Vier-pola

Seit zwei Tagen bin ich nun am Backen. Das Fräulein Wunder hat sich einen Pferdekuchen gewünscht und der Kindergeburtstag am Montag steht unter dem Motto „Pippi Langstrumpf“. Wobei sich dieses lediglich in der Dekoration widerspiegelt. Für größere Geburtstagsaktionen sind vierjährige (denke ich) noch etwas zu klein. Es wird also Topfschlagen und Eierlauf geben und wahrscheinlich werden die Kinder so versunken sein in ihr Spiel auf dem Spielplatz, dass diese Spiele gar nicht zum Einsatz kommen.

Ich weiß ja nicht, ob man es merkt, aber ich bin definitiv genau so aufgeregt, wenn nicht sogar aufgeregter als das Fräulein selbst. Ich werde berichten.

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Liebste Miss Allerliebst,

letztes Jahr um diese Zeit hatte ich noch keine Ahnung, dass ich Dich noch an diesem Abend in den Armen halten würde. Abends um kurz nach elf warst Du schließlich da. Ein kleines Bündel. So entspannt. So perfekt. So überaus allerliebst.

Seitdem ist so viel passiert. Du bist wahnsinnig gewachsen, so wohl äußerlich, als auch im Geiste. Aus dem Winzling ist ein Kleinkind geworden, das bereits seine eigene Persönlichkeit entwickelt und aus unserer Familie nicht mehr weg zu denken ist.

Ich habe gerade gestern das Fräulein Wunder gefragt, ob sie sich daran erinnern kann wie es ohne Dich war. Ich glaube, sie hat sich gedacht „Mama macht wieder Quatsch“, denn genau so, wie ich mir nicht mehr vorstellen kann, dass wir früher nur zu dritt waren, kann sie sich auch nicht mehr an eine Zeit ohne Dich erinnern. Ein Jahr ändert so viel.

Stichwort Persönlichkeit: Die hast Du und das bereits sehr ausgeprägt. Du weißt genau was Du willst und wie Du es willst. So musst Du zum Beispiel beim Essen immer Deinen eigenen Löffel in der Hand halten, um selbst in Deinem Brei oder Essen herumrühren und ihn Dir ab und an in den Mund stecken zu können. Das ist Dir ganz, ganz wichtig. Ohne Löffel in der Hand verweigerst Du die Nahrungsaufnahme.
Still sitzen oder liegen, zum Beispiel beim Essen oder Wickeln, findest Du total überbewertet und so möchtest Du spätestens nach dem letzten Bissen aus Deinem Stuhl heraus oder beim Wickeln Dich erst gar nicht hinlegen. Und wenn Dir etwas nicht passt, dann kannst Du das ganz klar und sehr vehement äußern. Du brüllst dann alles zusammen und je nach dem wie ungehalten Du bist, kann das auch sehr schrill und unfassbar laut werden.
Aber auch genau so sehr suchst Du die Nähe von mir oder Deinem Papa. Dann kommst Du angekrabbelt und streckst die Arme aus, damit wir Dich hochnehmen und dann schmiegst Du Deinen Kopf an meinen Hals oder die Schulter und bist für einen kurzen, köstlichen Moment ganz still. Du fühlst Dich so wunderbar kuschelig an. Dein weiches Haar, deine kleinen Hände, deine zarte Haut. Alles an Dir ist zum Aufessen und am allerliebsten mag ich Deine kleinen süßen Füße mit den winzigen Zehen, die ein bißchen wie Perlen auf einer Schnur aussehen. Wenn ich sie küsse oder daran knabbere, kicherst Du wie verrückt und mein Herz weitet sich, bis es kurz vorm Platzen steht.

Sehr aufgebracht wirst Du auch, wenn man Dich daran hindert, den Inhalt eines Schrankes oder einer Schublade zu untersuchen (was ich am Tag gefühlte 5 Millionen Mal tue, denn, wie bereits erwähnt, bist Du ein Ausräumtalent). Zielsicher suchst Du Dir genau die Schränke aus, an Die Du nicht heran sollst, weil sich darin Glas oder die Malutensilien Deiner Schwester befinden. Die Schublade mit den Tuppersachen oder Deine Spielzeugkiste findest Du hingegen meist uninteressant.

Direkt nach dem Aufstehen ziehst Du eine Spur der Verwüstung durch das Haus. Das fängt bei meinen Socken und Schals an, geht weiter mit dem Schrank, in dem sich Eure Windeln und Unterwäsche befinden und wenn ich nicht aufpasse, schiebst Du auch noch die Schiebetüren unseres Schrankes auf und räumst meine Pullover und T-Shirts aus. Bevor wir also überhaupt richtig aufgestanden und angezogen sind, hast Du einen Teil Deiner „Arbeit“ bereits erledigt.
Wenn wir dann nach unten gehen, stürzt Du Dich sofort auf die Schubladen in der Küche und die Kiste mit dem Altpapier. Danach ist im Flur die Kiste mit den Mützen, Schals und Handschuhen dran, bevor Du Dich im Wohnzimmer dem Spielschrank Deiner Schwester und meiner CD-Sammlung widmest. Und dies alles auch gerne mehrmals am Tag, wenn ich so blöd bin und ab und an hinter Dir aufräume.

Es ist wahnsinn, wie Du immer mehr mit uns kommunizierst. Seit gut zwei Wochen zeigt Dein Zeigefinger überall hin und Du plapperst dazu wild drauflos. Wir wissen also jetzt schneller, ob Du etwas zu trinken oder essen möchtest, oder ob Dich nur irgendein Spielzeug oder Gegenstand auf dem Tisch interessiert.

Auch zeigst Du mir draußen gerne Dinge, die Dich faszinieren. Es geht noch nicht so weit, dass Du ein „Da!“ oder ähnliches formulierst, trotzdem weiß jeder, was gemeint ist.

Mittlerweile kannst Du sehr sicher frei stehen, auch wenn Du es selten von Dir aus machst. Meist passiert das, wenn es Dir nicht bewusst ist, wenn Du zum Beispiel etwas aus Deiner Spielkiste herausfischst und den Gegenstand dann mit beiden Händen untersuchst. Oder wenn ich Dich kurz irgendwo abstellen muss, weil ich beide Hände brauche. Allerdings gehst Du dann relativ schnell runter auf die Knie, dies aber sehr bewusst und langsam, Du lässt Dich also nicht einfach fallen.
Gestern hast Du sogar Deine ersten, freien Schritte getan. Allerdings scheint Dir das noch etwas unheimlich zu sein, was ich durchaus verstehen kann. Immerhin ist dies ein weiterer Schritt in die Unabhängigkeit und man weiß ja nie, wie weit Mama sich dabei entfernt.

Musik findest Du ganz toll und damit auch jedes Spielzeug, dass irgendwelches Düdelü von sich gibt. Du wippst dann enthusiastisch in den Knien oder mit dem Kopf und versuchst mitzusingen. Auch das Tanzen auf meinem Arm genießt Du sichtlich.

Momentan haben wir sogar was Essen und Schlafen betrifft einen sehr schönen Rhythmus. Immer noch trinkst Du morgens zwei Flaschen Milch, allerdings haben wir inzwischen von Pre-Nahrung auf Kuhmilch umgestellt und das absolut problemlos. Du schläfst dann so gegen halb elf, elf etwa eine Stunde, manchmal sogar länger und bist dann fit bis zum Nachmittag. Beim Mittagessen isst Du manchmal schon das mit, was das Fräulein und ich essen, oder bekommst doch noch ein Gläschen. Allerdings neigt sich die Gläschenära wohl langsam dem Ende zu, denn du findest das Essen auf unseren Tellern meist wesentlich spannender.
Leider bist Du kein Fan von Wurst- oder Käsebrot. Du knabberst gerne an einem trockenen Stück Brot oder Brötchen und auch ein Stückchen Wurst geht ab und an, aber ein ordentliches Frühstück, so dass wir Deine zweite Flasche damit ersetzten könnten, ist das leider auch nicht.
Dafür liebst Du im Moment Bananen. Da diese aber im Moment das Nachmittagsgläschen ersetzen und ich Dir ungerne zwei Bananen pro Tag geben möchte (das erschwert die Verdauung, wenn Du verstehst …) fehlt mir da noch eine Alternative. Aber auch das wird sich finden.
Schließlich schläfst Du nachmittags so gegen vier meist noch mal eine halbe Stunde und gehst dann so gegen halb acht, acht ins Bett und dies im Moment recht unkompliziert und schnell.
Weiterhin schläfst Du in meinen Armen ein, ich beobachte allerdings in letzter Zeit, dass Du manchmal noch verschlafen zu mir hoch blinzelst, wenn ich dich ins Bett lege. Trotzdem höre ich dann, wenn ich das Zimmer verlasse, keinen Mucks mehr von Dir. Das wäre früher unmöglich gewesen. Mal sehen, wie sich das in den nächsten Wochen entwickelt.

Somit wünsche ich Dir heute, an Deinem Ehrentag alles erdenklich Liebe und Gute zum Geburtstag. Auf dass Du weiterhin so wunderbar wächst und Deinen eigenen Weg gehst, dass Du Dein Leben mit Leidenschaft und Freude genießt, dass Du immer so neugierig und aufgeschlossen bleibst und dabei nie Dich selbst aus den Augen verlierst. Ich wünsche Dir jede Menge Liebe und Zärtlichkeit auf Deinem Lebensweg und dass immer jemand für Dich da ist, der Dich begleitet, beschützt und unterstützt. Ich werde es auf jeden Fall immer tun. Du, mein Herzmädchen.

MissColllage

(Hier der erste Geburtstag des Fräulein Wunders zum Nachlesen)

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Mittagessen (man beachte das ausgewogene Verhältnis zwischen Beilage, Wurst und Gemüse)

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Danach Kindergeburtstagseinladungen signieren.

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Anschließend werden auch die Erwachsenen eingeladen. Auf ihren Wunsch hin malt das Fräulein Wunder alles exakt nach, was ich ihr vorgebe und so schreibt sie das erste Mal einen Brief ganz alleine (großes HACH!).

An dieser Stelle sei erwähnt, dass ich die Familie zwar zum richtigen Datum, allerdings zur falschen Lokation eingeladen habe. Ich hab da wohl etwas mit dem Geburtstag von Miss Allerliebst, der morgen ist, durcheinander gebracht. Räusper.

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Danach Hände anmalen.

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Und zum Abschluss Hand auflegen, Schleifchen drum und fertig ist das Geburtstagsbild für Oma.

Leider fällt dieser Geburtstag heute aus, weil Oma richtig fies krank ist (leichte Lungenentzündung) und das Bett hüten muss.