Es gibt bestimmte Tage im Jahr, auf die ich mich immer besonders freue. Zum Beispiel auf meinen Geburtstag, den Sommerurlaub, Weihnachten und Silvester und auch das Weihnachtsessen mit meinen Käfermamas.

Die Vorweihnachtszeit ist immer extrem stressig, weil jeder noch irgendwo eine Advents-, Nikolaus- oder Weihnachtsfeier veranstaltet. Jede Woche und jedes Wochenende ist mit Terminen angefüllt, dazwischen muss alles rund um Weihnachtsgeschenke und – feier und der normale Alltagswahnsinn bewältigt werden.
Normalerweise sind in dieser Zeit Abendtermine für mich tödlich, da mir damit zusätzlich noch wertvolle Stunden Schlaf entzogen werden. Von daher versuche ich zumindest das tunlichst zu vermeiden.

Für unser alljährliches Käferessen nehme ich dies allerdings sehr gerne in Kauf.

Schon Wochen vorher – eigentlich bereits das ganze Jahr über – beschäftigt mich der Gedanke an das Wichtelgeschenk. Bereits im achten Jahr beschenken wir uns so gegenseitig. Jeder besorgt eine Kleinigkeit im Wert von 10 Euro, verpackt es ansprechend und mit viel Liebe und stopft es dann am Abend im Lokal in den großen Krabbelsack. Natürlich ist es bei Strafe verboten die Geschenke der anderen vorher auszuspionieren. Keiner darf gucken, wenn das Geschenk im Sack versenkt wird, denn man soll ja später vollkommen unbedarft eines der bunten Päckchen heraus ziehen.

Genauso wichtig wie das Wichtelpräsent, ist die Wahl des richtigen Lokals. Dieses eine Mal im Jahr soll es sehr festlich und kulinarisch lecker sein. Im Laufe der Zeit haben wir schon ein, zwei Mal ein neues Restaurant ausprobiert.
Dieses Jahr waren wir das zweite Mal im Restaurant Weingärtner. Ein kleines, uriges Lokal mit hervorragender Küche, leckersten Weinen und himmlischen Desserts.

Leider konnte Steffie dieses Jahr nicht dabei sein, so dass wir „nur“ zu siebt den Abend bestritten. Ein Teil von uns sind alte Hasen in der Käfergemeinschaft, ein anderer ist in den letzten zwei Jahren neu dazu gestoßen.
Zuerst wurde geherzt und gedrückt, danach an der festlich gedeckten Tafel Platz genommen und während schon die ersten Gespräche in Gang kamen wurde bereits äußerst interessiert die kurze aber feine Getränke- und Speisekarte inspiziert.
Der richtige Wein war schnell gefunden, das Essen war ein bißchen schwierig, da ich abwägen musste, ob ich lieber ein teureres Hauptgericht, oder lieber ein etwas günstigeres Essen, dafür aber mit Dessert wählen sollte.

Schlussendlich wurde es dann tatsächlich ein Salat mit marinierter Hähnchenbrust. Und was sich hier zwar eher unspektakulär anhört, war am Ende aber sowas von lecker, dass ich nicht hätte mit irgendjemandem tauschen wollen (nicht einmal mit Iris‘ Rumpsteak, was echt was heißen will).
Abgesehen von den leckeren, knackigen Blattsalaten mit eher konservativer Vinaigrette, gab es dazu auch Hummus mit einer leckeren Soße, Quinoa mit Kokosmilch und Hähnchenbrust mit schwarzem Kümmel in Chilli-Mango Marinade. Ein absoluter Traum!
Zum Nachtisch gönnte ich mir dann noch einen Himbeerbrownie, der oben eine Schicht aus verschiedenen Kernen und Saaten hatte, mit selbstgemachtem Eis in dem Schokostückchen waren. Ich liiiiebe Schockostückchen im Eis. *Sabbermodus aus*

Ich schätze, in der Zeit zwischen Begrüßung und Beendigung des Nachtisches unterhielten wir das gesamte Lokal. Da es recht eng dort ist, vermischen sich die Gespräche von den Nachbartischen mit den eigenen und so wird man unweigerlich gerne mal etwas lauter beim Reden.
Und wir behandelten alle Themen, die man sich so vorstellen kann. Selbst Fußball wurde kurz mal angeschnitten. Bei manchen unserer Erzählungen bekamen unsere Tischnachbarn sicherlich rote Ohren, bei anderen rollten sie wahrscheinlich mit den Augen, aber Alles in Allem hat uns niemand mit Essen beworfen oder uns des Lokales verwiesen.
Im Gegenteil: Als wir schließlich den Krabbelsack hervor holten, wollten einige unserer Sitznachbarn sich gerne zu uns gesellen und ebenfalls ein Geschenk aus dem Sack ziehen. Tja, Pech gehabt!

Und dann ging es los. Reihum griff jeder tief in den riesigen Sack und zog mal ein großes, mal ein kleineres Päckchen daraus hervor (wir hatten auch schon Päckchen, die waren so groß, dass sie oben aus dem Sack heraus geschaut haben).

Mit einer der schönsten Aspekte dieser Tradition ist auch das Erraten des jeweiligen Schenkers. Bereits bei der genauen Inspektion des Geschenkpapieres, der Verzierung, der Schleifchen und dem Grad der korrekten Faltung und Verklebung, werden Tipps abgegeben, wer wohl was darin verpackt hat. Und wie immer trifft man sehr oft genau ins Schwarze, aber manchmal liegt man auch total daneben.
Mein Geschenk wurde zum Beispiel in geschlossenem Zustand jemand ganz anderem zugeordnet, was mich ein bißchen gefreut hat, wenn ich auch nicht sagen kann wieso und warum das überhaupt wichtig ist.

Anschließend folgt das hingebungsvolle Auspacken. Natürlich immer schön nacheinander und unter genauster Beobachtung der gesamten (Tisch)Gesellschaft. Jedes Geschenk wird mit überraschten Ahhhhs und Ohhhhs quittiert, es wird reihum an Duschgels, Badezusätzen und Tees gerochen, es werden bisher unbekannte Gegenstände bestaunt und ihre Handhabung diskutiert, da werden Bilder von vergangenen Events betrachtet und in Erinnerungen geschwelgt und am Ende stellen wir immer wieder fest, dass wie durch Zauberhand jeder genau das Geschenk gezogen hat, das ganz genau zu ihm passt. Jedes Jahr wieder ein absolutes Wunder.

Und so sitzen wir da. Lachen, Erzählen, Trinken, hören aufmerksam zu, erteilen Ratschläge und drücken unser Mitgefühl aus. Wir lächeln uns an, haben strahlende Augen und schwelgen in Erinnerungen. Wir zelebrieren und wir genießen diesen Abend. Weil er uns gehört und wir uns und unsere Freundschaft hier und heute feiern. In exklusivem Rahmen, wie es sich gehört, mit kleinen Geschenken, die unterstreichen, wie gut wir uns kennen und wie sehr wir uns schätzen. Und weil es nach wie vor nicht alltäglich ist, dass man Menschen trifft mit denen man sich so tief verbunden fühlt und denen man nach acht Jahren immer noch so nahe ist.

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In letzter Zeit befasst sich mein Kopf immer öfter mit dem Thema „Alter“ und „Tod“. Als meine Mutter vor drei Jahren krank wurde, brach dieser Gedanke sehr vehement in meine ansonsten doch recht heile Welt ein: Was ist, wenn sie stirbt?

Mittlerweile lebt sie ganz gut mit der Krankheit, aber auch mit diversen Medikamenten und Schmerzmitteln. Trotzdem ist da diese leise Ahnung, dass der Tod unausweichlich ist.

Ich weiß, jeder Mensch muss irgendwann sterben. Aber so lange man jung (oder vielleicht auch nicht mehr ganz so jung) ist, hat dieser Gedanke noch kein wirkliches Gewicht. Inzwischen ist mir bewusst, dass es jederzeit passieren kann. Nicht nur meiner Mutter, sondern auch meinen Kindern, dem tollen Mann. Mir selbst.

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Ich weiß, ich bin spät dran. Eigentlich wollte ich mir die Arbeit auch gar nicht machen, aber dann las ich vor Kurzem den Jahresrückblick 2014, der mich an so viele schöne Dinge erinnert hat, dass ich mich einem Rückblick für 2016 nicht entziehen konnte. Here we go.

Januar

Gleich zu Beginn des Jahres ließ sich das Fräulein Wunder sehr spontan Ohrringe stechen. Den Wunsch danach hatte sie schon länger, aber wir vertrösteten sie immer darauf, dass sie das entscheiden dürfe, wenn sie ein Schulkind sei.
Beim ersten Anlauf im Oktober vergangenen Jahres überlegte sie es sich noch beim Juwelier anders, doch im Januar fasste sie den Entschluss vor dem Schaufenster und wenig später prangten zwei wunderschöne blaue Blümchen an ihrem Ohr. Und sie war sooooo tapfer!

Leider vernahm die Geschichte keinen sehr schönen Verlauf. Am Anfang war alles wunderbar, doch dann entzündete sich das rechte Ohrläppchen. Wir säuberten ab da jeden Tag das Ohr und schmierten es vorsichtig mit Desinfektionsmittel ein. Ganz langsam wurde es besser.
Dann verkündete sie eines Tages, dass sie den Stecker des rechten Ohrrings verloren hätte. Man muss dazu sagen, dass das Fräulein Wunder niemanden mehr an irgendetwas heran lässt, wenn sie dort Schmerzen hat oder irgendwelche befürchtet. Es war mir also nicht so ganz möglich, das Ohr zu kontrollieren. Fest stand, dass der Stecker weg war, sich der Ohrring im Ohr drehen aber nicht herausziehen lies. Nach tagelangem Hin und Her ließ ich das Fräulein Wunder und ihr Ohr schließlich in Ruhe. Es war nicht entzündet, der Ohrring saß fest an Ort und Stelle und war nicht festgewachsen, denn man konnte ihn ja drehen.
Schließlich verlor sie den Ohrring im Dezember im Schwimmbad. Und wenig später stellten wir fest, dass der vermisste Stecker immer noch IN ihrem Ohr steckte. Und auch hier durfte ich nur rudimentär nachsehen und schon gar nicht an dem Ohr herumdoktern um zu sehen, ob ich den Stecker vielleicht so entfernen könnte. Wobei mir dies auch ziemlich unwahrscheinlich erschien. Er hatte sich im Ohrläppchen sozusagen häuslich nieder gelassen. Ich sah mich schon einen Termin beim Chirurgen machen, damit er das Teil herausschneiden kann, als das Fräulein eines Abends triumphierend ins Wohnzimmer gestürmt kam und verkündete „Ich hab’s geschafft!“ und uns stolz den Stecker präsentierte. Große Freude auf allen Seiten.
Inzwischen trägt sie keine Ohrringe mehr und möchte auch keine neuen. Ich bin erleichtert.

Februar

Zu Fastnacht hatte das Fräulein Wunder ihren ersten großen Auftritt mit ihrer Jazztanzgruppe im Turnverein. Sie war mächtig aufgeregt und anschließend total stolz.

Auch ich war dieses Jahr mit meinen Mädels an Fastnacht wieder unterwegs. Diesmal nicht direkt am schmutzigen Donnerstag wie bisher in Bürstadt, sondern diesmal zwei Orte weiter. Unser Thema dieses Jahr war „Froschkönig“. Ich bestellte hoch motiviert einen grasgrünen Petticoat im Internet und stellte leider erst hinterher fest, dass dieser aus China kommt und erst ein paar Tage nach der Faschingsveranstaltung geliefert wird.
Also kaufte ich mir grünen Tüll und begann mit der Hand das Ganze irgendwie zusammen zu nähen. Zwei Tage vor der Veranstaltung kam dann doch noch das Paket aus China. Heureka!

frosch

 

Tatsächlich hatte ich zu diesem Zeitpunkt wieder einmal einige Kilos zugelegt und ich fühlte mich den ganzen Abend extrem unwohl. Deshalb gibt es auch leider kein besseres Bild als nebenstehendes von mir.

Nach diesem Abend entschloss ich mich dazu, wieder etwas für meine Figur zu tun. Es dauerte zwar erst einmal zwei Wochen, bis ich wieder auf dem richtigen Weg war, aber schlussendlich kam ich dann doch bei meinem altbewährten WeightWatchers an.
Seit dem letzten Mal vor etwa 10 Jahren hat sich das Programm komplett verändert, auch wenn es natürlich im Kern gleich geblieben ist: Lebensmittel werden in Punkte kategorisiert und man darf nur eine bestimmt Punktezahl am Tag essen. 10 Kilo sollten es mindestens werden, 15 wären noch besser.

 

 

 

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Als ich 39 Jahre alt wurde, war ich davon überzeugt, dass mein Leben die nächsten 50 Jahre ohne weitere besondere Vorkommnisse vorüber gehen würde. Eine eher niederschmetternde Erkenntnis.
Ich war seit fast 20 Jahren mit dem selben Mann zusammen, hatte eine Tochter und wir planten kein weiteres Kind, wir lebten in Eigentum, ich hatte seit der Ausbildung den selben Arbeitgeber und seit Jahren den gleichen Freundeskreis. Alles schien in Stein gemeißelt.

Bereits ein Jahr später gesellte sich zum Fräulein Wunder Miss Allerliebst (ursprünglich nicht geplant, denn wer will schon mit 40 noch einmal Eltern werden), zwei Jahre später trennte sich mein Arbeitgeber von mir. Alles war anders. Nichts schien mehr in Stein gemeißelt.

Mit dem Fräulein Wunder erblühte mein neues, soziales Ich. Und im Laufe der Zeit lernte ich, dass es so etwas wie Stillstand nicht gibt, es sei denn, man möchte dies unbedingt. Und manchmal zwingen einen die äußeren Umstände quasi dazu, seinen Horizont zu erweitern.

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Heute die 6 um 200 Gramm verfehlt. Macht aber nix. Fühle mich so schlank und sexy wie seit Monaten nicht mehr. Und das, nachdem ich das letzte Wochenende eigentlich nur gegessen und (Alkohol) getrunken habe. WW und Shred sei Dank!

Heute Eröffnung der Grillsaison im Schrebergarten einer Freundin, mit selbst eingelegten Putenschnitzeln und Nudelsalat. Ich fahre freiwillig, damit ich mir die Alkoholpunkte gar nicht erste einfange.
Morgen dann 65. Geburtstag meiner Mama, die die gesamte Familie und Freunde zum Brunchen ins Lokal einlädt. Da werden definitiv keine Punkte gezählt. Freue mich darauf, wieder in mein 40+1 Geburtstagskleid hineinzupassen.

So viel von der Körperfront. Wünsche euch ein ähnlich gelungenes und mit vielen schönen Momenten angefülltes Wochenende.

Ich gehöre ja nun bekanntermaßen zu den spätgebärenden. Ich war bereits 37 als das Fräulein Wunder geboren wurde und stand 8 Wochen vor meinem vierzigsten Geburtstag, als Miss Allerliebst auf die Welt kam. Wenn es nach uns gegangen wäre, wären unsere Kinder bereits viel, viel älter (das Fräulein Wunder wäre heute beispielsweise 15 Jahre alt und keine sechs). Aber man kann sich eben nicht immer alles aussuchen, so wie man es möchte. Und wir sind mehr als glücklich, wie schlussendlich alles gekommen ist.

Ein großer Nachteil, dass wir so spät erst Kinder bekommen haben (neben den ganzen körperlichen), ist auf jeden Fall der, dass die Kinder unserer Freunde alle älter sind als unsere. Und genau das ist bei vielen auch der Grund, warum wir uns heute nicht mehr so oft sehen. Die Interessen sind einfach sehr verschieden.
Wir waren zum Beispiel am Vatertag mit Freunden und deren dreizehnjährigen Tochter im Luisenpark. Im Grunde sind wir Erwachsenen kaum dazu gekommen, uns zu unterhalten, weil unsere Kinder komplett andere Interessen hatten. Während unsere zwei Kleinen den ganzen Tag auf irgendeinem Spielplatz hätten verbringen können, wollte die große Tochter am liebsten in irgendeiner Ecke „chillen“ oder Fußballspielen.

Natürlich habe ich inzwischen auch ganz viele tolle Menschen mit Kindern im selben Alter kennengelernt. Hier stellt sich dann eher das Problem, dass zum Einen jeder bereits sein eigenes Leben und Freundeskreis hat und somit Treffen meist rund um die Kinder geplant werden, was eine Beteiligung der Väter meist grundsätzlich ausschließt. Und zum Anderen müssen sich die Väter, wenn sie sich denn dann irgendwann mal doch bei irgendeinem Event treffen, auch noch verstehen. Damit meine ich, so sehr mögen, dass sie sich vorstellen können, auch mal am Wochenende etwas miteinander zu unternehmen. Das ist in unserm Fall so noch nicht vorgekommen.

Und dann kam der letzte Freitag. Wir waren bei unserem Lieblingsgriechen mit Julia, deren beiden Kindern, einem Kollegen und dessen Kumpel mit ebenfalls zwei Kindern verabredet. Sechs Mädchen im Alter zwischen 3 und 7. Die Tafel war ewig lang, was ich so nur von Familienfeiern kenne.
Ich war mir am Anfang gar nicht so ganz klar darüber, dass dieses Treffen so ganz anders sein würde, als unsere bisherigen. Ich wusste nur, da würden viele Kinder kommen und Erwachsene, die ich ebenfalls sehr mag.
Und, was soll ich sagen? Es war einfach gran-di-os. Gott sei Dank konnten wir draußen sitzen und so tobten die sechs Mädels auf der Wiese quitschvergnügt gemeinsam herum. Die Kleinen wie die Großen. Das hat mich so an meine eigene Kindheit erinnert. Sie spielten Verstecken, Ball und Pferdereiten und waren den ganzen Abend nur zum Essen gesehen.
Wir Erwachsenen genossen den Abend, konnten tatsächlich mehrere Sätze am Stück ohne Unterbrechung von uns geben und fühlten uns so entspannt wie sonst nur, wenn wir alleine ohne Kinder unterwegs sind.

Wir ließen den Abend dann auch noch bei uns zu Hause ausklingen. Die Mädchen bekamen zur Belohnung noch eine Runde Eiskönigin mit Kaktuseis, wir Erwachsenen saßen nebenan in unserem tollen, neuen Esszimmer und ließen uns noch ein Glas Wein schmecken.
Als dann schließlich zum Aufbruch geblasen wurde, war es bereits halb zwölf und alle Kinder waren hundemüde aber glücklich. Das Fräulein Wunder trug ich so wie sie war ins Bett, Miss Allerliebst hat es immerhin noch in den Schlafanzug geschafft.

Das Schöne an diesem Abend war einfach, dass wir keine Kompromisse zwischen Kinderprogramm und Erwachsenen Unterhaltung machen mussten. Jeder war glücklich, zufrieden und entspannt. Die Kinder beim Spielen zu beobachten war einfach wundervoll, auch dass sie sich alle zusammen gefunden haben war toll, denn zwei der Kinder waren den anderen vier unbekannt.

Am Ende waren wir uns alle einig, dass es wirklich ein toller Abend war und wir den unbedingt wiederholen müssen.

Freitagabend

Liebste Miss Allerliebst,

GebAllerliebst1ich denke desöfteren darüber nach, dich umzutaufen. Vielleicht in „kleine Hexe“, „Rabauke“ oder  auch „Teufelchen“ ( und sind wir mal ehrlich, das „chen“ könnte man durchaus auch weg lassen ;-)).

Es ist einfach unglaublich, was du dir immer wieder einfallen lässt. Und Manches entdeckt man erst beim zweiten Hinsehen. So hast du zum Beispiel festgestellt, dass es gar keinen Ärger gibt, wenn du Tische, Stühle und Bänke nur von unten bemalst, denn das können Mama und Papa ja gar nicht sehen.
Auch weißt du ganz genau, dass du Mama oder Papas Handy nicht einfach so stibitzen sollst. Du tust es natürlich trotzdem, verziehst dich aber damit dann ganz schnell unter die Eckbank. Wenn du uns nicht sehen kannst, können wir dich schließlich auch nicht sehen.
Genau so ziehst du dich gerne da aus, wo wir dich nicht sehen können. Kaum drehen wir uns um oder lassen dich unbeobachtet ins nächste Zimmer, reißt du dir mit Hingabe Hose, Socken und Windel vom Leib. Gerne werden dann mal kleine Stinkerhaufen in die Ecke gesetzt oder du rennst fröhlich kichernd und singend bei 7 Grad halbnackt durch den Garten.

Du bist vollkommen angstfrei wenn es darum geht, deiner großen Schwester nachzueifern. Wenn ihr gemeinsam in der Zweimann-Schaukel draußen schaukelt, bekomme ich regelmäßig einen Herzinfarkt. Deine Schwester schaukelt so hoch, dass es dich von der Sitzbank hebt. Und du lachst, als gäbe es nichts schöneres auf der Welt.
Wenn du könntest, würdest du deiner Schwester bereits in sämtliche Wipfel der umstehenden Bäume folgen. Gott sei Dank fehlen noch ein paar Zentimeter, bis du auf die unteren Äste klettern kannst, aber ich weiß schon jetzt, dass ich dann keine ruhige Minute mehr haben werde.
Rutschen und Klettergerüste können demnach für dich nicht hoch genug sein. Gerne lässt du dich vom höchsten Punkt herunter hängen und springst dann ab (wie bei deiner Schwester gesehen) oder du stehst oben auf der Rutsche, wo ich dich nicht mehr erreichen kann und winkst mir ausgelassen zu.

Gerade weil du alles und jedes ausprobierst, holst du dir täglich irgendwelche Schrammen oder blaue Flecken. Doch du bist (Gott sei Dank) überhaupt nicht wehleidig. Fällst du hin, stehst du meist sofort wieder auf und weiter gehts bei deinen wildern Abenteuern. Passiert es dann doch mal, dass du dir ernsthaft weh tust, kommst du zu mir gelaufen und lässt dich ausgiebig trösten. Feste drücken, auf die „Wunde“ pusten und zum Abschluss einen Kuss darauf drücken ist das Mindeste. Aber dann ist auch wieder alles gut und du räuberst weiter.

Fremde sind dir sehr suspekt. Wenn du ihnen nicht aus dem Weg gehen kannst, ignorierst du sie einfach. Du schaust sie einfach nicht an und reagierst auf keinerlei Annäherungsversuche.
Schönes Beispiel hierfür war deine letzte Vorsorgeuntersuchung beim Kinderarzt. Du hast keine einzige Träne vergossen, nicht einmal geschrien oder gemeckert. Du hingst einfach auf meinem Arm, hast dem Arzt den Hintern entgegen gestreckt und alle Untersuchungen über dich ergehen lassen. Selbstredend, dass du dich auch dem Messen und Wiegen komplett verweigert hast. Da half weder Überredung noch Bestechung.

Überhaupt hast du einen wahnsinnigen Dickschädel. Du bist nicht etwa nachtragend oder sensibel wie deine Schwester, sondern eher klar und direkt. Wenn du etwas nicht willst, bringt dich nichts und niemand dazu. Gerne werden dann auch – um wirklich klar zu stellen was du gerade von der Situation hältst – irgendwelche Gegenstände in greifbarer Nähe durch die Gegend geworfen. Gerne auch mal der eigenen Schnuller, was dann wieder Gemecker nach sich zieht, weil du den ja dann doch gerne behalten möchtest.
Du gibst klar zu verstehen, dass du zum Beispiel die Hose selbst anziehen möchtest, dass du dein Brot alleine schmieren willst und dass du lieber den rosa statt den blauen Ball mitnehmen möchtest. „Nein“ ist auf jeden Fall eines deiner Lieblingswörter.

Das mit dem Sprechen klappt auch immer besser. Immer mehr Wörter schleichen sich in deinen Sprachgebrauch. Manchmal von heute auf morgen, so dass wir uns manchmal fragen, wo das Wort jetzt wieder her kam. Manchmal habe ich den Eindruck, dass du noch nicht wirklich verstehen kannst, wofür dieses ganze Sprachending gut sein soll, denn zur Verdeutlichung, was du jetzt genau willst, werden doch meistens Gesten und „Nein“ oder „Ja“ eingesetzt.
Du singst mit Leidenschaft, auch wenn man nur ganz selten ein Wort davon versteht und du plapperst gerne vor dich hin. Auch schreien kannst du ganz toll. Gerne zusammen mit deiner Schwester, dass beinahe die Fensterscheiben zerspringen. Daran habt ihr beide einen unbändigen Spaß.

Überhaupt. Ihr zwei. Ein Herz und eine Seele. Meistens. Dann spielt ihr gemeinsam ganz versunken oder räubert durch die Gegend. Niemals nimmst du dir etwas zu essen, ohne dass du auch etwas für deine Schwester mitnimmst. „Aja“ verkündest du dann und rennst los, um es dem Fräulein Wunder zu bringen. Alles was du hast, teilst du gerne.
Auch Quatsch macht ihr beide viel und ausgiebig. Meistens endet das zwar in irgendeiner Schweinerei, aber ihr beide habt euren Spaß. Ihr könnt von Jetzt auf Nachher über Dinge in haltloses Gekicher und Gelächter ausbrechen, von denen wir Erwachsenen keinen blassen Schimmer haben. Deine große Schwester ist einfach deine größte Heldin und alles was sie tut, musst du auch ausprobieren. Wenn sie etwas nicht isst, isst du es auch nicht, selbst wenn es dir schmeckt. Gott sei Dank ist das nicht immer so, denn Käse, Gemüse, Kartoffeln und Soßen finden viel öfter den Weg in deinen Mund, als in ihren.
Mit genau so viel Inbrunst, wie ihr euch liebt, könnt ihr euch auch streiten. Wenn ich nicht dazwischen ginge, würdet ihr euch täglich mindestens einmal prügelnd auf dem Boden wälzen. Ich weiß, dass das dazu gehört, aber aus der Sicht eines Elternteils ist das manchmal ganz schön anstrengend.

Doch so sehr du auch Rabauke und Freigeist bist, so sehr brauchst du auch die Nähe. Wenn Papa oder ich kommen oder gehen, werden wir jedes Mal mit Küsschen und Umarmung begrüßt oder verabschiedet. Du schmust und kuschelst für dein Leben gern, schnurrst dann beinahe wie eine Katze und drückst dich ganz eng an mich.
Zum Einschlafen brauchst du nach wie vor ein paar kuschelige Elternarme um dich herum und wenn du nachts aufwachst, ziehst du meist in das elterliche Bett um. Dann hebst du die Decke an, rollst dich in meinen Armen zusammen und schläfst dann da wie ein warmes, weiches Kuschelkissen ruhig bis zum nächsten Morgen (oder bis mir der Arm einschläft).
Du liebst das Küssen. Egal, ob du zwei Kuscheltiere in der Hand hast, die sich mit lauten Schmatzgeräuschen küssen, oder du mir deinen Teddy zum Kuss entgegenstreckst oder selbst Küsse verteilst. Beim An-, Ausziehen oder Wickeln streckst du mir gerne deine Füße oder den Bauch zum Küssen entgegen.
Was das betrifft, bist du wirklich allerliebst und man kann dir unmöglich lange böse sein, wenn du einen mit deinen großen Kulleraugen ansiehst, den Mund zu einem Küsschen spitzt oder mein Gesicht in beide Hände nimmst und „Mamaaa“ schnurrst. Hach.

Du bist schon so wahnsinnig groß. Kürzlich konnten wir sogar mit dir Essen gehen, ohne dass Papa oder ich dauernd mit dir herumrennen mussten. Du findest Ruhe im Bilderbuch anschauen oder im Sandkasten. Du liebst das Trampolinspringen und Schaukeln. Du spielst mit den Schleichtieren wie eine Große, lässt sie rennen und springen und reden und sich küssen. Du bist eine Puppenmama, ziehst die Puppen gerne aus (das Anziehen übernehme noch ich) und fährst sie im Buggy durch die Gegend. Du liebst Quark sowohl in der süßen als auch deftigen Variante und isst manchmal lieber nen Apfel oder Rohkost als Würstchen. Du hast es faustdick hinter den Ohren und stellst dich dabei auch noch sehr geschickt und clever an.

Du bist meine Kleine, die eigentlich nicht mehr so wirklich klein ist. Mein über alles geliebtes Schmusekind und meine genau so sehr geliebte dreckverschmierte Räubertochter.