Leider dieses Jahr zwei Wochen zu spät, aber hier ist so viel los ….

Mein geliebtes Fräulein Wunder,

schon als Du geboren wurdest machte ich mir über die Zahl drei meine Gedanken. Wenn Du drei Jahre alt würdest, müsste ich wieder arbeiten und Du in den Kindergarten gehen. Ich stellte mir vor, wie groß Du dann schon sein würdest, was Du bereits alles gelernt hättest und wie Du wohl mit uns kommunizieren würdest. Alles unvorstellbar wenn man so ein winziges Baby auf dem Arm hält.

Nun ist es also so weit und wie immer waren meine Vorstellungen nur sehr, sehr ungenügend. Dass ich nicht wieder arbeite, haben wir Miss Allerliebst zu verdanken und auch der Beginn des Kindergartenalltages kam durch sie etwas früher für Dich.
Den Anfang haben wir sehr gut gemeistert und auch wenn es zwischendurch mal Rückschläge gab, gehst Du doch gerne in den Kindergarten. Der Hauptgrund ist sicherlich Deine Freundin Lara, denn ihr zwei seid unzertrennlich. Alleine die Ankündigung, dass Du nicht mit Lara frühstücken kannst, wenn Du zu Hause weiter so beim Anziehen trödelst, hat eine ganz schöne Wirkung.
Morgens bringt Dich Papa in den Kindergarten. Mittlerweile bist Du zu groß und erfahren zum Winken, also setzt er Dich einfach dort ab, hält Dich noch dazu an, Deinen beiden Erzieherinnen einen „Guten Morgen“ zu wünschen (was Du selten machst, offen auf Menschen zugehen ist weiterhin nicht Deine Stärke) und verabschiedet sich dann. Ohne Tränen, ohne Murren, ohne Bitten und Betteln. Wir sind irre stolz auf Dich!
Drei Stunden – von halb neun bis halb zwölf – hältst Du es dann aus. Danach bist Du meistens wie erschlagen, so dass wir eine Verlängerung auf halb eins und irgendwann später auf zwei Uhr erst einmal verschoben haben. Es drängelt uns ja keiner. Wir haben Zeit.

Der Kindergarten hat sicherlich auch dazu beigetragen, dass Du inzwischen tagsüber komplett ohne Windel bist. Die kleinen Toiletten dort findest Du nach wie vor ganz toll und mittlerweile gehst Du auch zu Hause alleine auf Dein Töpfchen. Papa und ich werden dann rigoros vor die Tür geschickt während Du Dein „Geschäft“ erledigst. Auch das Ausleeren des Topfes übernimmst Du selbst (und wehe, einer von uns macht sich daran zu schaffen) und bisher ist dabei, oh Wunder, noch nichts daneben gegangen.
Ab und an kommt es vor, dass Du im Spiel vergisst, auf Toilette zu gehen. Das findest Du ganz schön ekelig und bist meistens untröstlich, dass Dir jetzt so ein Missgeschick passiert ist. Wir trösten Dich dann immer, dass das doch nicht schlimm ist und es das nächste Mal sicher besser klappt. Wenn Du dann auch noch in Miss Allerliebst Babywanne baden darfst, ist der Tag für Dich gerettet.
In der Nacht brauchst Du noch eine Windel und die ist meist bis morgens übervoll, so dass wir dringend noch ein paar Schlafanzüge anschaffen müssen. Regelmäßig läuft die Windel aus und Du bist morgens ziemlich nass. Das liegt sicherlich auch daran, weil Du nachts immer noch mindestens einmal aufwachst und dann nach einer Milch verlangst. Doch selbst wenn ich zu diesem Zeitpunkt die Windel wechsele, reicht es manchmal nicht bis zum nächsten Morgen. Und da Du ein kleiner Sturkopf bist und nur dann auf die Toilette gehst, wenn Du selbst das willst, bist Du meist weder vor dem Schlafengehen, geschweige denn in der Nacht dazu zu zu bewegen auf die Toilette zu gehen. Aber wir arbeiten daran.

Überhaupt. Dein kleiner, großer Widderschädel. Du hast eine ziemlich genaue Vorstellung davon, was Du willst und was Du nicht willst. Es ist demnach beinahe unmöglich Dich zu so etwas wie zum Beispiel Aufräumen, Anziehen oder Zähneputzen zu bewegen. Ganz schlimm wird es, wenn Du sehr müde bist und die Dinge dann nicht so laufen, wie Du sie Dir vorstellst. Dann ist brüllen, heulen, auch mal treten und spucken und auf dem Boden wälzen angesagt. Du bist ein kleiner Hitzeblitz und nichts und niemand kann dich in diesem Moment irgendwie beruhigen. Also warten Papa und ich ganz ruhig ab, bis Du Deine Wut rausgelassen und Dich ein wenig abgeregt hast. Meist finden wir dann gemeinsam eine Lösung, auch wenn es bis dahin gerne mal eine Stunde dauern kann. Es tut sich bei Dir einfach auch auf der emotionalen Ebene so viel Neues und Ungewohntes, dass auch das irgendwie verarbeitet werden will.

Jedenfalls ist es beruhigend zu wissen, dass Du so viel Standfähigkeit besitzt und Dich somit niemand zu etwas zwingen kann, was Du partout nicht willst. Dein Selbstbewusstsein und Dein Selbstvertrauen sind schon jetzt sehr ausgeprägt, auch wenn Du weiterhin eher vorsichtig und mit Bedacht vorgehst. Neues muss erst einmal ganz genau begutachtet und längere Zeit beobachtet werden. Gerne wird der erste Versuch mit Mama oder Papa unternommen (zum Beispiel das Ausprobieren einer neuen Rutsche). Wenn Du dann feststellst, dass das alles überhaupt kein Problem für Dich darstellt, bist Du nicht mehr zu halten und zeigst auch gerne, was Du alles schon kannst.
Du fängst jetzt schon damit an, auf Bäume zu klettern, da Du seit gut drei oder vier Wochen endlich groß genug bist um die unteren Äste der Tanne auf dem Spielplatz zu erklimmen. Ich versuche dabei gelassen zu bleiben, es gelingt mir allerdings mehr schlecht als recht.

Dein Wortschatz hat sich explosionsartig entwickelt. Eigentlich erzählst Du den ganzen Tag. Mal erklärst Du mir etwas, dann wieder singst Du ziemlich falsch und mit interessanten textlichen Eigenkompositionen vor Dich hin, danach erzählst Du, was Du gerade machst, lässt Pferde oder Hunde aus der Luft entstehen, redest mit Deinem unsichtbaren Freund Pilli (wie Du auf diesen Namen kommst, weiß kein Mensch), verfütterst wortreich imaginäre Äpfel oder Karotten an Deine Füße, die ganz viel Hunger haben oder erklärst mir und Papa die Welt, wie Du sie siehst. Auch führen wir richtig ernste Gespräche und tauschen uns aus. Und manchmal kommen Sätze aus Deinem Mund, die schon so viel Tiefgang haben, dass wir nur staunen können.

Seit drei Wochen bist Du nun auch eine große Schwester und diesen Job meisterst Du einfach hervorragend. Du bist äußerst lieb und aufmerksam, gibst Miss Allerliebst den Schnuller, wenn sie diesen verliert, hältst sie wie selbstverständlich auf dem Schoß und tröstest sie mit Worten und sanftem Streicheln, wenn sie weint.
Bisher scheinst Du es gut zu verkraften, dass manche Dinge einfach nicht mehr so laufen wie vorher. Zum Beispiel, dass ich Dich nicht mehr jeden Abend ins Bett bringen kann, je nach dem, wie Miss Allerliebst gestillt werden muss. Oder dass ich eben nicht mit Dir spielen kann, während des Stillens, oder dass Miss Allerliebst gerne mal das gesamte Abendessen über neben uns schreit. Du isst einfach stoisch weiter, als wäre da gar nichts. Du bist einfach toll.

Alles in allem bist Du jetzt, wo Du drei Jahre alt bist, größer und reifer, als ich es damals zu Babyzeiten für möglich gehalten hätte. Und trotzdem bist Du immer noch unsere kleine Tochter. Unser größter Schatz. Wir haben Dich ganz furchtbar lieb und bewundern Dich jeden Tag für die Fortschritte die Du machst. In Dir steckt ein wundervoller, energiegeladener, kleiner Mensch und wir sind sehr gespannt, was im nächsten Jahr so auf uns zukommt.

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