Im Gegensatz zu Miss Allerliebst, die gerade erst mit der Schule begonnen hat, endet für das Fräulein Wunder die vierte Klasse in diesem Sommer und damit die Grundschulzeit.
Wir verbringen also gerade unsere Abende damit, uns jede Menge Gymnasien anzusehen um zu entscheiden, welche Schule das Fräulein ab September besuchen soll.

Bereits Ende letzten Jahres war das Thema „Weiterführende Schule“ schon sehr präsent. Tagtäglich bin ich mit Eltern von Kindern aus vierten Klassen zusammen. Sei es durch meine Käfermamas oder die Eltern der Klassenkameraden des Fräuleins. Jeden trieb und treibt dieses Thema um. So ein bißchen haben wir alle das Gefühl, die nächste, entscheidende Weiche für eine erfolgreiche Zukunft des geliebten Kindes zu stellen und da will man natürlich keinen Fehler machen.

Ich würde sagen, wir, als Familie, waren und sind relativ entspannt bei diesem Thema. Wir hatten das Glück, dass im Grunde von Anfang an feststand, welche Schulform das Fräulein im Anschluss an die Grundschule besuchen wird. Größere Gedanken und Pro-und-Kontra-Listen konnten wir uns dafür also sparen.

Ende Januar gab es dann die offizielle Grundschulempfehlung der Grundschule. Wie eigentlich jedes bisherige Elterngespräch mit der Klassenlehrerin, fiel dieses sehr positiv aus: Das Fräulein Wunder beteiligt sich rege am Unterricht, sie ist an allem interessiert und hat bei vielen Thema bereits ein sehr großes Wissen und, was immer wieder hervorgehoben wird, einen riesigen Wortschatz, den sie auch entsprechend anzuwenden weiß (meine Tochter!).
Die Mathelehrerin sprach einen Vorfall aus den vergangenen Wochen an, der sie doch sehr überrascht hatte. Das Fräulein reagierte auf Kritik bzw. auf einen gut gemeinten Hinweis mit Tränen. Was sich also bei uns zu Hause eher in Wurt und Türenschlagen äußert, wandelt sich in der Schule eher in Hilflosigkeit.
Es zeigte sich in diesem Beispiel sehr gut, wie hoch die Ansprüche sind, die das Fräulein an sich selbst stellt (möglichst immer perfekt zu sein) und da ihr das Meiste in der Schule einfach so zufliegt, kommt sie schnell ins Straucheln, wenn sich ihr etwas nicht so schnell erschließt oder sie sich etwas erarbeiten muss. Die Mathelehrerin meinte, das Fräulein Wunder müsse sich hier „ein dickeres Fell“ zu legen, was natürlich leichter gesagt als getan ist.
Dies ist eigentlich der einzige Punkt, der mich so ein bißchen kribbelig macht bei der Vorstellung, das Fräulein Wunder jetzt hinaus in die Welt und die weiterführende Schule zu schicken.

Und man glaubt ja gar nicht, wie schwierig es ist, sich für die richtige Schule zu entscheiden.
In der vergangenen Woche haben wir uns vier verschiedene Gymnasien angesehen (und warum diese Veranstaltungen grundsätzlich um 18.00 bzw. 19.00 Uhr beginnen und dann zwei Stunden gehen, wo doch die Kinder am nächsten Tag Schule haben, erschließt sich mir nicht so ganz. Die Großeltern sind auf jeden Fall im Dauereinsatz um Miss Allerliebst zu hüten). Heute folgt noch eines. Und da haben wir bereits unsere sehr ambitionierte Liste von sieben Schulen, die wir persönlich ansehen wollten, zusammengestrichen.
Die ersten drei sind im Prinzip auch die, ich möchte mal sagen, gängigsten Gymnasien der Stadt. Die, deren Namen immer wieder fallen, wenn man die Frage „Wo wird denn dein Kind hingehen?“ stellt.
Und dann sitzt man dort in Einführungsveranstaltungen, wandelt durch Flure und Klassenzimmer, sieht sich die liebevoll vorbereiteten Aktionen an, die jede Schule bietet und macht sich Notizen.
Die eine Schule legt viel Wert auf Naturwissenschaften und Technik, hat hierfür sogar etliche Preise gewonnen und nimmt regelmäßig an „Jugend forscht“ Wettbewerben teil. Der Keller besteht aus lauter Räumen, die dem tollen Mann die Tränen der Rührung in die Augen getrieben haben. Da gibt es 3D-Drucker, Standbohrmaschinen, Laptops und Tabletts und da werden u.a. Experimente mit Seilzügen und Trockeneis gemacht. Außerdem hat der Auftritt der Theater AG (ein absolutes „Muss“ Kriterium für das Fräulein Wunder) schwer beeindruckt.
Die nächste Schule hat viel hellere und schönere, weil frisch renovierte Räume. Zudem ist dies die einzige Schule, die das letzte Mal für diesen Jahrgang einen G9 Zug anbietet. Und die Lateinlehrerin (kennt jemand die Psychologin Linda Martin aus der Serie „Lucifer“? Genau so!) hat ihr Fach so voller Elan und Freude präsentiert, dass man sich durchaus vorstellen kann, dass Latein ab Klasse 5 eine tolle Sache sein könnte.
Die nächste Schule fährt in Klasse 7 in ein Segellandheim und bietet Italienisch als 3. Fremdsprache an.
Alle Schulen sind mit S-Bahn und Straßenbahn gut zu erreichen, bieten in der Anfangszeit besondere Kennenlern- und Klassenfindungsaktivitäten sowie Hausaufgabenbetreuung und warmes Mittagessen in der Mensa an.

Und nun? Weiß ich, ob mein Kind eher Interesse an Sprachen oder Naturwissenschaften hat? In Klasse 4?

Tatsächlich tendieren wir im Moment zur ersten Schule. Zum einen, weil das Fräulein Wunder sich diese als Favorit ausgesucht hat (wobei sie zwischen eins und zwei manchmal schwankt) und der tolle Mann und ich uns auch gut vorstellen können, dass das Fräulein Spaß an den ganzen technischen Dingen haben könnte. Aber macht man alles richtig? Und bekommt man überhaupt einen Platz?

Generell ist es so geregelt, dass man bei Anmeldung in seinem Wunschgymnasium drei Schulen nach ihrer gewünschten Priorität angeben muss. Ist in Prio eins kein Platz mehr, setzen sich die Vertreter der Schulen der ganzen Stadt zusammen und verteilen die restlichen, übriggebliebenen Schüler auf ihre Prio zwei und drei.

Ein Rektor erzählte, dass in den vergangenen Jahren etwa 120 Schüler aufgenommen wurden, nachdem sich ca. 150 Kinder beworben hätten. Nachrücker, also sprich Prio zwei Kandidaten, hätten sie gar nicht in den letzten Jahren gehabt, weil einfach keine Kapazität dafür da gewesen wäre.

Das macht die ganzen Überlegungen nicht gerade leichter.

So langsam haben wir aber immerhin einen Überblick gewonnen. Es kristallisieren sich Favoriten heraus, die in ihrer Priorität immer mal wieder vom Fräulein Wunder hin und her geschoben werden. Doch ich denke (und hoffe), dass wir am Ende gemeinsam eine Entscheidung treffen, mit der wir alle zufrieden sein können. Denn das ist ja das eigentliche Ziel.

 

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