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(Achtung: Dies hier wird ein Eintrag über mein Ess- und Abnehmverhalten, über Punktezählen, Wiegetage und Frust. Deshalb: Wer das liest ist selbst schuld.)

Seit über zwölf Jahren esse ich nach Weight-Watchers Punkten. Mal mehr mal weniger ausgeprägt. Das erste Mal, 2006 bis 2007, nahm ich damit 25 Kg ab.
Dann hörte ich mit dem Rauchen auf, bekam zwei Kinder und hörte wieder mit dem Rauchen auf. Zurück blieben Plus/Minus 10 Kilo, die mich ärgerten.

Also griff ich wieder zu meinem bestens bewährten Abnehmmittel, zählte wieder Punkte und nahm die 10 Kilo wieder ab.
Jedes Mal, wenn ich kurz vor der 59,9 Kg auf der Waage stand, brach meine Motivation allerdings abrupt ab. Vielleicht, weil ich mich mit einem Gewicht knapp darüber eigentlich ganz wohl fühle.

Mein WW-Jahr 2018 war dann so lala. Die erste Hälfte schaffte ich es, mich nach dem traditionellen Fress-Dezember in eine annehmbare Bikini-Figur zurück zu punkten (wieder knapp vor der 5 auf der Waage), die ich dann innerhalb von nur drei Wochen Urlaub (davon 12 Tage All-Inclusive) wieder komplett über den Haufen warf – sprich mir in Null Komma Nix wieder vier einhalb Kilo anfraß (muss man auch erstmal schaffen!).

In der zweiten Hälfte dümpelte ich dann so vor mich hin. Mal 200 Gramm runter, mal wieder 700 Gramm hoch. Im Grunde herrschte Stillstand. In diesem Fall allerdings selbst gewählt, weil ich es nicht so wirklich schaffte, wieder zurück zu meiner Punktezählerei zu finden. Dafür, fand ich, lief es eigentlich ganz gut. Ich zählte nicht oder nur wenig und nahm nicht zu. Das ist ja schließlich das Endziel.
Außerdem machte ich viel Sport. Drei Mal die Woche je über eine Stunde. Ich schätze, das verhinderte ebenfalls Schlimmeres.

Ganz klassisch zum 01.01. diesen Jahres raffte ich mich also wieder auf. Konsequent wollte ich sein. Weiterhin meinen Sport machen. Mich auf das neue Programm mit viel Linsen, Eiern und Proteinen einlassen.

Und was soll ich sagen? So konsequent wie diesen Januar (und dann auch im Februar) war ich glaube ich seit meiner Anfangszeit nicht mehr. Ich schrieb jeden Pups in mein App-Tagebuch, freundete mich Magermilchjoghurt und Skyr an, stellte fest, dass Linsen und Kichererbsen ziemlich leckeres und sattmachendes Zeug sind und freute mich nach der ersten Woche über eine Abnahme von 1,5 Kilo (klar, nach Weihnachten und Silvester war die Umstellung der Ernährung für meinen Körper wahrscheinlich, als sei er mit 100 Sachen gegen ne Wand gefahren).
Natürlich würde es so flott nicht weitergehen, das war mir schon klar. In meinem Alter, von Mitte 40, liegt eine gute Abnahme normalerweise bei 500 bis 600 Gramm pro Woche. Plus/Minus.

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Also machte ich schön so weiter. Zählte selbst am Wochenende akribisch jeden Punkt, kochte mir was punktfreundliches wenn der Rest der Familie sich die Pizza schmecken lies, trank Cola light statt Rotwein, wenn der nicht mehr ins Punktebudget passte und war ansonsten auch sowas von konsequent.

Dann stellte ich mich nach einer weiteren Woche wieder auf die Waage.
Zunahme.
Uff.
Na gut. Ist halt so ne Phase. Muss der Körper sich erst wieder dran gewöhnen. Außerdem gibt es das immer mal wieder, dass die Abnahme stagniert. Das kann schonmal zwei, drei Wochen dauern. Alles kein Problem.

Um es abzukürzen: Den gesamten Januar UND Februar, also ZWEI Monate, insgesamt NEUN Wochen, tat sich .. NICHTS. Gar nichts. Mal eine kleine Abnahme, in der nächsten Woche wieder ne Zunahme.
Und das wo ich so konsequent wie noch nie war. Ich war den gesamten Januar und Februar, bis auf gaaaanz wenige Ausnahmen, jeden Tag blau (also innerhalb meiner Punkte), ich verbrauchte mein Wochenextra niemals ganz, ging weiterhin drei Mal die Woche in Sport und es half … NICHTS.

Mit jeder Woche die verstrich, wurde ich ein bißchen ängstlicher. Panischer. Was, wenn mein Körper bei irgendeinem ominösen Kalorienwert angekommen ist, bei dem er nicht mehr abnehmen will? Was, wenn ich noch weniger essen muss, um abnehmen zu können? Und im Umkehrschluss – um schlank zu bleiben muss ich mich also zukünftig an meine Abnahm-Punktezahl halten?
Mein Mittel, das die letzten 12 Jahre immer funktioniert hatte, zu dem ich immer greifen konnte wenn meine Hosen wieder zu knapp saßen oder ich eine Zeit lang lustvoll drauflos gegessen hatte, diese Rettungsstrategie für alle Gewichtslagen funktionierte plötzlich nicht mehr. Oh. Mein. Gott. Hilfe!

Ich begann irgendwann abends keine oder nur noch sehr wenig Kohlehydrate zu essen und sparte damit täglich zwischen sechs bis zehn Punkte. Zwei Wochen lang. Nichts.

Wir kauften uns tatsächlich irgendwann eine neue Waage, da ein Fuß der alten bereits an der Spiralfeder heraus hing und ich mir sagte, dass sie deshalb vielleicht nicht mehr richtig wog. Auch wenn ich im Grunde wusste, dass ich mir da was vormachte. Wer sich so lange und so intensiv mit sich, seinem Essen und seinem Gewicht beschäftigt, kann morgens beim Aufstehen einen Blick auf seinen Bauch werfen und auf zwei bis dreihundert Gramm genau vorhersagen, wieviel er wiegt.
Die neue Waage zeigte dann auch direkt zweihundert Gramm mehr an. Na toll!

Mein letzter Rettungsanker wäre noch gewesen, weniger Obst zu essen. Doch damit zögerte ich. Denn in einer Welt, in der Obst schädlich ist, will ich dann doch nicht leben.

Dann letzten Samstag die Erlösung. 700 Gramm weniger auf der Waage.

Ich versuchte mich erstmal nicht zu sehr darüber zu freuen, dann das konnte genau so gut eine Eintagsfliege sein.
Heute dann erneut Erfolg. Wieder 700 Gramm. Tschacka und Juchu und Konfetti und all das und noch viel mehr!

Wahrscheinlich kann sich ein Außenstehender das gar nicht wirklich vorstellen, wie sich das anfühlt. Von außen betrachtet sehe ich (und das kann ich inzwischen sogar auch vor anderen zugeben) ganz passabel aus. Ich fühle mich nicht schlank, andere behaupten das aber von mir. Das nehme ich so hin.
Wieviel Arbeit und Disziplin aber dahinter steckt, wieviel Eigen-Motivation und Kraft es immer wieder kostet, bei angebotenem Kuchen oder Süßigkeiten Nein zu sagen, wieviel Gedanken und Pläne zu meinem Essen ich mir täglich mache und wieviel manchmal eben doch Verzicht dabei ist, sieht man mir von außen nicht an.

Und jetzt hat dieses gut funktionierende System plötzlich versagt. Und ich fand keinen Plan B.
Ich habe Freundinnen die schwören auf Fasten. Entweder 5/2 oder 16/8. Kann ich nicht. Nicht essen ist für mich keine Option. Aber ich war soweit es auszuprobieren. Totale Panik.

Ich will nie wieder dick sein. Punkt. Manchmal träume ich davon, dass ich morgens aufwache und wieder 90 Kilo wiege. Schlimm.

Ich werde also auch weiterhin konsequent sein und hoffen, dass diese zwei Monate wirklich nur eine Stagnation war. Dass es eine Phase war, die vorüber ist. Puh!

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Im Gegensatz zu Miss Allerliebst, die gerade erst mit der Schule begonnen hat, endet für das Fräulein Wunder die vierte Klasse in diesem Sommer und damit die Grundschulzeit.
Wir verbringen also gerade unsere Abende damit, uns jede Menge Gymnasien anzusehen um zu entscheiden, welche Schule das Fräulein ab September besuchen soll.

Bereits Ende letzten Jahres war das Thema „Weiterführende Schule“ schon sehr präsent. Tagtäglich bin ich mit Eltern von Kindern aus vierten Klassen zusammen. Sei es durch meine Käfermamas oder die Eltern der Klassenkameraden des Fräuleins. Jeden trieb und treibt dieses Thema um. So ein bißchen haben wir alle das Gefühl, die nächste, entscheidende Weiche für eine erfolgreiche Zukunft des geliebten Kindes zu stellen und da will man natürlich keinen Fehler machen.

Ich würde sagen, wir, als Familie, waren und sind relativ entspannt bei diesem Thema. Wir hatten das Glück, dass im Grunde von Anfang an feststand, welche Schulform das Fräulein im Anschluss an die Grundschule besuchen wird. Größere Gedanken und Pro-und-Kontra-Listen konnten wir uns dafür also sparen.

Ende Januar gab es dann die offizielle Grundschulempfehlung der Grundschule. Wie eigentlich jedes bisherige Elterngespräch mit der Klassenlehrerin, fiel dieses sehr positiv aus: Das Fräulein Wunder beteiligt sich rege am Unterricht, sie ist an allem interessiert und hat bei vielen Thema bereits ein sehr großes Wissen und, was immer wieder hervorgehoben wird, einen riesigen Wortschatz, den sie auch entsprechend anzuwenden weiß (meine Tochter!).
Die Mathelehrerin sprach einen Vorfall aus den vergangenen Wochen an, der sie doch sehr überrascht hatte. Das Fräulein reagierte auf Kritik bzw. auf einen gut gemeinten Hinweis mit Tränen. Was sich also bei uns zu Hause eher in Wurt und Türenschlagen äußert, wandelt sich in der Schule eher in Hilflosigkeit.
Es zeigte sich in diesem Beispiel sehr gut, wie hoch die Ansprüche sind, die das Fräulein an sich selbst stellt (möglichst immer perfekt zu sein) und da ihr das Meiste in der Schule einfach so zufliegt, kommt sie schnell ins Straucheln, wenn sich ihr etwas nicht so schnell erschließt oder sie sich etwas erarbeiten muss. Die Mathelehrerin meinte, das Fräulein Wunder müsse sich hier „ein dickeres Fell“ zu legen, was natürlich leichter gesagt als getan ist.
Dies ist eigentlich der einzige Punkt, der mich so ein bißchen kribbelig macht bei der Vorstellung, das Fräulein Wunder jetzt hinaus in die Welt und die weiterführende Schule zu schicken.

Und man glaubt ja gar nicht, wie schwierig es ist, sich für die richtige Schule zu entscheiden.
In der vergangenen Woche haben wir uns vier verschiedene Gymnasien angesehen (und warum diese Veranstaltungen grundsätzlich um 18.00 bzw. 19.00 Uhr beginnen und dann zwei Stunden gehen, wo doch die Kinder am nächsten Tag Schule haben, erschließt sich mir nicht so ganz. Die Großeltern sind auf jeden Fall im Dauereinsatz um Miss Allerliebst zu hüten). Heute folgt noch eines. Und da haben wir bereits unsere sehr ambitionierte Liste von sieben Schulen, die wir persönlich ansehen wollten, zusammengestrichen.
Die ersten drei sind im Prinzip auch die, ich möchte mal sagen, gängigsten Gymnasien der Stadt. Die, deren Namen immer wieder fallen, wenn man die Frage „Wo wird denn dein Kind hingehen?“ stellt.
Und dann sitzt man dort in Einführungsveranstaltungen, wandelt durch Flure und Klassenzimmer, sieht sich die liebevoll vorbereiteten Aktionen an, die jede Schule bietet und macht sich Notizen.
Die eine Schule legt viel Wert auf Naturwissenschaften und Technik, hat hierfür sogar etliche Preise gewonnen und nimmt regelmäßig an „Jugend forscht“ Wettbewerben teil. Der Keller besteht aus lauter Räumen, die dem tollen Mann die Tränen der Rührung in die Augen getrieben haben. Da gibt es 3D-Drucker, Standbohrmaschinen, Laptops und Tabletts und da werden u.a. Experimente mit Seilzügen und Trockeneis gemacht. Außerdem hat der Auftritt der Theater AG (ein absolutes „Muss“ Kriterium für das Fräulein Wunder) schwer beeindruckt.
Die nächste Schule hat viel hellere und schönere, weil frisch renovierte Räume. Zudem ist dies die einzige Schule, die das letzte Mal für diesen Jahrgang einen G9 Zug anbietet. Und die Lateinlehrerin (kennt jemand die Psychologin Linda Martin aus der Serie „Lucifer“? Genau so!) hat ihr Fach so voller Elan und Freude präsentiert, dass man sich durchaus vorstellen kann, dass Latein ab Klasse 5 eine tolle Sache sein könnte.
Die nächste Schule fährt in Klasse 7 in ein Segellandheim und bietet Italienisch als 3. Fremdsprache an.
Alle Schulen sind mit S-Bahn und Straßenbahn gut zu erreichen, bieten in der Anfangszeit besondere Kennenlern- und Klassenfindungsaktivitäten sowie Hausaufgabenbetreuung und warmes Mittagessen in der Mensa an.

Und nun? Weiß ich, ob mein Kind eher Interesse an Sprachen oder Naturwissenschaften hat? In Klasse 4?

Tatsächlich tendieren wir im Moment zur ersten Schule. Zum einen, weil das Fräulein Wunder sich diese als Favorit ausgesucht hat (wobei sie zwischen eins und zwei manchmal schwankt) und der tolle Mann und ich uns auch gut vorstellen können, dass das Fräulein Spaß an den ganzen technischen Dingen haben könnte. Aber macht man alles richtig? Und bekommt man überhaupt einen Platz?

Generell ist es so geregelt, dass man bei Anmeldung in seinem Wunschgymnasium drei Schulen nach ihrer gewünschten Priorität angeben muss. Ist in Prio eins kein Platz mehr, setzen sich die Vertreter der Schulen der ganzen Stadt zusammen und verteilen die restlichen, übriggebliebenen Schüler auf ihre Prio zwei und drei.

Ein Rektor erzählte, dass in den vergangenen Jahren etwa 120 Schüler aufgenommen wurden, nachdem sich ca. 150 Kinder beworben hätten. Nachrücker, also sprich Prio zwei Kandidaten, hätten sie gar nicht in den letzten Jahren gehabt, weil einfach keine Kapazität dafür da gewesen wäre.

Das macht die ganzen Überlegungen nicht gerade leichter.

So langsam haben wir aber immerhin einen Überblick gewonnen. Es kristallisieren sich Favoriten heraus, die in ihrer Priorität immer mal wieder vom Fräulein Wunder hin und her geschoben werden. Doch ich denke (und hoffe), dass wir am Ende gemeinsam eine Entscheidung treffen, mit der wir alle zufrieden sein können. Denn das ist ja das eigentliche Ziel.

 

Januar

Mitte Januar haben wir tatsächlich Schnee und gehen das erste Mal Schlittenfahren. In unserer Nähe gibt es einen Minihügel, den die Mädels zwei Stunden lang rauf und runter düsen.
Dies bleibt auch das einzige Mal für dieses Jahr, dass die beiden auf einem Schlitten sitzen.

Schnee Kopie

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Unsere kleine Räubertochter ist inzwischen fünf Jahre alt. Letzte Woche hatte sie ihre Vorschuluntersuchung und somit wird sie ab September ein Vorschulkind sein. Noch ein Jahr, bevor auch sie den Schutz des Kindergartens verlässt und in die große weite Welt hinaus zieht.

Ich weiß noch, dass ich mir beim Fräulein Wunder mehr Sorgen darum gemacht habe, wie sie sich sozial in der Schule zurecht finden wird, als darüber, dass sie vielleicht mit dem Schulstoff Probleme haben könnte. Bei ihr war irgendwie klar, dass ihr das Schulische leicht fallen wird.
Bei Miss Allerliebst habe ich kein richtiges Gefühl, in welche Richtung auch immer. Ich glaube, dass sie besser mit der Umstellung Kindergarten/Schule zurechtkommen wird. Ich glaube auch, dass sie ebenfalls wissbegierig, lernwillig und furchtbar schlau ist. Sie schreibt bereits seit einer Weile ihren Namen, fängt jetzt an im Zehnerbereich zu rechnen, Buchstaben zu erkennen und sie liebt Fehlersuchrätsel. Aber ich kann sie mir (noch) nicht in der Schule vorstellen, wo man aufpassen und sitzen bleiben muss und nicht mehr so viel spielen kann wie früher.

Nach wie vor ist sie ein echter Haudrauf und Wirbelwind. Und auch immer noch meine Kleine. Mein Baby. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass sie die letztgeborene ist, oder daran, dass sie sehr gerne kuschelt und einfach so allerliebst sein kann. Wenn ich in ihr hübsches Gesicht mit den großen, braunen Augen und den (inzwischen wieder) kurzen Haaren blicke, ist das Baby, das sie einmal war, noch nahe unter der Oberfläche. So schutzbedürftig und voller Vertrauen in sich und ihre Umwelt.
Vielleicht wird sie für mich immer mein Baby bleiben, auch wenn die Zeit kommt, in der sie das (und wahrscheinlich auch mich) hassen wird.

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Das Fräulein Wunder ist inzwischen acht Jahre alt. ACHT! Bald beendet sie das zweite Schuljahr und freut sich schon auf die dritte Klasse. Nun ja … erst einmal auf die Ferien natürlich.
Die Schule läuft für das Fräulein nach wie vor problemlos. So ein bißchen ist die Realität zwar auch bei ihr angekommen –  so gibt es Tage, an denen sie so gar keine Lust hat, in die Schule zu gehen („Mama, ich habe Bauchweh/Kopfweh/mit ist schlecht“). Das liegt aber wahrscheinlich eher am frühen Aufstehen, als an der Schule an sich. Aber im Großen und Ganzen ist sie doch mit Feuereifer bei der Sache.
Im letzten Elterngespräch bestätigte uns auch ihre Lehrerin, dass das Fräulein sich sehr gut eingefunden hat (was am Anfang etwas schwierig war, da das Fräulein Wunder die Angewohnheit hat, etwas Neues erst einmal mit Argusaugen zu beobachten. Die ersten Wochen hat sie wohl kaum einen Ton von sich gegeben und konnte oder wollte auch auf Nachfrage der Lehrerin nicht sagen, warum sie gerade ein Sturm-Wolken-Gewitter-Gesicht macht). Auch hätte sie bereits einen sehr großen Wortschatz und wäre eines der wenigen Kinder, das sich bei einem Vortrag vorne an der Tafel zu den Mitschülern wendet und frei erzählen kann. Sie hat sogar den Vorlesewettbewerb in ihrer Klasse gewonnen und tritt nun nächste Woche zum Regionalentscheid an. Absoluter Mutter- und Fräuleinstolz.
Nach wie vor liegt ihr Deutsch eher als Mathe. Wobei es bei Mathe einfach manchmal etwas länger dauert, bis es klick macht. Aber wenn, dann kann sie es ganz sicher anwenden. Sie ist ein Kind der Logik und wenn das erst einmal sitzt, ist der Rest ein Klacks.
Die ordentlichste ist mein Kind nicht, aber das überrascht mich nun auch nicht sehr. Hefte und Ordner sehen immer aus, wie gerade durch einen Schredder gezogen und auch die Schrift lässt an manchen Stellen zu wünschen übrig (erst war es der Radierer, jetzt ist es der Tintenkiller der täglich gefühlte 1.000 Mal zum Einsatz kommt).
Auch steht sie sich manchmal selbst mit ihrem stark ausgeprägten Ehrgeiz im Weg. Ein Test, bei dem sie nicht die volle Punktzahl erhält, ist total „verhauen“ und wenn sie beim Antolin-Programm (ein Leseprogramm, bei dem Kinder ein Buch lesen und hinterher am Computer Fragen dazu beantworten müssen) nicht 100 % schafft, ist sie auch schwer geknickt. Da gibt es manchmal auch Tränen, wenn sie eine Matheaufgabe nicht schnell genug versteht und ist dann gedanklich total blockiert, so dass wir dann eine Pause machen und 20 Minuten später die Aufgabe ohne größere Probleme rechnen können.
Da wünsche ich ihr ein wenig mehr Gelassenheit in der Zukunft, denn so unproblematisch wie in der Grundschule, wird die restliche Schulzeit womöglich nicht verlaufen.

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In letzter Zeit befasst sich mein Kopf immer öfter mit dem Thema „Alter“ und „Tod“. Als meine Mutter vor drei Jahren krank wurde, brach dieser Gedanke sehr vehement in meine ansonsten doch recht heile Welt ein: Was ist, wenn sie stirbt?

Mittlerweile lebt sie ganz gut mit der Krankheit, aber auch mit diversen Medikamenten und Schmerzmitteln. Trotzdem ist da diese leise Ahnung, dass der Tod unausweichlich ist.

Ich weiß, jeder Mensch muss irgendwann sterben. Aber so lange man jung (oder vielleicht auch nicht mehr ganz so jung) ist, hat dieser Gedanke noch kein wirkliches Gewicht. Inzwischen ist mir bewusst, dass es jederzeit passieren kann. Nicht nur meiner Mutter, sondern auch meinen Kindern, dem tollen Mann. Mir selbst.

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Ich habe Urlaub. Ursprünglich habe ich diesen beantragt, weil das Fräulein Wunder Osterferien hat. In ihren letzten Ferien habe ich immer gearbeitet, das bedeutete für sie frühes Aufstehen und Betreuung durch den Hort der Schule oder die Großeltern.
In meiner Kindheit waren Ferien damals Ferien: lange Ausschlafen, in den Tag hinein leben – Ferien eben. Das wollte ich dem Fräulein Wunder diesmal auch ermöglichen.
Doch Pustekuchen. Das Fräulein hat sich entschieden auf eine viertägige Freizeit zu Fahren.

Ich gebe zu, dass ich sehr, sehr stolz war und bin, dass sie sich das mit ihren sechs Jahren schon zutraut. Sie nahm sich eine Freundin zur Verstärkung mit und fuhr am Dienstag mit 25 anderen Kindern in die Ferienfreizeit in ein Keltendorf.

Mit der Verabschiedung hatte ich wenig Probleme. Ich wusste, dass sie jede Menge Spaß haben würde. Sie drückte mich zwar drei Mal öfter als sonst, hüpfte dann aber freudig von dannen, als es hieß es ginge endlich los.
Erst am Abend, als ich gemütlich mit meinen Käfer-Mamas beim Essen in einem netten Lokal saß fragte ich mich, wie es ihr wohl so geht. Was macht sie gerade? Liegt sie schon im Bett? Gab es etwas zu essen, dass sie mag? Hat die Zimmerverteilung zu ihrer Zufriedenheit geklappt? Vermisst sie mich?

Und auf der anderen Seite ist da Miss Allerliebst für die ich jetzt richtig viel Zeit und Muße habe. Wir haben den Dienstag im Schwimmbad verbracht, sind gerutscht und geschwommen, haben viele schöne Momente geteilt.
Für mich ist es beinahe wie eine neue Erfahrung mich nur auf ein Kind konzentrieren zu können. Die Aufmerksamkeit ist intensiver, zielgerichteter. Mit zwei Kinder hat man manchmal das Gefühl, auf Situationen nur reagieren zu können, jedes Kind gar nicht richtig für sich wahrzunehmen. Zudem hat uns der Alltag  immer im Griff. Da sind so viele andere Dinge die nebenher berücksichtigt werden müssen.

Als ich gestern Abend ins Bett ging – am zweiten Tag der Ferienfreizeit – spürte ich dann diese Sehnsucht. Das Vermissen meines Kindes: Ihre Stimme. Ihr Geruch. Ihre Präsenz.
Gott sei Dank nur ein kurzer Moment, aber im Hinterkopf bleibt, dass es noch zwei Tage sind, bis ich mein Mädchen wieder in die Arme schließen kann.

Verstärkt wird diese ganze Gefühlsduselei durch das Buch, das ich gerade lese. Es handelt sich dabei um einen wirklich brutalen, blutigen FBI-Thriller, aber es geht darin auch um Verlust. Den Verlust des Ehemannes und der einzigen Tochter der Ermittlern. Und um den Verlust der Mutter für ein 10jähriges Mädchen.
Der Autor beschreibt so eindringlich diese Dunkelheit, die Verzweiflung, diese monströse Welle des Schmerzes, dass es mir jedes Mal ganz anders wird.

Und dann denke ich an meine Kinder: Das eine weit weg auf großer Entdeckungstour und schmerzlich vermisst, das andere wohlbehütet in seinem Bett, die Decke weggestrampelt wie immer aber mit diesem allerliebsten, friedlichen Gesichtsausdruck, dass mir die Kehle ganz eng wird.

Manchmal vergesse ich im Trubel des Alltags, welch ein Segen meine Kinder für mich sind.  Wie sehr ich sie brauche und wie viel sie mir geben. Wie sehr ich sie liebe und welch großen Teil von mir sie ausmachen.
Es tut wirklich gut, daran erinnert zu werde.

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