Der November ist bei mir klassisch der Monat, in dem jeder Funke Energie und Unternehmungslust relativ plötzlich erlischt. Ich habe keine Lust auf gar nichts. Am liebsten würde ich mich bis Anfang März in meinem Bett verkriechen, eine Millionen Bücher lesen, unfassbar viele Liter Tee trinken und den Rest der Welt Welt sein lassen.
Natürlich hat der November auch ein paar gute Seiten. Es macht wieder Spaß die Tage im Haus zu verbringen, wieder etwas mehr Gesellschaftsspiele zu spielen, auch mal ne Runde Fernsehen am Nachmittag einzuschieben oder eine Kanne Tee bis zum letzten Schluck heiß zu genießen.
Auf der anderen Seite stirbt meine Lust auf Sport, und die Disziplin beim Essen nimmt rapide ab. Spätestens im Dezember, wenn Plätzchen, Glühwein und Weihnachtsessen beinahe täglich auf dem Plan stehen, ist diese Verbindung tödlich für meine Figur.

Um meine Sportunlust entgegenzuwirken versuche ich wieder regelmäßig zum Sport aus dem Haus zu gehen. Habe ich das Frühjahr und den Sommer über lieber mit meinen DVDs Sport gemacht und war draußen Laufen, so konnte ich mich bereits Ende Oktober nur sehr schwer zu sportlichen Aktivitäten aufraffen. So sank mein durchschnittliches Sportpensum von fünf bis vier Mal die Woche erst auf drei, dann auf zwei und schließlich auf ein ziemlich verkrampftes Mal die Woche. Ich gebe zu, dass mich das inzwischen etwas panisch macht. Total psycho, ich weiß. Und ich weiß auch, dass ich morgens nicht aufwache und plötzlich wieder 90 Kilo wiegen werde. Und trotzdem. Irgendetwas musste passieren.
Also bin ich mittwochs wieder zum hiesigen Turnverein zur Step-Arobic gegangen. Allerdings war nach zwei Mal für dieses Jahr bereits wieder Schluss, da diverse Theaterproben und die Winterferien dazwischen kamen.

Schon länger erzählte mir meine Freundin Ramona von den Kursen, die sie montags in einem Fitnessstudio gibt. Da es sich hierbei um drei Kurse hintereinander handelt (Fatburner-Step, BBP und Yoga) nannte ich das für mich den „Iron Monday“. Und irgendwo in mir stand diese Frage: Könnte ich diese drei Stunden Sportpensum schaffen? Ich bilde mir ja nun ein, einigermaßen trainiert zu sein. Ich strotze jetzt nicht vor Muskeln, aber ich habe eine gewisse Kondition und meine Beine und mein Bauch können inzwischen einiges aushalten. Aber drei Stunden? Das ist schon Hardcore.
Und dann fand ich auf Groupon plötzlich dieses Super-Sonderangebot (6 Wochen für knapp 30 Euro – Guckst du hier) und es war klar, dass ich damit den Iron Monday ausprobieren musste.

Diese Woche war es dann so weit. Ich war echt ein bißchen ängstlich. Angst zu versagen. Angst nicht mithalten zu können. Angst feststellen zu müssen, dass ich eigentlich gar nichts kann und mir die ganze Schufterei bisher nichts gebracht hat. Angst mich zu blamieren.
Aber auch neugierig. Was kann ich wirklich? Wo liegt mein tägliches DVD Training im Vergleich von Schwierigkeitsgrad und erforderlichem Durchhaltevermögen?
Und nicht zuletzt freute ich mich tierisch darauf, zusammen mit Ramona Sport zu machen (die ohne Frage das absolute Fitnesstier ist. Ich bin immer noch total geflasht und demütig).

Pünktlich um 17.30 Uhr stand ich also vor meinem Step. Noch guter Dinge, mehr in freudiger als ängstlicher Erwartung.

Und dann ging es los.
Obwohl ich ja nun seit Jahren im hiesigen Turnverein zur Step Aerobic gehe, lernte ich doch viel Neues. Zum einen, dass es hierbei nicht immer nur um Choreo gehen muss, sondern dass es auch einfach reicht, einen konditionsmäßig komplett fertig zu machen (Fatburner-Step eben). Demnach die Schritte relativ einfach und bekannt, wenn auch manchmal anders benannt, neu das tänzelnde Wechseln auf den Nachbarstep und wieder zurück und vor allem neu das Hochbauen des Step (!).
Mein lieber Herr Gesangsverein. Wenn so ne Stufe mal 40, 50 cm hoch ist (statt 20) und du zwanzig Minuten rauf und runter steigen, hüpfen und tanzen musst, weißt du hinterher auch was du getan hast.
Erfreulicherweise war meine Kondition vollkommen ausreichend. Ich habe geschwitzt wie bekloppt und ordentlich nach Luft gerungen, aber so sollte Sport eben sein und ich empfand es nicht als unangenehm. Meine Beine haben aber schon ganz schön protestiert. Aber alles noch im Rahmen.
Wenn ich jetzt nach Hause gegangen wäre, hätte ich gesagt, es war anstrengend aber hat Spaß gemacht, weil es was Neues war und mich körperlich echt gefordert hat.

Aber ich hatte ja gerade mal ein Drittel geschafft.

Vor Bauch-Beine-Po hatte ich mit am meisten Respekt. Ich weiß, dass bestimmte Muskelpartien bei mir nicht sonderlich gut trainiert sind. Meine Arme können gar nix und selbst gewisse Bein- oder Bauchregionen sind schlechter trainiert als andere.
Und so kam es, dass nach einer Stunde intensiven Treppensteigens im Step die Beine weiter malträtiert wurden. Da fühlen sich deine Oberschenkel sowieso schon wie Pudding an und dann sollst du auch noch ordentlich in die Knie gehen, die Beine heben und strecken und dabei irgendwie aufrecht bleiben und nicht zusammenbrechen.
Ich habe nicht alle Wiederholungen geschafft. Musste zwischendurch öfter absetzen, nach Atem ringen, kreischende Muskeln massieren und Ramona innerlich verfluchen (ich befürchte, ich habe einmal sogar laut „ich hasse dich“ gesagt). Bei ihr sah das alles so einfach aus (die deutsche Jillian Michaels sozusagen). Ich hingegen wollte nur noch sterben.
Tatsächlich hat mich der Kurs ganz schön deprimiert. Ich wollte besser sein. Ich wollte da vielleicht nicht durchspazieren, aber wenigstens würdevoll vor mich hin stöhnen und die Übungen schaffen. Ging halt nicht.
Das ist aber wiederum das, was meinen Ehrgeiz anfacht. Warum ich nächsten Montag wieder dort bin, mich plage, Schmerzen haben und wieder versagen werde. In sechs Wochen will ich da raus gehen und mir sagen „das war jetzt richtig gut“.

Anschließend ein kurze Pause von fünf Minuten und danach zum Yoga auf der Matte ausstrecken. Für das nächste Mal weiß ich, dass ich mir frische Klamotten mitnehmen muss. Denn so verschwitzt zu entspannen ist nicht so ganz der Bringer.
Wobei ich noch etwas unschlüssig bin, ob ich das nächste Mal die Stunde Yoga nicht lieber in der Sauna verbringe. Denn egal wie, Yoga ist trotzdem Sport, zudem noch eher etwas für Menschen, die wesentlich gelenkiger sind als ich. Ich hatte keine Kraft mehr für gewisse Figuren, wackelte rum, weil mein Körper nur noch sehr widerwillig Spannung halten wollte und beim Entspannen am Schluss musste ich aufpassen, dass ich nicht einschlafe.
Ich hatte jedenfalls das Gefühl, dass mein Körper schon lange genug für diesen Abend hatte und mit dem Prinzip Yoga warm zu werden fällt mir sowieso schon immer schwer.

Ich schlief in dieser Nacht wie ein Stein. Am nächsten Morgen (und die nächste zwei bis drei Tage) schmerzten meine Arme, Schultern und Brustmuskeln und dies nur von vielleicht zwanzig Liegestützen. Der Rest des Abends hatte den Fokus eher auf Beine und Bauch und die fühlten sich gut an. Zwar irgendwie schwer und geschafft, aber es tat nichts weh. Das hat mir wiederum sehr gefallen. Das zeigt mir doch, dass mein bisheriges Sportprogramm nicht umsonst war, dass da Muskeln sind, die bereit für noch mehr Anstrengung sind und das auch gut verkraften.

Demnach stehe ich am Montag wieder um 17.30 Uhr vor meinem Step. Mit sehr viel Respekt und der Erwartung, dass ich spätestens bei BBP abkacken werde. Aber das ist in Ordnung. Wie ich auch immer dem Fräulein Wunder sage: „Du kannst nicht erwarten dass du alles nach fünf Minuten perfekt kannst. Manche Sachen muss man üben, üben und nochmal üben. Aber wenn es dann klappt, dann ist das das tollste Gefühl auf der Welt.“

In diesem Sinne ein angenehmes und geruhsames Wochenende. Vielleicht denkt ja der ein oder andere am Montag Abend an mich und sendet mir ein bißchen Muskelkraft. Ich kann sie ganz sicher gebrauchen!

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