Diese Woche. Maimarkt Halle Mannheim. Marteria auf seiner Rosswell Tour. Vorfreude bereits seit Januar.

Ein Konzert unter der Woche hatten wir schon länger nicht mehr. Entsprechend müde schleppten der tolle Mann und ich uns im strömenden Regen zum Veranstaltungsort.

Ich versuche ja ganz gerne einen Platz auf einem der etwas erhöht liegenden Kabelkanäle zu ergattern. Diese fünf bis sieben Zentimeter machen bei meiner Körpergröße von 1,60 Meter den Unterschied zwischen „Nichtssehen“ und „ein Bißchen sehen“ aus.
Auch dieses Mal hatten wir Glück und der Blick auf die Bühne war für mich, eine halbe Stunde vor Konzertbeginn, annähernd perfekt.
Leider änderte sich dies im Laufe der nächsten Stunde.

Ich fange demnach mal mit Jammern an und arbeite mich dann zum durchaus beeindruckenden Höhepunkt vor.

Ich weiß nicht so genau, ob ich nicht langsam zu alt für solche Events werde. Ernsthaft. Der tolle Mann und ich hoben den Altersdurchschnitt in der Halle immens. Und das ganze Jungvolk hat scheinbar nichts besseres zu tun, als entweder die ganze Zeit auf das Handy zu starren (vor, während, nach dem Konzert), Selfies zu schießen (mit diesen seltsamen Entenschnuten, die doch bei niemandem gut aussehen) oder sich groß wie ein Hochhaus vor mir aufzubauen.
Der Vorrapper war auch eher so lala (er sang irgendwas von Nudeln, die man kalt und warm essen kann).

Schließlich enterte Marteria die Bühne. Normalerweise bin ich ja schon der „ich Hüpfe und schreie mir die Lunge aus dem Leib“ Typ. Aber mit drei knapp zwei Meter-Männern vor mir und einem schrankbreiten Typen schräg neben mir, der sich nach und nach direkt in mein Blickfeld schob, einer Gruppe von sechs oder sieben Leuten zu meiner Rechten, die sich die erste halbe Stunde des Konzerts mit dem Rücken zur Bühne lautstark unterhielten und den zwei Schnepfen zu unserer Linken, die sich kurz vor Beginn von hinten dazwischenschoben und ihren eigentlich nicht vorhandenen Platz unnachgiebig beanspruchten, kam nicht so recht Stimmung bei mir auf.
Nach etwa einer Stunde hatte ich mich dann soweit zwischendurch und nebendran geschummelt, gedrückt und neu positioniert, so dass ich doch ab und zu einen winzigen, hüpfenden Kopf auf der Bühne sehen konnte und wenigstens so ein bißchen Stimmung aufkam.

Ich behaupte mal, an Marteria lag es wirklich nicht. Der Meister hat alles gegeben und jeden Song rausgehauen, als gäbe es kein Morgen mehr. „Druckvoll“ ist das Wort, das mir zu diesem Konzert am ehesten einfällt. Da vibrierten durch den Bass nicht nur mein Magen und mein Herz, sondern auch meine Klamotten.

(Dies hier habe ich bei YouTube gefunden, ist also nicht von mir. Versetzt mich aber sofort zurück zu dieser Wahnsinns Musik)

 

Eine echte Band mit Schlagzeug (großartig!) und Gitarre (virtuos!), Backgroundsängerinnen und Co-Rapper sorgten für die nötige Begleitung. Die Lightshow war überragend und die Bilder auf der Leinwand (wenn ich sie denn sehen konnte) waren gestochen scharf und perfekt auf die Show abgestimmt.
Mit Songs wie Aliens, Scotty beam mich hoch, El Presidente, Kids, Blue Marlin, Lila Wolken und, und, und rockte er die Halle bis sie bebte.

  

Er brachte die Halle dazu sich komplett hinzusetzen („Alle oder keiner“), um danach die Männer aufzufordern erst ihre Frauen auf die Schultern zu nehmen (Marteriagirl) und sich dann auszuziehen (Feuer).

In der letzten dreiviertel Stunde schaffte es der werte Herr damit dann schließlich auch mich zum Hüpfen zu bringen. Vorne wütete die Menge im Moshpit, den Materia schließlich während der Zugabe stürmte, sich dann von den Fans bis nach hinten zur Technik tragen lies und von dort mit einem beherzten Sprung in die Menge wieder nach vorne durchgereicht wurde.

Der Abend endete schließlich mit einer ewig langen Wartezeit an der Garderobe, während ein armer Mensch mit Megaphon versuchte, die vor sich hin maulende Menge einigermaßen in Schach zu halten. Das ist also verbesserungswürdig.
Immerhin schafften wir es noch zur letzten S-Bahn, woran ich zwischendurch echt gezweifelt hatte.

Sicherlich also ein großartiges Konzert, bei dem mir allerdings durch die äußeren Umstände ein großer Teil des Spaßes genommen wurde.
Im April steht der virtuose Curse an und ich kann es kaum noch erwarten. Ich hoffe, dass wir dann eher mit Gleichgesinnten feiern, als uns unter seltsamen Menschen fehl am Platz zu fühlen.

Geschichte schreiben nur die Autoren des Manuskripts
Immortale Hits sind mehr wert als Politics
Gebe alles und erwarte nichts
Nur ich und mein Blatt und Stift (Manuskript, Manuskript)

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