Es gibt so viele Gründe, warum hier in letzter Zeit keine Beiträge mehr erscheinen. So viel hat sich grundlegend in unserem täglichen Leben geändert.

Das, was uns zeitlich am meisten durcheinander wirbelt ist wohl, dass ich wieder angefangen habe zu arbeiten. Und ich liebe es. Ich hatte ganz vergessen wie befriedigend es sein kann, nicht mehr nur „die Mama von“ zu sein, eigene Entscheidungen zu treffen und Erfolgserlebnisse jenseits vom Alltag als Hausfrau und Mutter zu haben. Ich habe tolle Kollegen, eine anspruchsvolle, aber machbare Aufgabe, die mich jeden Tag wieder auf eine angenehme Art fordert und kann für vier Stunden einfach Ich sein. Und auch wenn diese Stelle nur bis Ende des Jahres befristet ist, hat sie mich doch schon jetzt so viel weiter gebracht, meinen Horizont erweitert (man muss sich mal vorstellen, dass ich 26 Jahre lang nur einen einzigen Arbeitgeber hatte) und mir gezeigt, dass ich immer noch flexibel und rege im Kopf bin. Vielleicht kann das der Ein oder Andere da draußen nachvollziehen.

Ein paar Wochen vor meinem Arbeitsantritt wurde Miss Allerliebst zudem ein Kindergartenkind. Bis zu den Sommerferien stand ihr das Fräulein Wunder dort noch zur Seite, was vieles einfacher machte. Zum Beispiel die Eingewöhnung in der Frühgruppe. Denn durch meinen Start in die Arbeitswelt verschoben sich auch die morgendlichen Zeiten der Kinder. Die ersten Wochen brachte ich die beiden Mädels noch gegen halb neun in den Kindergarten, da ab da ihre Erzieherinnen anwesend waren. Doch schon bald fing ich früher an zu arbeiten und die Kinder mussten zwischen halb acht und acht in den Kindergarten. Bis halb neun werden dort alle Kinder in einer Frühgruppe betreut. Mit Erziehern, die Miss Allerliebst und das Fräulein Wunder nicht wirklich kennen.
Auch diese Hürde haben wir  inzwischen ganz gut gemeistert. Schwierig wurde es dann noch einmal nach den Sommerferien, als das Fräulein Wunder in die Schule kam. Denn ab da musste Miss Allerliebst morgens alleine in den Kindergarten und in die Frühgruppe.
In der ersten Woche weinte sie bereits zu Hause beim Zähneputzen, dass sie nicht in den Kindergarten sondern mit dem Fräulein Wunder in die Schule gehen wolle. Aber es half ja nichts. Ich blieb in der Anfangszeit noch ein bißchen mit ihr in der Frühgruppe, ließ mir in der Spielküche ein Frühstück richten oder legte mit ihr ein Puzzle, bevor ich mich dann doch verabschiedete.
Inzwischen klappt auch diese Verabschiedung mehr oder weniger reibungslos. Miss Allerliebst hat sich daran gewöhnt, ohne ihre Schwester den Kindergarten zu besuchen und alle Erzieher bestätigen mir, dass sie sich gut eingelebt hat und sich zurecht findet. Zudem sind nach den Ferien weitere, neue und jüngere Kinder in die Gruppe hinzu gekommen, was sie nun zu einer „Großen“ macht und das scheint ihr ausnehmend gut zu gefallen.

Tja. Und dann ist da natürlich das Fräulein Wunder. Mein wundervolles, großes Schulkind. So viele Gedanken, die ich mir im Vorfeld gemacht habe. So viele Ängste und Befürchtungen, die ich hatte und die ich sie nie spüren lassen wollte.
Sie freute sich wie wahnsinnig auf die Schule. „Mama, gell, jetzt fängt der Ernst des Lebens an?“ „Hm, was ist denn der Ernst des Lebens für Dich?“ „Na, da kann ich endlich alles alleine lesen und darf ins Bett gehen wann ich will.“ So viel also zu den Träumen einer Sechsjährigen.
So viel war vorab zu organisieren. Der Hortplatz, den wir quasi in letzter Minute bekamen, die ewig lange Liste mit Schulmaterialien, die besorgt werden wollten, die Suche nach dem richtigen Schulranzen, der passenden Schultüte, das Beschriften jedes Heftes und jedes Buntstiftes und das Organisieren der Einschulungsfeier.
Und dann der große Tag. Ich glaube, ich war aufgeregter als das Fräulein Wunder selbst. Würde alles klappen? Wie würde sich das Fräulein in der Schule und in ihrem neuen Hort zurecht finden? Der schlimmste Moment war für mich, als nach der offiziellen Feier in der Schulturnhalle die Kinder einzeln aufgerufen und ihrer jeweiligen Klassenlehrerin zugeteilt wurden. Als sie dann gemeinsam einfach so aus der Turnhalle spazierten, standen mir dann doch die Tränen in den Augen. Zum Einen natürlich vor grenzenlosem Stolz und zum Anderen wegen einer gehörigen Portion Wehmut. Da ging sie dahin mein Baby. Irgendwie hatte ich sie doch erst gestern noch als kleines Bündel an mich gedrückt, meine Nase in ihrem weichen Babyhaar versenkt und ihr Küsse auf die Wange gedrückt, ohne dass sie hinterher das Gesicht verzieht, laut „Bääääh“ ruft und sich demonstrativ die Wange abwischt. Hach!
Inzwischen ist eine Woche Schule vergangen. Und alle meine Befürchtungen und Ängste haben sich in Luft aufgelöst. Am meisten Bedenken hatte ich wegen des Horts, da sie als einzige aus ihrer Klasse und ohne ihre langjährigen Freunde dort hin geht. Aber bereits am zweiten Tag verkündete sie mir, sie habe eine Freundin gefunden und ich solle sie am nächsten Tag doch bitteschön etwas später abholen. Meine Tochter!
Sie macht meist schon im Hort selbstständig ihre Hausaufgaben („Mama, das ist voll Baby!“), sie muss sich (als in dieser Hinsicht verwöhnte Erstgeborene) mit dem Mittagessen dort arrangieren („Ich hab‘ die Soße ein bißchen abgekratzt, aber es war trotzdem eklig.“) und sich mit ihr fremden Menschen auseinander setzen („Ich habe so ein Glück, dass ich so eine nette und freundliche Lehrerin habe.“). Noch findet sie die Schule total spannend, freut sich jeden Morgen wieder hin gehen zu dürfen und sehnt den Tag herbei, an dem sie endlich lesen kann.
Wie sehr sie all dies Neue belastet, merkt man dann erst am Nachmittag. Wenn die Kräfte langsam schwinden, wenn sie müde wird. Dann reicht irgendeine Nichtigkeit, dass sie förmlich explodiert. Dann wird geschrien und geheult und getobt. Wir kennen dies ja nun schon, seit sie geboren wurde, aber es bringt uns immer noch relativ schnell an unsere Grenzen. Es ist, als renne man immer wieder mit voller Wucht gegen eine Betonwand. Da hilft kein Reden, kein Zuhören, kein Schimpfen, kein Schreien, kein Beschwichtigen, keine Liebesbekundungen. Das müssen alle Beteiligten einfach aushalten so lange es dauert. Auch gerne mal eine Stunde am Stück. Danach sind wir alle erschöpft, aber irgendwie auch geerdet.
Unfassbar wie schwer und kräftezehrend es ist, äußerlich und innerlich zu wachsen.

Und so rast die Zeit dahin. Vielleicht schaffe ich es in Zukunft ja doch ab und an, sie hier ein klein wenig festzuhalten.

 

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In letzter Zeit ist hier so viel los, dass ich leider nicht zum Aufschreiben komme. So viele Ereignisse wären einen Blogeintrag wert. Damit ich aber die vielen wundervollen Dinge, die mir in den letzten Wochen passiert sind, nicht vergesse, fasse ich sie hier heute endlich zusammen.

Chronologisch betrachtet muss ich mit dem Straßenlauf in Sandhofen beginnen, auch wenn es sich anfühlt, als sei das schon Äonen her.
Meine Freundin Michi und ich hatten uns recht spontan entschieden dort mitzumachen. Unter anderem auch deshalb, weil es sich hierbei um einen der fünf Läufe handelt, die zum Engelhorn Cup zählen. Wenn man drei der fünf Läufe mitmacht, kommt man in die Gesamtwertung (für die ich zu langsam bin, um irgendetwas zu gewinnen), wird zur Preisverleihung eingeladen und bekommt ein Sweatshirt. Lohnt sich also.
Jedenfalls sind wir dann also am 21.3.2015 in einem Teilnehmerfeld von über 300 Läufern gestartet. Und es lief wie Lottchen für mich. Keine Ahnung woher das plötzlich kam, aber ich bin gerannt wie noch niemals zuvor und war fast zehn Minuten schneller als in meinen bisherigen Trainings. Damit belegte ich in meiner Altersklasse Platz 47 von 56 Teilnehmerinnen. Ich bin stolz wie Bolle!

StraßenlaufSandhofen2015

Als nächstes stand die Entscheidung über den Kindergartenplatz für Miss Allerliebst an. Ende März bekam ich endlich, endlich die Zusage, dass sie ab Mai in den Kindergarten aufgenommen wird. Ich war wirklich glücklich. Zum Einen, weil Miss Allerliebst sowas von bereit für den Kindergarten ist und zum Anderen, weil ich mich dadurch endlich ernsthaft auf die Suche nach einer neuer Arbeitsstelle machen konnte. Dachte ich, bis mir dann aufging, dass ich ja noch ein Hortplatz für das Fräulein Wunder brauche, wenn sie ab September in die Schule geht. Aber gut. Ein Kind schon mal sicher untergebracht. Das war auf jeden Fall ein ganz großes Highlight.

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Meinen Vermittler bei der Bundesagentur für Arbeit hat der Kindergartenplatz auch sehr gefreut. So sehr, dass er mir gleich drei Stellenausschreibungen in die Hand drückte und mich damit zu meinem Bewerbungscoach bei Biotopia schickte. Der Typ dort war schwer beeindruckt: „Drei Stellenangebote und zwei davon im eigenen Haus (nämlich in der Bundesagentur für Arbeit selbst), der Vermittler muss Sie echt gern haben.“
Ich will mal so sagen … der Bewerbungscoach und ich lagen irgendwie auf einer Wellenlänge. Die wöchentlichen Besuche dort waren immer sehr entspannt und lustig. Kann ich also jedem Jobsuchenden wärmstens empfehlen. Er hat nicht nur meinen Lebenslauf aufgehübscht sondern auch die drei Bewerbungen mit mir geschrieben, die wir dann auch direkt von dort abgeschickt haben.

Keine Woche später bekam ich dann tatsächlich die Mitteilung, dass ich zu einem Vorstellungsgespräch in der Bundesagentur für Arbeit in Mannheim eingeladen sei. Ich war hin und weg. So schnell hatte ich damit überhaupt nicht gerechnet. Einen Tag vor dem Gespräch hatte ich noch einmal einen Termin bei meinem Bewerbungscoach und wir gingen ein paar Fragen durch, die bei einem Vorstellungsgespräch so auf mich zukommen können.
Am großen Tag selbst war ich einerseits wahnsinnig aufgeregt, andererseits aber auch einigermaßen entspannt. Ich hatte immer noch keinen Hortplatz für das Fräulein (auf telefonische Nachfrage hieß es, die zweite Vergaberunde sei durch und wir wären nicht dabei) und von daher kam eine Arbeitsaufnahme eigentlich nicht wirklich in Betracht. Aber Erfahrungen kann man ja schonmal sammeln.
Und obwohl ich mich wirklich auf das Gespräch vorbereitet habe, hatte ich mit der Frage „Was war bisher Ihr größter Misserfolg und wie sind Sie damit umgegangen?“ nicht gerechnet. Das war auch, meinem Gefühl nach, das einzige Mal, bei dem ich mehr gestammelt als geredet habe.
Cool auch: Als ich so vor dem Zimmer wartete bis ich an die Reihe kam (drei Bewerberinnen vor mir, zwei danach) hörte ich durch die Tür eine Frau sagen „Ach, die Frau Maaß. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube, die kenne ich. Muss ich jetzt mal in Natura sehen.“ Leider war ich zu aufgeregt und habe vergessen sie zu fragen. Mir kam sie nämlich auch bekannt vor. Und extrem sympathisch. Auch der Job, der in Heidelberg zu vergeben war, reizte mich. Kleine Büros, Abrechnungen, Vertragsarbeit, Kundenkontakt am Telefon und ein wunderschöner Ausblick über den Odenwald, wie mir die nette Frau schmunzelnd versicherte.
Ich ging mit dem Gefühl, dass ich meine Sache wohl ganz gut gemacht habe, dass ich aber nicht gerade die Wunschkandidatin bin: Es wurde eine Vollzeitkraft ab Anfang Mai gesucht, ich suche aber eine Teilzeitstelle ab Mitte Juni.

Als nächstes war dann endlich die Anmeldung zum 2. Frauenlauf in Mannheim Anfang Juli möglich. Wie bereits im letzten Jahr nehmen Michi und ich teil und ich bin zuversichtlich, dass ich die Zeit vom letzten Jahr in den Schatten stellen werde.
Der Straßenlauf in Sandhofen war ein echtes Sportereignis, der Frauenlauf ist mehr so ein Spaßding und eben nur für Frauen, mit Rahmenprogramm und allem Pi-Pa-Po. Das Ganze läuft (ha,ha) unter dem Motto „Ich laufe, wie es mir gefällt“. Es sind also auch Walker oder Jogging-Walker (die, die noch nicht die ganze Strecke Joggen und daher zwischendurch ein bißchen Walken) willkommen. Wer also Lust bekommen hat, einfach mal hier vorbeischauen (und nein, ich bekomme keine Provision).

Und dann der Anruf von der überaus sympathischen Frau vom Vorstellungsgespräch: „Hallo Frau Maaß. Ich habe die ehrenvolle Aufgabe Ihnen mitzuteilen, dass wir sie gerne einstellen möchten.“ Ich hätte vor Freude aus der Hose springen können. Und dann auch wieder nicht, als mir einfiel, dass ich immer noch keine Betreuung für meine große Tochter vorzuweisen habe.
Meine Eltern versicherten mir allerdings, dass sie eine gewisse Zeit gerne bei der Überbrücken behilflich sein würden und da noch genügend andere Verwandtschaft in Laufentfernung der Schule liegt, würden wir auch das irgendwie hin bekommen. Und noch war ja die Hortplatzvergabe insgesamt noch nicht abgeschlossen. Ich sagte also zu.
Ich habe also ab Mitte Juni eine neue Arbeitsstelle und noch dazu eine sympathische Chefin und einen tollen Ausblick aus meinem Büro (von dem ich mich in den nächsten ein, zwei Wochen auch noch persönlich überzeugen werde). Besser konnte es gar nicht kommen. (Und mein Vermittler bei der Bundesagentur bekommt bestimmt ne Medaille, weil er mich so schnell vermittelt hat, dass ich nur für ein paar klägliche Wochen Arbeitslosengeld erhalten werde ;)).
Aussage meines Bewerbungscoachs am Telefon: „Wow, das ist absoluter Geschwindigkeitsrekord.“ Er wird mir fehlen. *Schnüff*

Und dann, nach etlichen Telefonaten mit Meki (das Amt, das hier bei uns die Vergabe der Kiga- und Hortplätze regelt), einer Mail mit der Bestätigung meiner neuen Anstellung und einem kräftigten Drücker auf die Tränendrüse bekam ich vorgestern telefonisch die (rechtsunverbindliche) Aussage, dass wir in den nächsten Tagen Post bekommen würden. Wir haben einen Platz! Und das auch noch in dem Hort, in dem alle Freunde des Fräuleins bereits angenommen sind!! Doppeltes Yeah!!

Und zu guter Letzt noch mein sportlicher Glücksgriff: In Vorbereitung zum Frauenlauf veranstaltet Engelhorn Sports einen wöchentlichen Lauftreff. Die Plätze sind allerdings begrenzt und angenommen wird, laut Prospekt, nach Anmeldungseingang. Da wir recht spät dran waren, rechnete ich eigentlich nicht mit einer Zusage.
Und Zack – gestern Abend die Mail, dass ich angenommen bin. Das wird soooo cool! Zum Einen wird man dort von Fachmännern und -Frauen betreut, bekommt Tricks und Tipps zum Laufen, das auch noch kostenlos und wenn man an 5 von 8 Treffen teilnimmt sogar noch einen 25 Euro Gutschein von Engelhorn. Ich bin begeistert.
Und ein echtes Glücksschwein im Moment!

1989, das war das Jahr, in dem ich mit meiner Lehre begann. 2014 ist das Jahr, in dem ich dieses Unternehmen, das mir in über 25 Jahre ans Herz gewachsen ist, verlassen muss.

Ich befürchte, in der heutigen Zeit ist es (leider) nicht mehr üblich, so lange bei ein und dem selben Arbeitgeber zu bleiben. Wobei es in meinem Fall insgesamt fünf verschieden Eigentümer und damit Arbeitgeber gewesen sind. Alles habe ich mitgemacht: Eigentümerwechsel und damit einhergehende System- und Prozessänderungen, verschiedene Aufgabengebiete und Arbeitsorte. Ich habe Chefs kommen und gehen sehen, im Wandel der Zeit so manche größere Veränderung mitgemacht, mich immer wieder auf Neues eingestellt – und dieses auch begrüßt – und war doch immer in einem vertrauten Umfeld, an einem Ort, an dem ich die Abläufe, Hierarchien und Interna kannte. Zuletzt 17 Jahre in den selben Büroräumen.

Dann wurde das Fräulein Wunder geboren. Ein Abschied auf Zeit. Nach zwei Jahren begann ich stundenweise im Rahmen meiner Elternzeit wieder zu arbeiten. Um den Anschluss nicht zu verlieren, ein wenig „raus“ zu kommen und den Kontakt mit den Kollegen aufrecht zu erhalten.

An die erste Elternzeit fügte sich nahtlos die zweite von Miss Allerliebst an. Seit fünf Jahren bin ich also schon nicht mehr „vollwertiges Mitglied“, habe mich aber trotzdem als solches gefühlt. Nicht zuletzt auch, weil mir meine Kollegen, wenn ich sie in unregelmäßigen Abständen besuchte, dieses Gefühl gaben.

17 Jahre ServiceCenter. So viele Erinnerungen. So viele Bilder in meinem Kopf. So viele Menschen, die mir zeitweise sehr nahe standen, weil sie mich tagtäglich begleitet haben.
Wir hatten immer ein sehr gutes Betriebsklima. Immer wieder wurde von allen Seiten bestätigt und hoch gelobt – ob Chef, Oberboss oder Außenstehende – dass in unseren Räumen eine solch positive Stimmung herrscht. Dass man sich auf uns verlassen kann. Dass wir alles anpacken und auch zu ende bringen und dabei immer Qualität liefern.
Dies hat nur funktioniert, weil wir gemeinsam an einem Strang gezogen haben. Weil es klar war, dass alle Überstunden machen, wenn es erforderlich ist und dass wir genau so gemeinsam feiern, wenn die Zeit dafür ist.

Am Freitag werden endgültig die Pforten geschlossen. Unsere kleine Enklave wird nach Mönchengladbach verlegt. So oft konnten wir in den letzten Jahren einer Verlagerung unter Berufung auf unser Know-how und unseren Teamgeist entgehen. Doch die neuen Eigentümer sahen dies anders. Hier steht der Profit an erster Stelle.

Bisher war dieses Ende für mich, da ich ja bekanntermaßen immer noch in Elternzeit weile, nur Worte auf Papieren. Sozialplan, Zwischenzeugnis, Abfindung – dies alles waren nur Worte, die zwar eine tiefere Bedeutung hatten, die aber bisher nicht so wirklich in meinem Kopf und meinem Herzen angekommen waren.

Heute fand die Abschiedsfeier statt. Als ich die Einladung bekam fand ich es befremdlich, dass wir in den eigenen Räumen feiern sollten und nicht wie sonst in einem Lokal unserer Wahl. Doch nach näherer Betrachtung gab es eigentlich keine andere Wahl. Wo könnte es familiärer und intimer sein?
Und als dann heute meine Chefin und dann deren Chefin die Abschiedsreden hielten, uns dankten, noch einmal betonten, wie schön es doch mit uns gewesen war, da bildete sich ein Klos in meinem Hals. Da war er, der Moment der Erkenntnis. Des langsamen realisierens. Es wird wahr. Hier entsteht gerade ein „nie wieder“. Nie wieder werde ich diese Räume betreten können. Nie wieder an meinen Arbeitsplatz zurück kehren. Nie wieder mich in die so vertrauten Arbeitsabläufe, Gepflogenheiten und Menschen einkuscheln können. Vorbei. Für immer.

Selten begegnet einem ein „nie wieder“. Und kluge Köpfe mögen jetzt so etwas abgedroschenes wie „Jedes Ende ist auch ein Anfang“ von sich geben. Mag ja alles sein. Aber es tröstet im Moment recht wenig.

Wir haben diesen Abend dem Anlass entsprechend begangen. Wir haben getanzt, gelacht bis uns die Tränen kamen und gefeiert, als gäbe es kein morgen mehr. Pläne wurden geschmiedet. Wir sehen uns dann und dann und dort und dort. Aber selbst wenn diese Pläne alle verwirklicht werden, wird es niemals wieder so sein.

25 Jahre. Es war so schön, ich habe unglaublich viel gelernt und wurde zu dem Menschen geformt, der ich heute bin. Ich bin so unglaublich dankbar, dass ich diese lange Zeit erleben durfte und unsagbar traurig, dass es heute hier und jetzt endet.

Ich weiß, ich werde meinen Weg gehen. Wie jeder von uns. Aber die Wehmut bleibt.

Ja, wir leben noch. Die Tage sind angefüllt mit jeder Menge Aktivität und neuen Dingen. In den letzten Wochen haben wir zwei Junggesellenabschiede, einen Polterabend und eine Hochzeit erlebt und meinen 40 + 1 Geburtstag im großen Rahmen mit ca. 70 Leuten gefeiert. Inzwischen planen wir die Aktivitäten für die nächste Hochzeit Ende Juli.

Ich habe angefangen, montags und mittwochs jeweils zwei Stunden am Nachmittag wieder zu arbeiten. Und das auch noch beim Arbeitgeber meines Mannes. Aber da er nach Hause kommt um die Kinder zu übernehmen und ich dann erst losfahre, laufen wir uns dort (noch)  nicht über den Weg.
Vielleicht ist dies der Anfang einer neuen Berufsaussicht. Da mein derzeitiger Arbeitgeber meinen Arbeitsplatz am Ende des Jahres nach Mönchengladbach verlegt und ich damit arbeitslos sein werde, kann das ja nie schaden. Und ich glaube wir sind jetzt in einem Alter, in dem es nichts negatives ist, im gleichen Betrieb zu sitzen. Nur im selben Raum wollte ich nicht unbedingt sein. Ein bißchen Freiheit ist  schon noch notwendig. Aber wie gesagt, bis jetzt ist das ja sowieso nicht der Fall.

Miss Allerliebst ist ein Ausbund an Energie und Einfallsreichtum. Überall wo sie ihre Fingerchen nicht haben soll, steckt sie sie garantiert hinein. Nachdem wir eine Zeit lang Ruhe hatten, hat sie wieder angefangen sämtliche Schränke auszuräumen. Dabei geht sie inzwischen sehr systematisch vor. Erst wird der Süßigkeitenschrank angepeilt, danach der Spielzeug- und Malschrank ihrer Schwester und wenn der auch tabu ist, dann geht es an die Spielesammlungen im Schrank daneben. Mir ist vorher noch nie aufgefallen, dass wir nur ein einziges Schrankfach in Regionen haben, an die sie nicht heran kommt.
Außerdem klettert sie überall hinauf und hinein. Und das mit Hingabe und vollkommen unerschrocken. Da sie für ihr Leben gerne rutscht, scheut sie sich auch nicht vor den ganz hohen Spielgeräten. Nachdem sie inzwischen die Technik beim Hinaufklettern von Leitern raus hat, ist sie da nicht zu halten. Noch kann sie sich beim Hinunterrutschen nicht bis ganz unten in einer aufrechten Sitzposition halten, aber das ist ihr schnurzpiepegal. Egal ob die hohe Rutsche im Kindergarten, die noch höhere Rutsche bei unserem Lieblingsspanier oder die kleine Kinderrutsche in unserem Garten – von jeder stürzt sie sich kamikazemäßig und mit lautem Juchu-Geschrei hinunter.
Auch gerne zum Klettern genommen werden die Trip-Trap Stühle. Der ihrer Schwester ist dabei ja beinahe schon langweilig, weil der diesen „Babybügel“ gar nicht hat und sie somit gar nicht so weit klettern muss, um sich hinsetzen bzw. hinstellen zu können.
Kürzlich fand ich sie stehend in unserem Waschbecken (!) vor. Wir hatten vergessen den Kinderschemel vor dem Waschbecken weg zu stellen. Von diesem kletterte sie also ins Becken, zog sich am Spiegel in die Höhe und begutachtete alles, was dort auf der Ablage lag. Mein Herz!
Dann der eisige Schreckmoment, als sie mit ihrer Schwester draußen im Garten weilte und ich sie nicht mehr wieder fand. Ich musste nur kurz nach drinnen auf die Toilette und als ich wieder raus kam, war Miss Allerliebst verschwunden. Das Fräulein und ich suchten das gesamte Gelände ab, ohne Erfolg. Ich hatte bereits Horrorszenarien von vorbeikommenden Männern, die mein kleines Baby einfach mitgenommen hatten, als wir sie quietschvergnügt und vor sich hin glucksend in der Garage im Fahrradanhänger fanden. Hölle!
Jeder, der Miss Allerliebst länger als, sagen wir mal eine Stunde erlebt, stellt unweigerlich fest, dass das Kind keine Sekunde still sitzen kann. Immer ist sie auf dem Weg zum nächsten Abenteuer, experimentiert, probiert aus und erlebt jeden Minute vom Tag irgendwelche aufregenden Dinge.
Dabei ist sie (meistens) so wundervoll ausgeglichen und anschmiegsam, dass das die viele Aufregung mehr als wett macht. Immer wieder kommt sie an, schmiegt sich an mein Bein, verlangt auf den Arm oder den Schoß genommen zu werden um dann kurz aber intensiv zu kuscheln. Sie ruft auch öfter mal ganz laut „Maaamaaaa“ (auch wenn damit im Moment auch noch Papa gemeint sein kann) wenn sie meint, mich jetzt doch mal kurz für irgendetwas zu brauchen.
Ruhe und Konzentration setzen bei ihr im Moment dann ein, wenn sie im Sandkasten sitzt und unermüdlich Sand in einen Eimer schippt, oder irgendwo Wasser in der Nähe ist. Die Tage, an denen es so heiß war, waren von daher für mich ein wahres Geschenk. Während ich im Liegestuhl mit einer netten Zeitschrift saß, vergnügten sich das Fräulein und Miss Allerliebst stundenlang im Planschbecken und im Sandkasten (immer schön abwechselnd. Von paniert zu sauber und wieder zurück).

Überhaupt, das Fräulein Wunder. Sie ist so wahnsinnig groß geworden! Und das meine ich nicht nur körperlich (sie ist weiterhin eine der Größten in ihrer Altersklasse. T-Shirt-Größe 122, falls das jemandem was sagt), sondern auch geistig. Sie scheint meist unerschütterlich in sich zu ruhen. Sie zieht ihr Ding durch und das immer mit Bedacht. Sie kann plappern wie ein Wasserfall. Von morgens bis abends. Und sie ist eine wundervolle große Schwester. Sie küsst und herz Miss Allerliebst, hilft ihr, wo sie nicht weiter kommt, fängt sie unten an der Rutsche auf und macht mit ihr ganz viel Quatsch. Gerne verstecken sie sich gemeinsam und auch wenn ihr lautes Gekicher sie meist sofort verrät, tue ich immer so, als könnte ich sie nicht finden, was einen erneuten Heiterkeitsausbruch zur Folge hat.
Morgens wird immer zu erst festgestellt, ob denn noch Sommer ist. Wenn man nämlich eine lange Hose und eine Jacke für den Kindergarten anziehen muss, ist logischerweise kein Sommer mehr.
Im Kindergarten angekommen ist es für sie immer noch etwas schwer, sich von mir zu trennen, aber wenn ich sie dann direkt in die Obhut einer Erzieherin übergebe, ist auch das in Ordnung. Neulich traf ich sie auf dem Rückweg vom Einkaufen. Die ganze Kindergartegruppe hatte einen Ausflug zum nahegelegenen Spielplatz gemacht und als ich die Meute auf mich zukommen sah, befürchtete ich schon, dass das Fräulein eventuell nicht mehr bei ihrer Gruppen bleiben sondern mit mir kommen wolle. Doch sie winkte mir lediglich grinsend zu und marschierte mit ihrem Kumpel N. an der Hand weiter. Hach, meine Große.
Erwähnte ich schon, dass sie den ganzen Tag redet? Und sie singt. „Ich hab ein Haus, ein kunterbuntes Haus … “ oder „Es lebte einst ein Ritter, der Klipp von Klapperbach … “ oder „Uh, uh, Gangma Style“ und, und, und.
Sie guckt mit ihrem Papa seit neustem „Witzvideos“, liebt Duschen und Baden und kann sich dabei schon selbst die Haare waschen und abspülen. Sie schreibt ihren Namen und malt Häuser und Menschen und Blumen und Wolken und Bäume. Sie sieht laut der letzten Vorsorgeuntersuchung wie ein Adler und hört wie ein Luchs. Und sie fährt leidenschaftlich gerne Fahrrad, auch wenn das mit dem Anfahren noch nicht so wirklich klappt.
Sie ist meine Große. Meine Erstgeborene. Und wird dies auch immer bleiben. Hach.

Und so vergeht die Zeit: Mit Familienausflügen, inzwischen wieder gerne mit dem Fahrrad und Anhänger, mit Treffen mit der Clique, durchgefeierten Nächten, verbummelten Nachmittagen, Besuchen von diversen Architekten (hierzu hoffentlich bald ein gesonderter Eintrag), neuen Aufgaben und Unternehmungen. Es läuft sozusagen. Und das ziemlich gut. Ich wünschte nur, ich hätte viel öfter Lust zum Bloggen.

Ich wusste gerade mal zwei Tage, dass ich mit  Kind 2.0 schwanger bin, als mich ein Anruf meiner Chefin erreichte, die mir mitteilte, dass meine Arbeitsstelle nach Mönchengladbach verlegt werden soll. Der Standort Mannheim, sowie einige Einheiten in Frankfurt und Hamburg werden geschlossen und etwa 300 Mitarbeiter damit freigesetzt.

Ich hörte danach öfter den Satz „Na, da hast du dir aber den richtigen Zeitpunkt zum Schwangerwerden ausgesucht.“. Allerdings hält dieses Argument bei näherer Betrachtung nicht wirklich stand. Gut, ich hatte sowieso vor für ein paar Jahre unentgeltlich zu Hause zu bleiben, aber auch ich verliere meinen Arbeitsplatz und habe somit keinen Ort, an den ich nach meiner Elternzeit zurückkommen kann. Vielleicht muss ich mich mit den ganzen Der-letzte-macht-das-Licht-aus-Szenarien nicht auseinander setzen, aber trotzdem trifft es auch mich.

Ich weiß, dass ich in der glücklichen Lage bin, einen Mann zu haben, der uns im Notfall über eine gewisse Zeit versorgen kann. Alleinverdiener sind von dieser Schließung also wesentlich stärker betroffen. Auch muss ich keine Entscheidung treffen, ob ich meinen Wohnort verlasse und damit mein soziales Umfeld und alles was ich kenne aufgebe, um in das wunderschöne Mönchengladbach umzusiedeln.

Aber auch meinen Arbeitsplatz gibt es dann nicht mehr und damit verschwindet auch die tolle Möglichkeit recht flexibel, mit einem guten Gehalt und vorhandenem Know-how wieder einzusteigen.

Demnach war mein letzter Arbeitstag, bevor ich mich in die Elternzeit verabschiede, auch mein allerletzter Arbeitstag in meiner Firma. Über 22 Jahre war ich dort beschäftigt. Wurde dort ausgebildet und habe sämtliche Höhen, Tiefen und Besitzerwechsel mitgemacht. Ich habe mich immer wieder auf Neues eingestellt, mich über manche Änderungen gefreut und manche eher kritisch betrachtet. Aber irgendwie war es doch immer mein berufliches Zuhause, wenn ich das mal so nennen darf.

Mit dem heutigen Tag kehre ich also meinem Arbeitgeber den Rücken und habe keine Ahnung, was in zwei bis drei Jahren auf mich zukommen wird. Ich habe seit über zwanzig Jahren keine Bewerbung mehr geschrieben. Ich habe keine Ahnung, wie man sich heutzutage auf dem Arbeitsmarkt präsentiert. Wie stehen die Chancen, als Mutter mit zwei kleinen Kindern eine Halbtagsstelle zu bekommen? Wie komme ich mit komplett neuen Arbeitsabläufen, EDV-Systemen und Firmenideologien zurecht? Fragen über Fragen, denen ich im Moment noch gelassen entgegen sehe, aber irgendwann werde ich mich ihnen stellen müssen.

Und so habe ich mich heute etwas wehmütiger als sonst verabschiedet, auch wenn mir noch für zwei Jahre die Möglichkeit offen stehen wird, meine ehemaligen Kollegen zu besuchen und sich somit erst einmal für mich nichts sichtbar ändern wird.
Aber es war eben der allerletzte Tag an meinem Arbeitsplatz und es gibt keinen Weg zurück.

Ich hatte ganz vergessen wie es ist, wenn man am Morgen den Rolladen hochzieht und es ist noch dunkel draußen, wie es sich anfühlt, ganz in Ruhe zu duschen, einen Tee zu trinken und sein Frühstück zu richten und wie voll eine Autobahn im morgendlichen Berufsverkehr ist.
Den Weg ins Büro fand ich wie im Schlaf und bereits auf dem Weg dorthin begann mein Herz vor Freude und Aufregung heftig zu klopfen. Verrückt! Im Grunde war ich nie wirklich weg gewesen. Sicher habe ich nicht mehr dort gearbeitet, aber ich habe versucht meine Kollegen zusammen mit dem Fräulein wenigstens einmal im Monat zu besuchen. Also fühlte es sich eigentlich nicht fremd an, als ich die Büroräume betrat.

Ich sitze jetzt allerdings in einem anderen Zimmer mit anderen Kollegen. Allerdings auch alles Menschen, die ich vorher schon gut kannte. Und ich habe im Grunde keinen festen Schreibtisch, in den ich all meine Sachen verstauen kann, da sich mein Aufgabengebiet immer wieder ändern wird.
Aber fürs erste packte ich meine mitgebrachte, ehemalige Büro-Tasse aus und kochte mir wie gewohnt einen Tee, während der Computer hochfuhr. Alles wie gehabt. Als wäre ich nie weg gewesen.

Zu allem Überfluss erfolgte heute auch noch die komplette Umstellung auf Santander, so dass ich eigentlich damit rechnete, erst einmal nichts am Computer machen zu können. Doch siehe da – die Einstiegspasswörter lagen alle vor und nach einigem Hin und Her und Wiedererinnern und Falscheingaben lief (fast) alles glatt.

Es macht mir noch nicht einmal etwas aus, dass ich etwas ganz neues lerne, dass ich mir jetzt wie ein Lehrling vorkomme, dass ich immer fragen muss wie das oder das gehandhabt wird, weil zwischendurch auch immer wieder diese Aha-Momente kommen, in denen meine Hände Dinge ganz von alleine tun, weil sie sich noch erinnern.

Die liebe Chefin hat mir Blumen geschenkt und mich Willkommen geheißen, meine Kollegen waren froh mich zu sehen und die Zeit (5 Stunden, ha, ha, wie lächerlich) vergingen wie im Flug.

Und das Fräulein war so weit weg. Also gedanklich. Ich war für eine kurze Zeit wieder ganz Ich. Ein schönes Gefühl. Und gar nicht so sehr vermisst, wie ich eigentlich dachte.

Es war schön heute. Und ich freue mich auf morgen und übermorgen. Und auch auf Freitag, denn da muss ich nicht arbeiten.

Normaler Weise arbeiten in unserer Geschäftsstelle in etwa 60 Mitarbeiter mehr oder weniger fleißig vor sich hin. Momentan sind davon gefühlte 40 in Urlaub oder krank.
In meinem Fall bedeutet das, dass ich den Job für 2,5 Personen mache und zudem noch ein Gebiet unter meine Fittiche genommen habe, auf dem ich mich nicht 100% auskenne.

Dies alles führt zum einen dazu, dass ich den ganzen Tag leicht nervös und angespannt bin und zudem nicht vor halb sieben hier raus komme.

Ich weiß, für viele ist es ganz normaler Alltag einen 10 Stunden Tag zu haben. Für mich allerdings nicht.
Die Woche ist nur so verflogen, ich habe Fähigkeiten an mir kennen gelernt, die vorher brach lagen, da sie nicht gebraucht wurden (Arbeitspläne? Zeiteinteilung? Nein-Sagen? Sowas gibt es?) und ich freue mich wie noch nie auf mein Wochenende.

Zudem habe ich seit gestern das Gefühl, in einer Zeitkapsel aufgewacht zu sein. Die Gespräche, die ich momentan führe, haben so oder so ähnlich vor ein paar Jahren bereits stattgefunden, das Gefühl von Hilflosigkeit und Schmerz ist auch das selbe, nur der Gesprächspartner hat gewechselt.
Immerhin kann ich diesmal aus Erfahrung sagen, dass alles gar nicht so schlimm werden wird, wie es jetzt vielleicht aussieht und dass die paar Wochen Abwesenheit wahrscheinlich ihr Leben verändern werden. Hoffen wir demnach auf das Beste.

Außerdem ramme ich mir seit Sonntag jeden Tag eine Spritze in den Bauch. Mittlerweile ist das ja nun Routine, aber das erste mal war ganz schön gruselig. Die Nadel ist ca. 2 Zentimeter lang, wuchs aber in meinen Augen auf die Länge von etwa 50. Immerhin sollte die ja tatsächlich in mein Fleisch gestochen werden. Und ich konnte noch nicht mal die Augen zukneifen, wie ich das normaler Weise mache, wenn ich Blut abgezapft bekomme (in den letzten Wochen so ca. 2 Liter) oder geimpft werde (auch erst vor ein paar Wochen geschehen).

Demnach habe ich also diesen Pen, wie diese neumodischen Spritzen heutzutage heißen, in meinen zitternden Fingern gehalten, meinen Bauchspeck, der seit meinem Nichtraucherdasein auch wieder um 6 Kilo angeschwollen ist, zusammen gedrückt und dann tiiiiiiiiief durchgeatmet.
Die ersten zwei Versuche fanden nur in meinem Kopf statt, da mir mein Körper sehr deutlich zugeschrieen hat „Bist du irre?? Ich ramme mir doch nicht ne FÜNFZIG ZENTIMETER lange Nadel in den Bauch!!!“.
In dem Moment musste ich irgendwie an Bunjee-Jumping denken und dass man sich wahrscheinlich ähnlich fühlt, wenn man auf der Plattform eines Krans steht und 100 Meter in die Tiefe blickt. Der Verstand will (noch), aber der Körper scheidet vor Nervosität bereits viel zu viel Flüssigkeit aus.
Da hilft dann nur Augen zu und springen, nicht nachdenken, dem Körper keine Zeit geben zu widersprechen.

So ähnlich hab ich das dann auch gemacht. Allerdings mit geöffneten Augen – Mit offenen Augen ins Verderben sozusagen.
Und wie immer ist alles vollkommen anders, als man (=ich) sich das vorgestellt hat. Ich wartete noch auf den Schmerz, da war die ganze Sache schon vorbei. So ein kleiner Mini-Pieks, das war es auch schon.
Mittlerweile ist da jeden Abend nur noch ein winziger, mulmiger Moment, den ich aber meisterlich übersehe. Was man nicht alles mit sich machen lässt ….

Ansonsten schreibe ich wieder schön brav Punkte in mein Heftchen, schaffe es abends gerade noch für eine Folge Columbo oder CSI die Augen aufzuhalten und trolle mich vor halb zehn in mein Bett. Das Leben ist eindeutig zu kurz für so ne Scheiße, das sage ich euch.

Urlaub, wann kommst du?