Ich habe Urlaub. Ursprünglich habe ich diesen beantragt, weil das Fräulein Wunder Osterferien hat. In ihren letzten Ferien habe ich immer gearbeitet, das bedeutete für sie frühes Aufstehen und Betreuung durch den Hort der Schule oder die Großeltern.
In meiner Kindheit waren Ferien damals Ferien: lange Ausschlafen, in den Tag hinein leben – Ferien eben. Das wollte ich dem Fräulein Wunder diesmal auch ermöglichen.
Doch Pustekuchen. Das Fräulein hat sich entschieden auf eine viertägige Freizeit zu Fahren.

Ich gebe zu, dass ich sehr, sehr stolz war und bin, dass sie sich das mit ihren sechs Jahren schon zutraut. Sie nahm sich eine Freundin zur Verstärkung mit und fuhr am Dienstag mit 25 anderen Kindern in die Ferienfreizeit in ein Keltendorf.

Mit der Verabschiedung hatte ich wenig Probleme. Ich wusste, dass sie jede Menge Spaß haben würde. Sie drückte mich zwar drei Mal öfter als sonst, hüpfte dann aber freudig von dannen, als es hieß es ginge endlich los.
Erst am Abend, als ich gemütlich mit meinen Käfer-Mamas beim Essen in einem netten Lokal saß fragte ich mich, wie es ihr wohl so geht. Was macht sie gerade? Liegt sie schon im Bett? Gab es etwas zu essen, dass sie mag? Hat die Zimmerverteilung zu ihrer Zufriedenheit geklappt? Vermisst sie mich?

Und auf der anderen Seite ist da Miss Allerliebst für die ich jetzt richtig viel Zeit und Muße habe. Wir haben den Dienstag im Schwimmbad verbracht, sind gerutscht und geschwommen, haben viele schöne Momente geteilt.
Für mich ist es beinahe wie eine neue Erfahrung mich nur auf ein Kind konzentrieren zu können. Die Aufmerksamkeit ist intensiver, zielgerichteter. Mit zwei Kinder hat man manchmal das Gefühl, auf Situationen nur reagieren zu können, jedes Kind gar nicht richtig für sich wahrzunehmen. Zudem hat uns der Alltag  immer im Griff. Da sind so viele andere Dinge die nebenher berücksichtigt werden müssen.

Als ich gestern Abend ins Bett ging – am zweiten Tag der Ferienfreizeit – spürte ich dann diese Sehnsucht. Das Vermissen meines Kindes: Ihre Stimme. Ihr Geruch. Ihre Präsenz.
Gott sei Dank nur ein kurzer Moment, aber im Hinterkopf bleibt, dass es noch zwei Tage sind, bis ich mein Mädchen wieder in die Arme schließen kann.

Verstärkt wird diese ganze Gefühlsduselei durch das Buch, das ich gerade lese. Es handelt sich dabei um einen wirklich brutalen, blutigen FBI-Thriller, aber es geht darin auch um Verlust. Den Verlust des Ehemannes und der einzigen Tochter der Ermittlern. Und um den Verlust der Mutter für ein 10jähriges Mädchen.
Der Autor beschreibt so eindringlich diese Dunkelheit, die Verzweiflung, diese monströse Welle des Schmerzes, dass es mir jedes Mal ganz anders wird.

Und dann denke ich an meine Kinder: Das eine weit weg auf großer Entdeckungstour und schmerzlich vermisst, das andere wohlbehütet in seinem Bett, die Decke weggestrampelt wie immer aber mit diesem allerliebsten, friedlichen Gesichtsausdruck, dass mir die Kehle ganz eng wird.

Manchmal vergesse ich im Trubel des Alltags, welch ein Segen meine Kinder für mich sind.  Wie sehr ich sie brauche und wie viel sie mir geben. Wie sehr ich sie liebe und welch großen Teil von mir sie ausmachen.
Es tut wirklich gut, daran erinnert zu werde.

Lee Child – „Größenwahn“, „Ausgeliefert“, „Sein wahres Gesicht“ uff. (Die Jack Reacher Reihe)

⭐︎⭐︎⭐︎⭐︎⭐︎ (und wenn ich könnte, würde ich nochmal fünf vergeben)

Ich weiß nicht mehr genau, wie ich auf Lee Child und seine Jack Reacher Reihe gekommen bin. Ich glaube, beim Lesen irgendwelcher Rezensionen zu anderen Krimis bin ich immer wieder über ihn gestolpert und wollte mir dann mal selbst ansehen, von was die da alle reden.

Jack Reacher ist ein ehemaliger Militärpolizist der US-Army, der nach 13 Jahren Dienst ehrenhaft entlassen wurde. Schon seit Vater war beim Militär und Jack Reacher somit von Geburt an auf der ganzen Welt zu Hause. Nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst genießt er nun seine Freiheit, was für ihn bedeutet selten länger als zwei Tage an einem Ort zu verweilen und mit kleinem Gepäck – nämlich einer Zahnbürste – zu reisen. Alles was er sonst braucht wird gekauft, benutzt und entsorgt. Dies ist nur eine kleine der vielen, vielen Facetten, die diese Serie so faszinierend macht. Denn dadurch ist jedes Buch anders. Es spielt in einer anderen Stadt, in einer anderen Klimazone, mit vollkommen anderen Menschen und Begebenheiten.
Jeder Band ist in sich abgeschlossen. Es ist also durchaus möglich die Bücher nicht in Reihenfolge oder nur einzelne oder wie auch immer durcheinander zu lesen. Trotzdem gibt es natürlich ab und an Kommentare oder nimmt Lee Child Bezug auf vorherige Begebenheiten, die aber nicht bedeutend für die jeweiligen Handlungen sind, dem ganzen aber noch einen Schuss zusätzlicher Würze gibt.

Was macht die Buchserie noch so einzigartig? Natürlich ist da der große Held. Jack Reacher, 1,98 groß, über 100 Kilo schwer, ein Berg aus Muskeln mit einem scharfsinnigen Verstand, blondem Haar und Eissee-blauen Augen (in der gleichnamigen Verfilmung wird Jack Reacher von Tom Cruise gespielt *kotz*). Er wirkt wie eine Mischung aus James Bond (die neuere Variante mit Daniel Craig) und Sherlock Holmes (wenn man diesen ins 21. Jahrhundert versetzen würde) und ist dabei unglaublich cool (auf eine sympathische Art). Er weiß unglaublich viel über Waffen, Verbrecher, Polizisten, wie man das perfekte Verbrechen plant, wie man einen Mann am schnellsten kampfunfähig macht oder tötet. All diese Dinge werden dem Leser so detailreich näher gebracht, dass man jeden Schritt, jede Entscheidung nachvollziehen kann. Womöglich stimmt man nicht immer mit ihr überein, denn Jack Reacher ist eben ein echter Kerl und wenn es sein muss, dann schlägt er erst zu und fragt dann, trotzdem läuft es nie auf Gemetzel oder unnötige Brutalität hinaus (das mögen andere womöglich anders sehen, denn durchschnittene Kehlen, gebrochene Genicke oder auch mal ein zertrümmertes Knie kommen durchaus vor).

Zudem kommen die Bücher ohne jeden Pathos, ohne Schmalz, ohne ein Wort zu viel aus. Einen Jack Reacher Band zu lesen ist wahnsinnig spannend, unglaublich unterhaltend, immer stimmig und immer nachvollziehbar.
Erschienen sind bisher 22 Bände. Der erste wurde 1997 veröffentlicht und da mutet es manchmal seltsam an, wenn Münztelefone, Telefonbücher, Straßenkarten oder Faxgeräte benutzt werden. Aber genau das macht es auch so unglaublich faszinierend. Je weiter man sich durchliest, desto mehr kommt auch Jack Reacher in der Neuzeit an, auch wenn er kein Handy besitzt und das Internet für ihn ein Buch mit sieben Siegeln ist. Genau das macht die Stärke des Autors aus: Er bleibt seiner Figur in jeder Situation treu. Jack Reacher bleibt zum Beispiel nicht einmal für seine große Liebe an einem Ort (dafür hat er in jedem Band eine andere Flamme, was natürlich für mich Romantikerin auch ganz nett zu lesen ist).

Ich bin inzwischen bei Band 10 angekommen und habe noch wundervolle 12 Bände vor mir. Mir graut es jetzt schon davor, wenn ich kein neues Lesefutter mehr bekomme. Deshalb zwinge ich mich immer, zwischendurch auch etwas anderes zu lesen. Aber es ist schwer, mich von etwas anderem so fesseln zu lassen, weil wirklich sehr wenig mit Lee Child und seiner Jack Reacher Reihe mithalten kann.

Also Leute, geht los und kauft euch den ersten Band „Größenwahn“: Auf dem Weg von Tampa nach nirgendwo ist Jack Reacher in einer Kleinstadt in Georgia aus dem Bus gestiegen. Wenige Stunden später findet er sich im Gefängnis wieder. Er steht unter Mordverdacht. Doch statt einer schnellen Lösung hat Detective Finlay bald ein noch größeres Problem: einen Hauptverdächtigen, der seine Unschuld beweisen kann, und das Geständnis eines Bankers, der die Tat nicht begangen hat.

 

 

 

Rebecca Gablè – „Das Lächeln der Fortuna“, „Die Hüter der Rose“, „Das Spiel der Könige“ (Die Waringham Trilogie)

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Bisher war ich eigentlich kein Fan von historischen Romanen. Auch wenn ich schon ein paar wenige gelesen habe („Die Wanderhure“ zum Beispiel. Furchtbar laaaaangweilig).
Trotzdem reizte mich Rebecca Gablè. Zum Einen, weil eine gute Freundin große Stücke auf sie hält und man zum Anderen beim Thema „historische Romane“ nicht an ihr vorbei kommt. Und – ein kleines aber für mich nicht zu vernachlässigendes Plus – Frau Gablè ist eine deutsche Autorin. Lese ich sehr selten, aber dann meist mit Genuss (siehe z.B. Andreas Eschbach).

Ich begann also mit dem ersten Teil der Waringham-Saga, ohne zu wissen, dass es ein erster Teil ist. Im Grunde funktionieren die Bücher auch durchaus alleine, auch wenn die Verwandschafts- und Geschichtsverhältnisse natürlich auf einander aufbauen und der Lesegenuss dadurch enorm gesteigert wird.

Ich zitiere hier stellvertretend für alle drei Bücher den Klappentext des ersten Bandes, weil dieser sehr treffend zusammenfasst und wesentlich kürzer das aussagt, was ich vielleicht zu sagen hätte:

England 1360: Nach dem Tod seines Vaters, des wegen Hochverrats angeklagten Earl of Waringham, zählt der zwölfjährige Robin zu den Besitzlosen und ist der Willkür der Obrigkeit ausgesetzt. Besonders Mortimer, der Sohn des neuen Earls, schikaniert Robin, wo er kann. Zwischen den Jungen erwächst eine tödliche Feindschaft. Aber Robin geht seinen Weg, der ihn schließlich zurück in die Welt von Hof, Adel und Ritterschaft führt. An der Seite des charismatischen Duke of Lancaster erlebt er Feldzüge, Aufstände und politische Triumphe – und begegnet Frauen, die ebenso schön wie gefährlich sind. Doch das Rad der Fortuna dreht sich unaufhörlich, und während ein junger, unfähiger König England ins Verderben zu reißen droht, steht Robin plötzlich wieder seinem alten Todfeind gegenüber …

Band 1 begleitet also Robin of Waringham, Band 2 beschäftigt sich mit seinem Sohn John und Band 3 wiederum mit dessen Sohn Julian. Man bekommt in diesen Bänden also gut und gerne 100 Jahre Geschichte auf dem Silbertablett serviert.

Um es erst einmal kurz in wenigen Sätzen zusammen zu fassen: Die Bücher sind der absolute Wahnsinn! Unglaublich toll geschrieben, mit genau der richtigen Balance zwischen Fakten und Fiktion. Kopfkino deluxe.

Ich könnte stundenlang über die Bücher schwärmen. Wie mitreißend sie sind. Wie tief sie einen ins Mittelalter hinein saugen. Wie sehr sie ein Gefühl für die Lebensumstände dort vermitteln. Wie oft ich die Hände vor die Augen schlagen wollte, ein leises oder auch mal ein lauteres „Oh nein!“ von mir gab und wie fieberhaft ich mich von einer Seite zur nächsten las.

Selten habe ich Bücher gelesen, die so umfassend und detailgetreu sind, ohne dabei langatmig zu werden. Und dabei so wahnsinnig spannend und lebendig, dass man eigentlich die ganze Zeit die Luft anhalten möchte.

Probleme hatte ich ab und an (speziell im letzten Band) allerdings mit den vielen Namen und Verwandtschaftsverhältnissen. Irgendwie ist jeder mit jedem verwand, und wenn es nur ein Cousin vierten Grades ist und die ganzen Earls of Sowieso brachte ich auch ab und an durcheinander (was manchmal doof ist, wenn man nun nicht mehr weiß, welcher nun zu Lancaster oder York steht).
Ich muss hier allerdings anmerken, dass ich eine recht schnelle Leserin bin und manches mehr überfliege denn wirklich in mich aufnehme. Es könnte also auch daran liegen.
Die Hauptakteure, die, auf die es wirklich ankommt, sind allerdings immer so präsent und gut beschrieben, dass sie mir immer im Gedächtnis geblieben sind.

Von mir also eine ganz klar Leseempfehlung. Aber Vorsicht: Es könnte sein, dass ihr die nächsten Wochen nichts anderes tut als historische Romane zu lesen.

Kürzlich las ich in der Nido (mein absolutes Lieblingsmagazin) einen Artikel über die Gelassenheit bzw. über deren Fehlen in der Erziehung. Das Problem sei die fehlende Balance zwischen ständigem Präsentsein für die Kinder und einem ganz und gar „bei-sich-sein“. Zwischen Aktivität und Ruhe.

Und seit ich Kinder habe, lerne ich mein zweites Ich kennen. Eine kurzatmige Frau mit Nasenwurzelfurche, deren Gekeife geschlossene Doppelglasfenster durchdringt, die bis „dreihei“ zählt, Drohungen ausstößt, Türen schmeißt – und heult, wenn sich gleich mehrere Krisen überschneiden.

Bei diesen Worten fühlte ich mich sofort angesprochen. Bis das Fräulein Wunder im Kindergarten ist, habe ich ganz sicher bereits vier Mal bis „dreihei“ gezählt, gedroht, dass irgendeine Aktivtät am Nachmittag ausfällt und bestimmt zehn Mal zur Eile und Konzentration gemahnt. Es fällt mir schwer, mich locker zu machen. Selbst wenn ich am Vormittag keinerlei Termine habe fühle ich mich unter Druck. Und diesen Druck gebe ich an meine Kinder weiter.

Der Lösungsansatz sei relativ simple: Innehalten. Ganz bei sich sein. Nicht an die Kinder, Arbeit, Mann, Umfeld, wasauchimmer denken und einfach nur da sein. Doch dies scheint mir unvorstellbar. Und nicht nur mir, sonder auch Ute Diefenbach, der Autorin dieses tollen Textes:

Den Kamin haben wir vor Kurzem eingebaut, einfach, weil wir Feuer mögen. An Meditation hatte keiner von uns gedacht. Jetzt schichte ich das Holz bereits mit Hintergedanken auf, suche einen bequemen Sitz mit Blick auf die Flammen. Ich zwinge mich, in die Flammen zu schauen, nehme aber im Augenwinkel die rund ums Sofa verstreuten Legosteine wahr. Die könnte ich eben noch wegräumen, dann wär’s auch entspannter.

So geht es immer aus. Selbst wenn das Fräulein im Kindergarten ist und Miss Allerliebste eine Runde schläft. Ich sitze beim Frühstück, kaue an meinem Brot, lese ein paar Seiten meines Buches und sehe aus den Augenwinkeln den Abwasch, die herumliegenden Spielzeuge, denke an die Wäsche im Keller und den Einkauf für das Abendessen.

Der Tag fließt so dahin, ausgefüllt mit unzähligen Kleinigkeiten, die zu tun sind. Brote schmieren, Haushalt in Ordnung bringen, Kind füttern/wickeln/in den Schlaf singen, 100 Mal am Tag Rotznasen putzen, kochen, einkaufen, essen richten, Wäsche waschen/legen/bügeln usw. usw..

Selbst wenn ich mich mit anderen Müttern treffe, Krabbelgruppen besuche, durch Indoor-Spielplätze robbe oder mich auch mal zum Frühstück verabrede: Immer sind die Kinder dabei präsent, immer ist gerade irgend eine Kleinigkeit zu tun, nie komme ich wirklich zur Ruhe.

Und am Abend, wenn die Kinder dann endlich im Bett liegen, dann falle ich auf die Couch, oder sitze mit dem tollen Mann in der Küche und versuche irgendwie die Augen offen zu halten. Wenn ich dann an den vergangenen Tag denke, dann habe ich das Gefühl, dass ich kein einziges Mal Innegehalten habe, dass ich eigentlich nie wirklich bei mir war. Und selbst in diesem Moment denke ich bereits daran, was ich noch schnell aufräumen könnte, wie das Programm für den nächsten Tag aussieht und wie die kommende Nacht wohl verlaufen wird.

Und was noch viel schlimmer ist: Ich habe sehr oft auch das Gefühl, die Zeit mit meinen Kindern lediglich mit schimpfen, ermahnen, streiten und dem Satz „Gleich mein Schatz, ich mach‘ das hier gerade noch fertig“ verbracht zu haben.
Bevor ich also näher bei mir sein kann, möchte ich erst einmal näher bei meinen Kindern sein. Und so hat mich das Fräulein Wunder heute mit Hingabe „operiert“, die beiden Mädels sind auf mir herumgeturnt, wir haben zusammen gelacht und gekichert und es war vollkommen egal, dass der Abwasch noch nicht erledigt war, sich im Keller die Wäsche stapelt und ich immer noch nicht die Unterlagen für die Steuer herausgesucht habe.
Und siehe da: Es fühlte ich an, als hätte mir jemand ein Mittel zur Entkrampfung gegeben. Eine gewisse Leichtigkeit stellte sich ein, eine „mir doch egal“ Haltung, und ich habe das Zusammensein und die Nähe wirklich genossen.

Das Arbeitskarussell im Kopf begann relativ schnell wieder zu rotieren, aber für die kurze Zeit davor war ich tatsächlich entspannt. Ich hatte Innegehalten in unserem hektischen Alltag, habe einfach nur das Jetzt genossen. Darauf will ich aufbauen. Einatmen. Ausatmen. Gelassener werden.

Vielleicht schaffen wir uns ja doch noch irgendwann einen Kamin an, dann probiere ich das mit dem „bei mir sein“ auch mal aus.

Toller Blog. Tolles Buch. Unbedingt lesen und kaufen. Hopp, hopp!

Blog: Na, wie war’s in der Schule?

Leseprobe: Chill mal Frau Freitag

Schwerelos / Ildiko von Kürthy (1)

Seite 121

Ich nutze die Zeit während des Beischlafs lieber sinnvoll.
Als ich das letzte Mal mit Frank geschlafen habe, auch schon wieder ein paar Wochen her, habe ich mich zum Beispiel gefragt, warum Barbapapas keine Beine haben und wie sie sich eigentlich fortbewegen. Eine interessante Fragestellung, die meines Wissens noch nirgends hinreichend beantworte wurde. Immerhin war ich so taktvoll, diese Problem mit mir selbst auszumachen und mich ein wenig über mich selbst zu wundern – allerdings nur so lange, bis mich Frank kurz nach Abschluss des Aktes als solchem unvermittelt fragte: „Sag mal, lebt Inge Meysel eigentlich noch?“

Die gelöschte Welt / Nick Harkaway (4)

Seite 603

Fünf Minuten verbringe ich damit, in Royce Allens Konfektionsware herumzukramen und die Sachen zu bewundern, während mir ein nervöser Assistent nickend hin und her folgt. Ich aber gebe kleine, unzufriedene Laute von mir und erkläre, dass (obwohl alles, was ich sehe, in jeder Hinsicht von allerbester Qualität ist), maßgeschneiderte Ware doch sicherlich angenehmer wäre. Ich probiere ein Hemd an, in dem ich wie ein Gott aussehe, und deute an, es kneife ein wenig unter den Achseln. Ja. Eindeutig, es drückt tatsächlich … welche Art Faden Royce Allen wohl für seine Nähte benutzt? Es fühlt sich so rau an. Der Assistent versichert mir, der Faden sei aus feinstem Babyhaar und bester Angorawolle gewirkt, etwas Weicheres gebe es nicht. Ich seufze. Dann muss es der Stoff sein, wie schade. Nein, nein, der Stoff sei Baumwolle, die von Kindersklaven gepflückt werde. Sie müssten jede Stunde ihre Hände waschen und befeuchten, damit ihre Finger die Fasern nicht aufrauten. Natürlich bluteten sie auch, aber ihr Blut enthalte dank einer streng kontrollierten Ernährung einige Chemikalien, die sogar noch die luxuriöse Geschmeidigkeit des Stoffes verstärkten. Das Blut werde natürlich mit einem mineralischen Reinigungsmittel, das aus zerstoßenen Diamanten und dem Speichel von Jungfrauen besteht, auf hygienische Weise herausgebleicht, was den Glanz und das Schimmern sogar noch verstärke und dem fertigen Hemd beinahe die Festigkeit einer Schutzweste verleihe.