Ich arbeite gerade an einem Jahresrückblick und nachdem der Abschnitt über den Anbau nun so lang geworden ist, widme ich ihm lieber einen eigenen Beitrag.

Die Planung für unser Großprojekt begann bereits im Frühjahr 2013. Uns war eigentlich schon immer klar, dass wir gerne noch ein weiteres Kinderzimmer hätten. Das Fräulein Wunder und Miss Allerliebst teilen sich im Moment ein Zimmer und obwohl das wirklich gut läuft, sind wir doch der Meinung, dass irgendwann der Moment kommen wird, an dem sich eine von beiden eine Tür zum Zumachen wünschen wird.
Zudem kommt das Fräulein Wunder nächstes Jahr in die Schule und braucht dann einen Schreibtisch und mehr Platz für sich.

Also war klar: Wir brauchen ein weiteres Zimmer. Und so kam eines zum Anderen und am Ende sprang für uns noch ein neuer Essbereich heraus, der sich nahtlos an die Küche anschließen wird.

Wir suchten lange nach jemandem, mit dem wir dieses Projekt auf die Beine stellen könnten. Wir wollten jemanden, der uns das Meiste der Arbeit abnehmen würde und landeten schließlich bei einem Planungsbüro, mit dem einer unserer Nachbarn bereits gute Erfahrung gemacht hatte. Und wir haben diese Entscheidung auch bis heute nicht bereut.

Planung und Genehmigung verschlangen bisher die meiste Zeit. Alleine vier Monate (!) ließ sich die Stadt Mannheim Zeit um die Baugenehmigung zu erteilen. Diese kam Ende Juni 2014. Anfang September ging es dann endlich los.

Im Nachhinein bin ich sehr froh, dass die Bauarbeiten erst so spät begannen, denn unser Garten war ab da nicht mehr als solcher zu gebrauchen. Abgesehen davon, dass jede Menge Gerümpel, Baumaterialien und Schutt herum lag, war es auch gefährlich die Kinder alleine raus zu lassen, weil überall scharfe Kanten oder herausragende Nägel herum lagen. Mittlerweile ist ein Teil unseres schönen (hüstel) Rasens zubetoniert (das müssen die noch in Ordnung bringen), die Abdeckung des Sandkastens ist hinüber und teilweise war kein Durchkommen zum hinteren Teil des Gartens. Aber da sich der Sommer sowieso dem Ende zuneigte, empfand ich das nicht als so schlimm.

IMG_1423 IMG_1424

Als erstes wurde unsere Terrasse abgerissen und ein neues Fundament gebaut. Für die Kinder war das wie Kino. Jeden Mittag saßen sie, manchmal gar eine ganze Stunde mit ihrem Mittagessen vor der Terrassentür und schauten den Bauarbeiten draußen fasziniert zu.

IMG_1420 IMG_1457

Nach dem Fundament kamen die Mauern, Zwischendecke, Mauern, Dach. Am nervigsten waren die Sprießen, die über vier Wochen mitten in der Küche standen. Immerhin: Man bekam gerade so Terrassentür und Geschirrspüler auf. Wir rätseln immer noch, ob das Absicht oder Zufall war.

IMG_1535 IMG_1536

Danach kam schlechtes Wetter und da fingen die Probleme dann langsam an. Das Dach war undicht und das Wasser strömte nur so ins Haus. Anfangs in die Küche, dann in den Flur und schließlich oben ins Bad. Teilweise so viel, dass wir die halbe Nacht Eimer leerten und wilde Konstruktionen als Abfluss bauten.
Aber auch das ging vorüber. Irgendwann war dann endlich das Dach dicht und die Fenster drin. Damit begann der nächste Abschnitt, nämlich das herausbrechen von Wänden und einem kleinen Fenster im Bad. Hatten die Bauarbeiten bis dahin größtenteils draußen stattgefunden, kamen sie nun ins Haus, zusammen mit jeder Menge Krach, Staub und Dreck.

 IMG_1718 IMG_1661

 IMG_1735 IMG_1739

Da war es dann schon Anfang Dezember. Wir hatten lange, lange Glück mit dem Wetter. Es war verhältnismäßig trocken und warm, doch irgendwann war dann eben doch Winter. Und ist es noch. 70% des Hauses sind eiskalt. Obwohl die Heizung bereits installiert ist und im Essbereich der Estrich liegt.
Zudem brachte der Bau jede Menge Unordnung in mein Leben, womit ich mittlerweile sehr schwer umgehen kann. Die Küche ist nur noch zur Hälfte benutzbar, ein Teil der Möbel steht im Wohnzimmer, ein anderer im Keller. Eine Zeit lang standen jeden Morgen um halb acht die Bauarbeiter vor der Tür, machten Krach und waren eben einfach anwesend. Nicht alles klappte reibungslos, so funktioniert zum Beispiel im Moment die Fußbodenheizung im Essbereich nicht, aber unser Planungsmensch hat Urlaub und ist erst nach dem 6. Januar zu erreichen. Hier und da fehlte mal was oder musste etwas neu geplant werden, weil plötzlich ein Träger im ersten Stock auftauchte oder die Decke die neue Wand nicht trug. Und, und, und. Ich glaube, wenn ich ein ganzes Haus bauen müsste, würde ich mir irgendwann einen Strick nehmen. Wobei unser Planungsmensch meinte, dass ein ganzes Haus beinahe schneller gebaut ist, als einen Anbau an ein bestehendes und zudem noch uraltes Haus zu bauen. Das kann ich mir inzwischen sehr gut vorstellen.
Ein Ende ist Gott sei Dank abzusehen. Angeblich soll alles Ende Januar fertig sein. Elektrik liegt schon, muss aber noch angeschlossen werden, die Decken müssen noch verputzt, eine neue in der Küche eingezogen werden, die Reststücke Wand in der Küche müssen noch verschalt und im ersten Stock eine ganze Wand noch aufgebaut werden. Dann kommen die Fliesen und dann die Arbeit, die uns noch zu tun übrig bleibt: Wände streichen (in vier Zimmern), Holzboden in der Küche abschleifen und jede Menge Möbel kaufen (was bestimmt am meisten Spaß machen wird).

Ich freue mich wie ein Schnitzel auf das Endergebnis. Alleine die Tatsache, dass wir nächstes Jahr zu Weihnachten und Silvester in unserem neuen Esszimmer sitzen können (das war eigentlich schon für 2014 angedacht, hat aber leider nicht geklappt wie man sieht) macht mich glücklich.
Meine Terrasse werde ich im Sommer sicherlich schwer vermissen. Eine neue ist bereits in Planung, mal sehen, ob wir das diesen Sommer auf die Reihe bekommen.

Bis dahin heißt es aber noch Zähne zusammen beißen und durch. Durch Dreck und Chaos und Unordnung.

Advertisements

– Das Fräulein Wunder scheint nach den Kiga-Ferien über sich hinaus zu wachsen. Seit ein paar Tagen kann ich sie noch vor der Zimmertür im Kindergarten verabschieden, sie drückt mir noch einen Kuss auf und entschwindet dann, ohne sich noch einmal umzudrehen, in ihre Gruppe.

– Miss Allerliebst lernt derweil, dass man sich auch mal länger als 30 Sekunden mit etwas beschäftigen kann. Aktuell wird die eigens für sie zusammengestellte Bücherkiste immer wieder durchgeschaut, die Spapelbecher mit Hingabe auseinander und wieder zusammen und übereinander und ineinander und andersherum gestapelt und auch mit dem Fräulein kann sie mal zehn Minuten auf dem Spielteppich sitzen und sämtliche Schleichtiere ausräumen. Ich sehe einen Silberstreifen am Horizont.

– Nur das mit dem Essen, das ist mit Miss Allerliebst nach wie vor eine eher anstrengende Sache. Sie isst zwar weitgehend selbständig mit Gabel und Löffel, aber nur das, was ihre Schwester auch isst. Von daher beschränkt sich der Speiseplan auf Wurst, Fleischkäse, trockene Nudeln oder Kartoffeln. Immerhin werden die Tomaten regelmäßig vom Strauch im Garten oder Gewächshaus geerntet und Obst und Quark findet sie auch ganz lecker. Das mit dem Gemüse kommt vielleicht noch.
Und der letzte Bissen ist noch nicht einmal richtig hinunter geschluckt, da muss Miss Allerliebst den Tisch auch schon wieder verlassen. Ob mit oder ohne unsere Hilfe. Wenn wir jetzt jahreszeitmäßig zum Essen wieder nach drinnen ziehen, werden wir wohl den Bügel von ihrem Kinderstuhl entfernen. Besser sie steht auch mal ungewollt vom Tisch auf, als dass sie sich zu Tode stürzt.

Loeffel

– Und ich fresse mir meine abgenommen Kilos langsam aber sicher wieder an. Und ich kann es im Moment nicht wirklich stoppen. Schlimm.

– Das Fräulein Wunder kann seit etwa einer Woche selbständig auf ihr Fahrrad aufsteigen und losfahren. Sinnigerweise hat sie dazu nur den Kommentar „Das ist eigentlich wie Laufradfahren“ benötigt. Jetzt setzt sich sie auf den Sattel, tippelt mit den Füßen drauflos, hebt dann unter ständigem Wackeln und Schlangenlinienfahren die Füße auf die Pedale und fährt los. Sie radelt erstaunlich sicher und legt bereits größere Strecken (10 km, zum Biergarten und wieder zurück) ohne Probleme zurück. Nur das mit dem Bremsen, da hat sie immer noch Respekt vor und wir müssen sie immer wieder daran erinnern, die Handbremse zu benutzten und nicht nur den Rücktritt oder die Füße.

Fahrrad1

– Das Fräulein Wunder lobt immer mal wieder und auch sehr ausgiebig. Wenn ihre Schwester zum Beispiel etwas gut macht, ruft sie gerne „sehr gut Miss Allerliebst, das hast du gut gemacht!“. Oder auch wenn ich in ihren Augen etwas besonders gut hinbekommen habe „Toll Mama, hast du gut gemacht.“
Kürzlich dann „Gut gemacht Fahrrad, ich lobe dich!“

– Ich persönlich hätte mich mal wieder an „Reden ist Silber, schweigen ist Gold“ erinnern sollen. Es kommt (bisher) einfach nichts bei rum, wenn man die Wahrheit sagt. Die interessiert die meisten einfach nicht. Und womöglich bin ich, was das betrifft, einfach zu undiplomatisch. Ich verletze, wo es mir eigentlich egal sein sollte. Ich zeige meine Intolleranz, obwohl ich mir damit ins eigene Fleisch schneide. Und ich fühle mich damit noch nicht einmal hinterher wohl, was ja wenigstens eine Rechtfertigung für das alles wäre. Das Leben ist und bleibt kompliziert.

– Das Ende des Sommers rückt näher und das erste Mal, seit ich denken kann, erfüllt mich dieser Gedanke nicht mit Vorfreude. Dieses Jahr war für mich das erste, in dem ich die Hitze und das Draußensein wirklich genossen habe. Ich werde doch mein Stubenhockerdasein nicht aufgeben wollen?
Das einzige, was mich in diesem Zusammenhang ein wenig glücklich macht, ist der proportional zur sinkenden Außentemperatur steigende Teekonsum und -genuss.

– Die Planung unseres Anbaus geht voran. Es sind noch ein paar letzte Details zu klären (z.B. Fußbodenheizung und Fliesen vs. Holzboden und Heizkörper), dann kann das Angebot unterzeichnet werden. Es folgen die Vermessung unseres Hauses und die Einreichung zur Genehmigung beim Bauamt, die schonmal drei Monate dauern kann. Und nächstes Jahr im Frühjahr geht es dann los. Ich träume bereits von einem riesigen, massiven Esstisch, an den alle meine Lieben problemlos dran passen, von einem alten, riesigen Buffet, in dem mein gutes Geschirr und die Tischdecken platz finden, von neuen Küchenschränken, von mehr Platz und mehr Raum. Und natürlich auch (warum wir den Anbau ursprünglich geplant hatten), vom eigenen Zimmer für Miss Allerliebst.
Das Fräulein Wunder weiß übrigens schon ganz genau, wie ihr zukünftiges, alleiniges Zimmer aussehen soll: Rosa. Alles.
So viel zu dem Thema „Kann ich mein Kind zum Nichtrosaundglitzersein erziehen“. Klare Antwort: Nein.