommerferien, als das Fräulein Wunder in die Schule kam. Denn ab da musste Miss Allerliebst morgens alleine in den Kindergarten und in die Frühgruppe.
In der ersten Woche weinte sie bereits zu Hause beim Zähneputzen, dass sie nicht in den Kindergarten sondern mit dem Fräulein Wunder in die Schule gehen wolle. Aber es half ja nichts. Ich blieb in der Anfangszeit noch ein bißchen mit ihr in der Frühgruppe, ließ mir in der Spielküche ein Frühstück richten oder legte mit ihr ein Puzzle, bevor ich mich dann doch verabschiedete.
Inzwischen klappt auch diese Verabschiedung mehr oder weniger reibungslos. Miss Allerliebst hat sich daran gewöhnt, ohne ihre Schwester den Kindergarten zu besuchen und alle Erzieher bestätigen mir, dass sie sich gut eingelebt hat und sich zurecht findet. Zudem sind nach den Ferien weitere, neue und jüngere Kinder in die Gruppe hinzu gekommen, was sie nun zu einer „Großen“ macht und das scheint ihr ausnehmend gut zu gefallen.

Tja. Und dann ist da natürlich das Fräulein Wunder. Mein wundervolles, großes Schulkind. So viele Gedanken, die ich mir im Vorfeld gemacht habe. So viele Ängste und Befürchtungen, die ich hatte und die ich sie nie spüren lassen wollte.
Sie freute sich wie wahnsinnig auf die Schule. „Mama, gell, jetzt fängt der Ernst des Lebens an?“ „Hm, was ist denn der Ernst des Lebens für Dich?“ „Na, da kann ich endlich alles alleine lesen und darf ins Bett gehen wann ich will.“ So viel also zu den Träumen einer Sechsjährigen.
So viel war vorab zu organisieren. Der Hortplatz, den wir quasi in letzter Minute bekamen, die ewig lange Liste mit Schulmaterialien, die besorgt werden wollten, die Suche nach dem richtigen Schulranzen, der passenden Schultüte, das Beschriften jedes Heftes und jedes Buntstiftes und das Organisieren der Einschulungsfeier.
Und dann der große Tag. Ich glaube, ich war aufgeregter als das Fräulein Wunder selbst. Würde alles klappen? Wie würde sich das Fräulein in der Schule und in ihrem neuen Hort zurecht finden? Der schlimmste Moment war für mich, als nach der offiziellen Feier in der Schulturnhalle die Kinder einzeln aufgerufen und ihrer jeweiligen Klassenlehrerin zugeteilt wurden. Als sie dann gemeinsam einfach so aus der Turnhalle spazierten, standen mir dann doch die Tränen in den Augen. Zum Einen natürlich vor grenzenlosem Stolz und zum Anderen wegen einer gehörigen Portion Wehmut. Da ging sie dahin mein Baby. Irgendwie hatte ich sie doch erst gestern noch als kleines Bündel an mich gedrückt, meine Nase in ihrem weichen Babyhaar versenkt und ihr Küsse auf die Wange gedrückt, ohne dass sie hinterher das Gesicht verzieht, laut „Bääääh“ ruft und sich demonstrativ die Wange abwischt. Hach!
Inzwischen ist eine Woche Schule vergangen. Und alle meine Befürchtungen und Ängste haben sich in Luft aufgelöst. Am meisten Bedenken hatte ich wegen des Horts, da sie als einzige aus ihrer Klasse und ohne ihre langjährigen Freunde dort hin geht. Aber bereits am zweiten Tag verkündete sie mir, sie habe eine Freundin gefunden und ich solle sie am nächsten Tag doch bitteschön etwas später abholen. Meine Tochter!
Sie macht meist schon im Hort selbstständig ihre Hausaufgaben („Mama, das ist voll Baby!“), sie muss sich (als in dieser Hinsicht verwöhnte Erstgeborene) mit dem Mittagessen dort arrangieren („Ich hab‘ die Soße ein bißchen abgekratzt, aber es war trotzdem eklig.“) und sich mit ihr fremden Menschen auseinander setzen („Ich habe so ein Glück, dass ich so eine nette und freundliche Lehrerin habe.“). Noch findet sie die Schule total spannend, freut sich jeden Morgen wieder hin gehen zu dürfen und sehnt den Tag herbei, an dem sie endlich lesen kann.
Wie sehr sie all dies Neue belastet, merkt man dann erst am Nachmittag. Wenn die Kräfte langsam schwinden, wenn sie müde wird. Dann reicht irgendeine Nichtigkeit, dass sie förmlich explodiert. Dann wird geschrien und geheult und getobt. Wir kennen dies ja nun schon, seit sie geboren wurde, aber es bringt uns immer noch relativ schnell an unsere Grenzen. Es ist, als renne man immer wieder mit voller Wucht gegen eine Betonwand. Da hilft kein Reden, kein Zuhören, kein Schimpfen, kein Schreien, kein Beschwichtigen, keine Liebesbekundungen. Das müssen alle Beteiligten einfach aushalten so lange es dauert. Auch gerne mal eine Stunde am Stück. Danach sind wir alle erschöpft, aber irgendwie auch geerdet.
Unfassbar wie schwer und kräftezehrend es ist, äußerlich und innerlich zu wachsen.

Und so rast die Zeit dahin. Vielleicht schaffe ich es in Zukunft ja doch ab und an, sie hier ein klein wenig festzuhalten.