Was ein Tag! Welch ein Abend! Ich bin ja nun ein recht regelmäßiger Konzertgänger, aber so etwas wie gestern habe ich wirklich noch nie erlebt. Aber von vorne.

Bereits im November letzten Jahres verschaffte mir die liebe Ramona eine der ersten Karten für das Robbie Williams Konzert in der Commerzbank Arena in Frankfurt. Ich zögerte damals wegen des doch recht hohen Preises (100 Euro sind echt ein Brett), aber schließlich fehlte mir der werte Herr noch in meiner Muss-ich-einmal-im-Leben-live-gesehen-haben-Liste und so griff ich schlussendlich zu.

Die Monate vergingen und Ruck Zuck war es plötzlich Juli und das Konzert stand vor der Tür.

Ramona ist eine fleißige Robbie-Konzerte Besucherin. Der Plan war, sehr früh los zu fahren um einen möglichst guten Platz weit, weit vorne zu ergattern. Neuerdings ist es auf großen Konzerten nämlich wohl Usus, dass für den vorderen Bereich (zwischen Bühne und erstem Wellenbrecher)  Bändchen vergeben werden, so dass einmal drin auch für immer drin bedeutet. Bei manchen Konzerten kann man diese Bändchen für viel Geld im Vorfeld erwerben, bei diesem Robbie Konzert musste man nur einer der ersten und schnell genug sein. Als sie deshalb vorschlug, gleich nachdem wir die Kinder am Morgen in Schulen und Kindergarten untergebracht haben los zu fahren, war ich sofort dabei. Das hatte schon so ein bißchen was aus meiner Boyband-Zeit. Auch wenn ich mir noch nicht vorstellen konnte, durch eine Arena auf die Bühne zu zu rennen.
Ein wenig Sorgen machte ich mir dann auch wegen des Wetters. Bis zu 35 Grad. Knallesonne. Ist normalerweise nicht so das Wetter, bei dem ich mich pudelwohl fühle. Andererseits … sechs Stunden im Regen vor dem Stadion zu sitzen wäre sicherlich auch nicht schön.

Also fuhren wir um halb zehn fröhlich und voller Vorfreude los Richtung Frankfurt. Dort angekommen stellten wir fest, dass der Parkplatz am Stadion tatsächlich erst um zwölf Uhr öffnet. Die Alternativen waren also, gut eineinhalb Stunden vor der geschlossenen Schranke in der Hitze zu warten oder in einer kleinen, versteckten Ecke im Wald (wahrscheinlich) verbotswidrig zu parken.
Wir entschieden uns für letzteres und das war unser großes, großes Glück, wie sich recht bald heraus stellen sollte.

In nicht einmal zehn Minuten waren wir dann zum Eingang gelaufen und dort erwartete uns eine doch recht überschaubare Menge an Menschen. Da hatte ich mir ehrlich gesagt wesentlich mehr erwartet.

Aber auch hier: Glück für uns. Irgendjemand fragte uns „Habt ihr schon eine Nummer?“ Nummer? Äh, nein? Wir sollten uns an die Gruppe ganz vorne am Tor wenden. Wie wir später erfuhren, campierten diese Mädels bereits seit zehn Uhr des Vortages (!) dort. Und das nette Mädel mit der Nummer 1 erklärte uns, dass die Security den ersten 120 Ankömmlingen Bändchen zur Verfügung stellen würde, die sie dazu berechtigten, 15 Minuten vor allen Anderen in das Stadion zu gelangen. Und somit erhielten wir Nummer 116 und 117 und waren damit für die begehrten Einlass-Bändchen vorgemerkt. Wir kamen also wirklich kurz vor knapp. Nicht auszudenken wie sehr wir uns geärgert hätten, wenn wir auf das Öffnen der Parkplatzschranke gewartet hätten!

Mit der Ermahnung uns nicht von hier weg zu bewegen, bevor wir dann tatsächlich auch die Bändchen hätten, uns später in Zweierreihen aufzustellen und gesittet und ordentlich (nicht rennen, nicht schubsen usw.) in die Halle zu laufen, wurden wir auf DER Liste vermerkt. Den restlichen Tag freuten wir uns wie Bolle jedesmal wenn unser Blick auf unser Handgelenk fiel. Der Ausdruck „Wir haben ja ein Bändchen!“ wurde an dem Tag zum geflügelten Wort.

Und tatsächlich kamen um halb zwölf zwei Security-Menschen. Wir wurden der Reihe nach aufgerufen, der eine klebte die Bändchen um unser Handgelenk, der andere piepste unsere Karte ab. Dabei wurde ich die ganze Zeit das mulmige Gefühl nicht los, dass sich Mädchen Nummer 1 wahrscheinlich verhört hatte und es nur 115 Bändchen gibt und wir am Ende doch noch leer ausgehen. Aber nein. Nach 115 waren tatsächlich noch 5 Bändchen übrig. Wir waren also vollkommen unverhofft bereits vier einhalb Stunden vor Einlass mehr oder weniger drin und in der ersten Reihe. Wie geil ist das denn?!? (Ich krieg immer noch so ein dämliches Grinsen ins Gesicht, wenn ich daran denke).

Nachdem wir das Bändchen hatten, war der Rest des Mittags/Nachmittags vollkommen entspannt. Wir konnten kommen und gehen wie wir wollten, niemand machte uns einen Platz streitig, weil … genau … „Wir haben ja unsere Bändchen.“ So konnten wir beruhigt zu zweit aufs (Dixi)Klo gehen, Ramona parkte nach Öffnung des Parkplatzes in aller Ruhe das Auto um, wir lagen im Schatten und verspeisten unser mitgebrachtes Proviant. Wir leerten jede 2 Liter Wasser in einer Affenhitze, die wir aber im Schatten liegend extrem gut aushalten konnten. Später spazierten wir ein wenig durch die Gegend, vorbei an einem Schwimmbad, vor dem sich lange Schlangen gebildet hatten, an der S-Bahn vorbei bis hin zu einer Tankstelle, wo wir uns ein Klo mit fließend Wasser, eine eiskalte Cola und ein Eis gönnten. Der Himmel auf Erden sozusagen.Und immer wieder der Blick auf das Handgelenk. Bald. Ich. In der ersten Reihe. So wirklich glaubte ich immer noch nicht daran.

So gegen halb vier kam dann Bewegung in die Gruppe. Inzwischen hatte sich auch der Platz vor dem Eingang mit Menschen gefüllt, aber immer noch kam mir die Menge extrem überschaubar vor. Kein Gedrängel, noch jede Menge Schattenplätze und alles vollkommen entspannt. Mehrmal beantworteten wir die Fragen der anderen nach unseren Bändchen und wo man die bekäme. Man fühlt sich da ja schon so ein bißchen privilegiert. Schön fand ich die vielen positiven Reaktionen. „Wie, ihr seid schon seit halb elf da? Na, da habt ihr euch die Bändchen aber auch verdient.“
Auch wir stellten uns schließlich gegen vier in die Reihe. Schön nach aufsteigenden Nummern geordnet. Voller Vorfreude und Herzklopfen.

Und dann ging es wirklich los. Vorbei an der gesamten restlichen wartenden Menge spazierten wir durch die Absperrung, wurden abgetastet und die Taschen flüchtig angesehen. Und dann wieder im Gänsemarsch um die Halle herum und durch einen kleinen Tunnel direkt hinein in die absolut leere Arena. Auf dem Weg haben wir alle gemeinsam „Seven Nation Army“ und das Rocky Theme gegrölt und waren total euphorisch.

Und dann verteilten sich 120 Leute in einer riesigen Arena vorne an der Bühne. Für jeden war ein Stückchen Platz. Wir waren so nah, dass die Bühne und ich beim Selfie nicht gemeinsam aufs Bild gepasst haben.

Und so saß ich also das erste Mal in meinem langen, langen Konzertleben mit dem Rücken an die vorderste Absperrung gelehnt und konnte mein Glück überhaupt nicht fassen.

Und ja, es wurde mit der Zeit etwas eng und der Weg zum Klo, kurz bevor die Vorband loslegte, war auch ein Abenteuer. Aber das tat der Stimmung keinen Abbruch. Im Gegenteil. Wir unterhielten uns mit den Mädels, die um uns herum saßen, verteidigten unsere hart erarbeiteten Plätze gegen Drängler und versuchten nicht mehr so viel zu trinken, weil wir einen erneuten Weg zum Klo wohl aus Platzgründen nicht mehr geschafft hätten.
Irgendwann dazwischen gab es mal einen ordentlichen Regenguss, der aber wegen des ausgefahrenen Arena-Daches nicht weiter störte. Aber laut war das Getöse. Hölle!

Um sieben dann die Vorband. Erasure. Meine Jugend! Und der Typ war ja soooo cool in seinen schwarzen Glitzerhotpants und den lila Schuhen mit den roten Socken.

Damit bekam ich auch den ersten Eindruck davon, wie NAH das alles da oben auf der Bühne war. Die Hälfte der alten Songs kannte ich, bei dreien konnte ich sogar relativ textsicher mitsingen. Arg schön!

Dann eine halbe Stunde Umbaupause, in der eigentlich nicht sehr viel umgebaut wurde. Und dann … Eminems „Lose yourself“ in voller Lautstärke aus den Lautsprecherboxen, in der Hälfte ersetzt durch etwas, was ich nicht so recht kannte, von dem ich im Nachhinein aber glaube, dass es Barry Menilow war („Welcome to the Heavy Entertainment Show, Eminem meets Barry Menilow …“).
Und dann der Meister höchstpersönlich. In einem roten, glitzernden Boxer-Umhang, mit acht Tänzerinnen, drei unglaublich guten und hübschen Backgroundsängerinnen und einer Band, die nicht nur rockte, sondern auch swingte und bei der die Bläser sehr oft zum Einsatz kamen.
Dann lies der gute Mann seinen Umhang fallen und präsentierte sich in einem schwarzen Muscel-Shirt und schwarzem Rock mit der allseits bekannten Robbie-Tieger-Unterhose darunter. Das war auf jeden Fall luftig und den Temperaturen angemessen.

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Anders als ich es erwartet hatte, war dieses Konzert eher eine Best-Off Show als eine Promotion fürs neue Album. Aus jedem vergangenen Album spielte er zwei oder drei Songs (sogar Rudbox, was ich jetzt nicht unbedingt gebraucht hätte). Neben „Heavy Entertainment Show“ tatsächlich nur „I love my Life“ vom neuen Album, wobei er in einem riesigen Boxhandschuh über die Menschenmenge schwebte.

Irgendwann kam tatsächlich Robbies Vater auf die Bühne und sang mit ihm „Sweet Caroline“ auf einer Couch an der vorderen Spitze des Catwalks sitzend.
Davor oder danach (in meiner Erinnerung verschwimmt das alles ein bißchen und ich will jetzt nicht googeln) eine Hommage an den verstorbenen George Michael. Mit „Freedom“ hat Robbie die Halle (und mich) absolut zum Beben gebracht.

Es fehlte wirklich nichts. Von „Rock DJ“, „Millennium“ bis „Monsun“ und „Feel“ über „Kids“ (eines meiner Lieblinge) bis hin zu alten Take That Klassikern war wirklich alles vertreten. Hit für Hit ein Hit.
Und das alles so nah und fast greifbar, dass ich ein, zwei Mal das Gefühl hatte, dass Robbie mich ansieht und auch wahrgenommen hat (wahrscheinlich eine Illusion, aber damit kann ich leben). Immer noch unglaublich.

Bei Angels lagen Ramona und ich uns endgültig absolut euphorisch in den Armen und als er dann von der Bühne ging, konnte ich es gar nicht glauben. Das war doch jetzt sicherlich erst ne halbe Stunde gewesen, wo will er denn hin?
Tatsächlich hat er zwei Stunden gespielt, die wie nix vorbei gingen und verabschiedete sich dann mit „I did it my way“. Was für ein groß-, groß-, großartiges Konzert!!

Und um diesen Glücksschwein-Beitrag noch gebührend abzuschließen fuhren wir anschließend, bereits in der Nähe unseres Wohnortes, zu einem McDonalds um diesen gran-di-osen Tag noch mal so richtig mit Kalorienbomben zu feiern. Wir kamen um 23:48 Uhr dort an und stellten fest, dass der Laden um 0:00 Uhr schließt. Somit waren wir an einem Tag die ersten in der Arena und die letzten Kunden bei McDonalds. Kann es einen bessern Abschluss geben?

Heute ist meine Stimme weg und ich fühle mich etwas gerädert. Ich hatte nur drei Stunden Schlaf und muss jetzt putzen. Aber das war es definitiv wert! Beim nächsten Mal muss ich unbedingt wieder dabei sein.

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