Eigenes


Ihr Blick ging hinaus auf die regennasse Straße, während sich ihre Hände wärmesuchend um ihre Teetasse legten. Vor der breiten Fensterfront des Cafés ging gerade ein Platzregen nieder, als wolle die Welt darin ertrinken. Schutzsuchend hatten sich ettliche Passanten in den kleinen, warmen Innenraum des Cafés gedrängt und umgaben sie nun mit lautem Stimmengewirr, Lachen und dem Geruch nach feuchten Mänteln.
Sie konnte sich einfach nicht helfen: Sie fühlte sich dieser Menge nicht zugehörig. Als wäre sie eine andere Spezies, etwas, das anderes aussah, roch und dachte. Und diesem Gedanke fehlte sowohl die Romantik des Außenseiters als auch die Verzweiflung des Ausgestoßenen.
Mein Leben ist verwaschen, dachte sie. Als hätte man ihm sämtliche Farben entzogen. Zurück geblieben war nur das tägliche Alltagsgrau.
Anfang Vierzig, Mann, zwei Kinder, Haus mit Garten und Nachbarschaftsanschluss. Selbst finanziell waren sie abgesichert. Objektiv betrachtet ging es ihr also mehr als gut. Und trotzdem. Sie vermisste manchmal die Farbe in ihrem Leben.
Hinter ihr brach eine Gruppe von Männern und Frauen in lautes Gelächter aus, das viel zu schrill in ihren Ohren nachhallte. Wann hatte sie das letzte Mal aus vollem Hals und Herzen gelacht? Wann vor Kummer verzweifelt geweint? Wann vor Wut getobt?
Sie war nicht unglücklich, aber glücklich war sie auch nicht. Verwaschen eben. Die Achterbahn ihres Lebens war im Tal angekommen und soweit sie es überblicken konnte, war kein Hügel, kein Aufstieg und schon gar kein Looping in Sicht.
Sie nippte an ihrem Tee und seufzte verhalten. Sie war undankbar. Das Leben hatte es gut mit ihr gemeint und alles was sie konnte, war sich darüber beschweren, dass sie älter wurde.

„Ist hier noch frei?“ riss sie unvermittelt eine weibliche Stimme aus ihren Gedanken und noch bevor sie richtig aufgesehen hatte, nickte sie bereits und entgegnete „Ja sicher.“
Die Frau, die sich an ihrem winzigen, runden Tisch nieder ließ, konnte nicht älter als 22 sein. Sie schälte sich gerade aus einem dunklen Mantel und hängten ihn über die Stuhllehne, während sie ihr ein freundliches Lächeln zuwarf und bemerkte „so ein Mistwetter, was?“. Mit einer unbewussten Geste strich sich die Fremde dabei eine blonde Strähne, die sich aus ihrem Pferdeschwanz gelöst hatte, zurück hinter das Ohr und irgendetwas an dieser Bewegung ließ sie hellwach werden.
„Hm,“ murmelte sie bestätigend und beobachtete dabei, wie das Mädchen ihren nahezu perfekten, schlanken Körper mit den garantiert noch glatten Oberschenkeln, den festen Brüsten und dem bestimmt noch straffen Hintern auf den Stuhl ihr gegenüber schob.
Das Leben ist ungerecht, dachte sie. Ihr Körper war nach den vielen Jahren, den beiden Kindern und der eher selten gewordenen Bewegung ein Trümmerfeld. Am liebsten hätte sie dem Mädchen gesagt, dass sie ihre Jugend würdigen, pflegen und in vollen Zügen genießen sollte, doch das wäre sicherlich falsch rüber gekommen.

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Heute ist scheinbar der Tag des Bloggens. Ihr müsst selbst entscheiden, ob euch das gefällt oder nicht.

Ich habe gerade eben jedenfalls entdeckt, dass GoLive wieder funktioniert. Damit habe ich endlich die Möglichkeit, zu meinem Bücherstöckchen die erste Version zu veröffentlichen.
Ich schreibe ja grundsätzlich immer erst einmal drauflos und gucke dann, was dabei herauskommt. In diesem Fall hat mich das alles zu nichts geführt, weswegen ich nach einer Weile frustriert aufgegeben habe, um ein paar Tage später mit etwas Neuem anzufangen und dies auch zu beenden.

Wer also Lust hat, kann das unfertige Werk hier besichtigen.

Bei meiner Wandlung durch das Netz bin ich durch den Kinderdoc auf das nun folgende Stöckchen aufmerksam geworden. Irgendwann habe ich festgestellt, dass ich die Aufgabe wohl etwas falsch verstanden habe (war ja klar, ne?), aber dieses Stöckchen hat mich endlich dazu gebracht, nach fast zwei Jahren (!) Schreibabstinenz wieder  ein paar Sätze mit Sinn aneinander zu reihen. Ob es gelungen ist, wage ich nicht zu beurteilen.

Demnach also folgende Aufgabe:

1. Suche dir fünf Bücher aus der näheren Umgebung zusammen. Check!

2. Suche folgende Sätze aus diesen Büchern heraus (und ich hätte hier gerne geschummelt, weil die Sätze teilweise so blöd waren, aber ich habe mich brav an die Vorgabe gehalten)

Erster Satz des ersten Buches (Walter Moers – Die Stadt der Träumenden Bücher):
Hier fängt die Geschichte an.

Letzter vollständiger Satz auf Seite 50 des zweiten Buches (D.L. Wilson – Calix):
Sie fragte ihn nach seiner Einschätzung, wie sich eine direkte Nachkommenschaft Jesu auf die Kirche auswirken würde.

Zweiter vollständiger Satz auf Seite 100 des dritten Buches (Michael Winterhoff – Warum unsere Kinder Tyrannen werden):
Jeder dürfte diesen Satz und noch eine Reihe ähnlicher elterlicher Verweigerungsaussagen in seiner Kindheit gehasst und das rapide Ende der eigenen Kindheit herbeigesehnt haben, um endlich hinter die letzten Geheimnisse der Welt gelangen zu können, die Eltern, Großeltern und Lehrer so beharrlich vor einem verbargen.

Vorletzter vollständiger Satz auf Seite 150 des vierten Buches (Dean Koontz – Blutvertrag):
Ihr linker Arm war ein blutiger Stumpf.

Letzter Satz des fünften Buches (P.C. Cast und Christin Cast – House of Night I, Gezeichnet):
Und ich fragte mich, wie ehrlich sie mit sich selbst war …

Check!

3. Bilde aus all diesen Sätzen eine Geschichte. Check!
Und hier habe ich dann versagt, denn eigentlich sollten lediglich die Sätze so aneinander gefügt werden, dass sie irgendeinen Sinn im Ganzen ergeben. Ich aber habe mir gleich eine ganze Geschichte aus den Fingern gesogen. Es lief etwas holprig und das merkt man wohl auch. Immerhin schreibe ich sonst auch keine Kurzgeschichten. Aber lest selbst:

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