Und heute so im Programm: Nachenfahrt. Mit einem kleinen Bötchen (=Nache) wurden wir zwei Stunden durch einen Altrheinarm geschippert. Mit zwölf Mann teilten wir uns die kleine Schaluppe und bekamen allerhand Kormorane, Reiher, Enten und Schwäne zu sehen.

Die ganze Aktion war ziemlich entspannt. Miss Allerliebst weilte bei den Großeltern, da sie sich wahrscheinlich nach zwei Minuten über Bord gestürzt hätte und das Fräulein Wunder war schwer fasziniert von dem Boot, dem Wasser, den Tieren und dem ganzen Drumherum. Auch wenn sie morgens noch lieber mit ihrer Schwester bei Oma und Opa geblieben wäre.

Auch war es unheimlich schön wieder einmal etwas außerhalb von Feiern und deren Vorbereitungen mit unseren Freunden zu unternehmen. In nächster Zeit möchten wir das wieder öfter tun.

Anschließend gingen wir noch in einem nahegelegenen Restaurant essen und dadurch, dass Miss Allerliebst nicht dabei war, konnten der tolle Mann und ich sogar mal wieder richtig in Ruhe unser Essen genießen. Toll!

Morgen geht mit dem Kindergarten wieder der Alltag los (das Fräulein war die letzte Woche mal wieder wegen ihrer Bronchitis krank zu Hause). Eigentlich schade.

Nachenfahrt

Ja, wir leben noch. Die Tage sind angefüllt mit jeder Menge Aktivität und neuen Dingen. In den letzten Wochen haben wir zwei Junggesellenabschiede, einen Polterabend und eine Hochzeit erlebt und meinen 40 + 1 Geburtstag im großen Rahmen mit ca. 70 Leuten gefeiert. Inzwischen planen wir die Aktivitäten für die nächste Hochzeit Ende Juli.

Ich habe angefangen, montags und mittwochs jeweils zwei Stunden am Nachmittag wieder zu arbeiten. Und das auch noch beim Arbeitgeber meines Mannes. Aber da er nach Hause kommt um die Kinder zu übernehmen und ich dann erst losfahre, laufen wir uns dort (noch)  nicht über den Weg.
Vielleicht ist dies der Anfang einer neuen Berufsaussicht. Da mein derzeitiger Arbeitgeber meinen Arbeitsplatz am Ende des Jahres nach Mönchengladbach verlegt und ich damit arbeitslos sein werde, kann das ja nie schaden. Und ich glaube wir sind jetzt in einem Alter, in dem es nichts negatives ist, im gleichen Betrieb zu sitzen. Nur im selben Raum wollte ich nicht unbedingt sein. Ein bißchen Freiheit ist  schon noch notwendig. Aber wie gesagt, bis jetzt ist das ja sowieso nicht der Fall.

Miss Allerliebst ist ein Ausbund an Energie und Einfallsreichtum. Überall wo sie ihre Fingerchen nicht haben soll, steckt sie sie garantiert hinein. Nachdem wir eine Zeit lang Ruhe hatten, hat sie wieder angefangen sämtliche Schränke auszuräumen. Dabei geht sie inzwischen sehr systematisch vor. Erst wird der Süßigkeitenschrank angepeilt, danach der Spielzeug- und Malschrank ihrer Schwester und wenn der auch tabu ist, dann geht es an die Spielesammlungen im Schrank daneben. Mir ist vorher noch nie aufgefallen, dass wir nur ein einziges Schrankfach in Regionen haben, an die sie nicht heran kommt.
Außerdem klettert sie überall hinauf und hinein. Und das mit Hingabe und vollkommen unerschrocken. Da sie für ihr Leben gerne rutscht, scheut sie sich auch nicht vor den ganz hohen Spielgeräten. Nachdem sie inzwischen die Technik beim Hinaufklettern von Leitern raus hat, ist sie da nicht zu halten. Noch kann sie sich beim Hinunterrutschen nicht bis ganz unten in einer aufrechten Sitzposition halten, aber das ist ihr schnurzpiepegal. Egal ob die hohe Rutsche im Kindergarten, die noch höhere Rutsche bei unserem Lieblingsspanier oder die kleine Kinderrutsche in unserem Garten – von jeder stürzt sie sich kamikazemäßig und mit lautem Juchu-Geschrei hinunter.
Auch gerne zum Klettern genommen werden die Trip-Trap Stühle. Der ihrer Schwester ist dabei ja beinahe schon langweilig, weil der diesen „Babybügel“ gar nicht hat und sie somit gar nicht so weit klettern muss, um sich hinsetzen bzw. hinstellen zu können.
Kürzlich fand ich sie stehend in unserem Waschbecken (!) vor. Wir hatten vergessen den Kinderschemel vor dem Waschbecken weg zu stellen. Von diesem kletterte sie also ins Becken, zog sich am Spiegel in die Höhe und begutachtete alles, was dort auf der Ablage lag. Mein Herz!
Dann der eisige Schreckmoment, als sie mit ihrer Schwester draußen im Garten weilte und ich sie nicht mehr wieder fand. Ich musste nur kurz nach drinnen auf die Toilette und als ich wieder raus kam, war Miss Allerliebst verschwunden. Das Fräulein und ich suchten das gesamte Gelände ab, ohne Erfolg. Ich hatte bereits Horrorszenarien von vorbeikommenden Männern, die mein kleines Baby einfach mitgenommen hatten, als wir sie quietschvergnügt und vor sich hin glucksend in der Garage im Fahrradanhänger fanden. Hölle!
Jeder, der Miss Allerliebst länger als, sagen wir mal eine Stunde erlebt, stellt unweigerlich fest, dass das Kind keine Sekunde still sitzen kann. Immer ist sie auf dem Weg zum nächsten Abenteuer, experimentiert, probiert aus und erlebt jeden Minute vom Tag irgendwelche aufregenden Dinge.
Dabei ist sie (meistens) so wundervoll ausgeglichen und anschmiegsam, dass das die viele Aufregung mehr als wett macht. Immer wieder kommt sie an, schmiegt sich an mein Bein, verlangt auf den Arm oder den Schoß genommen zu werden um dann kurz aber intensiv zu kuscheln. Sie ruft auch öfter mal ganz laut „Maaamaaaa“ (auch wenn damit im Moment auch noch Papa gemeint sein kann) wenn sie meint, mich jetzt doch mal kurz für irgendetwas zu brauchen.
Ruhe und Konzentration setzen bei ihr im Moment dann ein, wenn sie im Sandkasten sitzt und unermüdlich Sand in einen Eimer schippt, oder irgendwo Wasser in der Nähe ist. Die Tage, an denen es so heiß war, waren von daher für mich ein wahres Geschenk. Während ich im Liegestuhl mit einer netten Zeitschrift saß, vergnügten sich das Fräulein und Miss Allerliebst stundenlang im Planschbecken und im Sandkasten (immer schön abwechselnd. Von paniert zu sauber und wieder zurück).

Überhaupt, das Fräulein Wunder. Sie ist so wahnsinnig groß geworden! Und das meine ich nicht nur körperlich (sie ist weiterhin eine der Größten in ihrer Altersklasse. T-Shirt-Größe 122, falls das jemandem was sagt), sondern auch geistig. Sie scheint meist unerschütterlich in sich zu ruhen. Sie zieht ihr Ding durch und das immer mit Bedacht. Sie kann plappern wie ein Wasserfall. Von morgens bis abends. Und sie ist eine wundervolle große Schwester. Sie küsst und herz Miss Allerliebst, hilft ihr, wo sie nicht weiter kommt, fängt sie unten an der Rutsche auf und macht mit ihr ganz viel Quatsch. Gerne verstecken sie sich gemeinsam und auch wenn ihr lautes Gekicher sie meist sofort verrät, tue ich immer so, als könnte ich sie nicht finden, was einen erneuten Heiterkeitsausbruch zur Folge hat.
Morgens wird immer zu erst festgestellt, ob denn noch Sommer ist. Wenn man nämlich eine lange Hose und eine Jacke für den Kindergarten anziehen muss, ist logischerweise kein Sommer mehr.
Im Kindergarten angekommen ist es für sie immer noch etwas schwer, sich von mir zu trennen, aber wenn ich sie dann direkt in die Obhut einer Erzieherin übergebe, ist auch das in Ordnung. Neulich traf ich sie auf dem Rückweg vom Einkaufen. Die ganze Kindergartegruppe hatte einen Ausflug zum nahegelegenen Spielplatz gemacht und als ich die Meute auf mich zukommen sah, befürchtete ich schon, dass das Fräulein eventuell nicht mehr bei ihrer Gruppen bleiben sondern mit mir kommen wolle. Doch sie winkte mir lediglich grinsend zu und marschierte mit ihrem Kumpel N. an der Hand weiter. Hach, meine Große.
Erwähnte ich schon, dass sie den ganzen Tag redet? Und sie singt. „Ich hab ein Haus, ein kunterbuntes Haus … “ oder „Es lebte einst ein Ritter, der Klipp von Klapperbach … “ oder „Uh, uh, Gangma Style“ und, und, und.
Sie guckt mit ihrem Papa seit neustem „Witzvideos“, liebt Duschen und Baden und kann sich dabei schon selbst die Haare waschen und abspülen. Sie schreibt ihren Namen und malt Häuser und Menschen und Blumen und Wolken und Bäume. Sie sieht laut der letzten Vorsorgeuntersuchung wie ein Adler und hört wie ein Luchs. Und sie fährt leidenschaftlich gerne Fahrrad, auch wenn das mit dem Anfahren noch nicht so wirklich klappt.
Sie ist meine Große. Meine Erstgeborene. Und wird dies auch immer bleiben. Hach.

Und so vergeht die Zeit: Mit Familienausflügen, inzwischen wieder gerne mit dem Fahrrad und Anhänger, mit Treffen mit der Clique, durchgefeierten Nächten, verbummelten Nachmittagen, Besuchen von diversen Architekten (hierzu hoffentlich bald ein gesonderter Eintrag), neuen Aufgaben und Unternehmungen. Es läuft sozusagen. Und das ziemlich gut. Ich wünschte nur, ich hätte viel öfter Lust zum Bloggen.

Montag: Miss Allerliebst weilt bei den Großeltern, während ich mit dem Fräulein Wunder zum Kinderarzt fahre. Der verschreibt uns das vom Notarzt empfohlene Spray mit der dazugehörigen Inhalierhilfe für Kinder. Das Fräulein ist ganz stolz, dass sie so toll „atmen“ kann.
Anschließend fahren wir zu DM um Fotos für ein Fotoalbum zu entwickeln, das wir am Samstag verschenken wollen. Danach gebe ich das Auto in der Werkstadt ab.
Am Abend meldet sich telefonisch der Kundendienst für den Herd und avisiert einen Techniker für Donnerstag. Auf Nachfrage, was uns der Spaß denn nun tatsächlich kosten würde, erklärt der gute Mann uns, dass etwa 120 Euro auf uns zukämen. Darin ist die Pauschale von 70 Euro für’s erste Nachschauen, die wir auf jeden Fall bezahlen müssen, bereits enthalten. Wir freuen uns, dass wir noch keinen neuen Herd gekauft haben.

Dienstag: Die Werkstadt meldet sich. Das Loch ist gefunden, kann allerdings nicht geflickt werden, da es sich außen am Reifen befindet. Es müssen also zwei neue Vorderreifen her. By, by Flachbildfernseher (erwähnte ich das schon?!?).
Aus Frust fahre ich mit dem Fräulein Wunder in die Stadt in die Buchhandlung. Während ich die langersehnte Fortsetzung von Justin Cronins „Der Übergang“, also „Die Zwölf“, an mich drücke, hüpft das Fräulein Wunder mit einem Pipi Langstrumpf Buch durch den Laden und singt aus Leibeskräften „zwei mal drei macht vier, widewidewid und drei macht neune … “
Das Käfertreffen lassen wir auf Grund ihres Hustens diese Woche leider ausfallen.

Mittwoch: Ich sage dem Kindergarten bescheid, dass das Fräulein die ganze Woche nicht kommt. Der Husten wird nicht wirklich besser, obwohl sie jeden Tag „atmet“ und ihren Saft trinkt. Immerhin verlaufen die Nächte einigermaßen annehmbar. Miss Allerliebst kämpft indess mit Zahn Nummer 6 und einer ordentlich Schnupfennase. Alles wird in Sekundenbruchteilen mit Rotze eingeschmiert. Es lohnt sich für mich also kaum, jeden Morgen neue Klamotten anzuziehen.
Vormittags fahren wir zum Reifenhändler und besorgen zwei neue Reifen. By, by Flachbildfernseher. Außerdem ist mir aufgefallen, dass wir noch ein paar Fotos für das Fotoalbum vergessen haben, also werden die auch noch schnell entwickelt.

Donnerstag: Ich mache noch einmal ein paar Fotos nach, da mir beim sortieren aufgefallen ist, dass einige zwar auf dem Stick waren, aber nicht entwickelt wurden (warum auch immer). Ich sortiere und klebe kräftig weiter, während Tante Anneliese das Fräulein Wunder und Miss Allerliebst bespaßt.
Am Nachmittag der Anruf des Herd-Technikers. Man hätte ihm genau die gleichen Teile wie das letzte Mal geschickte. Die würden uns nichts nützen. Und die Teile die er bräuchte, gibt es nicht mehr. Demnach ist unser Herd nun also doch rettungslos verloren. Noch am selben Abend fahren wir los und kaufen neue Geräte. Ausstellungsstücke mit 200 Euro Preisnachlass. Trotzdem. By, by usw…..

Freitag: Ich klebe den ganzen Tag wie eine Wilde, versuche dabei Rotznasen, Hustenanfälle, volle Windeln, Hunger, Durst und Schlafbedürfnis meiner Kinder zu stillen und sie zum gemeinsamen Spielen zu animieren. Wir fahren einkaufen und bei der Videothek vorbei, da der tolle Mann heute Abend den Neujahrsempfang mit seiner Firma feiert.
Am Abend ist das Album fix und fertig. Ich allerdings auch. Das Fräulein Wunder darf beim Aufkleber kleben behilflich sein. Nach einem gemeinsamen Bad in der Wanne fällt Miss Allerliebst tomüde ins Bett, das Fräulein Wunder und ich gucken bei Ofenpommes und Chicken Nuggets „Barbie und der Popstar“. Später, als sie im Bett liegt, schaue ich „Prometheus“ an und ängstige mich zu Tode. Erst am Schluss begreife ich, dass es sich hier um die Vorgeschichte zu „Aliens“ handelt.

Samstag: Das Fotoalbum ist fertig, es fehlt noch der Glückwunschfilm. All unsere Freunde haben ein kurzes Filmchen gedreht und uns geschickt. Wir müssen das ganze nun schneiden und zusammen basteln und natürlich unseren eigenen Film drehen. Wir sind dabei nackt, mehr verrate ich nicht.
Am Nachmittag bringe ich die beiden Mädels zu Oma und Opa. Das Gefühl, in das ruhige, weitgehend leere Haus zurück zu kommen ist fast wie Urlaub. Nach der Krankheitswoche des Fräuleins und einer unausgeglichenen weil zahnenden Miss Allerliebst eine absolute Wohltat.
Die Geburtstagsfeier ist wunderbar und der Film der absolute Hit.

Sonntag: Wir dürfen ausschlafen und auf Grund unserer „Herdsituation“ auch noch bei meinen Eltern zu mittag essen. Am Morgen bedauere ich noch ein wenig, dass die kinderfreie Zeit nun schon vorbei ist, doch als mich das Fräulein Wunder dann mit dem Satz „na endlich!“ anspringt und feste drückt, freue ich mich, sie beide wiederzuhaben.
Am Abend ist der Herd angeschlossen und läuft und der tolle Mann und ich entspannen mit „Batman the dark knights rises“.

Als ich neun Jahre alt war, zogen meine Eltern in das Dorf, in dem ich heute noch wohne. Sie bauten ihr Eigenheim mitten auf ein Feld, das nach und nach mit anderen Häusern aufgefüllt wurde. Noch heute, dreißig Jahre später, nennt sich dieser Teil des Dorfes „Neubaugebiet“.

Ich besuchte daraufhin die vierte Klasse der hiesigen Grundschule. Vollkommen neue Klassenkameraden in einem fremden Ort. Ein Klassenverband, der bereits seit drei Jahren bestand und Freundschaften, die sich teilweise schon im Kindergarten geschlossen hatten. Und dann ich mittendrin. Erstaunlich schüchtern und gehemmt. Es stellte sich heraus, dass ich nicht wirklich gut im Freundschaftenschließen war. Zu meiner Faschingsparty, etwa ein halbes Jahr nach meinem Eintreten in die Klasse, kam keines der etwa zehn eingeladenen Kinder.

Nach der vierten Klasse wurde alles neu in Haupt-, Realschule und Gymnasium gemischt. Ich weiß nicht wieso, aber ich bekam erst einmal nur eine Empfehlung für die Hauptschule, was bedeutete, dass ich weiterhin auf der Schule blieb, die ich bis dahin besucht hatte. Wieder kam ich in eine Klasse mit haufenweise neuer Schüler. Immerhin: Einen wirklich guten Freund habe ich dort gefunden. Mit Nachmittagen am Computer (der erste C64, ich weiß es noch wie heute), Playbacksingen zu Roland Kaiser und Reinigen des riesigen Aquariums. Diese Freundschaft hielt ein paar Jahre, bevor wir uns aus den Augen verloren.

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Es kommt einem so unwirklich vor, wenn man morgens angerufen wird und einem mitgeteilt wird, dass ein guter, langjähriger Freund ganz plötzlich verstorben ist. Jemand in unserem Alter, einer, den wir seit vielen, vielen Jahren kennen, der immer zu uns gehört hat, wenn wir uns auch in den letzten Jahren ein wenig von einander entfernt haben.

Schock. Trauer. Entsetzen. Dieses Unwirklichkeitsgefühl verflüchtigt sich irgendwie nicht.

Ich muss die ganze Zeit daran denken, wie es seiner Frau jetzt wohl geht. Alleine in dem Haus. Du gehst abends ins Bett und die andere Betthälfte bleibt leer und du weißt, dass sie für immer leer bleiben wird.
Diese Momente, in denen du einfach nur kurz einen Gedanken loswerden willst oder einen kurzen Rat brauchst und der Mensch, der immer ganz selbstverständlich für dich da war, ist es nun nicht mehr.
Kopfkino Deluxe. Ich könnte schon wieder heulen.

Und wie bringt sie es ihrem 8 Jahre alten Sohn bei? Er war bis heute auf einer Freizeit und war somit wenigstens nicht zu Hause, als es passiert ist. Diese Bilder brennen sich sicherlich auch für ein ganzes Leben in dein Hirn.

Wir hatten in der Vergangenheit mit ihr so unsere Schwierigkeiten, so dass wir nicht zu dem Kreis gehören, der sofort zu ihr eilt um ihr persönlich beizustehen. Trotzdem würde ich gerne irgendetwas tun. Ich hoffe und fürchte gleichzeitig, sie kommt irgendwann auf unser Hilfsangebot zurück.

Und dann sitzen wir da beim Abendbrot, ich halte Miss Allerliebst ganz fest im Arm, das Fräulein Wunder hat es sich auf dem Schoß des tollen Mannes bequem gemacht und ich bin so dankbar und glücklich für und mit meiner kleinen Familie und spüre gleichzeitig einen Anflug von schlechtem Gewissen darüber.
Und mir schießen wieder die Tränen in die Augen und ich sehe, dass es dem tollen Mann genau so geht.

Wie heißt es so schön? Das Leben ist ein Arschloch.

Zusammen mit dem tollen Mann lernte ich vor knapp 20 Jahren auch eine ganze Horde anderer, liebe Menschen kennen. Damals nur die männlichen Exemplare, die dann nach und nach ihre Freundinnen, große Lieben und späteren Ehefrauen mit in „die Clique“ brachten.
Die ersten Jahre verbrachten wir jedes Wochenende gemeinsam. Freitag, Samstag und oft auch den Sonntag (heute unvorstellbar). Wir gingen in Kneipen, ins Kino oder in Diskos, tranken, rauchten und standen uns bei kleineren und größeren Katastrophen zur Seite.

Unvergessen, wie Hansi im kompletten Motorrad-Lederkombi mit Feuerwehrstiefeln auf dem Maimarkt in die dort ausgestellte (und befüllte) Badewanne stieg. Wie er und der tolle Mann sich das erste Mal eine Glatze für 10 Lasagne schneiden ließen. Der Blues-Brothers Abend im Capitol, bei dem Volker den ersten Platz belegte, weil er wie Elwood tanzte und damit 20 Kino-Freikarten gewann. Wir bzw. er entschied sich damals für eine Film-Doppelnacht und so schauten sich 10 mehr oder weniger erwachsene Menschen „Ein Hund namens Beethoven“ und Disneys „Aladdin“ gemeinsam an.
Mit diesen Chaoten war ich das erste Mal live dabei, als ein gewaltiger Furz angezündet wurde. Wir tanzten zu „No Coke“ von Dr. Alban wie die Bekloppten, tranken Bier und Korea in Massen und probierten das erste Mal lustig machende Substanzen.

Das Motorradfahren einte uns. Am Anfang saß ich noch als Sozia hinter dem tollen Mann auf dessen BMW, später fuhr ich eine eigene. Ich fühlte mich damit als Teil eines Ganzen. Wir brachten es zeitweise auf knapp zwanzig Motorräder, besuchten unzählige Motorradtreffen, darunter jedes Jahr unser geheiligtes Florentiner, dessen Ende wir erst nach vier Jahren wirklich akzeptieren konnten (wir campten auf einer leeren Wiese, aber das ist eine andere Geschichte). Wir fuhren auch sonntags einfach mal so in den Oden- oder Pfälzer Wald. Wir planten Urlaube gemeinsam, kurvten durch Schweden und Norwegen. Jedes Jahr zu Ostern unternahmen wir eine Ostertour in eine andere deutsche Stadt. Wir froren auf dem Weg nach Berlin, genossen auch mal strahlenden Sonnenschein in Trier oder Köln. Wir bewohnten seltsame Hotels in Freiburg und drehten dort eine unvergessene Folge von FF-TV („Fäkalien in Freiburg TV“ eine große Show, über die ich hier auch eine ganz eigene Geschichte schreiben könnte).

Und je älter wir wurden, desto mehr veränderten wir uns und damit auch der Charakter, der unsere Gemeinschaft ausmachte. Pärchen fanden und trennten sich, Ehen wurden geschlossen, Kinder geboren. Aus rauschenden Besäufnissen wurden eher gemäßigte Geburtstagspartys oder Grillabende. Irgendwann überwogen dann die Wochenenden auf der Couch. Ausgehen, tanzen, feiern kam immer seltener vor. Trotzdem schafften wir es, uns neue Traditionen aufzubauen. Unser Wochenende auf dem Campingplatz im Schwarzwald, die runden Geburtstage, für die wir immer etwas besonderes planten und die Männer- und Weiberabende, die in unregelmäßigen Abständen weiterhin stattfinden (bei den Kerlen leider häufiger, als bei uns).

Inzwischen sind wir alle alt und gesetzt. Wir haben unser eigenes zu Hause und sind nicht mehr darauf angewiesen, dem elterlichen Haushalt zu entfliehen. Wir haben eigene Familien, die jetzt unser Leben bestimmen. Wir haben nicht mehr die Energie, um ein ganzes Wochenende auf Tischen zu tanzen und montags wieder frisch und einigermaßen ausgeruht zur Arbeit zu gehen. Jeder hat seine eigenen Termine, so dass ein Treffen mit allen meist unmöglich ist.

Und trotzdem … manchmal gibt es dann doch so Abende, an denen plötzlich alle wieder da sind. An denen wir zusammen sitzen und über die alten und auch neue Witze lachen. An denen wir uns wie früher blind verstehen. An denen es für ein paar Stunden unwichtig ist, welche Probleme dich bewegen oder welche Sorgen du dir machst. Der Geist unserer Gemeinschaft ist nach wie vor da. Zwar sehr durchscheinend und ziemlich verändert, aber irgendwie gehören wir immer noch zusammen. Und wahrscheinlich werden wir das auch immer tun. Eine gemeinsame Vergangenheit schweißt zusammen.

Der Morgenmuffel

Ich persönlich bin ein totaler Morgenmuffel. Grundsätzlich benötige ich eine gute Stunde, in der man mich gar nicht ansprechen braucht, da ich sowieso noch nicht wirklich unter den Lebenden weile.
Göga ist da ähnlich gepolt, wobei es durchaus auch einmal vorkommen kann, dass er mir am Frühstückstisch (also morgens!) einen Vortrag über die Problematik in China, neue Wasserthermen auf dem Dach, meinen immer noch nicht vorhandenen Kräutergarten oder die Katastrophe in Myanmar hält.

Auch immer gerne genommen: Der Radiowecker fängt an zu dudeln, für eine halbe Stunde wird noch gekuschelt, dann verkünde ich, dass ich jetzt aufstehe. Göga murmelt „Mach doch“ und klammert sich weiterhin an mir fest. Wenn ich mich dann nach zehn Minunten irgendwie unter ihm heraus gekämpft habe, bin ich meistens richtig wach.
Dann kann es aber auch passieren, dass ich mich noch einmal zu ihm herumdrehe, er mich dann breit angrinst und die Arme nach mir ausstreckt. In den seltensten Fällen kann ich dieser Aufforderung widerstehen.

Zudem verfügt ein normaler Haushalt in der Regel lediglich über ein einziges Badezimmer und mit viel Glück noch über ein separates Gäste WC.
Wenn man in diesem Haushalt alleine lebt, ist das ja alles kein Problem. Aber wehe, man muss sich dieses Kleinod der Nasszellen und Zahnputzbecher mit einem weiteren Menschen teilen! Dann kann das schon einmal zu kleineren Reibereien führen.

Da Göga normaler Weise immer erst nach mir aufsteht, ist das bei uns weniger das Problem. Und verspürt er dann doch mal den Drang zur gleichen Zeit zu duschen wie ich, nutzt er meist die Badewanne im 1. Stock.

Über dieses Thema unterhielten wir uns am Mittwoch auch mit einem befreundeten Pärchen. Während Göga und ich erklärten, dass wir morgens normaler Weise nicht viel mehr als „Guten Morgen“ und „Tschüss“ untereinander austauschen, während ich aus dem Bad komme und Göga es betritt, berichtete V. von folgendem Szenario.

Normaler Weise, erklärte er, stehe er ja wesentlich später als seine Freundin auf, aber ganz selten oder auch mal am Wochenende kann es vorkommen, dass es zu Überschneidungen kommt.
Der Mann kriecht also verschlafen, muffelig und mit verknautschtem Gesicht viel zu früh aus dem Bett, schlurft mit noch halb geschlossenen Augenlidern durch den Flur und drückt, während er ausgiebigst gähnt, die Badezimmertür auf.
Im nächsten Moment malträtiert ein lautes, fröhliches und ekelhaft waches „Guten Morgääääään“ seine Welt des Halbschlafs, während sich noch nasse Hände um sein Gesicht schließen und er nach Zahnpasta schmeckend Küsse aufs gesamte Gesicht gedrückt bekommt.
„Und dann … “ fährt er mit einem tadelnden Blick auf seine Freundin fort, während der Rest der Manschaft bereits vor Lachen unter dem Tisch liegt “ … kann es auch noch passieren, dass der Fön bläst und das Radio auf voller Lautstärke läuft.“
Seine Freundin daraufhin „Weißt du wie laut so ein Fön ist? Ich muss doch das Radio auch hören können!“

Wir lernen also: Es ist schon schlimm genug, wenn man sich ein Badezimmer teilen muss, aber es ist noch schlimmer, wenn man ganz unterschiedliche Aufstehgewohnheiten pflegt.