Immer wieder laufen mir Künstler oder Lieder über den Weg, die mich auf die ein oder andere Art in ihren Bann ziehen. Das kann Neues oder Altes, Lautes oder Leises, Deutsches oder Anderssprachiges sein.
Zukünftig bekommen sie hier ihren Platz. Ihr könnt sie einfach anklicken und zum Lesen des nächsten Blogeintrag anhören, vielleicht auch dazu abfeiern, laut mitsingen oder auch „nur“ aufmerksam zuhören.

Celina Bostic – Nie wieder leise

Als wir am späten Nachmittag auf dem Campingplatz ankommen, hat das Wetter ein Einsehen und schenkt uns eine Atempause von dem vielen Regen.
Das ist auch gut so, denn es hat sich bereits eine riesige Schlange vor der Anmeldung gebildet und der Parkplatz für ankommende PKW ist voll. Es herrscht Chaos, der Parkplatzwächter weiß auch nicht so genau wohin mit uns und schließlich stellen wir das Auto einfach irgendwo ab.

Nach der anstrengenden Fahrt ist die Vorstellung nicht sehr verlockend uns mindestens zwei Stunden für die Anmeldung anzustellen. Der tolle Mann entdeckt indessen einen Wegweiser, der zu einem Zelt unseres Reiseveranstalters führt.
Es stellt sich heraus, dass wir eigentlich erst zur Anmeldung am Campingplatz hätten gehen müssen, um uns grüne Armbändchen als Bewohner abzuholen und dann erst zum Reiseveranstalter, der die Schlüssel für unser Häuschen hat.
Da aber ja gerade an der Anmeldung großer Andrang herrscht, bekommen wir erst unser Mobile-Home zugewiesen und dürfen uns erst später anmelden, wenn nicht mehr so viel los ist. Glück gehabt!
Und das auch noch doppelt, da es just in dem Moment, da wir die Veranda unseres neuen zu Hauses betreten, wieder anfängt zu regnen und das nicht zu knapp.

Wir schaffen es an diesem Abend noch auszupacken, uns anzumelden (das dauert dann immerhin auch noch über eine halbe Stunde) und dann auf dem Platz Essen zu gehen. Durch den Regen findet dies alles drinnen statt. Die Atmosphäre in dem Restaurant gleicht einer Bahnhofshalle und man muss sich über den Tisch hinweg beinahe anbrüllen, um sich verstehen zu können. Der Wein und die Pizza sind allerdings sehr delikat, was uns ein bißchen entschädigt.

Tatsächlich schaffen wir es zum Abschluss auch noch an den See, der direkt hinter dem Lokal liegt. Von dort sehen wir auch, dass das Restaurant eine Terrasse hat, von der man über den See schauen kann. Das nächste Mal, werden wir da essen, beschließe ich.

Das Wetter bleibt die nächsten Tage launisch. Mal regnet es, mal scheint die Sonne. Wir erkunden den Platz, machen den ersten Großeinkauf und versuchen uns in dem kleinen Häuschen einzurichten. Im Gegensatz zu unserem riesigen Apartment in Prad, ist das Mobile-Home winzig. Wenn sich zwei Menschen in einem der Räume aufhalten, müssen sie immer ein Tänzchen aufführen, um sich nicht gegenseitig im Weg zu stehen. Die Türen haben eine Breite von nur 45 cm, so dass der tolle Mann rechts und links anstößt, wenn er sich dazwischen stellt. Eine echte Herausforderung.

Trotzdem ist es gemütlich und mit allem ausgestattet, was man so braucht. Wir haben zwei Schlafräume und Toilette und Bad mit Dusche sind getrennt. Die Veranda ist dafür riesig und bei gutem Wetter findet das Leben natürlich dort statt. Gut, dass wir alle warme Pullover und Jogginghosen dabei haben.

Das Wetter wird dann auch nach und nach besser. Der Campingplatz liegt direkt am Gardasee. Dort gibt es einen schmalen Kiesstrand und einen Steg, der weit ins Wasser hinein ragt. Zudem lädt die Promenade zum joggen ein, was ich tatsächlich in den 10 Tage nur zwei Mal mache.

Die Kinder indessen, sind vollkommen unmotiviert. Speziell das Fräulein Wunder, ihres Zeichens Fast-Teenie, würde den Urlaub am liebsten in ihrem schmalen Etagenbett verbringen und lesen, bis ihr die Augen qualmen.
Aber auch Miss Allerliebst mault, wenn es darum geht, irgendwelche Ausflüge zu planen. Und dabei geht es nicht nur um Sightseeing-Touren durch Städte und Dörfer, sondern auch um die Besuche im nicht weit entfernten Gardaland (so etwas wie der hiesige Holidaypark) und einem mit 40 Rutschen ausgestatteten Aquapark . Sie wollen einfach ihre Ruhe.

Am Anfang bin ich noch der Meinung, mit einem klärenden Gespräch irgendetwas ausrichten zu können. Ich appelliere an ihre Vernunft und den Familiensinn. Tatsächlich reicht das aber nur für einen Spaziergang in den Nachbarort Peschiera.


Der tolle Mann und ich ärgern uns anfangs und sind frustriert, aber nach ein, zwei Tagen beschließen wir, das beste daraus zu machen und dann eben den Urlaub als Entspannungsoase zu sehen. Wir sprechen also den restlichen Urlaub nicht mehr über Ausflüge oder Besichtigungstouren.

Stattdessen verbringen wir unsere Zeit entweder am Strand, auf unserer Veranda oder in einem der vielen Pools (in denen ausnahmslos Badekappenpflicht herrscht).
Das Fräulein bequemt sich ab und an, uns dort hin zu begleiten, manchmal bleibt sie aber auch „zu Hause“ und liest in nur vier Tagen Harry Potter und der Halbblutprinz komplett durch.

Der Pool an sich hat schon so einige Vorteile. Auch dass die Miss inzwischen eine gute Schwimmerin ist, macht es uns einfacher. So verbringen wir meist eine Stunde mit ihr im Wasser oder bei der Aquafitnes, danach gönnen sich der tolle Mann und ich ein, zwei Aperol an der Poolbar in trauter Zweisamkeit, während die Miss vor uns im Pool herumtollt und offensichtlich von Wasser nie genug bekommen kann. Egal wie das Wetter ist.

Mit dabei auch die neu erworbenen Monoflossen mit Meerjungfrauenkostüm.

Eine Liege zu finden gestaltet sich allerdings schwierig. Wir neigen den gesamten Urlaub dazu, unseren Aufenthalt mit unseren vergangenen All-Inklusiv Urlauben zu vergleichen und dies ist auch ein Punkt, der für eine Hotelanlage spricht: Dort bekommt man immer irgendwo eine Liege. Hier auf dem Campingplatz nicht. Erst ab ca. halb fünf lichten sich die Reihen. Die Familien mit kleinen Kindern machen sich für den Abend bereit, da werden wir erst so richtig aktiv. Was sich wiederum ganz gut ergänzt. Bis dahin haben wir unser Handtuch irgendwo in einer Ecke gebunkert und uns im Wasser vergnügt.

In den gesamten 10 Tagen kochen wir genau zwei Mal selbst, den Rest gehen wir Essen. Das war auch von vornherein so geplant, da es auch für mich, als hauptsächliche Köchin, Urlaub sein sollte.
Dafür fand ich es sehr angenehm, dass wir unser Frühstück selbst gestaltet haben. Alleine dass man frei von Uhrzeiten und Buffetettikette ist, fand ich wirklich entspannend.
Und war am Anfang die Schlange vor dem Supermarkt und den frischen Brötchen noch recht lang, verkürzte sie sich nach drei bis vier Tagen erheblich. Scheinbar hat auch dann am Gardasee die Nachsaison tatsächlich begonnen.

Nachdem wir alle Lokale auf dem Campingplatz ausprobiert hatten, entpuppte sich das vom ersten Abend als unser Favorit. Tatsächlich bekamen wir in den Tagen darauf immer einen Tisch auf der von mir so heiß ersehnten Terrasse. Für den letzten Abend reservierten wir extra direkt an der Brüstung, damit nichts schief gehen konnte. So viel Pizza wie diesen Urlaub habe ich jedenfalls das gesamte letzte Jahr nicht gegessen (und werde ich auch sicher das restliche nicht mehr).

Als wir schließlich wieder den Heimweg antreten, bereue ich es dann doch so ein bißchen, dass wir nicht mehr darauf gedrängt haben, dass die Kinder mit uns etwas unternehmen. Die Umgebung rund um den See ist so schön und hat so viel zu bieten, selbst wenn man nicht das große Verona oder Venedig ansteuert.
Den nächsten Urlaub werden wir auf jeden Fall entsprechend überdenken.

Wir sind darin überein gekommen, dass All-Inklusiv für uns trotz allem verlockender erscheint. Allerdings werden wir keine Rücksicht mehr auf Rutschenparadiese oder ähnliches nehmen. Dies war eine Bedingung, die die Kinder im Vorfeld an unseren diesjährigen Urlaub gestellt haben, dann aber die Möglichkeiten, die sie damit hatten, gar nicht ausgeschöpft haben.
Vielleicht findet sich also irgendetwas in der Mitte. Kein riesiges Familien-All-In-Gedöns, sondern etwas kleineres mit Vorzügen, die uns alle zu Gute kommt. Nach dem Sommerurlaub, ist vor dem Sommerurlaub.

Fazit: Es war ein schöner, erholsamer Urlaub mit ein paar Defiziten. Speziell die Unlust der Kinder hat uns durch so manche Aktivität einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Auch werde ich nicht mehr in einem Mobile-Home Urlaub machen. Zu klein und zu eng für unser aller Geschmack.
Gardasee auf jeden Fall sehr gerne wieder, aber dann vielleicht auf einem anderen Campingplatz oder in einem Hotel.

 

Als wir unseren Urlaub im November 2019 planten, war noch keine Rede von einer Corona-Pandemie. Aus heutiger Sicht irgendwie unvorstellbar.
Die letzten Jahre sind wir immer All-Inklusive irgendwo hin gefolgen, dieses Jahr wollten wir aber etwas anderes ausprobieren. Gott sei Dank, wie sich im Nachhinein herausstellte.

Wir buchten also für 10 Tage ein kleines Mobile-Home auf einem Campingplatz direkt am Gardasee.
Wenige Wochen bevor es los gehen sollte, erinnerten wir uns an die kleine Pension, in der wir schon einmal mit dem Fräulein Wunder – damals gerade zwei Jahre alt – gewesen waren, und buchten uns kurzerhand noch drei Nächte in Südtirol ein. Damit konnten wir die Strecke zum Gardasee in zwei Drittel/ein Drittel aufteilen.

Unsere Kinder sind sehr angenehme Automitfahrer. Die gesamten acht Stunden saßen sie auf der Rückbank und hörten ihre Hörspiele. Lediglich bei zwei kurzen Pausen vertraten wir uns die Füße, ansonsten fuhren wir mehr oder weniger in einem Rutsch durch.

Die Frühstückspension war in den letzten Jahren renoviert worden und unser Apartment somit mit einer modernen Küche, herrlichen Massivholzmöbeln und zwei Balkonen ausgestattet. Hinzu kommt der herrliche Ausblick auf die umliegenden Alpen. Wirklich ein tolles Urlaubsdomizil.

Im Wintergarten haben wir immer sehr lecker gefrühstückt

Das Schöne an dieser Pension ist auch die Möglichkeit, direkt vom Haus aus kleinere Familienwanderungen zu unternehmen. Wobei die Südtiroler unter „Familienwanderung“ etwas anderes verstehen, als wir Flachlandtiroler. Und so wurde auch bereits unser erster Ausflug zu einer Belastungsprobe für die Höhenangst geplagten Familienmitglieder wie das Fräulein Wunder und mich.

Das Fräulein Wunder bedankte sich später zitternd bei mir, nachdem ich sie mit viel gutem Zureden und Händchenhaltend über die Abgründe geführt hatte, und erklärte, dass sie es ohne meine Hilfe nicht geschafft hätte. Was ein Abenteuer!

Am nächsten Tag nahmen wir uns deshalb ein sehr flaches Waldstück vor, in dem es einen Lehrpfad für Kinder gibt. Die WetterApp verkündete bereits, dass es ab dem Nachmittag regnen sollte, somit brachen wir direkt nach dem Frühstück auf.

Bereits vor neun Jahren waren wir diesen Pfad mit dem Fräulein Wunder gegangen (Miss Allerliebst war damals nur ein Wunschtraum) und wir machten uns einen Spaß daraus, die Fotos von damals mit dem großen Kind noch einmal nachzustellen.

Leider begann es ab der Hälfte der Strecke zu regnen. Und zwar nicht nur ein paar kleine Tröpfchen sondern es schüttete ordentlich. Somit brachen wir den Spaziergang ab und kamen eine halbe Stunde später klatschnass in unserer Pension wieder an.
Nach einer langen, heißen Dusche (zwei Bäder für eine Familie mit drei Weibern ist wirklich ein großer Vorteil), gönnten wir uns dann eine Riesenportion Pommes vom Imbisswagen direkt vor der Pension.

Das schlechte Wetter sollte weiterhin anhalten. Am nächsten Tag sagten wir der schönen Pension Lebewohl und machten uns an die Weiterfahrt zum Gardasee.
Die Strecke führte uns über das nahegelegene Stilfser Joch. Der tolle Mann und ich kennen die Strecke, die aus 48 Kehren besteht, noch aus unserer Motorradzeit. Heute ist es mir schleierhaft, wie ich damals unbeschadet mit einem Zweirad da hoch gekommen bin.
Auf dem Weg nach oben kamen wir auch diesmal an jeder Menge Zweiräder vorbei, allerdings müssen diese mit Muskelkraft betrieben werden und sind in dem anhaltenden Regen kaum zu sehen. Ich beneide keinen von ihnen, bewundere aber jeden Einzelnen.

Auf dem Pass schließlich angekommen, versperrt uns ein grüner Jeep der Carabinieri die Weiterfahrt. Noch gute zwei Stunden ist der Pass aus nicht näher erklärbaren Gründen damit gesperrt.

Wir überlegen hin und her, entscheiden uns aber schließlich umzudrehen, alle 48 Kehren wieder zurück zu fahren und den Berg sozusagen zu umrunden. Wir sind damit zwar nur unwesentlich schneller als wenn wir auf die Öffnung gewartet hätten, aber ich persönlich bin lieber in Bewegung.

Auch die Weiterfahrt gen Süden gestaltet sich nass und trostlos. Es regnet und regnet, kurz vor unserer Ankunft fängt es sogar an zu Hageln. Die Straßen sind überschwemmt und wir verdrängen regelmäßig riesige Mengen von Wasser (was allerdings auch ein bißchen Spaß macht).

Als wir schließlich auf dem Campingplatz ankommen, tröpfelt es nur noch, bevor es schließlich ganz aufhört.
Dafür erwartet uns das pure Chaos. Aber hierzu mehr im nächsten Teil.

12 von 12, diese Aktion begegnet mir jetzt schon mein gesamtes Bloggerdasein auf ganz verschiedenen Blogs. In’s Leben gerufen hat dies Caro von Draußen nur Kännchen.
Das Prinzip ist schnell erklärt: Immer am 12. eines Monats macht man jede Menge Fotos und stellt am Abend (oder wie ich am nächsten Morgen) 12 Fotos des Tages online.

Heute mache ich das erste Mal bei diesem Projekt mit. Ich habe mir dafür extra irgendwann Mitte Juli eine Erinnerung ins Handy gesetzt, damit ich es nicht vergesse.
Praktischerweise haben wir gestern einen Familien-Kaffee-Connection-Ausflug in den Kurpfalzpark gemacht, somit kamen einige Bilder zusammen. Dass wir diesen Ausflug machen würden, war zum Zeitpunkt meiner Erinnerungssetzung noch nicht in Planung, somit war das wirklich Glück für euch und mich, da die Bilder so ein bißchen außerhalb des normalen Alltags liegen.
Ich habe allerdings das Problem, dass ich Fotos meiner Kinder nur veröffentliche, wenn ihre Gesichter nicht zu sehen sind und Fotos von Freunden und deren Lieben entweder gar nicht oder bei Ausnahmen nur mit deren Einverständnis.
Somit fiel es mir gar nicht so leicht, 12 Fotos zusammen zu bekommen. Aber schaut selbst:

Im Gegensatz zu allen anderen, musste ich morgens noch arbeiten. Erste Amtshandlung hierfür ist immer einen Liter Tee zu kochen. Wenn ich in die Arbeit fahre, wie heute, gibt es „Beuteltee“, da der besser in die Thermoskanne passt. Aber bis auf sehr wenige Ausnahmen immer Grüntee.

Wenig später – es war inzwischen 6:15 Uhr – stieg ich ins Auto und fuhr die wenigen Kilometer in die Hochschule. Leider war meine Anwesenheit dort unbedingt erforderlich, da ich an einer Excel-Schulung teilnahm. Technisch kann ich zu Hause nämlich nur telefonisch an Skype-Besprechungen teilnehmen und das wäre bei dieser Schulung nicht gerade förderlich gewesen.

Ich verkürzte meine Arbeitszeit und wir machten uns direkt nach meiner Schulung auf den Weg. Somit waren wir um halb zwölf bereits im Park. Tschacka!
Die Coronabestimmungen sehen hier vor, dass man eine Maske im Eingangsbereich, in den Warteschlangen und an den Kiosken tragen muss. Das ist durchaus machbar. Bei den Warteschlangen im Freien, in denen meistens zusätzlich zum Maskentragen auch die Abstandsregelungen eingehalten wurden, setzten wir die Masken meist erst auf, wenn wir entweder in einen überdachten Bereich oder zum Einstieg kamen. So wurde selbst bei der herrschenden Hitze das Masketragen erträglich.

Dieses wenig vorteilhafte Foto hat der Sohn meiner Freundin gemacht (übrigens mein zukünftiger Schwiegersohn, das haben alle Parteien bereits beschlossen). Wir kletterten auf einem Piratenschiff/-burg herum und ich versuchte meine Höhenangst nicht zu zeigen. Trotzdem verweigerte ich mich bei diversen Abgründen, die man nur mit Hilfe nicht gerade vertrauenerweckender Netze überqueren konnte.

Zwischen diesen beiden Bildern liegen diverse wilde Fahrten mit der Sommerrodelbahn. Aus oben erwähnten Gründen gibt es davon leider keine Fotos. Aber es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht. Ob wir uns sowas auch in den Garten bauen könnten? Das hätte was.
Jedenfalls zeigt das Bild, wie gut unsere Kinder alle miteinander klarkommen. Die Altersspanne reichte von 4 bis 11 Jahre, zudem war diesmal bei sechs Kindern nur ein Junge dabei. Und trotzdem … die Kinder achteten aufeinander, bemutterten die Kleinen und bewunderten manchmal die Großen. Einige Fahrgeschäfte durften die kleineren nur in Begleitung nutzen. Dabei war es tatsächlich meist egal, ob dies eine erwachsene Person oder wie in unserem Fall das Fräulein Wunder war. Geduldig fuhr sie auch noch die vierte Runde im Kettenkarussell, damit alle auf ihre Kosten kamen.

Hier sehen wir Kamikaze-Miss, wie sie in einem Sessel-Dings über einen kleinen See rast. Das Kind hat wirklich keinerlei Ängste vor Höhe, Wasser, sich schnell drehenden Objekten oder anderen Dingen, vor denen wir Erwachsenen erst einmal skeptisch eine Augenbraue heben. Mit dem tollen Mann fuhr sie Runde um Runde im Kurpfalz-Coaster (oben erwähnte Rodelbahn) und erklärte hinterher jedem vollkommen aufgekratzt, dass sie auf der gesamten Strecke nur einmal gebremst hätten.

Nach den vielen Fahrgeschäften und fünf Litern Wasser, die wir als Familie bis dahin in uns hinein geschüttet hatten, machten wir uns dann gesammelt auf zu den Wildtieren im hinteren Teil des Parks. Aus Coronagründen konnte die Greifvogelschau leider nicht stattfinden. Die Rehe und Hirsche hatten sich vermutlich wegen den hohen Temperaturen in die tiefen Schatten des Waldes zurück gezogen. Trotzdem hatte dieser Spaziergang durch den Wald etwas sehr beruhigendes an sich. Zumal unter den Bäumen beinahe angenehme Temperaturen herrschten.

Ohne Sonnenhut geht nix. Auch wenn ich kein Hutgesicht habe, liebe ich das Teil.
Und da mir da schon klar war, dass ich wegen der Motive Probleme mit meinen 12 Fotos kriegen könnte, bat ich das Fräulein Wunder, ein Foto von mir zu machen. Von hinten leider auch nicht fotogener als von vorne, aber was will man machen.

Die Esel waren das letzte Highlight auf unserer Tour. Dazwischen gab es noch Moor und einen Bach, den die Kinder erkundeten. Überhaupt finde ich es immer noch erstaunlich, dass ich von keinem einzigen Kind das übliche „mir ist langweilig“ oder „ich kann nicht mehr“ oder „ich will nach Hause“ gehört habe. Die waren alle immer voll bei der Sache und abgesehen von ein, zwei kleineren Scharmützeln ein Herz und eine Seele. Toll!

Die Esel wurden auf jeden Fall ausgiebigst gestreichelt und gefüttert. Das Fräulein Wunder zeigte mir zwischendurch ihre dreckigen Hände und erklärte lachend, die Esel hätten auch mal wieder ein Bad nötig.

Nebenbei machte der tolle Mann die Entdeckung dieser merkwürdigen Pflanze, deren Früchte direkt auf den Blättern wachsen (vielleicht sind es aber auch Parasiten, die sich als Früchte tarnen). Hat irgendjemand eine Ahnung, was das sein könnte?

Selbst den Rückweg zum Parkgelände absolvierten alle Anwesenden ohne zu Murren und zu Knurren und so erreichten wir eine viertel Stunde vor Parkschließung erneut die Sommerrodelbahn. Da sich die Wolken am Himmel inzwischen dunkel gefärbt hatten und im Hintergrund bereits der Donner grollte, war der Park bereits so gut wie leergefegt. Die letzte viertel Stunde hatten wir die Bahn somit komplett für uns. Selbst das Fräulein Wunder traute sich eine Runde alleine zu fahren und war hinterher total begeistert.

Pünktlich zur Schließung des Parks um 18 Uhr begann es zu regnen. Erst vereinzelte Tropfen und schließlich kam ein richtiger Platzregen runter. Wir schafften es ziemlich durchnässt ins Auto, freuten uns über die Abkühlung und fragten uns, ob es zu Hause wohl ähnliche Niederschläge gab.

Zu Hause regnete es nicht mehr, aber immerhin war wohl auch hier einiges runter gekommen. Beim Nachbarn waren die Zimmerleute damit beschäftigt, die Planen am im Bau befindlichen Dachstuhl zu erneuern, da es diese dahingerafft hatte.

Nach so einem Tag reichte es immerhin noch für Salat aus dem Garten und einer großen Pfanne Schinkennudeln, bevor die Kinder und ich erschöpft aber glücklich in die Betten fielen.

Endlich Ferien? Nicht für alle.

Die ganze Familie liegt tief im Schlummer. Nur mein Wecker klingelt – vielmehr piepst er mich um 5:45 Uhr aus dem Bett. Ich bin nämlich die einzige arme Socke, die noch wirklich und richtig arbeiten muss. Noch drei lange Wochen, bis auch ich endlich Urlaub habe.

Damit es der Familie nicht zu wohl wird, habe ich die Miss in der Ferienbetreuung im Hort angemeldet. Sie behauptet, sie hätte davon nichts gewusst, ich weiß aber ganz genau, dass wir darüber ein Gespräch geführt haben und sie durchaus gewillt war, noch ein paar Tage mit ihren Freunden und Ausflügen und nettem Betreuungspersonal zu verbringen.
Nun hat sich leider heraus gestellt, dass all ihre Freunde die ersten Wochen zu Hause verbringen. „Warum dürfen die zu Hause bleiben Mama, und ich nicht?“ Berechtigte Frage.
Also haben wir einen Kompromiss geschlossen. Sie geht diese Woche noch hin (zwar zähneknirschend, aber immerhin ist das Programm bereits bezahlt und wird auch nicht zurück erstattet), ab nächste Woche hat sie dann „richtige Ferien“ wie sie sich ausdrückt.

Da kann ich nur sagen: Und ich???

Nachtrag: Donnerstag Morgen hat sie dann endgültig beschlossen da nicht mehr hin zu gehen und ich habe sie telefonisch abgemeldet. Jetzt sind wieder alle glücklich und entspannt.

Endlich wieder Musik

„Am Montag ist Live-Musik im Blue-Tower. Hast Du Lust mitzukommen?“ fragte mich die liebste Julia vor Kurzem.
Mein erster Gedanke war „Live-Musik? Ich bin sowas von dabei!“, der zweite dann „Montags? Im Ernst? Argh.“

Natürlich bin ich mitgegangen. Ich kann Musik von echten Musikern auf einer Bühne einfach nicht widerstehen. Und da ich ja nun auf Grund von Corona gefühlt seit Jahren keine Live-Musik mehr hören durfte, freute ich mich wie ein Schnitzel.

Man hat ja so seine Rituale für alles und jedes. Und vor so einem Mädelsabend steht natürlich erst einmal die große Frage „Was ziehe ich bloß an?“ Da ich mir diese Frage schon länger nicht mehr stellen musste, gab es nichts, was aus Gründen von „habe ich gerade letzte Woche angehabt“ ausschied und die Klamotten waren schnell gefunden. Dann noch eine Runde durch das Bad gehuscht, das schon leicht eingestaubte MakeUp aus dem Winterschlaf geholt und noch drei verschiedene Paare Ohrringe anprobiert. Fertig!

Die liebste Julia holte mich pünktlich mit dem Wagen ab und wir sammelten noch eine weitere Freundin ein. Zu dem Zeitpunkt regnete es leicht. Schön!

Natürlich blieb die Frage, wie das Ganze unter Coronabedingungen ablaufen würde. Zusätzlich also zu dem üblichen „Handtasche? Schlüssel? Geld? Handy?“ kam also noch die Frage „Mund-Nasen-Schutz dabei?“
Mit dieser im Gesicht bahnten wir uns dann auch wenig später einen Weg zur Kasse. Im Vorfeld war eine Tischreservierung erforderlich gewesen, die die nette Dame am Empfang aber leider nicht finden konnte. Wir hatten Glück und bekamen dann doch noch einen Tisch in der hintersten Ecke. Das hätte auch schief gehen können. Jedenfalls durften wir erst dort unsere Masken absetzen.

Das durchaus positive an Corona-Veranstaltungen ist der viele Platz, den man plötzlich zur Verfügung hat. Tische stehen wesentlich weiter auseinander, es wird darauf geachtet, dass man überall gut aneinander vorbei kommt und sich nirgends hindurch drängeln muss. Da stehe ich ja schon irgendwie drauf.

Der Nachteil ist, dass man seinen Tisch nur im Notfall verlassen darf. Und Tanzen ist während des Konzerts auch untersagt. Das wusste ich zwar vorher, aber ich hatte die Ausmaße, in der mein Körper unbedingt tanzen wollte komplett unterschätzt.

Ich konnte mich demnach zwischendurch echt nicht entscheiden, ob das nun mehr Genuss oder Folter ist, was wir da geboten bekamen.
Zwei Sänger und eine Sängerin teilten sich eine Band und standen abwechselnd am Mikro. Von Reggae über Pop bis Rock war alles dabei. Wobei ich behaupten möchte, dass das Repertoire wirklich gut ausgesucht war.  Stings „Englishman in New York“ zum Beispiel oder „Cheerleader“ von OMI. Schmissig aber nicht zu aufwühlend.

Wobei … die junge Dame hat doch tatsächlich „Like the way I do“ von Melissa Etheridge gesungen und das war schon ganz knapp vor „Fessle mich sonst hüpfe ich hier gleich durch den gesamten Raum“.
Da stellt sich schon die Frage, ab wann ist Tanzen eigentlich Tanzen? Wenn der Hintern auf dem Stuhl bleibt, der Rest aber wild durch die Luft geschwungen wird, ist das „schon“ Tanzen? Im Sinne von Corona meine ich natürlich.
Zumindest wurden wir nicht zur Besonnenheit aufgerufen, wie manche Gäste an den Stehtischen. Und so neidisch wie ich am Anfang auf diese Gäste war, weil ich mir natürlich dachte, dass man da leichter tanzen kann, ohne dass es auffällt (ha, ha, schon klar), war ich im Endeffekt froh, dass wir an einem stinknormalen Tisch saßen. Ich hätte mich nämlich wahrscheinlich nicht beherrschen können.
Zum Abschluss gab es „In the air Tonight“ und da bekomme ich selbst jetzt noch Gänsehaut.

Ihr ahnt es sicher schon: Es war ein grandioser Abend! Ich wusste bis dahin gar nicht, wie sehr ich die Musik tatsächlich vermisst hatte.
Das Konzept ging meiner Meinung nach auf. Wir durften zwar nicht tanzen, aber dafür immerhin mitsingen, klatschen und die Hände durch die Luft schwingen (über Aerosole denke ich in dem Zusammenhang mal nicht nach). Tatsächlich haben die Musiker es geschafft, alle im Rahmen der Möglichkeiten mitzureißen. Abstand wurde gewahrt und auch kontrolliert und eingefordert (die Singles an diesem Abend fanden das womöglich nicht ganz so toll, da sich der Flirtradius lediglich auf den nächsten Tisch bezog … das wäre doch aber mal eine coole Geschäftsidee … man füllt vorher Fragebögen aus und wird dann so Partnermatch mäßig an die Tische verteilt … hach, vielleicht werde ich doch noch reich). Außerdem musste man sich nicht für etwas zu trinken durch eine Menschentraube an der Bar drängeln, sondern ein netter, aufmerksamer Kellner brachte mir den leckeren Rotwein direkt an den Tisch und Gespräche waren untereinander auch möglich, wenn man ein bißchen gebrüllt hat. Alles perfekt also (inklusive meiner Begleitungen, das sei an dieser Stelle ausdrücklich erwähnt!).

Somit: Scheiß auf Montag! Das muss ich unbedingt demnächst nochmal machen.

Ab ins kühle Nass

Ich bin kein Wassermensch. Ich liebe es zwar, in der Nähe von Wasser zu sein und darauf zu gucken (deshalb liebe ich das Meer), aber ich muss mich nicht unbedingt hinein begeben. Höchstens bis zu den Knien. Das reicht dann auch schon.

Doch wenn es so heiß ist wie im Moment, mit Temperaturen bis zu 38 Grad, da lechzt selbst mein Körper nach Abkühlung. Und da die Kinder im Moment nichts lieber tun, als sich im Wasser aufzuhalten, beschlossen wir unseren heimischen Minipool gegen ein großes, gekacheltes Becken einzutauschen.

Natürlich sind auch hier in Sachen Corona gewisse Dinge zu beachten. Zum Beispiel ist bis elf Uhr nur Einlass für Senioren. Es bringt also nichts als Familie bereits um neun vor dem Schwimmbad zu stehen (was uns als Langschläferfamilie eh nie passieren würde).
Ein Punkt, der mir persönlich ebenfalls sehr entgegenkommt, ist die Begrenzung der Menschen, die das Bad gleichzeitig besuchen dürfen.
Daher wird auch vor dem Schwimmbad gefragt, wieviele Personen dabei sind. Das wird auch feinsäuberlich von einem Mitarbeiter in einer App festgehalten (er hat tatsächlich vier Mal auf den Bildschirm getippt). Man füllt das bekannte Anwesenheitsformular aus und wenn man ein bißchen Geduld mitgebracht hat und endlich am Ende der recht langen Schlange dran ist, darf man mit Maske das Bad betreten. Diese ist aber lediglich beim Eintritt, am Kiosk und in den Toiletten zu tragen.

Wir waren recht früh dort, so dass der Einlass kein Problem war. Die Liegeflächen waren noch relativ leer und auch im Nichtschwimmerbecken war noch jede Menge Platz.

Im Verlauf des Mittags/Nachmittags füllte sich das Bad bis auf 900 Besucher (normalerweise dürfen über 2.000 Badegäste gleichzeitig planschen). Das hatte zur Folge, dass eine Zeit lang am Eingang zum Nichtschwimmerbecken die Badegäste gezählt wurden. So standen auch der tolle Mann und ich zwischendurch an und warteten, dass zwei Badegäste das Becken verlassen würden, damit wir eintreten dürfen.
Zu einem späteren Zeitpunkt wurde diese Prüfung allerdings aufgehoben und das Becken füllte sich ordentlich. Manche Dinge muss ich nicht verstehen.

Von zwei Rutschen war eine geöffnet. Dem Fräulein Wunder war das „zu Baby“, Miss Allerliebst rutschte zwei Mal und fand das jetzt auch nicht so aufregend. Viel lieber wollten sie vom 3 Meter Brett springen.
Der Turm war leider gesperrt, aber vorerst tat es auch das ein Meter Brett. Und sie sprangen und hüpften und rannten und machten Arschbomben und klatschten auch mal auf den Rücken. Es war wirklich schön mit an zu sehen.
Ich traf indessen eine ehemalige Kollegin, die ich schon seit Jahre nicht mehr gesehen hatte und wir plauderten angeregt (findet ihr es auch seltsam, wenn ihr Menschen im Bikini gegenüber steht, die ihr kennt? Als hätte man sich nackt im Supermarkt getroffen.)

Aus bekannten Gründen hüpfte ich nicht vom Brett, aber ich lies mich immerhin im Nichtschwimmerbecken bis zum Hals in das kühle Nass gleiten. Zwei Mal!

Nach der obligatorischen Portion Pommes (ebenfalls mit Maske am Kiosk zu erwerben) und einem abschließenden Eis machten wir uns dann schließlich wieder auf den Heimweg.
Vor dem Bad standen zwei, drei Familien, die hoffnungsvoll schauten, als wir durch das Drehkreuz nach draußen traten. Eine Mitarbeiterin verkündete allerdings, dass für heute die Höchstzahl an Besuchern erreicht sei und sie niemanden mehr einlassen dürfe.
Tatsächlich ist dies ein Umstand, den ich nicht wirklich verstehe. Wahrscheinlich wird das irgendeinen seltsamen Grund haben, aber warum kann denn nicht jemand unseren Platz einnehmen, wenn wir das Bad verlassen? Immerhin ist das im Freien, oder wird am Ende sogar der Rasen desinfiziert? Fragen über Fragen.

So oder so war es ein sehr schöner Ausflug und wir hinterher alle schwer kaputt aber glücklich.

Jetzt bist Du schon acht (und ein bißchen). ACHT! Unfassbar. Du beendest diese Woche die zweite Klasse und ab September geht es mit neuer Klassenlehrerin in Klasse drei weiter.

Mittlerweile bist Du in dem System „Schule“ angekommen, wenn man Dich fragt, würdest Du aber lieber wieder in den Kindergarten gehen. Du bist und bleibst ein Spielkind mit unglaublich viel Energie und Kreativität. Deshalb gefallen Dir die Fächer Kunst und Sport auch am besten. Und die Pausen sind natürlich auch toll. Mathe liegt Dir hingegen nicht so sehr. Mit viel Übung (was wir nicht immer so hinbekommen) kommst Du aber auch hier ans Ziel.
Während der Corona-Krise der letzten Monate hast Du Deine Schulaufgaben zu Hause am Küchentisch gemacht, manchmal auch im Wohnzimmer lümmelnd auf der Couch und einmal sogar in Deinem Kleiderschrank. Am Anfang brauchtest Du noch viel Begleitung, am Ende warst Du schon wunderbar selbständig und hast Dich durch die Aufgaben durchgekämpft. Inzwischen gehst Du wieder regelmäßig und vor allen Dingen täglich in die Schule. Am Anfang fandest Du das zwar eher doof, aber inzwischen wissen wir das wohl alle zu schätzen. Du kannst Deine Freunde sehen und das Hausaufgabenmachen im Hort fällt Dir auch leichter.

Du bist sehr willensstark und gerade im Moment versuchst du das gerne mit Füßestampfen und Türenschlagen zu verdeutlichen. Dabei bist Du eigentlich diejenige in der Familie, die am ehesten Kompromisse eingehen kann oder sich auch ohne Probleme entschuldigt, wenn mal etwas nicht richtig gelaufen ist.
Du bist ein Gefühlsmensch. In alle Richtungen. Genau so, wie Du von jetzt auf gleich explodieren und schreien kannst, bist Du überschwänglich im Liebe verteilen. Du drückst, küsst und streichelst, Du verteilst Komplimente ohne Hintergedanken und Dein Lachen ist das ansteckendste Geräusch, das ich kenne.

Du bist ein Freigeist, der gerne unkonventionelle Wege geht und sich an Vorgaben oder Regeln nur bedingt hält. Im Moment bringst Du Papa und mich gerne zur Weißglut, weil Du jede Aufforderung mit einem „warte kurz“ beantwortest. Das ist bei uns inzwischen zu einem geflügelten Wort geworden, das in jeder Lebenssituation angewandt wird – und auch immer zu passen scheint.
Dinge mit Dir schnell zu erledigen ist also eher schwierig zur Zeit und so zieht sich z.B. das abendliche ins Bett gehen über mindestens fünfmaliges Auffordern zum Zähneputzen, noch häufigere Ermahnungen in den Schlafanzug zu schlüpfen, bis hin zur mehrmaligen Aufforderung, jetzt doch bitte ins Bett zu gehen.
Erledigungen oder Aufträge, die Dir einfach nicht sinnvoll erscheinen, lässt Du auch gerne mal einfach ganz weg oder „überhörst“ sie geflissentlich.
Aber wenn Du merkst, dass jemand Hilfe benötigt (egal ob Mensch oder Tier), bist Du sofort und rückhaltlos dabei und unterstützt wo Du kannst. Selbst Aufräumen klappt dann mit mir oder Deiner Schwester zusammen sehr gut.

Nach wie vor interessierst Du Dich brennend für Schwangerschaften und Geburten. Woher die Babys kommen ist Dir noch relativ egal, auch wenn wir schon darüber gesprochen haben, aber wie ein Kind auf die Welt kommt fasziniert Dich sehr. So blätterst Du immer wieder in unserem Buch „Wie ein Kind entsteht“ mit den tollen Fotos aus dem Mutterleib und leihst Dir regelmäßig entsprechende Kinderbücher aus der Bücherei aus. Natürlich haben wir das Thema schon in allen Facetten behandelt, Deinen Geburtsbericht habe ich Dir sicherlich schon hundert Mal erzählt und immer wieder gibt es dabei etwas neues für Dich zu entdecken. Vielleicht wirst Du ja mal eine tolle Hebamme, wer weiß?

Auch die Fotografie und das Filmen hat es Dir angetan. Seitdem Du mein altes Handy bekommen hast, lebst Du das voll und ganz aus (auch wenn der Speicherplatz leider sehr gering ist). Oftmals sieht und hört man Dich, wie Du durch die Wohnung läufst und so etwas wie ein filmisches Tagebuch aufnimmst, oder Du fotografierst Dich, die Schleichpferde oder den Garten und bastelst Dir daraus ein neues Hintergrundbild.
Wie ich legst Du Deinen Fokus dabei lieber auf Menschen oder Gegenstände als auf Panorama oder Landschaften (wie Papa zum Beispiel). Das spiegelt Deinen Charakter sehr gut wieder.

Ich wünsche mir so sehr für Dich, dass Du Dir Deine unkomplizierte Art, Deine Herzlichkeit und Deine Freiheitsliebe beibehältst. Du bist und bleibst ein Sonnenschein mit Ecken und Kanten und ich liebe Dich sooooo sehr (immer einmal mehr!).

„Warte es ab, wenn das Baby erst einmal da ist, kannst Du nicht einmal mehr in Ruhe auf’s Klo gehen!“ So oder so ähnlich hörte ich es von allen Seiten, bevor das Fräulein Wunder geboren wurde. Ich antwortete „Echt?“ und dachte „Schon klar.“. Warum soll ich denn nicht mehr in Ruhe auf’s Klo gehen oder duschen können? So Babys, die schlafen doch immer so viel. Hörte man so.
Damit tat ich diese Information ganz schnell ab. Natürlich würde das bei uns ganz anders sein.

Man ahnt es bereits, natürlich ging ich nicht mehr in Ruhe in’s Bad. Tatsächlich lag das Fräulein, und später auch die Miss, gerne in ihrer Wippe vor der Toilette/Dusche und schrie was das Zeug hielt. Ich hatte also grundsätzlich Puls, wenn ich im Bad war und sehnte mich nach den guten alten Zeiten mit entspannter Badbenutzung zurück.

Die Kinder wurden größer, konnten sich irgendwann selbstständig fortbewegen und entwickelten so etwas wie einen „Mama muss ins Bad“ Sinn. Kaum trat ich über die Schwelle, stand mindestens eines der Kinder neben mir und verkündete, es müsse gerade dieses oder jenes holen, habe da mal eine ganz wichtige Frage oder wolle mir einfach nur beim Duschen zusehen.
Ich gewöhnte mich also recht schnell an den Zustand, nicht mehr alleine im Bad sein zu können. Keiner von uns schließt die Badezimmertür ab, da spätestens nach einer Minute jemand dagegen hämmert und Einlass begehrt.

Inzwischen sind die Kinder schon etwas (ha, ha) größer. Sie verstehen, was es bedeutet einfach mal für sich sein zu wollen, speziell auf dem „Stillen Örtchen“ (ach, wahrscheinlich kommt daher der Begriff … ).

Seltsamer Weise kommt es nun ganz oft vor, dass ich, gerade wenn eines der Kinder im Bad verschwindet, irgendetwas von dort benötige. Oder ein Handtuch, das sich verirrt hat, wieder an seinen Haken hängen will. Oder gerade eben mal schnell eine Frage habe. Oder, oder, oder.
Meine Kinder schließen inzwischen die Badezimmertür ab. Sie wollen ihre Ruhe auf der Toilette oder in der Dusche und reagieren genervt, wenn ich „nur ganz kurz“ was von ihnen möchte. Und ich denke des öfteren „Ach so war das für die Kinder damals. Interessant.“

Wie bereits erwähnt, hat das Fräulein Wunder bereits Anlauf zur Pubertät genommen. Spätestens jetzt habe ich immer öfter ein mulmiges Gefühl, wenn ich mal wieder vergesse anzuklopfen und einfach in ihr Zimmer platze. Nicht, dass sie das Klopfen einfordern würde, aber spätestens jetzt gilt es, ihre Privatsphäre zu schützen (Ob das immer noch gilt, wenn sie mit ihrem ersten Freund auf dem Zimmer ist, möchte ich hier mal außen vor lassen).
Also klopfe ich an und warte ihr „Ja?“ oder „Herein“ ab.
Tatsächlich klopft Miss Allerliebst, wenn sie abends nach dem Zubettgehen noch einmal raus muss und etwas von uns will, leise an die offen stehende Wohnzimmertür bevor sie rein kommt. Sie lugt dann immer ganz vorsichtig um die Ecke und ich frage mich manchmal, was sie denkt, was wir gerade verbotenes tun. Das könnte ziemlich cool oder entsetzlich peinlich sein.

Jedenfalls … wie alles im Leben ist dieses Ding mit der Privatsphäre auch so etwas, das sich nach und nach entwickelt. Teilweise, wie man sieht, ganz unbewusst und selbstverständlich. Manchmal aber auch, wie bei Miss Allerliebst kürzlich, mit einem großen, unübersehbaren Schild an der Zimmertür: „Bitte anklopfen!“.

Du bist jetzt elf Jahre und drei Monate alt und kannst dich gerade nicht entscheiden, ob Du schon erwachsen oder noch Kind bist. Die Pubertät nähert sich mit großen Schritten und sehr oft stehst du mit einem Bein schon richtig tief drin.

Deine Stimmungen schwanken bereits recht heftig. Schon immer warst du relativ schnell in Rage zu bringen, aber momentan reicht hierzu der kleinste Anlass und du explodierst, rennst davon, knallst Türen und verweigerst dabei auch gerne mal das Abendessen.
Du wirkst sehr oft schlecht gelaunt und „mufflig“, kannst aber von einer auf die andere Sekunde auf vollkommen aufgedreht und überschwänglich schalten. Auch das Teeniekichern hast du schon drauf wie ein Profi.
Nach wie vor bist du wunderbar verlässlich und gewissenhaft. Du hälst dich immer an Absprachen, verhandelst sie im Vorfeld auch gerne mal unerbittlich. Aber das gehört wohl zum Großwerden dazu.

Gerade im Moment ist es sehr schwer, Dich für irgendwelche Familienaktivitäten zu begeistern. Am liebsten liegst du im Bett oder auf der Couch und hörst Hörspiele. Tag und Nacht. Gerade im Moment ist „H2O – Meerjungfrau“ ganz hoch im Kurs, aber immer wieder dreht auch Harry Potter seine Runden in Deinem Ohr oder lösen die drei ??? ihre neusten Fälle.
Auch Musik findet immer wieder gerne den Weg zu Dir. Zu meinem Leidwesen hast du die Angewohnheit, einen Song wieder und wieder und wieder und wieder zu hören. Es kann sein, dass Deichkind, Sarah Conner oder Marteria eine Stunde lang immer wieder das selbe Lied trällern. Das ist hart und geht manchmal nur mit geschlossenen Türen oder Kopfhörern.

Deine große Leidenschaft ist nach wie vor das Online-Spiel „Star-Stable“. Mittlerweile trittst du wöchentlich einem anderen Club bei, der dann zwei Mal die Woche Clubtreffen abhält, an denen Du natürlich unbedingt teilnehmen musst und so wird manchmal Dein Tag (zu meinem Leidwesen) sehr stark von diesem Spiel bestimmt.
Aber sind wir ehrlich: Auch ich hing früher zu bestimmten Uhrzeiten vor dem Fernseher, allerdings weil da die Erstausstrahlung von Linkin Parks neuem Video auf MTV gesendet wurde oder (noch früher) irgendwelche Lieblingssendungen liefen. Heute schaust Du das alles vollkommen losgelöst von irgendwelchen Zeiten in Mediatheken oder Streamingdiensten. Schöne neue Welt.

Deine Leidenschaft beschränkt sich aber nicht nur auf das Spiel. YouTube hat ebenfalls in unseren Haushalt Einzug gehalten. Dadurch hast du unzählige Star-Stable Spiele-Videos gefunden, aber auch neuen Lesestoff. Eine dieser Youtuberinnen hat nämlich Bücher geschrieben. Romane, mit Pferden als Protagonisten. Die Bücher sind in kleinen Stückzahlen erhältlich und du hütest sie wie den heiligen Gral. Eingelesen hat dieses Mädchen die Lektüren auch noch, so dass du dir die Romane gerne auch mal als Hörbuch anhörst.
Und natürlich gibt es auch die passende Musik zu diesem Spiel.

 

Das Thema Homeschooling haben wir in den vergangenen Monaten zusammen sehr gut gemeistert. Auch wenn es nicht immer leicht für Dich war und Dir auch oft genug die Motivation gefehlt hat, hast Du Dich durchgebissen und immer weiter gemacht. Eine Woche bis zu den Ferien liegt jetzt noch vor Dir. Das schaffen wir auch noch!

Mein wundervolles, großes Kind. Es ist unfassbar, was aus dem kleinen, blondgelockten Mädchen geworden ist. Wenn wir uns umarmen, streift Dein Scheitel bereits meine Nase. Nicht mehr lange und Du bist größer als ich. Meine Schuhgröße hast Du schon.
Wir beide haben eine ganz besondere Beziehung. Wenn alle Stricke reißen und Du niemanden um Dich haben willst, darf ich mich trotzdem an Dein Bett setzen. Und auch wenn Du mir den Rücken zukehrst weiß ich doch, dass Du es immer noch liebst, wenn ich Dir den Rücken kraule. Noch erzählst Du mir Deine Gedanken und Erlebnisse und ich hoffe, dass das noch ganz lange so bleibt.
Du bist so klug und hast den gleichen Rechthaber-Dickkopf wie Dein Papa. Gleichzeitig bist Du unfassbar hilfsbereit, kümmerst Dich liebevoll um Eure Kaninchen, kannst Deine Schwester besänftigen wie keine Andere oder ihr auch mal Mathe erklären. Du hast Deinen eigenen Stil und Deine eigene Weltanschauung. Es ist Dir z.B. wichtig, dass wir kein Nutella mit Palmöl mehr essen und auch Deinen Fleischkonsum schränkst Du seit neustem ein.

Manchmal möchte ich Dir Deine Bedenken und Ängste einfach aus dem Herzen und dem Kopf zaubern, weil Du Dir damit sehr oft selbst im Weg stehst (und mir damit sooooo ähnlich bist). Aber je älter Du wirst, desto besser lernst Du damit umzugehen. Mit einem Plan B oder auch C in der Tasche einfach mal machen. Das erfordert sehr viel Mut.

Du bist eben immer noch unser Fräulein Wunder, das unsere Leben um so vieles bereichert. Das große Mädchen, das mir die Welt erklärt, Dinge hinterfragt und alles ganz genau wissen will. Aber auch mein kleines Mädchen, das ich im Arm halte und manchmal gar nicht mehr los lassen will, weil du so schnell so groß wirst.
Ich liebe Dich. Ob Du willst oder nicht. Und daran wird sich auch nie etwas ändern.

Auf der Zielgeraden

Noch knapp zwei Wochen bis zu den Sommerferien in Baden-Württemberg. Gefühlt haben wir das Ende der Schulzeit selten so sehr herbei gesehnt wie dieses mal. Allerdings kann ich mich durchaus dunkel daran erinnern, dass die letzten Wochen vor den Ferien schon immer anstrengend waren. Keines der Kinder hat noch Lust irgendetwas für die Schule zu tun und auch bei uns Erwachsenen ist die Luft raus.
In diesem Jahr scheinen diese 6 Wochen ohne Schul- und Terminkram noch verlockender zu sein. Wobei man ja ehrlicherweise sagen muss, dass es mit Terminen noch gar nicht so schlimm aussieht wie zu „normalen“ Zeiten. Coronabedingt fallen weiterhin die sportlichen Aktivitäten der Kinder und der Chor aus, was die Mädels zwar schon sehr vermissen, das Familienleben aber weiterhin sehr entschleunigt.

Bis Anfang der Woche schwankten wir auch noch, was unseren Sommerurlaub betrifft. Wir haben bereits im November ein kleines Häuschen auf einem Campingplatz direkt am Gardasee für uns reserviert. Die Anzahlung hatten wir schon geleistet und nun stand die Restzahlung an.
Blieb also die große Frage: Treten wir die Reise an? Aus Gründen, die ich hier nicht weiter ausführen will, hätten wir sogar einen Grund, von der Reise komplett zurück zu treten. Ohne Stornokosten oder ähnlichem Gedöns.
Wir recherchierten also tagelang auf den Webseiten des Campingplatzes selbst und dem Reiseveranstalter, über den wir gebucht haben, wie es denn an unserem Reiseziel im Moment zugeht (die Service-Rufnummer war bereits vor Wochen vom Netz genommen worden). Doch so wirklich schlau wurden wir daraus nicht. Eigentlich sollte man doch meinen, dass den Betreibern des Campingplatzes daran gelegen sein sollte, seine Gäste umfassend zu informieren und damit Bedenken auszuräumen, die vielleicht doch noch für eine Stornierung sprechen könnten. Aber weit gefehlt. Immerhin konnten wir lesen, dass der Platz Mitte Juni wieder öffnete, ansonsten findet man eher so kryptische Andeutungen wie

*Eigene Animationstätigkeiten sind im Moment unterbrochen. Wir sind auf der Arbeit, damit Sie sobald wie möglich viel Spaß in einer sicherer Umgebung genießen können

Der Hunger nach Sonne, Wasser und Urlaub stritt in uns mit dem Bedürfnis, sicher und entspannt Urlaub machen zu können. Zudem wäre zum Beispiel die Schließung von Pools oder Rutschen ein Grund, nicht zu fahren.
Am Ende fanden wir eine Rezension bei TripAdvisor aus dem Juli, die durchweg positiv klang. Kurzerhand schrieben wir die Rezensionistin an und fragten nach den derzeitigen Bedingungen an unserem Reiseziel. Tatsächlich bekamen wir auch eine umfassende Antwort, die viele unserer Bedenken zerstreute und uns zudem mitteilte, dass der Platz unfassbar leer sei und man somit sehr viel Platz in und um den Pool herum hätte. Ich sag ja, es ist nicht alles schlecht während einer Pandemie.
Um es kurz zu machen – wir haben die Restzahlung inzwischen geleistet und freuen uns vorsichtig auf unseren Urlaub.
Ja, wir können nicht wissen, wie es in sechs Wochen in Italien aussieht. Und ja, vielleicht findet der Urlaub dann doch so nicht statt. Aber zumindest im Moment sind wir auf der relativ sicheren Seite.

Gemeinsame Vorlieben

Das Fräulein Wunder liebt genau wie ich leckeren warmen Haferbrei am Morgen. Da ich weiterhin hauptsächlich im Home-Office arbeite, gibt es diesen zwei bis drei Mal die Woche für uns.
Ich feile weiterhin an dem perfekten Rezept, dabei ist mir vor Kurzem eine Mandel-Vanille Milch (oder „Drink“, wie es wohl richtiger heißt) über den Weg gelaufen. Unfassbar, wenn der Haferbrei nach warmen Vanillepudding schmeckt! Noch dazu hat dieses Zeug fast gar keine Kalorien, was es doppelt attraktiv macht.
Am schönsten ist der Moment, wenn das ganze Gemisch im Topf anfängt zu blubbern und die Konsistenz von dünner Milchsuppe zu schleimigen, pappigen Brei mutiert. Hach!

Auf das Schlimmste vorbereitet sein

Meine Gedanken sind momentan viel bei meinem Bruder und seiner Freundin. Sie machen gerade die ganze Sch*** durch, mit der wir uns das gesamte letzte Jahr mit dem Schwiegervater gekämpft haben. Und dies auch noch unter erschwerten Bedingungen.
Die Bemerkung meines Vaters „Als nächstes bin ich dann dran“ führte mal wieder zu Gesprächen darüber, wie man eigentlich sterben möchte und wie wichtig doch eine Patientenverfügung ist. Auch der tolle Mann und ich werden demnächst so etwas aufsetzen. Gerade das letzte Jahr hat uns gezeigt, wie schnell es gehen kann und Zack ist nichts mehr so, wie es einmal war. Dann sollten die Angehörigen, die, die sich um dich kümmern werden, bereits mit ein paar Anweisungen ausgestattet sein. Ich habe gesehen welche Last es von Schultern nimmt, wenn man ein Papier in den Händen hält auf dem steht „lasst mich gehen, wenn es irgend möglich ist“.

Endlich wieder Gemeinschaftssport

Vor zwei Wochen kam überraschend eine Nachricht in meine Sportgruppe. Sport in der Halle ist wieder möglich! Allerdings bis dato noch kein Ausdauersport. Somit wurde aus der Stunde Stepp-Aerobic eine Stunde Bauch-Beine-Po. Außerdem ist die Teilnehmerzahl begrenzt. In unserem Fall hauptsächlich durch die Größe der Halle und den Abständen, die dort eingehalten werden können. Maximal 15 Personen können teilnehmen, für mehr reicht der Platz nicht. Also schreibt die Trainerin eine WhatsApp und die ersten 15, die sich melden, sind dabei, die anderen kommen auf die Warteliste. Da aber immer jemand kurzfristig absagt, konnten bisher alle die wollten am Training teilnehmen.
Zur ersten Stunde konnte ich leider nicht, aber gleich für die zweite Woche meldete ich mich an.
In der Halle sorgen aufgestellte Steps für den richtigen Abstand. War für mich, was Gemeinschaftssport betrifft, vor Corona so ein bißchen die Luft raus, freute ich mich diesmal wirklich wie Bolle auf die Stunde. Zum einen weil man eben liebgewonnene Menschen wieder trifft, zum anderen, weil Sport grundsätzlich ne tolle Sache ist und ich motivierter bin, wenn ich es in diesem Rahmen mache.
Und es klappt super! Endlich muss ich mich den verhassten Po-Übungen stellen, muss aber leider auch feststellen, dass bei meinen Bauchmuskeln durchaus noch Luft nach oben ist.

Es ist ja sowieso interessant (Achtung, ich schweife jetzt, glaube ich, etwas ab), dass man so viele Muskeln im Körper hat, dass man mit jedem Training andere Gruppen anspricht. Die Bauchübungen von Jillian Michaels gut absolvieren zu können (und wenn ich mich mal selbst loben darf, das klappt inzwischen her-vor-ra-gend), heißt noch lange nicht, dass meine Bauchmuskeln bei Monis Anweisung „und jetzt noch acht Mal die kurzen ziehen“ nicht kreischen. Als hätte ich noch nie was für den Bauch gemacht. Wirklich seltsam das.
Immerhin bleibe ich von Muskelkater verschont.

Und mit den neuen Coronaregelungen vom 1. Juli war eine Woche später sogar wieder Stepp-Aerobic möglich. Da habe ich ganz deutlich gemerkt, dass es mit meiner Ausdauer im Moment nicht so weit her ist. Ich habe gejapst und geschwitzt wie ne Bekloppte. Sport halt. Aber ich habe mich schon lange nicht mehr so ausgepowert und zufrieden gefühlt.

Konferenz-Skills

Mittlerweile hat sich die ganze Familie in die neuen Bedingungen, die uns Dank Corona auferlegt wurden, eingegroovt. So Dinge wie Abstandsregelungen, Mund-Nasen-Schutz, Homeoffice und Homeschooling sind uns sozusagen in Fleisch und Blut übergegangen.
Das führt natürlich auch dazu, dass man viele neue Dinge lernt.
Heute zum Beispiel hatte ich um 10 Uhr eine Telefonkonferenz, das Fräulein Wunder Online-Deutsch-Unterricht und der tolle Mann ein Telefongespräch mit seiner Schwester. Es muss also festgestellt werden, wer welches Gerät zu welchen Uhrzeiten wo benutzt.
So kommt es also, dass das Fräulein Wunder bei geschlossener Tür im Wohnzimmer vor dem Computer sitzt, der tolle Mann oben im Schlafzimmer mit dem Handy telefoniert und ich mich ebenfalls mit meinem Handy in der Küche in die Telefonkonferenz einwähle.

Das tolle an solchen Telefon-Konferenzen ist ja, dass man sich zum einen nicht sieht und zum anderen sich selbst stumm schaltet und nur wenn man tatsächlich etwas zu sagen hat, in die Diskussion einmischt. Faktisch ist es in den letzten Besprechungen so, dass die Chefin 90% der Zeit, die anderen Kollegen 9,99% und ich selbst 0,01% der Zeit spreche.
Somit habe ich heute während der Konferenz nebenher unser Badezimmer geputzt, Wäsche gewaschen, die Küche aufgeräumt und dann sogar noch meine Schminksachen aufgeräumt und gereinigt (seit Corona brauche ich diese leider noch viel, viel weniger als sonst). Ich sag mal so … es ist nicht alles schlecht, was uns diese Pandemie auferlegt.

Freundschaften pflegen

Wie viele gerne und oft betonen, war das Schlimmste an diesem ganzen Lockdown, dass man seine sozialen Kontakte nicht mehr live und in Farbe besuchen konnte. Natürlich gab es Telefon, WhatsApp Anrufe und Gespräche über den Gartenzaun, aber so richtig konnte das ein Zusammensein nicht ersetzen.

Inzwischen wurden die Corona-Regeln nach und nach gelockert. Erst durfte man wieder als ein Haushalt in dem Lokal seiner Wahl essen gehen, dann durfte dazu eine zweite Familie Platz nehmen, maximal aber sechs Personen an einem Tisch. Auch nach Hause durfte man sich wieder Freunde aus einem anderen, gemeinsamen Haushalt einladen. Dann durften diese zwei Familien, egal in welcher Anzahl, wieder zusammen im Restaurant an einem Tisch sitzen.
Und schlussendlich wurde dann bestimmt, dass sich erst 10 Personen und inzwischen sogar 20 Personen treffen dürfen, ohne dass für diese Gruppe die Abstandsregelungen gelten (wie sollte man diese an einem Tisch auch einhalten können?).

So ein bißchen habe ich im Vorfeld natürlich schon darüber nachgedacht, was das alles mit mir und meinen Freundschaften macht. Man merkt ja sehr schnell, wen man tatsächlich vermisst und wer einem vielleicht gar nicht so sehr fehlt.
Tatsächlich ist es nun so, dass alle Menschen, die mir vorher wichtig waren, auch jetzt noch wichtig sind und dass ich sie nach und nach bereits wieder getroffen habe. Dabei waren die Lokationen immer recht unterschiedlich und den zu dem Zeitpunkt geltenden Bestimmungen angepasst. Ich lief mit einer Freundin am Neckar entlang, als alle Restaurants noch geschlossen hatten, ich traf mich mit einer anderen im Regen auf dem Spielplatz, als noch nicht alle Familienmitglieder an einem Tisch sitzen durften und wir wagten uns mit Mundschutz zu fünft an einen Tisch im hintersten Eck des Lokals, als so ganz langsam die Lockerungen wieder einsetzten.
Dieses Wochenende war ich dann zu einem Fernsehabend mit Bowle eingeladen und es fühlt sich genau so wie früher an. Wir haben uns alle in verschiedenen Konstellationen bereits gesehen und so war es auch ganz normal, dass wir nebeneinander auf dem Sofa saßen und dazwischen kein Meter Abstand war.
Und wir waren mit dem gesamten Kaffe-Connection-Clan bei der Fußballgriechin essen. Das erste Mal, dass wir uns wieder mit so einer großen Gruppe in ein Restaurant gewagt haben. Und auch hier fühlt sich das Ganze schon wieder fast normal an, da seit dem 1. Juli die Maskenpflicht auch in Restaurants abgeschafft wurde.
Die Kinder rannten den gesamten Abend über den Fußballplatz, während wir Erwachsenen zusammen saßen und einfach die Zeit ganz entspannt mit äußerst lieben Menschen genossen.

Ich für mich kann sagen, dass mit die Vergangenheit nochmal sehr deutlich vor Augen geführt hat, was und vor allem wer mir wirklich wichtig ist. Und es ist sehr beruhigend, dass all diese Menschen weiterhin da sind und ich keinen unterwegs verloren habe.