Es gibt bestimmte Tage im Jahr, auf die ich mich immer besonders freue. Zum Beispiel auf meinen Geburtstag, den Sommerurlaub, Weihnachten und Silvester und auch das Weihnachtsessen mit meinen Käfermamas.

Die Vorweihnachtszeit ist immer extrem stressig, weil jeder noch irgendwo eine Advents-, Nikolaus- oder Weihnachtsfeier veranstaltet. Jede Woche und jedes Wochenende ist mit Terminen angefüllt, dazwischen muss alles rund um Weihnachtsgeschenke und – feier und der normale Alltagswahnsinn bewältigt werden.
Normalerweise sind in dieser Zeit Abendtermine für mich tödlich, da mir damit zusätzlich noch wertvolle Stunden Schlaf entzogen werden. Von daher versuche ich zumindest das tunlichst zu vermeiden.

Für unser alljährliches Käferessen nehme ich dies allerdings sehr gerne in Kauf.

Schon Wochen vorher – eigentlich bereits das ganze Jahr über – beschäftigt mich der Gedanke an das Wichtelgeschenk. Bereits im achten Jahr beschenken wir uns so gegenseitig. Jeder besorgt eine Kleinigkeit im Wert von 10 Euro, verpackt es ansprechend und mit viel Liebe und stopft es dann am Abend im Lokal in den großen Krabbelsack. Natürlich ist es bei Strafe verboten die Geschenke der anderen vorher auszuspionieren. Keiner darf gucken, wenn das Geschenk im Sack versenkt wird, denn man soll ja später vollkommen unbedarft eines der bunten Päckchen heraus ziehen.

Genauso wichtig wie das Wichtelpräsent, ist die Wahl des richtigen Lokals. Dieses eine Mal im Jahr soll es sehr festlich und kulinarisch lecker sein. Im Laufe der Zeit haben wir schon ein, zwei Mal ein neues Restaurant ausprobiert.
Dieses Jahr waren wir das zweite Mal im Restaurant Weingärtner. Ein kleines, uriges Lokal mit hervorragender Küche, leckersten Weinen und himmlischen Desserts.

Leider konnte Steffie dieses Jahr nicht dabei sein, so dass wir „nur“ zu siebt den Abend bestritten. Ein Teil von uns sind alte Hasen in der Käfergemeinschaft, ein anderer ist in den letzten zwei Jahren neu dazu gestoßen.
Zuerst wurde geherzt und gedrückt, danach an der festlich gedeckten Tafel Platz genommen und während schon die ersten Gespräche in Gang kamen wurde bereits äußerst interessiert die kurze aber feine Getränke- und Speisekarte inspiziert.
Der richtige Wein war schnell gefunden, das Essen war ein bißchen schwierig, da ich abwägen musste, ob ich lieber ein teureres Hauptgericht, oder lieber ein etwas günstigeres Essen, dafür aber mit Dessert wählen sollte.

Schlussendlich wurde es dann tatsächlich ein Salat mit marinierter Hähnchenbrust. Und was sich hier zwar eher unspektakulär anhört, war am Ende aber sowas von lecker, dass ich nicht hätte mit irgendjemandem tauschen wollen (nicht einmal mit Iris‘ Rumpsteak, was echt was heißen will).
Abgesehen von den leckeren, knackigen Blattsalaten mit eher konservativer Vinaigrette, gab es dazu auch Hummus mit einer leckeren Soße, Quinoa mit Kokosmilch und Hähnchenbrust mit schwarzem Kümmel in Chilli-Mango Marinade. Ein absoluter Traum!
Zum Nachtisch gönnte ich mir dann noch einen Himbeerbrownie, der oben eine Schicht aus verschiedenen Kernen und Saaten hatte, mit selbstgemachtem Eis in dem Schokostückchen waren. Ich liiiiebe Schockostückchen im Eis. *Sabbermodus aus*

Ich schätze, in der Zeit zwischen Begrüßung und Beendigung des Nachtisches unterhielten wir das gesamte Lokal. Da es recht eng dort ist, vermischen sich die Gespräche von den Nachbartischen mit den eigenen und so wird man unweigerlich gerne mal etwas lauter beim Reden.
Und wir behandelten alle Themen, die man sich so vorstellen kann. Selbst Fußball wurde kurz mal angeschnitten. Bei manchen unserer Erzählungen bekamen unsere Tischnachbarn sicherlich rote Ohren, bei anderen rollten sie wahrscheinlich mit den Augen, aber Alles in Allem hat uns niemand mit Essen beworfen oder uns des Lokales verwiesen.
Im Gegenteil: Als wir schließlich den Krabbelsack hervor holten, wollten einige unserer Sitznachbarn sich gerne zu uns gesellen und ebenfalls ein Geschenk aus dem Sack ziehen. Tja, Pech gehabt!

Und dann ging es los. Reihum griff jeder tief in den riesigen Sack und zog mal ein großes, mal ein kleineres Päckchen daraus hervor (wir hatten auch schon Päckchen, die waren so groß, dass sie oben aus dem Sack heraus geschaut haben).

Mit einer der schönsten Aspekte dieser Tradition ist auch das Erraten des jeweiligen Schenkers. Bereits bei der genauen Inspektion des Geschenkpapieres, der Verzierung, der Schleifchen und dem Grad der korrekten Faltung und Verklebung, werden Tipps abgegeben, wer wohl was darin verpackt hat. Und wie immer trifft man sehr oft genau ins Schwarze, aber manchmal liegt man auch total daneben.
Mein Geschenk wurde zum Beispiel in geschlossenem Zustand jemand ganz anderem zugeordnet, was mich ein bißchen gefreut hat, wenn ich auch nicht sagen kann wieso und warum das überhaupt wichtig ist.

Anschließend folgt das hingebungsvolle Auspacken. Natürlich immer schön nacheinander und unter genauster Beobachtung der gesamten (Tisch)Gesellschaft. Jedes Geschenk wird mit überraschten Ahhhhs und Ohhhhs quittiert, es wird reihum an Duschgels, Badezusätzen und Tees gerochen, es werden bisher unbekannte Gegenstände bestaunt und ihre Handhabung diskutiert, da werden Bilder von vergangenen Events betrachtet und in Erinnerungen geschwelgt und am Ende stellen wir immer wieder fest, dass wie durch Zauberhand jeder genau das Geschenk gezogen hat, das ganz genau zu ihm passt. Jedes Jahr wieder ein absolutes Wunder.

Und so sitzen wir da. Lachen, Erzählen, Trinken, hören aufmerksam zu, erteilen Ratschläge und drücken unser Mitgefühl aus. Wir lächeln uns an, haben strahlende Augen und schwelgen in Erinnerungen. Wir zelebrieren und wir genießen diesen Abend. Weil er uns gehört und wir uns und unsere Freundschaft hier und heute feiern. In exklusivem Rahmen, wie es sich gehört, mit kleinen Geschenken, die unterstreichen, wie gut wir uns kennen und wie sehr wir uns schätzen. Und weil es nach wie vor nicht alltäglich ist, dass man Menschen trifft mit denen man sich so tief verbunden fühlt und denen man nach acht Jahren immer noch so nahe ist.

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