Im Grunde beschäftige ich mich ja durchgehend mit mir und meinem Körper – speziell die Körpermitte. Hinten wie vorne. Und immer fühle ich mich zu dick und/oder unansehnlich. Dass das Schwachsinn ist weiß ich selbst. Hilft nur leider nix.

Also habe ich im Laufe der Zeit einiges an Diäten und Kram ausprobiert. Wirklich geholfen hat damals nur Weightwatchers. Ich brauche einen Plan, eine Vorgabe was ich wann in welchen Mengen essen darf. Das hat immerhin für 25 Kilo Gewichtsabnahme gesorgt.
Dann hörte ich mit dem Rauchen auf, das Fräulein Wunder und drei Jahre später Miss Allerliebst wurden geboren und schwups sind 15 Kilo wieder auf den Hüften drauf und haben sich da häuslich eingerichtet.

Ich fand leider nicht mehr so richtig den Dreh zurück in mein WW-Programm, so dass ich, als Miss Allerliebst so etwa ein halbes Jahr alt war, erst einmal mit Sport anfing. Das Laufen begleitet mich ja immer noch, meine Jillian Michaels DVDs auch immer mal wieder. Und ganz sicher hat der Sport dazu geführt, dass ich mich fiter und gesünder fühle. Aber so wirklich an den Kilos hat sich da auf lange Sicht nichts getan. Dafür mache ich das alles vielleicht zu unregelmäßig, setze im Winter gerne mal für längere Zeit aus, meist in den Vorweihnachtsfresswochen im November und Dezember.

Vor knapp drei Wochen hatte ich dann (mal wieder) die Nase voll. Irgendetwas musste passieren, weil die Hosen immer enger wurden und ich mich langsam aber sicher richtig unwohl fühlte.
Über Facebook wurde ich auf BodyChange aufmerksam. Vielleicht hat der ein oder andere schonmal etwas davon gehört. Zugpferd ist hier Detlef D.Soost, bekannt aus Funk und Fernsehen, erst als Choreograph bei „Popstars“ und dann als Fitnesscoach bei „The Biggest Loser“. Ich mag den Typ eigentlich. Irgendwie. Auch wenn ich, glaube ich, nicht mit ihm trainieren wollte.
Jedenfalls (ich schweife mal wieder ab), war schon vor der Anmeldung klar, dass diese „Ernährungsumstellung“ (so wird das Programm angepriesen) ohne Kohlenhydrate auskommen würde. Diese Idee, keine Nudeln, Reis, Kartoffeln und Brot mehr zu essen, fasziniert mich schon seit längerem. Ich konnte mir das überhaupt nicht vorstellen, da ich eher so der Beilagenesser bin. Nach dem Besuch eines Büffets ist mein Teller zu 3/4 mit Nudeln und zu 1/4 mit Fleisch gefüllt. Obenauf noch etwas Soße und gerne auch Gemüse und ich bin glücklich.
Jetzt also keine Kohlenhydrate mehr. Mich reizte diese Vorstellung und der „Gewichtsverlustrechner“ ermittelte stolze 15 Kilo, die ich in 10 Wochen abnehmen würde. Also meldete ich mich an, bezahlte 90 Euro für 10 Wochen Programm und sah mich schon schlank und glücklich.

Als ich mir das erste Video zu dem Thema „Welche Lebensmittel darf ich essen, welche nicht?“ ansah, bereute ich den Schritt allerdings gleich wieder. Besser kann eine Diät (oder „Ernährungsumstellung“) ja gar nicht starten, oder? Nach 5 Minuten bereits desillusioniert und verärgert zu sein. Aber der Reihe nach.
Nicht nur, dass ich ab jetzt keine Kohlenhydrate mehr zu mir nehmen durfte, auch Milchprodukte und Obst (!!) waren ab nun tabu.
Blieben noch Fleisch und Fisch (wobei ich letzteres nicht esse), Eier (davon jede Menge), Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse und die „Abnehmbooster“ Avocado, Limetten, Ingwer und Chili.
Joah, war jetzt nicht so prickelnd. Aber gut. Bezahlt ist bezahlt. Das wird doch irgendwie machbar sein.
Ab der dritten Wochen sollte Sport dazu kommen („Die ersten beiden Wochen konzentrieren wir uns nur auf deine Ernährung“). Ich erhielt ein pdf mit Rezepten, die meine Töchter wahrscheinlich schon nachkochen könnten und das eine Kochvideo mit Detlef, das ich mir ansah, wirkte extrem … dilettantisch. Überhaupt … ich habe mich gewissenhaft durch die FAQs und Anweisungen gelesen, benötigte dafür gerade mal ne Stunde oder so und musste immer wieder den Kopf schütteln, weil vieles für mich so gar nicht nachvollziehbar war. Da stand zum Beispiel unter „Umgang beim Essengehen oder Einladungen bei Freunden“ sinngemäß: Lernen sie nein zu sagen. Je öfter sie das probieren, desto leichter fällt es ihnen.
Bitte? Ich hatte sowas erwartet wie „Essen Sie lieber einen Salat statt Spaghetti“ oder „Ihren Döner können Sie auch auf dem Teller ohne Brot oder Pommer bestellen“.
Lernen Sie nein zu sagen. Ich war echt kurz davor mich aufzuregen.

Das beste an dem ganzen Programm – und das sage ich jetzt tatsächlich ohne jedwede Ironie – ist der eine Tag in der Woche, an dem man essen darf was man will! Man muss dem Körper nämlich ab und an ein paar Kalorien zum Arbeiten geben, sonst denkt er, es ist ne Hungersnot ausgebrochen und macht die Fettdepots dicht (so habe ich das zumindest verstanden).

Also die Reste meiner Motivation zusammen gekratzt und losgelegt.

In der ersten Woche war ich erstmal krank zu Hause. Von daher fiel mir die Umstellung etwas leichter. Erstaunlicherweise fehlten mir die Kohlenhydrate zu den warmen Mahlzeiten (also in unserem Fall am Abend) überhaupt nicht. Ich konnte mein Hackfleisch mit Karotten und Minze essen und den anderen dabei zusehen, wie sie ihre Nudeln dazu aßen. Nach einer Woche entdeckte ich im Bioladen sogar Linsennudeln, die für meinen Geschmack sehr nahe an normale Hartweizengriesnudeln ran kommen, die man aber, weil „Ersatzprodukt“, nur zwei Mal die Woche essen darf.
Seltsamerweise wurde in den BC-Rezepten gerne alles püriert. Manchmal kam ich mir da echt vor wie ein Kleinkind.

IMG_2862

Linsenpüree mit Putenschnitzel

Auch war es anfangs kein Problem mittags statt einem Wurstbrötchen drei Rühreier mit Wurst/Gemüse etc. zu  mir zu nehmen.

IMG_2863

Rührei mit Salami und Mandelbrot

IMG_2869.jpg

Avocado mit Tomaten, Falaffel, gefüllten Mini-Paprika und Rohkost

Nur das Brot. Ja, das Brot ließ sich leider selbst nach harter Recherche nicht wirklich adäquat ersetzen.

Ich backte Mandelbrot, das selbst der tolle Mann am Abend ungegessen wieder mit nach Hause brachte und das will etwas heißen.
Ich backte mir morgens Fladen aus Eiern, Kichererbsenmehl und Leinsamen und fand die nur so mitteltoll bis buäh.
Ich versuchte es mit Falaffel, das war vielleicht noch die schmackhafteste Alternative, die muss man aber auch aus Kichererbsenmehl zubereiten oder die Mischung von Alnatura kaufen (was ich gemacht habe), weil die kein zusätzliches Weizenmehl enthält. Also auch abends oder morgens am Herd stehen und brutzeln. Wie man eigentlich alles, was man zu sich nimmt in irgendeiner Form zubereiten muss und sei es nur, den Salat zu schnippeln, was mir auch extremst auf die Nerven gegangen ist.
Am Ende versuchte ich es dann mit sogenannten „Böhtchen“, Brötchen aus pürierten Kidneybohnen und Flohsamenschalen. Als ich dann morgens beim Frühstück in der Kantine saß und am vorletzten Bissen meines „Böhtchens“ herumwürgte, beschloss ich, dass es nach zwei Wochen nun endlich genug sei.
Wer bin ich denn sag mal? Mein Leben ist zu kurz um mich von Zeug zu ernähren, das mir nicht mal im Ansatz schmeckt, mir Obst zu verkneifen, obwohl man doch von Kindesbeinen an gesagt bekommt, dass das sehr gesund sei und selbst der Joghurt und die Scheibe Käse auf dem (nichtvorhandenen) Brot Teufelszeug ist. Ich dachte wirklich sehr oft „So ein Schwachsinn!“.

Was man dem Programm zu Gute halten muss: Es wirkt. Ich habe in den zwei Wochen 1,6 Kilo abgenommen. Und der „Ich-darf-essen-was-ich-will-Tag“ ist natürlich schon auch cool. Essen ohne Reue, das hatte ich schon eine ganze Zeit nicht mehr so wirklich.
Zudem führt der Verzicht von Kohlenhydrate dazu, dass man weniger Heißhunger hat (eigentlich gar nicht) und sich nicht so vollgestopft fühlt.

In sofern haben mir diese zwei Wochen schon etwas gebracht. Ich habe mich reumütig wieder bei Weightwatchers angemeldet und bin sozusagen nahtlos in dieses neue Programm übergegangen. Ich werde mir auf jeden Fall öfter die Kohlenhydrate zu den Mahlzeiten sparen und mein Brot, und sei es nur Knäcke, mit jedem Bissen genießen.

Guten Appetit.

 

 

 

 

 

Advertisements