Ich hatte gestern ein sehr aufschlussreiches und hilfreiches Gespräch mit einer Freundin. Es ging um Freundschaften und wie schnell ich enttäuscht sein kann, wenn es nicht meinen Erwartungen entsprechend läuft.

Und plötzlich sind da SMSe von Freundinnen, die mich treffen oder mit mir sprechen wollen, mir fällt unser Wellnesswochenende Mitte Oktober wieder ein und der Grillabend am vergangenen Samstag, der meine Perspektiven wieder gerade gerückt hat. Und ich spüre, dass ich mehr will, als immer nur auf diese „besonderen Ereignisse“ zu warten.

Und dann dieser Herzsprungmoment. Ich las einen Namen in einem Forum, den ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr gelesen habe und ich hatte plötzlich das starke Bedürfnis, mich bei dieser Person zu melden. Was ich auch getan habe.
Es gab eine Zeit, da waren sie und ich uns nahe. Wenn wir auch in vielen Dingen sehr verschieden waren. Wir telefonierten sehr viel, schrieben uns Mails und gemeinsame Storys. Ich besuchte sie auch ein paar Mal.

Dann kam der Tag, an dem sie mir verkündete, dass sie heiraten würde und sie sich wünschte, dass ich ihre Trauzeugin sei. Ich war damals schwanger und zum Zeitpunkt der Hochzeit wäre das Fräulein, glaube ich, vier Monate gewesen. Ich hatte Angst davor. Davor, dieses Ereignis mit dem tollen Mann und dem Fräulein zu bewältigen, meine Aufgabe als Trauzeugin richtig auszufüllen, mich mit ihrer gesamten Familie und ihren Freunden konfrontiert zu sehen … einfach aus dem virtuellen Schatten zu treten und plötzlich sichtbar zu sein. Sie kam mir damit viel zu nah – auch eine Erkenntnis, die ich erst viel später wirklich begriff.
Anstatt also definitiv zu sagen „Hör zu, ich kann und möchte das nicht“ , redete ich erst um den heißen Brei herum und meldete mich dann „einfach“ nicht mehr.

Das alles ist jetzt fast zwei Jahre her. Meine Schuldgefühle begleiten mich seitdem jeden Tag. Mal mehr mal weniger intensiv.
Natürlich habe ich mir auch gesagt, dass sie sich, wenn es ihr so wichtig war, mich bei der Hochzeit dabei zu haben, auch hätte melden können. Nachfragen, warum ich schweige. Aber so ein wirklicher Trost war das nie.

Und jetzt ist sie plötzlich wieder da. Wie aus dem Nichts. Ich habe Fotos von ihrer Hochzeit gesehen und sie sieht darauf unglaublich glücklich aus. Ein wirklich seltsamer Moment.

Ich habe ihr eine Nachricht geschickt. Ich wünschte ich wüsste, was mich erwartet. Denkt sie über damals so wie ich? Oder sieht sie die Geschehnisse ganz anders? Ist sie sauer? Hat sie an mich gedacht? Oder bin ich nur noch ein Name im Netz, wie alle anderen auch?
Und was erwarte ich eigentlich? Hauptsächlich wohl so etwas wie ein Ende meiner Grübeleien. Zu wissen wo ich stehe ist mir so unglaublich wichtig. Und dann ist da doch auch ein Wunsch nach Neuanfang.

Und im gleichen Zug schreibe ich an eine andere Person endlich die Mail, die mir schon seit Tagen auf den Nägeln brennt. Und anstatt einfach zu schreiben, dass ich mich freuen würde, sie mal wieder zu sehen, werde ich nostalgisch und merke, wie sehr ich an ihr hänge. Ich gehe sogar so weit, dass ich sie frage, ob wir wohl wieder einen losen Mailverkehr aufnehmen können.

Ich denke an all die Freundschaften, die ich im Laufe meines Lebens hatte und einfach so habe dahinsiechen lassen. Und ich denke an die Mädels, um die ich gekämpft habe (das sind nicht sehr viele). So verbissen und mit dem unbedingten Willen geliebt zu werden. Wie lächerlich!

Im Moment habe ich einfach das Gefühl, etwas tun zu müssen, Feuer wieder zu entfachen, mich mehr zu bemühen, wieder präsent zu sein. Ich habe mich jetzt lange genug mit dem Fräulein ausgeruht. Ich möchte nicht mehr nur eine Familie sein, die abgeschottet vom Rest der Welt existiert. Ich möchte mich wieder öffnen können, aber das erfordert wohl noch ein bischen Arbeit. Stay tuned!

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