Vor einiger Zeit berichtete ich schon einmal darüber, dass das Fräulein Wunder seit gut einem halben Jahr ein wenig Probleme mit dem Schlafen hat. Alleine einschlafen war nicht möglich und Durchschlafen auch nicht. Zu schön ist es in Mama und Papas Bett.

Für eine gewisse Zeit nehme ich diese Phasen immer gerne so hin. Es gibt für alles einen Grund und wenn das Fräulein Wunder eben für eine gewisse Zeit etwas mehr Zuwendung benötigt, dann soll sie die natürlich auch bekommen.
Doch irgendwann wird es einfach lästig, wenn man jeden Abend an der Seite des Kindleins ausharren muss, bis es entschlummert ist. Ich frage mich dann, ob das wirklich noch notwendig ist, oder ob es so langsam zur Gewohnheit wird. Also musste ein Plan her.

Im Internet fand ich einen Shop, der Aufkleber in sämtlichen Variationen vertreibt und da das Fräulein Wunder im Moment total auf Hello Kitty und Glitzer abfährt, waren die perfekten Aufkleber schnell gefunden.
Als sie mit der Post kamen und ich sie gemeinsam mit dem Fräulein auspackte, leuchteten da auch ein paar Kinderaugen ganz groß und die Begeisterung kannte keine Grenzen. Ich erklärte dem Fräulein also, dass sie, wenn sie abends alleine einschläft, am Morgen einen dieser wundertollen Aufkleber an den Kühlschrank (es standen ein paar Klebeorte zur Auswahl, aber der Kühlschrank war des Fräuleins erste Wahl) kleben dürfe. Diese Vorgehensweise sprachen wir am Tag noch ein paar Mal durch und auch dem Papa und der Oma und der besten Freundin wurde dieses Prozedere vom Fräulein Wunder ausgiebigst erklärt.
Am Abend brachte ich dann das Fräulein wie gewohnt ins Bett. Wir schauten den Sandmann, ich las noch eine Gutenacht-Geschichte vor und sang ihr ein Schlaflied. Danach küsste ich sie, wünschte ihr eine gute Nacht und zog mich aus ihrem Zimmer zurück.

Es versteht sich von selbst, dass das Fräulein Wunder noch drei Mal nach unten kam. Sie habe Durst, sie müsse noch einmal auf die Toilette und Mama solle noch einmal ein Lied singen. Aber danach, welch Wunder, war plötzlich Ruhe eingekehrt. Und kaum hatte das Fräulein am nächsten Morgen die Augen geöffnet, kam bereits ein „Hello Kitty Gitzeraufkleber?“ über ihre Lippen. Voller Stolz wurde also der erste Aufkleber an die Kühlschranktür geklebt.
Am zweiten Abend lief es dann noch besser, denn das Fräulein Wunder schlief sofort ein und durfte am nächsten Morgen mit dem entsprechenden Riesenlob erneut einen Aufkleber kleben.
Dummerweise entdeckte sie am dritten Morgen (nach problemlosen Einschlafen) das Versteck der Aufkleber. Da dies ein Sonntag war, weilten der tolle Mann und ich mit Miss Allerliebst noch im Bett. Als wir aufstanden, konnten wir den inzwischen bunt glitzernden Kühlschrank bewundern, der mit einem stolzen Fräulein Wunder um die Wette strahlte. („Guck mal Mama, hab ich alles alleine geklebt“ ).

Ab da zog natürlich das Argument mit den glitzernden Hello Kitty Aufklebern nicht mehr so wirklich.
„Mama, ich will morgen gar keinen Aufkleber kleben.“
„Das ist in Ordnung mein Kind, aber trotzdem machst du jetzt die Augen zu und ich gehe nach unten.“

Gott sei Dank hatte ich die Stärke, weiterhin durchzuhalten und das Fräulein den Mut, alleine zu bleiben. Seit nunmehr bestimmt vier Wochen schläft sie wieder ohne Händchenhalten ein. Und auch wenn abends von ihr ein halbherziges „Mama, bleib hier“ unter dem Deckenberg hervor genuschelt wird, scheint es für sie in Ordnung zu sein, wenn ich trotzdem gehe.

Nachdem also Phase eins des Plans so toll funktioniert hatte, machte ich mich voller Hoffnung an Phase zwei: Das Schlafen im eigenen Bett.
Auch hierfür besorgte ich Aufkleber. Diesmal Pferde, da das Fräulein Wunder, wenn sie könnte, bereits eine Koppel mit mindestens zwei Ponys hinter dem Haus hätte. Sie steht auf Pferde, hat überhaupt keine Angst vor ihnen und setzt sich selbst auf die höchsten Rösser.
Dazu malten wir beide dann auf ein riesiges Blatt Papier eine Wiese mit Bäumen und Blumen, klebten dieses an ihr Bett und vereinbarten, dass sie jeden Morgen, wenn sie in ihrem Bett geblieben ist, ein Pferd auf die Wiese kleben dürfe. UND wenn alle Pferde des Sets (18 Stück) geklebt sind, würde sich ihr momentan größter Wunsch, der gleich nach einem eigenen Pony rangiert, nämlich ein rosaroter Prinzessin-Lillyfee-Puky-Roller, erfüllen.

Wie gesagt, ich war extrem euphorisch, sah mich schon mit so viel Stunden Schlaf konfrontiert, dass ich es wahrscheinlich gar nicht schaffen würde, so lange die Augen geschlossen zu halten und brachte mit eben diesem Gefühl das Fräulein Wunder ins Bett. Beim Gutenacht sagen meinte sie dann „Mama, wenn ich kein Pferdchen kleben darf, freue ich mich auch.“ Okayyyyy, das war nun nicht die Euphorie, die ich erwartet hatte. „Aber mein Kind, dann lässt der Roller aber auch noch auf sich warten.“ Da kullerten beim Fräulein Wunder bereits die ersten Tränchen und mit zitternder Stimme erwiderte sie „ich wiiihiiill aber gar keinen Roholler hahaben.“ Schluck!

Tja. Diese Gespräch ist nun zwei Wochen her. Bisher kleben ganze zwei Pferde auf der Wiese. Das eine haben wir zu Demonstrationszwecken gleich nach dem Malen da hin geklebt und das andere hat sie sich wirklich verdient, allerdings hat sie da eben „zufällig“ mal durchgeschlafen.

Inzwischen nehme ich es so hin und dränge sie nicht weiter. Denn wenn es selbst ein rosaroter Lillyfee Roller nicht schafft, sie zum Schlafen im eigenen Bett zu bewegen, dann kann ich das mit guten Worten sowieso nicht erreichen. Fortsetzung folgt also.

Advertisements