Immer wieder bin ich erstaunt, wie groß meine Kinder inzwischen geworden sind. Sowohl im körperlichen Sinne, als auch in Ihrer Entwicklung.

Miss Allerliebst kam dieses Jahr in die Schule.
Erste Klasse.
Bye bye Kindergarten.

Der Übergang ist ihr sehr schwer gefallen. Aus der anfänglichen Freude „Juchu, ich komme in die Schule,“ wurde im Laufe des letzten halben Jahres im Kindergarten eine unbestimmte Angst.
„Mama, ich kann gar nicht in die Schule gehen, weil ich doch gar nicht lesen und schreiben kann.“ Oder auch „Mama, kann ich in der Schule auch noch mit L. in der Bauecke spielen?“

Der erste Schultag. Aufregend!

Der erste Schultag war natürlich trotzdem ein riesen Ereignis und so ein bißchen war die Miss natürlich auch neugierig und freute sich, jetzt ein großes Schulkind zu sein.

Die ersten Tage und Wochen vergingen dann auch wie im Flug. Doch wenn man Miss Allerliebst fragte, ob es ihr in der Schule gefalle, kam entweder keine oder eine eher ausweichende Antwort.
Sie vermisste den Kindergarten und ihre Freunde dort sehr. Lediglich ein Mädchen aus ihrer Kindergartengruppe wechselte mit ihr in die erste Klasse (diese ist aber zugleich ihre allerallerbeste Freundin, von daher alles gut), die restlichen blieben zurück und kommen erst im nächsten Schuljahr nach.
Oft holte sie den Erinnerungsordner hervor, den alle Schulanfänger beim Abschied aus dem Kindergarten von den Erziehern überreicht bekamen. Sie blätterte darin, sah sich die alten Fotos an, seufzte oft und anhaltend wie eine alte Frau und stellte immer wieder fest, wieviel schöner es doch damals dort gewesen war.
Das Spielen fehlte ihr. Das „Machen können was man will“. Die festen, ungewohnten Strukturen, das Lernen und alles im Gleichtakt behagte ihr nicht sonderlich. So ist es auch wenig verwunderlich, dass immer noch Sport und Schwimmen ihre Lieblingsfächer sind. Und Religion! Darüber lässt sie nichts kommen. Da unsere Pfarrerin den Unterricht für die ersten beiden Klassen abhält, kann ich das auch gut verstehen.
 
Natürlich waren auch gerade die Hausaufgaben am Anfang ein Problem. Wer hat schon Lust, nach der Schule immer weiter zu lernen und Aufgaben zu lösen?
Wie das Fräulein Wunder macht die Miss ihre Hausaufgaben in der Hortbetreuung nach der Schule. Aber anders als das Fräulein, fällt es der Miss schwer die Notwendigkeit dieser Aufgaben einzusehen oder auch das Ganze so ernst zu nehmen, wie das ihre Schwester tut.
Da die Schulanfänger in den ersten Monaten natürlich noch nicht schreiben können, müssen sie sich bei der Vollständigkeit ihrer Hausaufgaben auf ihr Gedächtnis und ein paar sehr schlecht haftende PostIts verlassen. Und wir Eltern auch.
Ein paar Mal haben wir tatsächlich eine vergessene Hausaufgabe morgens zwischen Toastbrot und Zähneputzen gemacht. 

Auch hat Miss Allerliebst es fertiggebracht, in Mathe aus drei klar erkennbaren Ansammlungen von Fischen, die man zählen und die Ergebnisse unten drunter schreiben sollte, durch spektakuläre Umrandungen über das ganze Blatt, vier Fischgruppen zu machen und vier Ergebnisse aufzuschreiben. So um die Ecke zu denken wäre dem Fräulein Wunder (und mir auch) niemals eingefallen. 

Vor zwei Wochen hatten wir nun mit der Klassenlehrerin das erste Elterngespräch, das in der ersten Klasse auch das Halbjahreszeugnis ersetzt.

Auf die Frage, ob Miss Allerliebst denn gerne in die Schule gehe, konnten der tolle Mann und ich nur antworten, dass es inzwischen besser geworden sei, aber am Anfang schon sehr schwierig für das Kind war. Die Lehrerin nickte. So hatte sie das auch empfunden. Aber das wäre ganz normal. Vielen Kindern gehe das so. Keine Sorge.
Dann legte sie uns ein Blatt vor, in dem sich die Kinder selbst zu ihren Leistungen einschätzen konnten. Lesen, Schreiben, Rechnen aber auch Ordnung halten, Konzentrationsfähigkeit, Arbeiten mit Anderen usw.. Daneben hatte die Lehrerin ihre Einschätzung vorgenommen.
Es war schön zu sehen, dass Miss Allerliebst ein gutes Gefühl für ihre Arbeit hat. Sie hat sich ganz oft im grünen Bereich gesehen, was sich mit der Einschätzung der Lehrerin deckte. Ab und an malte die Miss im Gegensatz zur Lehrerin einen Kreis gelb an. Also zu selbstsicher ist sie dann auch nicht. Das beruhigt.
Das Thema Hausaufgaben war z.B. so ein Kreis. Miss Allerliebst stufte sich da also eher bei „mittel“ ein, Die Lehrerin hatte einen grünen Kreis mit einem kleinen, gelben Rand gemalt.
Sie erklärte uns, dass Miss Allerliebst mit dem Thema Hausaufgaben etwas zu kämpfen habe. Gerade ein paar Wochen vor Weihnachten sei es besonders auffällig gewesen. Da hätte öfter etwas gefehlt.
Ich sah sofort den Stempel „Rabenmutter“ auf meiner Stirn.
Die Lehrerin meinte dazu, dass sie ja wisse, dass wir sehr entspannte Eltern seien (der tolle Mann und ich überlegen immer noch, ob wir das als Kompliment auffassen sollen) und sie habe dieses Thema deshalb mit Miss Allerliebst alleine geklärt.
Und siehe da, mit den Hausaufgaben klappe es besser. Die Lehrerin erzählte, Miss Allerliebst sei vorher immer in gedrückter Stimmung und eingezogenem Kopf in den Unterricht gekommen, quasi das wandelnde, schlechte Gewissen, weil sie wusste, dass wieder etwas an den Hausaufgaben fehlt. Jetzt sei sie aber wieder fröhlich und aufgeweckt. Gott sei Dank!
Inzwischen schreiben die Kinder auch auf, was an Hausaufgaben ansteht. Mit Symbolen für das entsprechende Heft oder den Ordnern, mit Seitenzahlangaben und Symbolen was zu tun ist (schreiben, rechnen, lesen). Das erleichtert es uns allen ungemein zu gucken, ob alle Hausaufgaben gemacht sind und was noch fehlt.

Ganz wichtig sei im Moment, so die Lehrerin, dass kontinuierliche Lesen. Denn Lesen lerne man nur durch Lesen. Zehn Minuten am Tag. Mehr brauche es gar nicht.

Ich meine mich erinnern zu können, dass das Fräulein Wunder, wie bei allen schulischen Dingen, sehr engagiert war und sehr schnell von sich aus sämtliche Schilder und Texte in der näheren Umgebung gelesen hat.
Miss Allerliebst fragte bis letzte Woche immer noch „Mama, lies mir mal vor was da steht, ich kann doch nicht lesen.“ Wir ermutigten sie zwar immer wieder, sie könne doch jetzt selbst schon lesen, aber so richtig konnte sie das wohl nicht glauben oder es war ihr zu anstrengend.
Und die Texte zum Üben, die sie aus der Schule mitbekommen, sind sowas von unspannend und doof, dass ich eigentlich auch keine Lust habe, sie mit Miss Allerliebst zu lesen. Oft bestehen sie auch nur aus diversen Silben, die wenig bis gar keinen Sinnen ergeben.

Letzte Woche erinnerte ich mich dann an die vielen Leselernbücher, die auf dem Bücherregal von Miss Allerliebst stehen. Eines, von Conni und den Tieren, fand sie schon letztes Jahr ganz toll, weil verschiedene Wörter in dem Text als Bilder dargestellt sind, so dass sie mit mir gemeinsam das Buch schon vor der Schule „lesen“ konnte.
Wir kramten es also hervor und einigten uns darauf, dass wir abwechselnd eine Zeile lesen würden. Und siehe da, Miss Allerliebst war total begeistert und wollte gar nicht mehr aufhören. Und seitdem versucht sie alles Mögliche zu lesen. In Zeitungen, auf Schildern, auf Verpackungen. Alles was ihr gerade so unter die Finger kommt. Und sie wird sooooo schnell besser, das ist unglaublich. Mit welcher Leichtigkeit sie lernt ist faszinierend. 

Viele Menschen, wir als Eltern eingeschlossen, waren eigentlich davon überzeugt, dass die Miss ein gesundes Selbstbewusstsein hat und mutig genug ist, die Schule mit ihren vielfältigen Aufgaben und Herausforderungen gut zu meistern.
Ich glaube, dass wir diese Herausforderung vielleicht etwas unterschätzt haben. Vielleicht weil es beim Fräulein Wunder so geradlinig und ohne größere Probleme klappte, vielleicht, weil die Miss in ihrem Denken und Handeln meist offener und beweglicher ist, als ihre Schwester. 

Eine sensible Seele wohnt in beiden. Manchmal vergesse ich fast, dass sie eigentlich noch (kleine) Kinder sind, die zwar in die Schule gehen, aber trotzdem noch gerne an die Hand genommen werden wollen. Die sich zwar abnabeln und ihr eigenes Ding machen wollen, aber sich dabei manchmal vielleicht doch etwas überschätzen und dann Angst vor der eigenen Courage bekommen. (So wie vor ein paar Wochen, als Miss Allerliebst das erste Mal mit Freunden aus ihrer Klasse alleine auf einen Spielplatz in unserer Nähe gegangen ist und dann den Weg nach Hause nicht mehr wusste, obwohl wir den schon soooo oft zusammen gegangen sind.)

So vieles liegt noch vor uns. So viele Hürden, Erfolgserlebnisse, Rückschläge und Dinge, die gelernt werden müssen. Wahnsinn, was alles dazu gehört um groß, erwachsen und stark zu werden. Und dabei möchte ich manchmal am liebsten mein kleines Mädchen behalten, einfrieren, konservieren für die Ewigkeit. Irgendwann wird sich diese Nähe verlieren. Bin ich nicht mehr die Königin der Welt für sie. 

Okay, genug rumgeheult.

Eigentlich wollte ich hier nur mal wieder schreiben, wie großartig meine Kinder sind. Mir einen weiteren Eintrag in meinen Erinnerungskoffer packen, damit ich auch in 10 Jahren, wenn es dann langsam auf den Schulabschluss zugeht, noch nachlesen kann, wie alles begann. Um dann milde zu lächeln und mir zu denken, was für Pipifatz-Sorgen wir doch damals hatten.

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Diese Woche. Maimarkt Halle Mannheim. Marteria auf seiner Rosswell Tour. Vorfreude bereits seit Januar.

Ein Konzert unter der Woche hatten wir schon länger nicht mehr. Entsprechend müde schleppten der tolle Mann und ich uns im strömenden Regen zum Veranstaltungsort.

Ich versuche ja ganz gerne einen Platz auf einem der etwas erhöht liegenden Kabelkanäle zu ergattern. Diese fünf bis sieben Zentimeter machen bei meiner Körpergröße von 1,60 Meter den Unterschied zwischen „Nichtssehen“ und „ein Bißchen sehen“ aus.
Auch dieses Mal hatten wir Glück und der Blick auf die Bühne war für mich, eine halbe Stunde vor Konzertbeginn, annähernd perfekt.
Leider änderte sich dies im Laufe der nächsten Stunde.

Ich fange demnach mal mit Jammern an und arbeite mich dann zum durchaus beeindruckenden Höhepunkt vor.

Ich weiß nicht so genau, ob ich nicht langsam zu alt für solche Events werde. Ernsthaft. Der tolle Mann und ich hoben den Altersdurchschnitt in der Halle immens. Und das ganze Jungvolk hat scheinbar nichts besseres zu tun, als entweder die ganze Zeit auf das Handy zu starren (vor, während, nach dem Konzert), Selfies zu schießen (mit diesen seltsamen Entenschnuten, die doch bei niemandem gut aussehen) oder sich groß wie ein Hochhaus vor mir aufzubauen.
Der Vorrapper war auch eher so lala (er sang irgendwas von Nudeln, die man kalt und warm essen kann).

Schließlich enterte Marteria die Bühne. Normalerweise bin ich ja schon der „ich Hüpfe und schreie mir die Lunge aus dem Leib“ Typ. Aber mit drei knapp zwei Meter-Männern vor mir und einem schrankbreiten Typen schräg neben mir, der sich nach und nach direkt in mein Blickfeld schob, einer Gruppe von sechs oder sieben Leuten zu meiner Rechten, die sich die erste halbe Stunde des Konzerts mit dem Rücken zur Bühne lautstark unterhielten und den zwei Schnepfen zu unserer Linken, die sich kurz vor Beginn von hinten dazwischenschoben und ihren eigentlich nicht vorhandenen Platz unnachgiebig beanspruchten, kam nicht so recht Stimmung bei mir auf.
Nach etwa einer Stunde hatte ich mich dann soweit zwischendurch und nebendran geschummelt, gedrückt und neu positioniert, so dass ich doch ab und zu einen winzigen, hüpfenden Kopf auf der Bühne sehen konnte und wenigstens so ein bißchen Stimmung aufkam.

Ich behaupte mal, an Marteria lag es wirklich nicht. Der Meister hat alles gegeben und jeden Song rausgehauen, als gäbe es kein Morgen mehr. „Druckvoll“ ist das Wort, das mir zu diesem Konzert am ehesten einfällt. Da vibrierten durch den Bass nicht nur mein Magen und mein Herz, sondern auch meine Klamotten.

(Dies hier habe ich bei YouTube gefunden, ist also nicht von mir. Versetzt mich aber sofort zurück zu dieser Wahnsinns Musik)

 

Eine echte Band mit Schlagzeug (großartig!) und Gitarre (virtuos!), Backgroundsängerinnen und Co-Rapper sorgten für die nötige Begleitung. Die Lightshow war überragend und die Bilder auf der Leinwand (wenn ich sie denn sehen konnte) waren gestochen scharf und perfekt auf die Show abgestimmt.
Mit Songs wie Aliens, Scotty beam mich hoch, El Presidente, Kids, Blue Marlin, Lila Wolken und, und, und rockte er die Halle bis sie bebte.

  

Er brachte die Halle dazu sich komplett hinzusetzen („Alle oder keiner“), um danach die Männer aufzufordern erst ihre Frauen auf die Schultern zu nehmen (Marteriagirl) und sich dann auszuziehen (Feuer).

In der letzten dreiviertel Stunde schaffte es der werte Herr damit dann schließlich auch mich zum Hüpfen zu bringen. Vorne wütete die Menge im Moshpit, den Materia schließlich während der Zugabe stürmte, sich dann von den Fans bis nach hinten zur Technik tragen lies und von dort mit einem beherzten Sprung in die Menge wieder nach vorne durchgereicht wurde.

Der Abend endete schließlich mit einer ewig langen Wartezeit an der Garderobe, während ein armer Mensch mit Megaphon versuchte, die vor sich hin maulende Menge einigermaßen in Schach zu halten. Das ist also verbesserungswürdig.
Immerhin schafften wir es noch zur letzten S-Bahn, woran ich zwischendurch echt gezweifelt hatte.

Sicherlich also ein großartiges Konzert, bei dem mir allerdings durch die äußeren Umstände ein großer Teil des Spaßes genommen wurde.
Im April steht der virtuose Curse an und ich kann es kaum noch erwarten. Ich hoffe, dass wir dann eher mit Gleichgesinnten feiern, als uns unter seltsamen Menschen fehl am Platz zu fühlen.

Geschichte schreiben nur die Autoren des Manuskripts
Immortale Hits sind mehr wert als Politics
Gebe alles und erwarte nichts
Nur ich und mein Blatt und Stift (Manuskript, Manuskript)

Was ein Tag! Welch ein Abend! Ich bin ja nun ein recht regelmäßiger Konzertgänger, aber so etwas wie gestern habe ich wirklich noch nie erlebt. Aber von vorne.

Bereits im November letzten Jahres verschaffte mir die liebe Ramona eine der ersten Karten für das Robbie Williams Konzert in der Commerzbank Arena in Frankfurt. Ich zögerte damals wegen des doch recht hohen Preises (100 Euro sind echt ein Brett), aber schließlich fehlte mir der werte Herr noch in meiner Muss-ich-einmal-im-Leben-live-gesehen-haben-Liste und so griff ich schlussendlich zu.

Die Monate vergingen und Ruck Zuck war es plötzlich Juli und das Konzert stand vor der Tür.

Ramona ist eine fleißige Robbie-Konzerte Besucherin. Der Plan war, sehr früh los zu fahren um einen möglichst guten Platz weit, weit vorne zu ergattern. Neuerdings ist es auf großen Konzerten nämlich wohl Usus, dass für den vorderen Bereich (zwischen Bühne und erstem Wellenbrecher)  Bändchen vergeben werden, so dass einmal drin auch für immer drin bedeutet. Bei manchen Konzerten kann man diese Bändchen für viel Geld im Vorfeld erwerben, bei diesem Robbie Konzert musste man nur einer der ersten und schnell genug sein. Als sie deshalb vorschlug, gleich nachdem wir die Kinder am Morgen in Schulen und Kindergarten untergebracht haben los zu fahren, war ich sofort dabei. Das hatte schon so ein bißchen was aus meiner Boyband-Zeit. Auch wenn ich mir noch nicht vorstellen konnte, durch eine Arena auf die Bühne zu zu rennen.
Ein wenig Sorgen machte ich mir dann auch wegen des Wetters. Bis zu 35 Grad. Knallesonne. Ist normalerweise nicht so das Wetter, bei dem ich mich pudelwohl fühle. Andererseits … sechs Stunden im Regen vor dem Stadion zu sitzen wäre sicherlich auch nicht schön.

Also fuhren wir um halb zehn fröhlich und voller Vorfreude los Richtung Frankfurt. Dort angekommen stellten wir fest, dass der Parkplatz am Stadion tatsächlich erst um zwölf Uhr öffnet. Die Alternativen waren also, gut eineinhalb Stunden vor der geschlossenen Schranke in der Hitze zu warten oder in einer kleinen, versteckten Ecke im Wald (wahrscheinlich) verbotswidrig zu parken.
Wir entschieden uns für letzteres und das war unser großes, großes Glück, wie sich recht bald heraus stellen sollte.

In nicht einmal zehn Minuten waren wir dann zum Eingang gelaufen und dort erwartete uns eine doch recht überschaubare Menge an Menschen. Da hatte ich mir ehrlich gesagt wesentlich mehr erwartet.

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Ich weiß, ich bin spät dran. Eigentlich wollte ich mir die Arbeit auch gar nicht machen, aber dann las ich vor Kurzem den Jahresrückblick 2014, der mich an so viele schöne Dinge erinnert hat, dass ich mich einem Rückblick für 2016 nicht entziehen konnte. Here we go.

Januar

Gleich zu Beginn des Jahres ließ sich das Fräulein Wunder sehr spontan Ohrringe stechen. Den Wunsch danach hatte sie schon länger, aber wir vertrösteten sie immer darauf, dass sie das entscheiden dürfe, wenn sie ein Schulkind sei.
Beim ersten Anlauf im Oktober vergangenen Jahres überlegte sie es sich noch beim Juwelier anders, doch im Januar fasste sie den Entschluss vor dem Schaufenster und wenig später prangten zwei wunderschöne blaue Blümchen an ihrem Ohr. Und sie war sooooo tapfer!

Leider vernahm die Geschichte keinen sehr schönen Verlauf. Am Anfang war alles wunderbar, doch dann entzündete sich das rechte Ohrläppchen. Wir säuberten ab da jeden Tag das Ohr und schmierten es vorsichtig mit Desinfektionsmittel ein. Ganz langsam wurde es besser.
Dann verkündete sie eines Tages, dass sie den Stecker des rechten Ohrrings verloren hätte. Man muss dazu sagen, dass das Fräulein Wunder niemanden mehr an irgendetwas heran lässt, wenn sie dort Schmerzen hat oder irgendwelche befürchtet. Es war mir also nicht so ganz möglich, das Ohr zu kontrollieren. Fest stand, dass der Stecker weg war, sich der Ohrring im Ohr drehen aber nicht herausziehen lies. Nach tagelangem Hin und Her ließ ich das Fräulein Wunder und ihr Ohr schließlich in Ruhe. Es war nicht entzündet, der Ohrring saß fest an Ort und Stelle und war nicht festgewachsen, denn man konnte ihn ja drehen.
Schließlich verlor sie den Ohrring im Dezember im Schwimmbad. Und wenig später stellten wir fest, dass der vermisste Stecker immer noch IN ihrem Ohr steckte. Und auch hier durfte ich nur rudimentär nachsehen und schon gar nicht an dem Ohr herumdoktern um zu sehen, ob ich den Stecker vielleicht so entfernen könnte. Wobei mir dies auch ziemlich unwahrscheinlich erschien. Er hatte sich im Ohrläppchen sozusagen häuslich nieder gelassen. Ich sah mich schon einen Termin beim Chirurgen machen, damit er das Teil herausschneiden kann, als das Fräulein eines Abends triumphierend ins Wohnzimmer gestürmt kam und verkündete „Ich hab’s geschafft!“ und uns stolz den Stecker präsentierte. Große Freude auf allen Seiten.
Inzwischen trägt sie keine Ohrringe mehr und möchte auch keine neuen. Ich bin erleichtert.

Februar

Zu Fastnacht hatte das Fräulein Wunder ihren ersten großen Auftritt mit ihrer Jazztanzgruppe im Turnverein. Sie war mächtig aufgeregt und anschließend total stolz.

Auch ich war dieses Jahr mit meinen Mädels an Fastnacht wieder unterwegs. Diesmal nicht direkt am schmutzigen Donnerstag wie bisher in Bürstadt, sondern diesmal zwei Orte weiter. Unser Thema dieses Jahr war „Froschkönig“. Ich bestellte hoch motiviert einen grasgrünen Petticoat im Internet und stellte leider erst hinterher fest, dass dieser aus China kommt und erst ein paar Tage nach der Faschingsveranstaltung geliefert wird.
Also kaufte ich mir grünen Tüll und begann mit der Hand das Ganze irgendwie zusammen zu nähen. Zwei Tage vor der Veranstaltung kam dann doch noch das Paket aus China. Heureka!

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Tatsächlich hatte ich zu diesem Zeitpunkt wieder einmal einige Kilos zugelegt und ich fühlte mich den ganzen Abend extrem unwohl. Deshalb gibt es auch leider kein besseres Bild als nebenstehendes von mir.

Nach diesem Abend entschloss ich mich dazu, wieder etwas für meine Figur zu tun. Es dauerte zwar erst einmal zwei Wochen, bis ich wieder auf dem richtigen Weg war, aber schlussendlich kam ich dann doch bei meinem altbewährten WeightWatchers an.
Seit dem letzten Mal vor etwa 10 Jahren hat sich das Programm komplett verändert, auch wenn es natürlich im Kern gleich geblieben ist: Lebensmittel werden in Punkte kategorisiert und man darf nur eine bestimmt Punktezahl am Tag essen. 10 Kilo sollten es mindestens werden, 15 wären noch besser.

 

 

 

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Die Musik und ich haben eine lange und sehr bewegte Beziehung. Eigentlich von Anfang an. Von der ersten Dschingis Khan Schallplatte bis hin zum letzten The Weeknd Album, das ich mir kürzlich im iTunes-Store gekauft habe.

Die jüngeren unter Euch wissen vielleicht gar nicht mehr wie das war, als man Musik tatsächlich nur im Laden kaufen konnte. Erst als Schallplatten, dann auf CD.
Das waren noch Zeiten, als ich regelmäßig durch WOM, ProMarkt oder später MediaMarkt und Saturn streifte und mich durch die unzähligen CDs wühlte. Anfangs musste man noch zu einer zentralen Theke gehen, die CDs entweder von einem Angestellten oder selbst in einen Player einlegen und konnte dann in die einzelnen Scheiben hinein hören.
Später wurde das bereits digitalisiert und man suchte sich eine Station mit Kopfhörer, wo man die Barcodes der CDs unter einen Scanner hielt und dann die einzelnen Titel kurz angespielt bekam. Ganze Nachmittage habe ich so in diesen Läden verbracht, bevor ich stolz mit einem oder mehreren (meistens mehreren) Alben nach Hause ging.

Damals war auch MTV gerade stark im Kommen. Ich kann mich noch erinnern, wie wir teilweise SMS hin und her geschickt haben um ja nicht die Premiere eines neuen Linkin Park Videos zu verpassen.
Überhaupt. Das Tauschen von Musik war damals noch etwas aufwendiger als heute. Heute ziehe ich die mp3-Daten auf nen Stick und alles ist gut (oder Dropbox oder, oder). Damals haben wir noch ganze CDs gebrannt und teilweise per Post an geliebte Menschen verschickt.

Dann die Zeit, als ich meine Freizeit im Internet und dem Backstreet Boys Universum verbrachte. Das Suchen von Musik, die man nicht im Laden kaufen konnte. Die teilweise grottenschlechten Mitschnitte von Konzerten oder Pre-Versionen von irgendwelchen Songs. Damals begann sich die Musik im World-Wide-Web heimisch zu fühlen. Ich entdeckte die Möglichkeit, aus YouTube-Videos mp3 zu erstellen. Myspace war total im Kommen und eröffnete ganz neue Musikmöglichkeiten.

Heute gibt es Amazon-Music und Spotify und noch so vieles mehr. Musik ist überall sofort verfügbar und das zum großen Teil kostenlos. In meinen Anfangszeiten un-vor-stell-bar.

Und nun standen sie da. Meine heißgeliebten CDs. Bestimmt über 300 Stück. Mit etlichen verbinde ich eine besondere Geschichte, habe sie durch die Gegend geschleppt, im Auto gehört, in den Walkman eingelegt, auf der Arbeit über Kopfhörer konsumiert und letztendlich nach und nach alle in meine virtuelle Bibliothek eingespielt.
Sie verstaubten und wurden nur noch angerührt, wenn ich die Kinderzimmer aufräumte und sie in den rosafarbenen Kinder-CD-Player legte. Aber schön sahen sie im Regal aus. Das immerhin.

Irgendwann muss man sich einfach von gewissen Dingen trennen. Sie nehmen Platz weg und werden einfach nicht mehr in ausreichender Weise gewürdigt. Zudem ist das ja totes Kapitel, auch wenn selbst mir klar ist, dass man mit gebrauchten CDs heute kein Vermögen mehr verdienen kann.

Trotzdem meldete ich mich bei Momox an und tippte einen Nachmittag lang Barcodes ein. Von meiner umfangreichen Sammlung wollte Momox weniger ankaufen, als gedacht. Ein paar Überraschungen gab es trotzdem.
Im Normalfall liegt bei diesen Portalen der Ankaufspreis einer CD bei etwa 15 – 25 Cent (ja, hier darf gerne eine Runde geweint werden). Wahrscheinlich ist das irgendwie ne Masche, denn sobald der Rechner über einen Euro pro CD anzeigt, gibt das einen kleinen Glücklichkeitskick. Haben die echt geschickt gemacht.
Zwei Ausnahmen gab es in meiner riesigen CD Sammlung. Den höchsten Preis mit sagenhaften 14,00 Euro erzielte … *bitte kurz überlegen, für welche CD ihr so viel Geld ausgeben würdet* … *Trommelwirbel* … *wohlgemerkt im Ankauf, ihr wollte ja damit auch noch etwas Geld verdienen* …. *Trommelwirbel* … Der Soundtrack zum letzten Einhorn. Ungelogen!!
Den zweithöchsten Preis – von 11,00 Euro konnte ich mir immerhin ein bißchen erklären – wurde für Musicology von Prince geboten.
Soviel dazu.

Ich brachte also heute ein gut 16 Kilo schweres Paket zur Post (kostenloser Versand, immerhin) und freue mich nun auf eine Summe jenseits der 100 Euro, die hoffentlich demnächst auf mein Konto eingeht.

Blieb also der erschreckend große Rest. Obwohl ziemlich klar ist, dass ich wahrscheinlich darauf sitzen bleibe, habe ich heute diese CDs gesammelt als Pakete in Ebay eingestellt.

(Hier nur zwei Beispielen von sechs)

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Und mir blutet das Herz. Da sind wirklich Scheiben dabei, zu denen ich sozusagen eine persönliche Beziehung habe. Die mir wichtig und teuer sind. Und jetzt werden sie vielleicht (hoffentlich) von jemandem gekauft, der sie womöglich nicht zu schätzen weiß. Hach.

Es ist ja nicht so, dass die Musik für mich verloren geht. Natürlich habe ich vor dem Versand geprüft, ob auch schön alles in meiner Musikbibliothek eingespielt ist. Und ich habe gestern und heute ganz viel Musik gefunden, an die ich schon lange nicht mehr gedacht habe und die ich mir jetzt nach und nach wieder zu Gemüte führen werde. Ich neige ja dazu, mir ganz lange immer die gleichen Bands und Alben anzuhören, weil ich sie gerade ganz toll finde. Dabei fallen etwas sperrige Sachen wie Tool, I Mother Earth oder Marilyn Manson schonmal unter den Tisch.
Aber auch gefälligere Alben wie Groove Guerilla, Patricia Barber, Dredge oder Silje Neergard tauchten wieder in meinem Fokus auf. Und, und, und.

An dieser Stelle also der dringende Aufruf, Euch mal wieder mit Eurer Plattensammlung zu beschäftigen. Egal ob analog oder digital. Blast den Staub von der Musik und gebt ihr die Aufmerksamkeit, die sie verdient! Ihr werdet es nicht bereuen.

Und wenn ihr meint, dass ihr noch ein bißchen Nachschub gebrauchen könnt. Oder Inspiration. Oder einfach eine neue Musikperspektive. Dann schaut doch einfach mal bei Ebay vorbei und unterstützt damit nicht nur die Unsterblichkeit der Musik, sondern auch den Claudia-Maaß-Pfingsturlaub-Fonds. Meine Robbie Williams Konzert-Karte hat ja freundlicherweise bereits Momox übernommen.

In diesem Sinne gehabt Euch wohl und liebt die Musik, so wie sie Euch.

Da mich gerade meine Laufmotivation ziemlich im Stich lässt und ich zudem noch erkältet bin und somit gar nicht laufen könnte, selbst wenn ich wollte, bastle ich mir heute mal meine eigene Motivations- und Erfolgswand.

Nachdem meine Freundin Michi und ich im letzten Jahr beim Frauenlauf in Mannheim gestartet sind, hatten wir Blut geleckt und wollten mehr.
Also starteten wir in diesem Jahr recht früh am 21. März beim 29. Sandhofener Straßenlauf. Es war noch recht frisch, das Wetter die letzten Tage nicht so berauschend. Dafür kam während des Laufs die Sonne heraus und die Strecke, die über zwei Runden à 5 KM hauptsächlich über Feld und am Ende durch ein Wohngebiet führte, war sehr angenehm.
Grundsätzlich ist es bei solchen Läufen so, dass man am Start losläuft und einen dann nach und nach alle schnelleren Läufer überholen.

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Nach einer gewissen Zeit kommen dann nur noch vereinzelt Läufer von hinten angerannt und um mich herum sind nur noch Teilnehmer, die in etwa meine Geschwindigkeit laufen. Und immer ist einer dabei, der einen Tick schneller läuft als ich. An den hänge ich mich dann dran.
In Sandhofen war es ein Mann, der seine Runtastic-App auf volle Lautstärke gestellt hatte und der mir sozusagen zwischendurch immer wieder einen Zwischenstand lieferte. Zudem hat er ganz furchtbar geröchelt und hatte einen seltsamen Laufstil. Den habe ich versucht immer hinter mir zu halten. Ich weiß nicht, was gegen Ende mit ihm passiert ist, denn beim Zieleinlauf war er nicht mehr da. Und so schnell war ich leider nicht um ihn wirklich abgehängt zu haben. Aber er hat dafür gesorgt, dass ich eine wirklich richtig gute Zeit gelaufen bin. 10 Minuten schneller als in meinen bisherigen Trainings!

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Gesamtteilnehmer 10 km: 593
Platz Gesamtwertung: 543

Gesamtteilnehmer Klasse W40: 56
Platz Klasse W40: 47

Gesamtzeit: 1:04 Stunden
Pace pro KM: 6:40 Minuten

Dann gab es eine längere Pause, bis zur Hitzeschlacht beim 2. Frauenlauf in Mannheim am 3. Juli 2015. Auf dieses Ereignis hatten wir mittwochs im Lauftreff hingearbeitet, hatten dort neue Freundschaften geschlossen und fühlten uns einigermaßen trainiert für die knapp 6 Kilometer.

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Dass es dann fast 40 Grad haben würde, damit hatte im Vorfeld keiner gerechnet und nachdem sich dies dann die letzte Woche vorher abzeichnete, hieß das Motto: einfach loslaufen, durchhalten und unterwegs nicht umkippen.
Die Strecke führte diesmal komplett durch und um den Luisenpark herum. Somit war für recht viel Schatten gesorgt. Außerdem hatte man die Wasserstationen verdoppelt und unterwegs Rasensprenger zur Abkühlung aufgestellt. Wie auch im letzten Jahr funktionierte die Organisation reibungslos. Selbst duschen konnten wir hinterher, trotz über 1.000 Teilnehmerinnen.
Ich möchte hiermit jedem, der gerne läuft oder walkt, diesen Frauenlauf ans Herz legen. Es macht so viel Spaß und ist mehr ein Event denn ein Lauf. Nicht umsonst lautet das offizielle Motto „Laufen wie es mir gefällt“. Hier kommt es nicht auf Zeiten, sondern auf den Spaß an. Und den hat man vorher, während und hinterher.
Tatsächlich haben wir dieses Jahr durch die Teilnahme am Lauftreff und unsere Anmeldung als Engelhorn-Sports-Lauftreff-Gruppe, den Pokal für die größte teilnehmende Gruppe gewonnen. Mit Preisverleihung und allem Zipp und Zapp.

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Gesamtteilnehmer 6 km: 1044
Platz Gesamtwertung: 329

Gesamtteilnehmer Klasse W40: 392
Platz Klasse W40: 96

Gesamtzeit: 36:33 Stunden
Pace pro KM: 6:10 Minuten
(ca. Angabe, da die Länge der Strecke nicht so ganz eindeutig zu ermitteln ist)

Es folgte der 1. Frauenlauf Ludwigshafen am 4. September 2015. Leider konnte meine Freundin Michi diesmal nicht mitlaufen, da sie im Urlaub weilte. Also habe ich das erste Mal einen Lauf mehr oder weniger alleine bestritten. Wobei auch auf diesen Lauf im Lauftreff hingearbeitet wurde, so dass sich viele Mittwochs-Mädels dort einfanden.
Aber erst einmal hieß es sich anstellen, um sich seine Startnummer und Lauf-Shirt abzuholen. Das hat mir in Mannheim besser gefallen. Da kann man ein paar Tage vorher alle Unterlagen bei Engelhorn-Sports abholen und ist somit vorab gerüstet.

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Der Veranstaltungsort war ziemlich cool, direkt am Rhein, Start und Ziel vor der Bar, viele Zuschauer und Mitläufer. Hier war die größte Herausforderung definitiv die „Schneckennudel-Brücke“ die zur Parkinsel hinüber führt.

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Auf dem Hinweg ging es noch einigermaßen. Ca. Kilometer 1,5. Aber auf dem Rückweg, etwa Kilometer 4,5, ist das schon wirklich fies. Und dieser Drehwurm von Brücke scheint kein Ende zu nehmen. Aber wie hat meine Lauftrainerin Gaby immer gesagt: „Das mit den Anstiegen ist nur ne Kopfsache.“ Daran muss ich wohl noch arbeiten.
Die Strecke war etwas länger als in Mannheim, die Temperaturen wesentlich angenehmer. Und hinterher gab es noch einen kleinen Sekt mit Maracujasaft und die Siegerehrung mit beleuchtetem Rheinpanorama im Hintergrund. Schöööön. Und auch noch schnell wie der Wind gewesen. Was will man mehr?

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Gesamtteilnehmer 6,5 km: 616
Platz Gesamtwertung: 248

Gesamtteilnehmer Klasse W40: 226
Platz Klasse W40: 83

Gesamtzeit: 39,20 Stunden
Pace pro KM: 6:00 Minuten

Der letzte Lauf fand dann vor kurzem, am 20. September 2015 statt: Der 21. Mutterstadter Volkslauf. Leider musste ich auch hier kurzfristig alleine starten, weil Michis Sohn krank geworden war. Das empfand ich schon als Herausforderung. Nach Mutterstadt, wo ich noch nie gewesen war, zu einem Lauf, den ich nicht kannte. Aber auch das war dann gar kein Problem. Ich traf auf dem Weg vom Auto zum Veranstaltungsort sogar einen guten Freund meiner Eltern und so war die Wartezeit vor dem Start und bis zur Siegerehrung angefüllt mit Fachsimpeleien.

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Auch bei diesem Lauf habe ich wieder jemanden gefunden, der mich ein paar Kilometer mitgezogen hat. Die Frau und ich liefen bestimmt zwei bis drei Kilometer zusammen, wobei ich immer den Eindruck hatte, sie macht das ganz locker und ich keuche aus dem letzten Loch. Aber dann, ganz plötzlich, blieb sie stehen und ich lief weiter. Später trafen wir uns bei der Getränkeausgabe und sie bedankte sich fürs Mitziehen und erklärte, sie habe Seitenstechen gehabt und hätte das Tempo nicht mehr mitlaufen können. Wie man sich doch manchmal täuscht.
Die 10 Kilometer waren toll. Zwei Runden durch den Mutterstadter Wald, die Sonne kam später noch heraus und es regnete, trotz meiner Befürchtungen, nicht. Meine Zeit war auch prima. Eine ganze Minute schneller als in Sandhofen zu Beginn der Saison. Wenn ich jetzt noch die Zeiten vom 6 Kilometer-Lauf auf einen 10 Kilometer-Lauf übertragen könnte, wäre ich der King.

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Gesamtteilnehmer 10 km: 338
Platz Gesamtwertung: 307

Gesamtteilnehmer Klasse W40: 23
Platz Klasse W40: 14 (das klingt doch cool, oder :D)

Gesamtzeit: 1:03 Stunden
Pace pro KM: 6:30 Minute

In diesem Jahr stehen noch zwei 10 Kilometer-Läufe in Maxdorf und Feudenheim an. Auf letzteren arbeitet gerade der Lauftreff hin, sodass wir auch dort sicherlich wieder mit mehreren Mädels starten. Wenn alles läuft wie geplant, haben Michi und ich damit erfolgreich am Engelhorn-Cup teilgenommen. Das wäre doch mal was.

Ich glaube, ich bin jetzt schon viel motivierter.

Ich war schon immer ein kleiner Fernsehjunkie, auch wenn ich inzwischen wesentlich mehr Zeit mit Lesen verbringe. Ich kann mich daran erinnern, dass mein Bruder und ich als Kinder sonntags immer ganz früh aufgestanden sind, nur um uns stundenlang Cartoons ansehen zu können. Und damals gab es auch schon so grauselige Sachen wie He-Man, Ninja Turtle oder Captain Future (meine erste große Liebe, bevor Pierre Brice als Winnetou in mein Leben trat, hach!). CFuture Als dann das Fräulein Wunder geboren wurde, mussten wir uns natürlich auch irgendwann darüber Gedanken machen, wie viel Fernsehen oder Videospielzeit für sie Sinn macht. Tatsächlich haben wir keine wirklich feste Regel dafür vereinbart. Wir entscheiden das eher aus dem Bauch heraus. Es gibt Tage, da wird bei uns weder ferngesehen noch am iPod/iPad gespielt. Und dann kann es wieder Tage geben, an dem durchaus mal ein Film von eineinhalb Stunden geguckt wird oder KIKA eine Stunde am Stück läuft. Gerne zelebrieren wir am Wochenende auch mal die obligatorische Pizza vor dem Fernseher. Tagsüber läuft der Fernseher aber tatsächlich nur in äußersten Ausnahmefällen. Meist dann, wenn wir Eltern geschafft sind und eine Mittagspause einlegen wollen. Gerne wird fernsehgucken auch als Belohnung eingesetzt: „Wenn ihr jetzt schnell aufräumt, dann könnt ihr noch eine Runde Wicki gucken.“ Eines ist Fernsehgucken in unserem Haushalt demnach für die Kinder nicht: Eine tägliche Selbstverständlichkeit. Nun besucht Miss Allerliebst seit guten zwei Wochen den Kindergarten. Täglich. Und dass das nicht immer so richtig toll ist, hat sie diese Woche dann wohl gemerkt. Denn seit Montag weint sie ganz herzerweichend wenn ich sie verabschiede, brüllt auch gerne mal aus vollem Hals nach ihrer „Mamaaaaaa“ und vergießt dabei riesige Krokodilstränen. Es zerreißt mir immer fast das Herz, wenn ich mich dann aus ihrer Umklammerung herauswinden und sie in der Obhut der Erzieherinnen zurück lassen muss. Sie beruhigt sich wohl relativ schnell wieder, haben mir die Erzieherinnen mitgeteilt, aber mir klingt ihr Weinen den ganzen Tag noch in den Ohren. Nicht schön. Und so kam ich gestern, als mir Miss Allerliebst mal wieder mit „Mama, Fernseher gucke?“ in den Ohren lag, auf die glorreiche Idee, ihr einen Handel vorzuschlagen: Wenn sie ganz tapfer ist und bei der Verabschiedung nicht mehr weinen muss, dann darf sie nach dem Abholen eine Runde fernsehgucken. Ich muss gestehen, dass ich nicht wirklich daran geglaubt habe, dass das klappt. Sie hat zwar gestern ganz enthusiastisch mit dem Kopf genickt und wir haben den Handel per Handschlag besiegelt, aber sind wir mal ehrlich: Wenn sie eben ängstlich oder traurig ist, wenn ich gehe, dann kann sie sich auch nicht wirklich zusammenreißen. Sie ist ja noch soooo klein. Trotzdem habe ich sie heute morgen noch einmal an unseren Handel erinnert. Und nachdem ich ihr auch heute wieder einige Male bestätigt habe, dass ich sie ganz sicher wieder abholen komme, war sie zufrieden. Die letzten beiden Tage hatte sie bereits auf dem Weg zum Kindergarten geweint und immer wieder „nach Hause!“ gejammert. Heute marschierte sie ganz stolz mit ihrem Regenschirm voraus. Im Kindergarten angekommen war sie immer noch recht entspannt, fragte mich noch gefühlte drölftausen Mal, ob ich sie auch wirklich wieder abholen komme und verschwand dann mit einem kurzen Tschüss in ihrem Gruppenraum und kuschelte sich gleich darauf vergnügt in die Hängematte. Ich traute meinen Augen (und Ohren) nicht. So schnell habe ich mich, glaube ich, noch nie von ihr und dem Fräulein verabschiedet. Und natürlich war das erste, was sie mich heute beim Abholen fragte: „Mama, Fernseher gucke?“ Und so sitzt sie jetzt auf der Couch, mampft die Reste aus ihrer Frühstücksbox und guckt Prinzessin Lillifee. Wie ne Große, ganz alleine und ausnahmsweise. Sie ist glücklich und entspannt und ich bin es auch. Prlillifee Ich schätze, für diese Woche werde ich dieses Experiment noch weiter führen, dann sind erst einmal Ferien. Und danach sehen wir weiter. Es hat mir auf jeden Fall gezeigt, dass Fernsehen bei uns nichts alltägliches ist und dass davon immer noch eine gewisse Magie ausgeht.