… und ich habe lediglich sieben Blogeinträge in 2019 verfasst. SIEBEN!
Immerhin sind das fünf mehr als letztes Jahr, aber trotzdem. Ich ärgere mich über mich selbst. Über meinen Unwillen, hier Dinge, die mich bewegen „zu Papier zu bringen“. Und es hätte sehr viel zu erzählen gegeben. Gerade das letzte halbe Jahr glich einer Achterbahnfahrt:

Ende Juli starb meine Mama. Nicht gerade unerwartet, aber doch plötzlich. Bisher konnte ich mich noch nicht dazu durchringen hierzu etwas aufzuschreiben. Je intensiver ich mich mit ihr und ihrem Tod beschäftige, umso mehr tut es weh. Ab und an blitzen Erinnerungen an sie auf und dieses Gefühl des Vermissens ist sehr präsent. Der Gedanke „das muss ich Mama erzählen“ kreist in letzter Zeit auch öfter durch mein Hirn, gefolgt von der Enttäuschung, dies jetzt nicht mehr tun zu können.

Zwei Wochen nach der Beerdigung flogen wir zwei Wochen in den Süden in Urlaub. Es war ein komisches Gefühl, als würde ich mit Tempo 100 gegen eine Wand fahren. Vorher war so viel zu organisieren, so viel zu tun gewesen, dass ich gar nicht richtig zum Nachdenken kam. Ich musste funktionieren. Für meinen Vater, meine Kinder, die zur Beerdigung angereiste Verwandtschaft.
Und dann saß ich am ersten Tag am Pool und mir wurde das erste Mal so richtig bewusst, dass meine Mutter nicht mehr da ist. Dass ich nicht nach Hause kommen und ihr vorschwärmen kann, wie schön es im Urlaub gewesen ist. Realität deluxe.

Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb haben wir den Urlaub sehr genossen. Wir haben viel gesehen, sehr viel gefaulenzt, noch mehr gegessen und meine Kinder hatten am Ende der zwei Wochen Schwimmhäute ausgebildet.

Am 11. September ging dann die Schule für Miss Allerliebst wieder los. Man kann jetzt nicht gerade behaupten, dass sie die Schule vermisst hätte, aber ihre Freunde schon. Noch im Urlaub redete sie nur davon, dass sie eine große Party schmeißen möchte, wenn sie wieder zu Hause ist und alle ihre Freunde dazu einladen möchte. Am besten mit Übernachtung. Und Tanz. Und Buffet. Ja Mama?
Ich antwortete eher ausweichend. Noch heute spricht sie davon, endlich diese Party zu feiern, aber andere Ereignisse kamen uns leider dazwischen (dazu später). Dieses Jahr wird es diese Party demnach nicht geben.

Einen Tag später, also am 12. September, hatte dann das Fräulein Wunder den ersten Schultag in der weiterführenden Schule. Alles neu. Alles groß. Alles ungewohnt. Ich denke manchmal, dass ich womöglich mehr aufgeregt war, als sie. Es ist unfassbar, wie locker sie diese Umstellung wegsteckt.
Von einer kleinen Dorf-Grundschule mit zwei Klassen pro Stufe, einer Klassenlehrerin die 90% des Unterrichts abdeckt und einem Schulweg von maximal 8 Minuten zu Fuß, hin in ein Gymnasium mit 4 fünften Klassen, mitten in der Innenstadt, mindestens 10 verschiedene Lehrer und 5 neue Fächer, darunter Latein, das ich jetzt so nebenbei mitlerne und einem Schulweg von 40 Minuten, der eine Fahrt mit der S-Bahn und einen strammen Fußmarsch durch die Innenstadt erfordert.
Es ist erstaunlich, wie locker sie geworden ist. Zu spät kommen, weil die Bahn Verspätung hatte? Kein Problem (alleine beim Gedanken daran stellen sich mir vor Unbehagen die Nackenhaare). Eine Aufgabe in der Mathearbeit nicht lösen können? Was soll’s (das hätte früher Tränen und Tobsuchtsanfälle ausgelöst).
Und da das Fräulein Wunder kein Mensch ist, der sofort und mit jedem innige Freundschaft schließt, hatte ich starke Bedenken wie es wohl sein wird, wenn ihr die Tragweite dessen bewusst wird, dass sie tatsächlich ganz alleine auf diese neue Schule geht.
Aber auch hier, große Überraschung. Mit ihrer Banknachbarin verstand sie sich wohl von Anfang an ganz gut und das war ihr auch vollkommen ausreichend. Vorsichtiges Nachhaken meinerseits brachte auch kein anderes Ergebnis. Sie vermisse nichts und käme gut klar. Na dann. Und natürlich trifft sie weiterhin ihre beiden besten Freundinnen hier zu Hause und auf dem Heimweg mit der Bahn fährt meist das halbe Dorf mit.
Trotzdem war ich irgendwie beruhigt und erleichtert, als das Fräulein diese Woche erzählte, dass ihr neuer Hogwarts Pullover so gut angekommen sei und sie ganz viele gefragt haben, wo sie den denn her hätte. Und als ich fragte, wer denn gefragt habe, zählte sie vier oder fünf Mädchen auf und erzählte nach Nachfragen, dass sie mit denen auch manchmal die Pausen verbringe und dass überhaupt manche Mädchen, von denen sie am Anfang gedacht hatte, sie seien doof, gar nicht so doof seien sondern im Gegenteil ganz nett. Das Mutterherz ist also etwas versöhnt.

Ende September dann der nächste Schlag. Der Schwiegervater erlitt einen schweren Schlaganfall. Und dies in der Nacht von Freitag auf Samstag, d.h. wir bekamen davon erst einmal gar nichts mit. Erst am nächsten Tag, als er nicht wie sonst zum morgendlichen Kaffeetrinken rüberkam, wurden wir stutzig.

Mittlerweile sind gute fünf Wochen vergangen. Fünf Wochen, in denen der tolle Mann hin und her pendelt zwischen Job, Familie, Krankenhaus und kaum Zeit zum Luftholen hat. Wochen, in denen wir uns erst mit der akuten Situation befassen mussten, die Ungewissheit über seinen Gesundheitszustand, der Frage, wie es jetzt weitergeht und den vielen organisatorischen Dingen.
Wenn irgend möglich soll er wieder zurück in sein zu Hause, aber es ist jetzt schon absehbar, dass er dort nicht mehr allein bleiben kann. Er ist körperlich nicht in der Lage sich zu versorgen und geistig auch teilweise zu sehr verwirrt. Also wird es auf eine Rund-um-die-Uhr-Pflege zu Hause hinauslaufen. Dies bedeutet aber auch, dass das Bad komplett behindertengerecht umgebaut werden muss, da alleine die Toilette nicht einmal mit einem Rollator oder ähnlichem begehbar ist.
Also kümmern wir uns um Firmen, die kommen, sich alles ansehen, Angebote abgeben und möglichst gestern mit dem Umbau anfangen können.
Hinzu kommt der ganze Formularkram, Pflegeversicherung, Krankenkasse usw. usw..

Es läuft gerade nicht wirklich rund. So viele emotionale „Altlasten“ trage ich noch mit mir herum, die Kinder sind teilweise sehr angespannt oder dünnhäutig (auch wenn ich jetzt nicht sagen kann, ob das entwicklungsbedingt oder umständehalber ist), der tolle Mann und ich sehen uns manchmal mehr so im Vorbeigehen, einen Abend ohne Kinder ist nicht mehr ganz so leicht wie früher, als meine Mama noch jederzeit bereit war auf die Mädels aufzupassen und es bleibt gerade wenig Raum für andere Dinge.

Doch wenn uns das letzte halbe Jahr eines gezeigt hat dann wohl, dass wir als Familie zusammenhalten, dass wir füreinander da sind und alle zusammen an einem Strang ziehen. Dass wir uns nahe sind und uns auch ohne Worte verstehen.
Und dass wir wundertolle Freunde haben, die jederzeit da sind. Die die Kinder ganz unproblematisch bei sich übernachten lassen, damit der tolle Mann und ich einen Abend alleine verbringen können. Die ihre Hilfe anbieten. Die auf der Beerdigung alleine mit ihrer Anwesenheit gezeigt haben, dass sie Anteil nehmen. Die nachfragen, sich sorgen und kümmern.
Und ich bin in all dem Unglück froh, so wertvolle Menschen um mich herum zu haben, mich auf Freundschaften mehr einlassen zu können, als ich es vielleicht früher getan habe und neue Chancen zu sehen und wahrzunehmen.

Das Leben geht weiter. Mit all seinen schaurigen, schrecklichen, schönen, freudigen, emotional anstrengenden und lustigen Seiten. Manchmal ist das schwer auszuhalten, aber manchmal ist das auch genau das, was mich über den Tag rettet.

Daher Danke. Ein fettes, großes DANKE.

Wer kennt ihn nicht: Den Schmachtfetzen schlechthin. Die Mutter aller Tanzfilme. Den sich alle Mädels Ende der Achtziger und auch noch Jahre danach immer wieder und wieder angesehen haben: Dirty Dancing.
Wir fieberten mit Baby mit. Wir schmachteten Johnny an. Wir lernten Mambo zu tanzen und die Hüften zu schwingen. Und wir konnten jeden Satz auswendig mitsprechen.
Und wenn man ganz genau hinhört, vernimmt man ihn gerade jetzt im Sommer immer wieder – Den legendäre Satz „Ich habe eine Wassermelone getragen.“

Als Mutter von zwei Töchtern ist es mir natürlich ein Anliegen, diesen Teil meiner Mädchenkultur weiterzugeben. Sozusagen ein Initiationsritus zur Vorpubertät (in der das Fräulein Wunder schon voll drinsteckt, aber das nur am Rande). Den kleinen Monstern ein wenig romantische Bildung näherbringen, auf dass sie vielleicht demnächst auch Hüftschwingend und „I’ve had the time of my life“ schmetternd mit mir durchs Wohnzimmer tanzen.

Also erklärte ich Ihnen, dass es da einen gaaaanz tollen Film gäbe, den ich das erste Mal gesehen hätte, als ich jung war und den ich unbedingt mit ihnen anschauen will. Es wäre ein Mädchenfilm. Noch besser, sogar ein Tanzfilm! Immerhin stehen sie auf die Eiskönigin und Trolls. Tanzen und Singen sollte also nicht ganz so verkehrt sein.
Um der berechtigten Skepsis meiner Kinder entgegenzuwirken (denn sind wir mal ehrlich, wenn unsere Mütter heute kämen und würden sagen, sie möchten mit uns unbedingt einen Film aus ihrer Jugend ansehen, der ja sooooo toll sei, wären wir anfangs auch erstmal skeptisch, oder?), schauten wir uns erst einmal den Trailer an.
Erster großer Fehler. Ich hätte mich vorher informieren sollen. Denn leider war dieser Trailer der schlechteste seit Menschengedenken. So schlecht, dass selbst ich mir kurz überlegte, ob ich den Film überhaupt sehen will.

Der vernichtende Satz des Fräulein Wunders war dann auch „Mama, du bist so altmodisch!“
(Kurzer Exkurs: Ich bin tatsächlich lieber altmodisch als uncool, obwohl ich nicht genau weiß, ob dazwischen überhaupt ein Unterschied besteht.)

Ich versuchte also zu retten, was zu retten war. Wie, ihr wollt den Film nicht sehen? Aber daraus stammt doch der legendäre Satz „Ich habe eine Wassermelone getragen.“ Den habt ihr doch bestimmt schon ganz oft irgendwo gehört. Oder? ODER?

Öhm … nun ja … den Gesichtern meiner Kinder konnte man ablesen, dass sie gerade überlegen, in welche Klapse sie mich einweisen sollen. Wassermelone? Schon klar.

Ich erklärte ihnen also, dass so gut wie jede Frau diesen Film schon mal gesehen hat und dass, egal wen sie fragen würden, jede diesen Satz kennt.

Natürlich hielten sie das, wenn nicht gerade für gelogen, dann zumindest für eine riesengroße Übertreibung. Hätte ich an ihrer Stelle womöglich auch.

Als wir also das nächste Mal mit ein paar Müttern und Kindern irgendwo zusammenstanden (das ergibt sich auch heute noch ab und zu, was sehr schön ist), lies ich einfach mal den Satz fallen „Ach übrigens, ich habe vorhin eine Wassermelone getragen.“ Und sofort schallte mir ein einstimmiges, jubelndes „DIRTY DAAAANCING!“ entgegen.

Ich sag mal so … meine Kinder denken nun womöglich, ich könnte übers Wasser gehen. Und ich werde sie natürlich nicht korrigieren.

Ab da löcherten sie mich ständig, was denn nun dieser Satz zu bedeuten hätte. Eine Wassermelone getragen. Das macht man ja schon mal wenn man einkaufen war. Was, die waren nicht einkaufen? Okay. Hm. Ist das dann ein Code für irgendwas? So, wie Spione sich unterhalten? Nein? Auch nicht? Aber warum sagt die das dann Mama?

Spiel, Satz und Sieg. Ha!

Wir einigten uns also darauf, dass wir den Film bis zu dem legendären Melonensatz gucken würden und wenn er ihnen dann immer noch zu altmodisch wäre, könnten wir ihn immer noch aus machen. Was, wie ich mir sicher war, nicht passieren würde, denn bis dahin wären sie schon so tief drin in dieser herzzerreißenden Story, dass sie ihn unbedingt zu Ende sehen wollen würden.

Letztes Wochenende war es dann so weit. Der tolle Mann verbrachte mit Freunden ein Männerwochenende im Odenwald (obwohl er sagte, er würde sich den Film sogar mit angucken) und wir Mädels kuschelten uns mit Brause und Knabberzeug auf die Couch.

Am Anfang wies ich darauf hin, dass der Film in einer Zeit spielt, in der es weder Handys noch Computer gegeben hat. „Aber Kameras hatten die schon, Mama, gell? Denn sonst hätten die den Film ja nicht drehen können.“ Mein Kind. So blitzgescheit.

Den ersten Auftritt von Johnny nahmen die Mädels vollkommen gelassen hin, während ich laut seufzte und ihn anschmachtete. Gott, war der da noch jung!! Dann fiel mir ein, dass Patrick Swayze auch schon seit einer Weile tot ist. Was mich wiederum traurig machte und noch nostalgischer werden ließ.

Dann die besagte Szene, als Billy mit den drei riesigen Wassermelonen auftaucht. Baby überredet ihn, sie mit zu der Party der Hotelangestellten zu nehmen und hilft ihm dafür mit den Melonen. Sie steigen die Treppe hinauf und kommen in diesen riesigen, stickigen Partyraum, in dem bereits wie wild getanzt wird.
„Uaah, das ist ja eklig!“ höre ich es zu meiner Rechten vom Fräulein Wunder. „Ja, voll eklig!“ bestätigt Miss Allerliebst mit gerümpfter Nase zu meiner Linken.
„Aber die tanzen doch total toll,“ sage ich, weiß aber natürlich, was sie meinen. Für die Kinder ist dieser Tanz wie Sex mit Klamotten an. Sie halten sich also die Augen zu oder machen Würgegeräusche, während Baby den Raum durchquert und sich an den Rand der Tanzfläche stellt.

Auftritt von Johnny und Penny.

„Die können aber viel besser tanzen als die anderen,“ kommentiert das Fräulein. „Ja, das sind ja auch die Tanzlehrer,“ nicke ich.

Dann entdeckt Johnny Billy mit Baby in der Ecke und hüpft tanzen zu ihnen rüber.
„Was macht die denn hier?“ fragte Johnny und Baby entgegnet vollkommen unzusammenhängend „Ich habe eine Wassermelone getragen.“

Mit triumphierendem Grinsen schaue ich meine Mädels an. Jetzt müssen sie doch einsehen, wie toll dieser Film ist. Wie herzzerreißend, wie romantisch, wie aufregend, wie …
„Mama, können wir jetzt BITTE was anderes gucken?“

Grummel.

Später, als die Kinder im Bett liegen, kuschele ich mich zurück auf die Couch und gucke den Film alleine weiter.
Im weiteren Verlauf des Abends bin ich dann eigentlich ganz froh, dass ich mit meinen Kindern kein Gespräch über Abtreibung, Sex und Betrug führen muss. Ich kann es genießen. In vollen Zügen.
Es macht auch gar nichts, dass ich schon vorher weiß, was als nächstes passiert. Im Gegenteil. Ich singe leise mit, ich murmle den Text vor mich hin und bekomme wie immer eine Gänsehaut und Pipi in die Augen, wenn die Hebefigur bei der Abschlussfeier endlich gelingt.

Als ich dann ein paar Tage später die Einkäufe in den Kühlschrank räume, kommt das Fräulein Wunder und sagt im Vorbeigehen „Ach Mama, hast du eine Wassermelone getragen?“ grinst breit und verschwindet im Garten.

Erwähnte ich schon, dass ich sie echt lieb hab?

Ich wohne auf dem Dorf. Nicht so ein Zwei-Bauernhöfe-und-ein-Tante-Emma-Laden Dorf sondern eher ein Wir-kennen-uns-alle-durch-Kiga-Schule-Verein Dorf.
Tatsächlich nennen wir zwei Kindergärten, eine Grundschule, einen Turnverein, einen kleinen Supermarkt und sage und schreibe drei Bäcker unser Eigen.

Mein perfektes Lebensbild wäre wahrscheinlich eine Mischung aus „Gilmore Girls“ und „Unsere kleine Farm“. Nähe und Geborgenheit, ohne seine Eigenständigkeit und Geheimnisse zu verlieren.

Ich habe früher einmal aufgeschrieben, wie es mir in meinem bisherigen Leben so mit Freundschaften und lieben Menschen erging (und wie ich jetzt mit Erschrecken feststelle, ist dieser Artikel schon 7 Jahre her). Ich wage zu behaupten, dass ich nicht gerade einfach bin. Ich denke zu viel nach, interpretiere und analysiere zu viel um entspannt mit dem Thema „neue Freundschaften“ umzugehen.

Heute fand nun der alljährliche Sommertagsumzug in unserem Dorf statt. Und ich stelle fest, wie viel sich mal wieder seit dem erwähnten Artikel geändert hat.

Inzwischen habe ich zwei Kinder, die zudem beide bereits den Kindergarten besucht haben und nun in der Schule sind. Ich gehe wieder arbeiten, bin also auf ein ganz anderes Freundschaftsgefüge angewiesen als damals, als ich noch in der Elternzeit zu Hause war und alle anderen Eltern unausweichlich unterwegs getroffen habe.

Das Schöne ist, dass inzwischen ganz viele Menschen in mein Leben getreten sind, die mir wichtig und lieb und teuer sind.

Die Eltern von Fräulein Wunders Freunden begleiten mich jetzt zum Beispiel schon fast 10 Jahre. Man kennt sich. Von öffentlichen Events, Veranstaltungen und Aktionen von Kiga und Schule. Von privaten Festen und Einladungen. Von gemeinsamen Aktivitäten und Ereignissen, die unsere Kinder gleichermaßen betreffen. Man läuft sich einfach sehr oft über den Weg.
Und mit der Zeit baut sich ein Vetrauensverhältnis auf. Ich finde es toll, wenn wir uns irgendwo zu irgendeinem Anlass im Dorf treffen. Wenn wir zusammen sitzen, die Kinder ihr eigenes Ding machen und wir uns darüber austauschen, was gerade aktuell so bewegt. Meist sind es ja die gleichen Dinge.
Und sehr oft geht dies alles auch über die Kinder hinaus. Man hat sich über die Jahre kennen gelernt. Hat gemeinsam auf Partys getanzt, Kuchen für einen guten Zweck verkauft, auf dem Spielplatz zusammen gestanden und sich über die kleinen und großen Dinge ausgetauscht.
All diese Menschen möchte ich nicht missen und sind für mich sehr, sehr wichtig geworden. Weil sie mich und mein Kind verstehen. Weil sie genau wissen wie es ist, sich für eine weiterführende Schule zu entscheiden oder die vorpubertären Phasen der zehnjährigen zu ertragen.
Da kann es auch schonmal passieren, dass man sich zufällig nachts um zwölf auf dem Bahnhof trifft und dann gemeinsam noch bis drei Uhr morgens zu Hause Ouzo trinkt.

Inzwischen hat auch Miss Allerliebst viele Freunde, die sie auch bereits seit einer kleinen Ewigkeit begleiten. Aus Gründen, die ich noch nicht einmal so wirklich benennen kann, passt das zwischen uns hervorragend.
Vielleicht auch, weil der tolle Mann mit den Jahren gelernt hat, sich ebenfalls zu öffnen. Vielleicht, weil er mit den Ehemännern dieser Mamas eher einen Draht gefunden hat. Keine Ahnung.
Fakt ist, wir haben uns im letzten Sommer ab und an mal zum gemeinsamen Grillen oder Essengehen (merke: Essen ist der Sex im Alter!) getroffen, wir Mamas schaffen es tatsächlich auch mal alle Vierteljahr, gemeinsam essen zu gehen.
Für mich ist dies gerade die richtige Mischung zwischen Nähe und Unverbindlichkeit, die ich genieße. Keiner von ihnen würde sich jetzt wundern, wenn er zwei Wochen nichts von mir hört, aber wenn wir zusammen sind, ist es immer sehr nahe und intensiv.

Und natürlich sind da die Herzmenschen, die wir durch die Kinder kennen gelernt haben. Die, die eben genau wissen, was gerade los ist, die sich kümmern und sich Gedanken um uns machen. Die so wichtig sind, die ich aber (immer noch) skeptisch betrachte, weil ich tief in mir drin damit rechne, dass sie irgendwann nicht mehr da sind. Und dies eher früher als später. Denn eigentlich, wenn man ganz genau hinschaut, bin ich nicht wirklich liebenswert.

Und so findet dieses Fest in unserem Dorf statt. Man trifft diesen und jenen, unterhält sich hier und da, umarmt und drückt wenige und am Ende des Tages sitze ich hier und bin sooooo froh, dass ich dieses gesellschaftliche Gefüge habe. Dass da Menschen sind, die uns als Familie kennen, denen wir wichtig sind, zu denen wir irgendwie und wenn auch nur entfernt gehören. Denen es auffallen würde, wenn wir von heute auf morgen verschwinden würden. Die beweisen, dass wir existiert haben und nicht völlig daneben waren. Die uns mögen, so wie wir sind. Die MICH so mögen, wie ich bin. Ein sehr, sehr schönes Gefühl.

Eigentlich war dieser Tag anders geplant. Eigentlich wollten wir am Nachmittag mit der ganzen Familie in die Stadt fahren und gemeinsam das Fräulein Wunder in ihrem Wunschgymnasium anmelden.
Tatsächlich fuhr ich dann aber alleine. Und das kam so:

Am Vorabend klagte das Fräulein über ein Jucken am Rücken. Und „Mama guck mal, ich hab da so komische Pickel im Gesicht.“

Nun muss man dazu sagen, dass der tolle Mann seit drei Wochen wegen einer Gürtelrose krank zu Hause ist. Weiterhin sollte man wissen, dass die Gürtelrose nichts anderes als das Windpockenvirus ist. 

Als nächstes studierten wir des Fräuleins Impfpass. Darin ist die „Varizellenschutzimpfung“ vorschriftsmäßig zwei Mal angekreuzt. Hmmm.

Also Termin beim Kinderarzt gemacht. Dort war man sehr gespannt auf das Fräulein Wunder, denn ein Kind, das trotz Impfung die Windpocken bekommen hat, gab es dort auch noch nicht.
So musste das Fräulein Wunder auch draußen warten, während ich uns anmeldete, und wurde dann durch einen Seiteneingang direkt in den Behandlungsraum geschleust.

Die Kinderärztin war sich dann schlussendlich nicht ganz sicher. Gegen Windpocken spricht, dass alle Pusteln gleich aussehen (bei Windpocken spricht man auch gerne vom „Sternenhimmel“ der sich auf der Haut abzeichnet) und dass sie vorschriftsmäßig zwei Mal geimpft ist.
Dafür spricht, dass die Dinger jucken und dass der Herr Vater mit dem gleichen Virus zu Hause auf der Couch liegt.

Schlussendlich entschieden wir, dass wir keinen Bluttest zur eindeutigen Bestimmung machen, da zum Einen bei einem positiven Ergebnis die Behandlungsmethode gleich bliebe und zum Anderen dieser Test eigentlich auch nicht mehr gemacht wird, da dieser teuer und für die Behandlung nicht erforderlich ist.
Das Fräulein Wunder wurde somit vorsorglich der Gesundheitsbehörde gemeldet und mit einer Emulsion zum Auftragen auf die Pusteln nach Hause geschickt. Kein Kontakt zu anderen Personen, bis der Ausschlag abgeklungen ist. Na toll!

Ich ließ mir also vom Fräulein Wunder noch einmal bestätigen, welche Schulen an welcher Stelle ihrer Prioritätenliste stehen sollten, ob sie tatsächlich lieber Naturwissenschaften als Sprachen wählen möchte und fuhr dann alleine in die Stadt und zur Anmeldung an der Wunschschule.

Als kurzen Einschub sei hier angemerkt, dass ich, ähnlich wie mein großes Fräulein Tochter, vor neuen Aufgaben, vor Dingen, die ich noch nie gemacht habe und neuen Herausforderungen ziemliches Nervenflattern habe. Da hilft es mir meist schon, wenn ich die Hand eines meiner Kinder halten kann und mir dabei einrede, ich muss ein Vorbild sein und darf keine Angst zeigen. Einfach machen, nicht darüber nachdenken. Dann geht das auch meist wunderbar.

Demnach war ich also schwer aufgeregt, als ich äußerlich sehr bestimmt, aber innerlich sehr, sehr aufgeregt, die Schule betrat.

Sie wirkte diesmal irgendwie anders, als am Tag der offenen Tür. Nüchterner. Wie eine abgeschminkte Diva. Trotzdem schon ein wenig vertraut und auch nicht unangenehm. 

Zum Glück wies direkt ein Schild in die richtige Richtung. Nach links und um die Ecke und dann standen dort schon ein paar Tische mit Formularen, die von mir noch ausgefüllt werden mussten.

Und als hätte es das Universum so vorgesehen, kam mir in diesem Moment die kleine Lateinlehrerin entgegen, die uns beim Infoabend so sehr beeindruckt hatte (sie erinnern sich an Linda aus „Lucifer“?). Sie fragte sofort total nett nach, ob sie mir irgendwie helfen könne, besorgte mir ein noch fehlendes Formular und erklärte mir kurz, was zu tun sei. Den Gruß vom tollen Mann richtete ich ihr dann allerdings doch nicht aus. Man soll es ja nicht übertreiben.

 

Nachdem alle Formulare ausgefüllt und ich die restlichen, mitgebrachten Unterlagen aus meiner riesigen Handtasche hervorgekramt hatte, begab ich mich dann zur eigentlichen Anmeldung.
Ich wurde von einer Kollegin der Lateinlehrerin in Empfang genommen, gab meine vielen Zettel ab, bekam eine Anmeldebestätigung und wurde freundlich gefragt, ob ich noch Fragen hätte.
Ich verneinte dies, musste aber unbedingt noch loswerden, wie toll ich den Lehrertanz am Tag der offenen Tür gefunden hatte und dass wir uns auch wegen dem tollen und lebendigen Vortrag der Lateinlehrerin für diese Schule entschieden hätten. Schleimer. Ich.

Beim Verabschieden erklärte mir die nette Dame, dass ich noch bei einem Herrn Doktor Sowieso vorbeischauen könne, der würde mich auch gerne kurz begrüßen und hätte noch eine kleine Überraschung für das Kind. Natürlich nur, wenn es meine Zeit erlaube.

Ha, sehr gut! Direkt eine Ausrede geliefert bekommen, warum ich jetzt nicht zu diesem unbekannten Mann an einen unbekannten Ort gehen konnte, wo ich nicht wissen würde, was ich sagen soll und der sich womöglich durch meine Anwesenheit eher gestört fühlen würde, denn ich hatte ja keine Fragen und auch kein Kind dabei.

Ich war schon wieder um zwei Ecken, die Treppe hinunter und nur noch zwei Meter von dem Ausgangsportal entfernt, als ich schließlich inne hielt und versuchte mich zusammen zu reißen.
Ein Gedanke ging mir dabei immer wieder durch den Kopf: „Es geht um die Zukunft deines Kinder. Was, wenn die sie hier jetzt nur nicht nehmen, weil du nicht zu dem Doktor sowieso gegangen bist und dich persönlich vorgestellt hast?“
Natürlich ist das eigentlich Schwachsinn. Da melden sich über 150 Kinder an. Der Doktor kann sich gar nicht merken, wer da war und wer nicht, zumal es ja durchaus auch meine kurz bemessene Zeit nicht erlaubt haben könnte, dass ich ihn besuche.
Andererseits wollte ich dann doch irgendwie keine Feigheit vor dem Feind zeigen.

Also umgedreht, die Treppe wieder hoch, in die andere Richtung zum Sekretariat. Als ich eintrat, stand der Herr Doktor Sowieso mehr oder weniger direkt vor mir und füllte einen „Ich bin krank und muss nach Hause“ Zettel für einen Schüler aus. Ich stellte sogleich fest, dass dies nicht der sympathische Direktor mit den schlecht sitzenden Anzügen von den Infoveranstaltungen war, sondern womöglich der Konrektor oder etwas ähnliches. Macht ja aber nichts.
Der nahm mich jedenfalls mit in sein Büro. Ich erklärte bereits auf dem Weg, dass das Fräulein leider mit Windpocken zu Hause sitzt, obwohl sie doch sooooo gerne mitgegangen wäre (gleich mal klarstellen, dass das Fräulein durchaus Interesse an dieser Schule zeigt), was den Doktor zu einer kurzen Mitleidsbekundung und der Übergabe eines Ü-Eis nötigte.
Ich legte meine Jacke ab, stellte die Tasche auf nen Stuhl und setzte mich an den kleinen Konferenztisch. Wir plauderten etwas (was etwas schwierig war, weil der Herr Doktor ein nicht ganz so lockerer Plauder-Mensch zu sein scheint) und nach zwei Sätzen wurde mir klar, der hatte eigentlich nicht vorgehabt, dass wir uns gemütlich an seinen Tisch setzen und plaudern.
Ich vermute mal, geplant war das Ü-Ei zu übergeben, zwei kurze Sätze zu wechseln und danach „Tschüss und Adios.“

Deshalb hasse ich solche Aktionen. 

Aber nun gut. Ich kürzte das Gespräch auf meiner Seite unauffällig ab, zog ganz schnell meine Jacke wieder an und verabschiedete mich gebührend.
Womöglich weiß er jetzt, wenn er des Fräuleins Namen irgendwo liest, dass das die mit der komischen Mutter ist, die sich gleich in seinem Büro breit gemacht und ihm die Ohren vollgequatscht hat. Ich hätte vielleicht noch das Ü-Ei in seinem Beisein auspacken sollen, dann hätte er sich ganz bestimmt an uns erinnert. Wobei … er wirkte nicht so, als hätte er das besonders lustig gefunden.

Erst als ich dann wieder auf der Straße stand, beruhigte sich mein Puls wieder. Ich bin nun aber trotzdem stolz auf mich, dass ich das alles so gut hinbekommen habe und bin glücklich, dass das mit der Anmeldung nun hinter uns liegt. Die ganzen Wochen des Informationen Sammelns, der ewigen Infoabende und des Hin und Her Überlegens sind jetzt vorbei. Alles Weitere liegt jetzt nicht mehr in unseren Händen. Haltet also die Daumen gedrückt.

(Achtung: Dies hier wird ein Eintrag über mein Ess- und Abnehmverhalten, über Punktezählen, Wiegetage und Frust. Deshalb: Wer das liest ist selbst schuld.)

Seit über zwölf Jahren esse ich nach Weight-Watchers Punkten. Mal mehr mal weniger ausgeprägt. Das erste Mal, 2006 bis 2007, nahm ich damit 25 Kg ab.
Dann hörte ich mit dem Rauchen auf, bekam zwei Kinder und hörte wieder mit dem Rauchen auf. Zurück blieben Plus/Minus 10 Kilo, die mich ärgerten.

Also griff ich wieder zu meinem bestens bewährten Abnehmmittel, zählte wieder Punkte und nahm die 10 Kilo wieder ab.
Jedes Mal, wenn ich kurz vor der 59,9 Kg auf der Waage stand, brach meine Motivation allerdings abrupt ab. Vielleicht, weil ich mich mit einem Gewicht knapp darüber eigentlich ganz wohl fühle.

Mein WW-Jahr 2018 war dann so lala. Die erste Hälfte schaffte ich es, mich nach dem traditionellen Fress-Dezember in eine annehmbare Bikini-Figur zurück zu punkten (wieder knapp vor der 5 auf der Waage), die ich dann innerhalb von nur drei Wochen Urlaub (davon 12 Tage All-Inclusive) wieder komplett über den Haufen warf – sprich mir in Null Komma Nix wieder vier einhalb Kilo anfraß (muss man auch erstmal schaffen!).

In der zweiten Hälfte dümpelte ich dann so vor mich hin. Mal 200 Gramm runter, mal wieder 700 Gramm hoch. Im Grunde herrschte Stillstand. In diesem Fall allerdings selbst gewählt, weil ich es nicht so wirklich schaffte, wieder zurück zu meiner Punktezählerei zu finden. Dafür, fand ich, lief es eigentlich ganz gut. Ich zählte nicht oder nur wenig und nahm nicht zu. Das ist ja schließlich das Endziel.
Außerdem machte ich viel Sport. Drei Mal die Woche je über eine Stunde. Ich schätze, das verhinderte ebenfalls Schlimmeres.

Ganz klassisch zum 01.01. diesen Jahres raffte ich mich also wieder auf. Konsequent wollte ich sein. Weiterhin meinen Sport machen. Mich auf das neue Programm mit viel Linsen, Eiern und Proteinen einlassen.

Und was soll ich sagen? So konsequent wie diesen Januar (und dann auch im Februar) war ich glaube ich seit meiner Anfangszeit nicht mehr. Ich schrieb jeden Pups in mein App-Tagebuch, freundete mich Magermilchjoghurt und Skyr an, stellte fest, dass Linsen und Kichererbsen ziemlich leckeres und sattmachendes Zeug sind und freute mich nach der ersten Woche über eine Abnahme von 1,5 Kilo (klar, nach Weihnachten und Silvester war die Umstellung der Ernährung für meinen Körper wahrscheinlich, als sei er mit 100 Sachen gegen ne Wand gefahren).
Natürlich würde es so flott nicht weitergehen, das war mir schon klar. In meinem Alter, von Mitte 40, liegt eine gute Abnahme normalerweise bei 500 bis 600 Gramm pro Woche. Plus/Minus.

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Also machte ich schön so weiter. Zählte selbst am Wochenende akribisch jeden Punkt, kochte mir was punktfreundliches wenn der Rest der Familie sich die Pizza schmecken lies, trank Cola light statt Rotwein, wenn der nicht mehr ins Punktebudget passte und war ansonsten auch sowas von konsequent.

Dann stellte ich mich nach einer weiteren Woche wieder auf die Waage.
Zunahme.
Uff.
Na gut. Ist halt so ne Phase. Muss der Körper sich erst wieder dran gewöhnen. Außerdem gibt es das immer mal wieder, dass die Abnahme stagniert. Das kann schonmal zwei, drei Wochen dauern. Alles kein Problem.

Um es abzukürzen: Den gesamten Januar UND Februar, also ZWEI Monate, insgesamt NEUN Wochen, tat sich .. NICHTS. Gar nichts. Mal eine kleine Abnahme, in der nächsten Woche wieder ne Zunahme.
Und das wo ich so konsequent wie noch nie war. Ich war den gesamten Januar und Februar, bis auf gaaaanz wenige Ausnahmen, jeden Tag blau (also innerhalb meiner Punkte), ich verbrauchte mein Wochenextra niemals ganz, ging weiterhin drei Mal die Woche in Sport und es half … NICHTS.

Mit jeder Woche die verstrich, wurde ich ein bißchen ängstlicher. Panischer. Was, wenn mein Körper bei irgendeinem ominösen Kalorienwert angekommen ist, bei dem er nicht mehr abnehmen will? Was, wenn ich noch weniger essen muss, um abnehmen zu können? Und im Umkehrschluss – um schlank zu bleiben muss ich mich also zukünftig an meine Abnahm-Punktezahl halten?
Mein Mittel, das die letzten 12 Jahre immer funktioniert hatte, zu dem ich immer greifen konnte wenn meine Hosen wieder zu knapp saßen oder ich eine Zeit lang lustvoll drauflos gegessen hatte, diese Rettungsstrategie für alle Gewichtslagen funktionierte plötzlich nicht mehr. Oh. Mein. Gott. Hilfe!

Ich begann irgendwann abends keine oder nur noch sehr wenig Kohlehydrate zu essen und sparte damit täglich zwischen sechs bis zehn Punkte. Zwei Wochen lang. Nichts.

Wir kauften uns tatsächlich irgendwann eine neue Waage, da ein Fuß der alten bereits an der Spiralfeder heraus hing und ich mir sagte, dass sie deshalb vielleicht nicht mehr richtig wog. Auch wenn ich im Grunde wusste, dass ich mir da was vormachte. Wer sich so lange und so intensiv mit sich, seinem Essen und seinem Gewicht beschäftigt, kann morgens beim Aufstehen einen Blick auf seinen Bauch werfen und auf zwei bis dreihundert Gramm genau vorhersagen, wieviel er wiegt.
Die neue Waage zeigte dann auch direkt zweihundert Gramm mehr an. Na toll!

Mein letzter Rettungsanker wäre noch gewesen, weniger Obst zu essen. Doch damit zögerte ich. Denn in einer Welt, in der Obst schädlich ist, will ich dann doch nicht leben.

Dann letzten Samstag die Erlösung. 700 Gramm weniger auf der Waage.

Ich versuchte mich erstmal nicht zu sehr darüber zu freuen, dann das konnte genau so gut eine Eintagsfliege sein.
Heute dann erneut Erfolg. Wieder 700 Gramm. Tschacka und Juchu und Konfetti und all das und noch viel mehr!

Wahrscheinlich kann sich ein Außenstehender das gar nicht wirklich vorstellen, wie sich das anfühlt. Von außen betrachtet sehe ich (und das kann ich inzwischen sogar auch vor anderen zugeben) ganz passabel aus. Ich fühle mich nicht schlank, andere behaupten das aber von mir. Das nehme ich so hin.
Wieviel Arbeit und Disziplin aber dahinter steckt, wieviel Eigen-Motivation und Kraft es immer wieder kostet, bei angebotenem Kuchen oder Süßigkeiten Nein zu sagen, wieviel Gedanken und Pläne zu meinem Essen ich mir täglich mache und wieviel manchmal eben doch Verzicht dabei ist, sieht man mir von außen nicht an.

Und jetzt hat dieses gut funktionierende System plötzlich versagt. Und ich fand keinen Plan B.
Ich habe Freundinnen die schwören auf Fasten. Entweder 5/2 oder 16/8. Kann ich nicht. Nicht essen ist für mich keine Option. Aber ich war soweit es auszuprobieren. Totale Panik.

Ich will nie wieder dick sein. Punkt. Manchmal träume ich davon, dass ich morgens aufwache und wieder 90 Kilo wiege. Schlimm.

Ich werde also auch weiterhin konsequent sein und hoffen, dass diese zwei Monate wirklich nur eine Stagnation war. Dass es eine Phase war, die vorüber ist. Puh!

Im Gegensatz zu Miss Allerliebst, die gerade erst mit der Schule begonnen hat, endet für das Fräulein Wunder die vierte Klasse in diesem Sommer und damit die Grundschulzeit.
Wir verbringen also gerade unsere Abende damit, uns jede Menge Gymnasien anzusehen um zu entscheiden, welche Schule das Fräulein ab September besuchen soll.

Bereits Ende letzten Jahres war das Thema „Weiterführende Schule“ schon sehr präsent. Tagtäglich bin ich mit Eltern von Kindern aus vierten Klassen zusammen. Sei es durch meine Käfermamas oder die Eltern der Klassenkameraden des Fräuleins. Jeden trieb und treibt dieses Thema um. So ein bißchen haben wir alle das Gefühl, die nächste, entscheidende Weiche für eine erfolgreiche Zukunft des geliebten Kindes zu stellen und da will man natürlich keinen Fehler machen.

Ich würde sagen, wir, als Familie, waren und sind relativ entspannt bei diesem Thema. Wir hatten das Glück, dass im Grunde von Anfang an feststand, welche Schulform das Fräulein im Anschluss an die Grundschule besuchen wird. Größere Gedanken und Pro-und-Kontra-Listen konnten wir uns dafür also sparen.

Ende Januar gab es dann die offizielle Grundschulempfehlung der Grundschule. Wie eigentlich jedes bisherige Elterngespräch mit der Klassenlehrerin, fiel dieses sehr positiv aus: Das Fräulein Wunder beteiligt sich rege am Unterricht, sie ist an allem interessiert und hat bei vielen Thema bereits ein sehr großes Wissen und, was immer wieder hervorgehoben wird, einen riesigen Wortschatz, den sie auch entsprechend anzuwenden weiß (meine Tochter!).
Die Mathelehrerin sprach einen Vorfall aus den vergangenen Wochen an, der sie doch sehr überrascht hatte. Das Fräulein reagierte auf Kritik bzw. auf einen gut gemeinten Hinweis mit Tränen. Was sich also bei uns zu Hause eher in Wurt und Türenschlagen äußert, wandelt sich in der Schule eher in Hilflosigkeit.
Es zeigte sich in diesem Beispiel sehr gut, wie hoch die Ansprüche sind, die das Fräulein an sich selbst stellt (möglichst immer perfekt zu sein) und da ihr das Meiste in der Schule einfach so zufliegt, kommt sie schnell ins Straucheln, wenn sich ihr etwas nicht so schnell erschließt oder sie sich etwas erarbeiten muss. Die Mathelehrerin meinte, das Fräulein Wunder müsse sich hier „ein dickeres Fell“ zu legen, was natürlich leichter gesagt als getan ist.
Dies ist eigentlich der einzige Punkt, der mich so ein bißchen kribbelig macht bei der Vorstellung, das Fräulein Wunder jetzt hinaus in die Welt und die weiterführende Schule zu schicken.

Und man glaubt ja gar nicht, wie schwierig es ist, sich für die richtige Schule zu entscheiden.
In der vergangenen Woche haben wir uns vier verschiedene Gymnasien angesehen (und warum diese Veranstaltungen grundsätzlich um 18.00 bzw. 19.00 Uhr beginnen und dann zwei Stunden gehen, wo doch die Kinder am nächsten Tag Schule haben, erschließt sich mir nicht so ganz. Die Großeltern sind auf jeden Fall im Dauereinsatz um Miss Allerliebst zu hüten). Heute folgt noch eines. Und da haben wir bereits unsere sehr ambitionierte Liste von sieben Schulen, die wir persönlich ansehen wollten, zusammengestrichen.
Die ersten drei sind im Prinzip auch die, ich möchte mal sagen, gängigsten Gymnasien der Stadt. Die, deren Namen immer wieder fallen, wenn man die Frage „Wo wird denn dein Kind hingehen?“ stellt.
Und dann sitzt man dort in Einführungsveranstaltungen, wandelt durch Flure und Klassenzimmer, sieht sich die liebevoll vorbereiteten Aktionen an, die jede Schule bietet und macht sich Notizen.
Die eine Schule legt viel Wert auf Naturwissenschaften und Technik, hat hierfür sogar etliche Preise gewonnen und nimmt regelmäßig an „Jugend forscht“ Wettbewerben teil. Der Keller besteht aus lauter Räumen, die dem tollen Mann die Tränen der Rührung in die Augen getrieben haben. Da gibt es 3D-Drucker, Standbohrmaschinen, Laptops und Tabletts und da werden u.a. Experimente mit Seilzügen und Trockeneis gemacht. Außerdem hat der Auftritt der Theater AG (ein absolutes „Muss“ Kriterium für das Fräulein Wunder) schwer beeindruckt.
Die nächste Schule hat viel hellere und schönere, weil frisch renovierte Räume. Zudem ist dies die einzige Schule, die das letzte Mal für diesen Jahrgang einen G9 Zug anbietet. Und die Lateinlehrerin (kennt jemand die Psychologin Linda Martin aus der Serie „Lucifer“? Genau so!) hat ihr Fach so voller Elan und Freude präsentiert, dass man sich durchaus vorstellen kann, dass Latein ab Klasse 5 eine tolle Sache sein könnte.
Die nächste Schule fährt in Klasse 7 in ein Segellandheim und bietet Italienisch als 3. Fremdsprache an.
Alle Schulen sind mit S-Bahn und Straßenbahn gut zu erreichen, bieten in der Anfangszeit besondere Kennenlern- und Klassenfindungsaktivitäten sowie Hausaufgabenbetreuung und warmes Mittagessen in der Mensa an.

Und nun? Weiß ich, ob mein Kind eher Interesse an Sprachen oder Naturwissenschaften hat? In Klasse 4?

Tatsächlich tendieren wir im Moment zur ersten Schule. Zum einen, weil das Fräulein Wunder sich diese als Favorit ausgesucht hat (wobei sie zwischen eins und zwei manchmal schwankt) und der tolle Mann und ich uns auch gut vorstellen können, dass das Fräulein Spaß an den ganzen technischen Dingen haben könnte. Aber macht man alles richtig? Und bekommt man überhaupt einen Platz?

Generell ist es so geregelt, dass man bei Anmeldung in seinem Wunschgymnasium drei Schulen nach ihrer gewünschten Priorität angeben muss. Ist in Prio eins kein Platz mehr, setzen sich die Vertreter der Schulen der ganzen Stadt zusammen und verteilen die restlichen, übriggebliebenen Schüler auf ihre Prio zwei und drei.

Ein Rektor erzählte, dass in den vergangenen Jahren etwa 120 Schüler aufgenommen wurden, nachdem sich ca. 150 Kinder beworben hätten. Nachrücker, also sprich Prio zwei Kandidaten, hätten sie gar nicht in den letzten Jahren gehabt, weil einfach keine Kapazität dafür da gewesen wäre.

Das macht die ganzen Überlegungen nicht gerade leichter.

So langsam haben wir aber immerhin einen Überblick gewonnen. Es kristallisieren sich Favoriten heraus, die in ihrer Priorität immer mal wieder vom Fräulein Wunder hin und her geschoben werden. Doch ich denke (und hoffe), dass wir am Ende gemeinsam eine Entscheidung treffen, mit der wir alle zufrieden sein können. Denn das ist ja das eigentliche Ziel.

 

Immer wieder bin ich erstaunt, wie groß meine Kinder inzwischen geworden sind. Sowohl im körperlichen Sinne, als auch in Ihrer Entwicklung.

Miss Allerliebst kam dieses Jahr in die Schule.
Erste Klasse.
Bye bye Kindergarten.

Der Übergang ist ihr sehr schwer gefallen. Aus der anfänglichen Freude „Juchu, ich komme in die Schule,“ wurde im Laufe des letzten halben Jahres im Kindergarten eine unbestimmte Angst.
„Mama, ich kann gar nicht in die Schule gehen, weil ich doch gar nicht lesen und schreiben kann.“ Oder auch „Mama, kann ich in der Schule auch noch mit L. in der Bauecke spielen?“

Der erste Schultag. Aufregend!

Der erste Schultag war natürlich trotzdem ein riesen Ereignis und so ein bißchen war die Miss natürlich auch neugierig und freute sich, jetzt ein großes Schulkind zu sein.

Die ersten Tage und Wochen vergingen dann auch wie im Flug. Doch wenn man Miss Allerliebst fragte, ob es ihr in der Schule gefalle, kam entweder keine oder eine eher ausweichende Antwort.
Sie vermisste den Kindergarten und ihre Freunde dort sehr. Lediglich ein Mädchen aus ihrer Kindergartengruppe wechselte mit ihr in die erste Klasse (diese ist aber zugleich ihre allerallerbeste Freundin, von daher alles gut), die restlichen blieben zurück und kommen erst im nächsten Schuljahr nach.
Oft holte sie den Erinnerungsordner hervor, den alle Schulanfänger beim Abschied aus dem Kindergarten von den Erziehern überreicht bekamen. Sie blätterte darin, sah sich die alten Fotos an, seufzte oft und anhaltend wie eine alte Frau und stellte immer wieder fest, wieviel schöner es doch damals dort gewesen war.
Das Spielen fehlte ihr. Das „Machen können was man will“. Die festen, ungewohnten Strukturen, das Lernen und alles im Gleichtakt behagte ihr nicht sonderlich. So ist es auch wenig verwunderlich, dass immer noch Sport und Schwimmen ihre Lieblingsfächer sind. Und Religion! Darüber lässt sie nichts kommen. Da unsere Pfarrerin den Unterricht für die ersten beiden Klassen abhält, kann ich das auch gut verstehen.
 
Natürlich waren auch gerade die Hausaufgaben am Anfang ein Problem. Wer hat schon Lust, nach der Schule immer weiter zu lernen und Aufgaben zu lösen?
Wie das Fräulein Wunder macht die Miss ihre Hausaufgaben in der Hortbetreuung nach der Schule. Aber anders als das Fräulein, fällt es der Miss schwer die Notwendigkeit dieser Aufgaben einzusehen oder auch das Ganze so ernst zu nehmen, wie das ihre Schwester tut.
Da die Schulanfänger in den ersten Monaten natürlich noch nicht schreiben können, müssen sie sich bei der Vollständigkeit ihrer Hausaufgaben auf ihr Gedächtnis und ein paar sehr schlecht haftende PostIts verlassen. Und wir Eltern auch.
Ein paar Mal haben wir tatsächlich eine vergessene Hausaufgabe morgens zwischen Toastbrot und Zähneputzen gemacht. 

Auch hat Miss Allerliebst es fertiggebracht, in Mathe aus drei klar erkennbaren Ansammlungen von Fischen, die man zählen und die Ergebnisse unten drunter schreiben sollte, durch spektakuläre Umrandungen über das ganze Blatt, vier Fischgruppen zu machen und vier Ergebnisse aufzuschreiben. So um die Ecke zu denken wäre dem Fräulein Wunder (und mir auch) niemals eingefallen. 

Vor zwei Wochen hatten wir nun mit der Klassenlehrerin das erste Elterngespräch, das in der ersten Klasse auch das Halbjahreszeugnis ersetzt.

Auf die Frage, ob Miss Allerliebst denn gerne in die Schule gehe, konnten der tolle Mann und ich nur antworten, dass es inzwischen besser geworden sei, aber am Anfang schon sehr schwierig für das Kind war. Die Lehrerin nickte. So hatte sie das auch empfunden. Aber das wäre ganz normal. Vielen Kindern gehe das so. Keine Sorge.
Dann legte sie uns ein Blatt vor, in dem sich die Kinder selbst zu ihren Leistungen einschätzen konnten. Lesen, Schreiben, Rechnen aber auch Ordnung halten, Konzentrationsfähigkeit, Arbeiten mit Anderen usw.. Daneben hatte die Lehrerin ihre Einschätzung vorgenommen.
Es war schön zu sehen, dass Miss Allerliebst ein gutes Gefühl für ihre Arbeit hat. Sie hat sich ganz oft im grünen Bereich gesehen, was sich mit der Einschätzung der Lehrerin deckte. Ab und an malte die Miss im Gegensatz zur Lehrerin einen Kreis gelb an. Also zu selbstsicher ist sie dann auch nicht. Das beruhigt.
Das Thema Hausaufgaben war z.B. so ein Kreis. Miss Allerliebst stufte sich da also eher bei „mittel“ ein, Die Lehrerin hatte einen grünen Kreis mit einem kleinen, gelben Rand gemalt.
Sie erklärte uns, dass Miss Allerliebst mit dem Thema Hausaufgaben etwas zu kämpfen habe. Gerade ein paar Wochen vor Weihnachten sei es besonders auffällig gewesen. Da hätte öfter etwas gefehlt.
Ich sah sofort den Stempel „Rabenmutter“ auf meiner Stirn.
Die Lehrerin meinte dazu, dass sie ja wisse, dass wir sehr entspannte Eltern seien (der tolle Mann und ich überlegen immer noch, ob wir das als Kompliment auffassen sollen) und sie habe dieses Thema deshalb mit Miss Allerliebst alleine geklärt.
Und siehe da, mit den Hausaufgaben klappe es besser. Die Lehrerin erzählte, Miss Allerliebst sei vorher immer in gedrückter Stimmung und eingezogenem Kopf in den Unterricht gekommen, quasi das wandelnde, schlechte Gewissen, weil sie wusste, dass wieder etwas an den Hausaufgaben fehlt. Jetzt sei sie aber wieder fröhlich und aufgeweckt. Gott sei Dank!
Inzwischen schreiben die Kinder auch auf, was an Hausaufgaben ansteht. Mit Symbolen für das entsprechende Heft oder den Ordnern, mit Seitenzahlangaben und Symbolen was zu tun ist (schreiben, rechnen, lesen). Das erleichtert es uns allen ungemein zu gucken, ob alle Hausaufgaben gemacht sind und was noch fehlt.

Ganz wichtig sei im Moment, so die Lehrerin, dass kontinuierliche Lesen. Denn Lesen lerne man nur durch Lesen. Zehn Minuten am Tag. Mehr brauche es gar nicht.

Ich meine mich erinnern zu können, dass das Fräulein Wunder, wie bei allen schulischen Dingen, sehr engagiert war und sehr schnell von sich aus sämtliche Schilder und Texte in der näheren Umgebung gelesen hat.
Miss Allerliebst fragte bis letzte Woche immer noch „Mama, lies mir mal vor was da steht, ich kann doch nicht lesen.“ Wir ermutigten sie zwar immer wieder, sie könne doch jetzt selbst schon lesen, aber so richtig konnte sie das wohl nicht glauben oder es war ihr zu anstrengend.
Und die Texte zum Üben, die sie aus der Schule mitbekommen, sind sowas von unspannend und doof, dass ich eigentlich auch keine Lust habe, sie mit Miss Allerliebst zu lesen. Oft bestehen sie auch nur aus diversen Silben, die wenig bis gar keinen Sinnen ergeben.

Letzte Woche erinnerte ich mich dann an die vielen Leselernbücher, die auf dem Bücherregal von Miss Allerliebst stehen. Eines, von Conni und den Tieren, fand sie schon letztes Jahr ganz toll, weil verschiedene Wörter in dem Text als Bilder dargestellt sind, so dass sie mit mir gemeinsam das Buch schon vor der Schule „lesen“ konnte.
Wir kramten es also hervor und einigten uns darauf, dass wir abwechselnd eine Zeile lesen würden. Und siehe da, Miss Allerliebst war total begeistert und wollte gar nicht mehr aufhören. Und seitdem versucht sie alles Mögliche zu lesen. In Zeitungen, auf Schildern, auf Verpackungen. Alles was ihr gerade so unter die Finger kommt. Und sie wird sooooo schnell besser, das ist unglaublich. Mit welcher Leichtigkeit sie lernt ist faszinierend. 

Viele Menschen, wir als Eltern eingeschlossen, waren eigentlich davon überzeugt, dass die Miss ein gesundes Selbstbewusstsein hat und mutig genug ist, die Schule mit ihren vielfältigen Aufgaben und Herausforderungen gut zu meistern.
Ich glaube, dass wir diese Herausforderung vielleicht etwas unterschätzt haben. Vielleicht weil es beim Fräulein Wunder so geradlinig und ohne größere Probleme klappte, vielleicht, weil die Miss in ihrem Denken und Handeln meist offener und beweglicher ist, als ihre Schwester. 

Eine sensible Seele wohnt in beiden. Manchmal vergesse ich fast, dass sie eigentlich noch (kleine) Kinder sind, die zwar in die Schule gehen, aber trotzdem noch gerne an die Hand genommen werden wollen. Die sich zwar abnabeln und ihr eigenes Ding machen wollen, aber sich dabei manchmal vielleicht doch etwas überschätzen und dann Angst vor der eigenen Courage bekommen. (So wie vor ein paar Wochen, als Miss Allerliebst das erste Mal mit Freunden aus ihrer Klasse alleine auf einen Spielplatz in unserer Nähe gegangen ist und dann den Weg nach Hause nicht mehr wusste, obwohl wir den schon soooo oft zusammen gegangen sind.)

So vieles liegt noch vor uns. So viele Hürden, Erfolgserlebnisse, Rückschläge und Dinge, die gelernt werden müssen. Wahnsinn, was alles dazu gehört um groß, erwachsen und stark zu werden. Und dabei möchte ich manchmal am liebsten mein kleines Mädchen behalten, einfrieren, konservieren für die Ewigkeit. Irgendwann wird sich diese Nähe verlieren. Bin ich nicht mehr die Königin der Welt für sie. 

Okay, genug rumgeheult.

Eigentlich wollte ich hier nur mal wieder schreiben, wie großartig meine Kinder sind. Mir einen weiteren Eintrag in meinen Erinnerungskoffer packen, damit ich auch in 10 Jahren, wenn es dann langsam auf den Schulabschluss zugeht, noch nachlesen kann, wie alles begann. Um dann milde zu lächeln und mir zu denken, was für Pipifatz-Sorgen wir doch damals hatten.