Ein Gewitter mit Sturm zieht über dem Biergarten auf. Schwarze Wolken türmen sich über uns auf, der Wind beginnt in den Bäumen um uns herum zu rauschen. Eilig packen wir unsere sieben Sachen zusammen, bezahlen die Rechnung und hasten zu viert mit sechs Kindern (leicht hysterisch bis aufgedreht) über den gekiesten Platz, eine Treppe hinauf und in den rettenden Gastraum.

Draußen fallen die ersten, dicken Tropfen, die sich rasend schnell zu einem ordentlichen Sturm ausweiten.
Drinnen sitzen vier Gäste, die von zwei Bedienungen umsorgt werden, an der Theke steht ein Mann in weißem Hemd, der scheinbar hier irgendetwas zu sagen hat.
Ich bekomme erst im Nachhinein mit, dass wir wohl gefragt wurden, wieviele wir wären und dies in keinem sehr höflichen Ton. Da wir alle buchstäblich durch den Wind sind, die aufgeregten Kinder erst einmal beruhigen wollen und überhaupt etwas planlos weil gehetzt sind, können wir erst einmal keine genauen Angaben über unsere Anzahl machen und möchten uns stattdessen erst einmal an den größten Tisch im Raum zurück ziehen. Dies scheint nicht wirklich erwünscht zu sein, wird uns aber auf unsere Nachfrage, ob sie noch ein Nebenzimmer hätten, in das wir uns zurückziehen sollen, schließlich doch gewährt.

Es folgt lautes Stühlerücken, aufgeregtes Kindergeschrei, das Fräulein weint, weil sie Angst vor dem Sturm hat, alle wollen unbedingt mal nach draußen gucken, was da genau passiert und wir Mamas versuchen so nebenbei uns zu sortieren, überprüfen, ob wir alles mitgenommen haben, dass jeder einen Platz findet und holen die Kinder so langsam aber sich wieder etwas runter.

Ruhe kehrt indes natürlich nicht ein. Das geht mit sechs Kindern kaum. Zumal das Restaurant nicht wirklich riesig und noch ziemlich aufgeheizt ist.  Es wird Spielzeug aus den Taschen gekramt, die Kinder dazu angehalten, ihre Getränke (noch aus dem Biergarten) auszutrinken und sich einigermaßen ruhig auf ihre Stühle zu setzen. Miss Allerliebst ist allerdings nicht auf einem Stuhl zu halten. Interessiert streift sie durch den Gastraum (mit mir im Schlepptau) und guckt sich die wenigen Gäste an.

Schließlich wird es dann wohl einem der Gäste zu viel. Laut schimpfen steht er auf. „Das ist doch wohl die Höhe. Wir sind hier doch nicht auf dem Spielplatz!“ meckert er mit bitterbösem Blick, schnappt sich seinen Teller und zieht in die hinterste Ecke des Lokals um. Mit einem Pulsschlag von 180 schweige ich. Leider.
Ich kann kaum in Worte fassen, wie sehr ich mich noch immer über diesen Mann ärgere. Leider weiß ich aber auch nicht so recht, was ich dazu hätte sagen sollen. Ich wäre keinesfalls sachlich geblieben und das bringt uns ja schließlich auch nicht weiter. Trotzdem ärgere ich mich immer noch, dass ich nicht wenigstens irgendetwas gesagt habe. Ob er uns wirklich in den Sturm hinaus schicken will, nur damit er in Ruhe essen kann zum Beispiel. Oder dass wir nicht geplant hatten, ihn hier überfallartig bei seinem Mittagessen zu stören. Am liebsten hätte ich ihm allerdings ein paar Schimpfworte an den Kopf geknallt oder ihm die herzallerliebste Miss Allerliebst auf den Hals gehetzt.
Stattdessen haben wir unsere Kinder noch einmal ermahnt, etwas leiser zu sein, unsere Getränke so schnell wie möglich ausgetrunken und sind dann, als der Sturm nachgelassen hatte, durch den anhaltenden Regen mit Kindern und Gepäck zu unseren Autos gehastet.
Ich schätze, wir waren etwa 15 bis 20 Minuten in diesem Gastraum. In dieser Zeit kam keine Bedienung an unseren Tisch, wurden wir nicht gefragt, ob wir etwas trinken möchten und hat auch sonst niemand (außer diesem einen Gast) mit uns gesprochen.

Auf dem Parkplatz fing uns immerhin noch eine Angestellt ab und erklärte uns, dass die Ausfahrt durch einen umgestürzten Baum blockiert sei und wir deshalb über den Rheindamm fahren sollen. Eigentlich ist der nur für Fahrradfahrer und Fußgänger. Mein Pulsschlag kam also auch da nicht zur Ruhe.

Tatsächlich ist dies eine der ganz wenigen Situationen bisher, in denen ich und meine Kinder vollkommen unerwünscht waren. In diesem Ausmaß habe ich es, glaube ich, sogar noch nie erlebt. Natürlich erntet man ab und an mal einen bösen Blick, wenn die Kinder all zu laut sind. Aber das kann ich übersehen. Ich kann sie nunmal nicht festbinden und knebeln. Selbstverständlich versuchen wir auch immer, ein kinderfreundliches Umfeld zu finden, wenn wir irgendwo hingehen und außerdem wissen sich meine Kinder in der Öffentlichkeit durchaus zu benehmen. Trotzdem sind und bleiben es Kinder.
Aber immer kann man eben diesen Situationen, in denen kinderlose auf Familien treffen, auch nicht aus dem Weg gehen. Will ich auch gar nicht. Wer seine Ruhe haben will, soll zu Hause bleiben oder ausdrücklich gekennzeichnete „kinderfreie Zonen“ aufsuchen. Und das gibt es. Ein Restaurant in unserer Nähe warb kürzlich mit „bitte beachten Sie, dass unser Biergarten für die Kleinsten zu klein ist.“ Und auch wenn ich so etwas diskriminierend finde und noch zu klären wäre, wie klein oder groß die Kleinsten denn nun sein dürfen um das Lokal betreten zu dürfen, weiß ich da wenigstens, woran ich bin und  kann es von vornherein meiden.

Womöglich bin ich mit dieser Einstellung intolerant. Aber ich finde, dass Kinder zu unserer Gesellschaft dazu gehören und so lange sie niemandem auf dem Tisch herum tanzen, gehören sie genau so geduldet wie laute Seniorengruppen, die sich bei Bier, Schnaps und Weinschorle über ihre Krankheiten austauschen. So!

Diesen Artikel wollte ich schon ewig schreiben, aber nie hatte ich die richtige Zeit und Muse dazu. Eigentlich habe ich sie jetzt auch nicht, denn Miss Allerliebst liegt neben mir auf der Decke, turnt munter und versucht wie ein Frosch der schielt die Spielzeuge an dem Trapez über sich zu greifen. Mit leidlichem Erfolg, was sicherlich bald in Quäken und Nölen endet. Also muss ich mich ranhalten.

Eigentlich ist das auch ein ganz guter Einstieg. Im Moment verbringe ich meinen Tag nämlich entweder mit einem Kind auf dem Arm, oder mit lautem Jammern und Weinen im Hintergrund. Etwas dazwischen gibt es kaum und wenn dann nur für etwa zehn Minuten und auch nur am Vormittag.
Ich hätte mir das damals, bevor ich Kinder hatte, nie vorstellen können. Also dass das Muttersein so ist. Natürlich versucht man sich darauf einzustellen, dass das Kind weint und man wenig schläft und das alles irgendwie anders wird. Aber wie anders, das kann einem vorher keiner erklären und selbst wenn, könnte man es sich nicht wirklich vorstellen.

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Eigentlich begann der Tag ungeheuer positiv, denn endlich, endlich gab der Orthopäde grünes Licht und die blöde Schiene gehört nun der Vergangenheit an. Er meinte zwar, sein ehemaliger Chef hätte immer empfohlen, wenn die Hüfte „gut“ sei noch drei bis vier Wochen die Schiene weiter zu tragen, aber das habe ich kategorisch abgelehnt. Das Geschirr ist nicht nur für Miss Allerliebst unbequem, es ist auch im Alltag hinderlich. Das fängt schon beim gemütlichen Kuscheln an und setzt sich beim Wickeln und Autofahren fort (in beiden Fällen muss die Schiene ab- und hinterher wieder angelegt werden). Abgesehen davon ist Miss Allerliebst inzwischen so agil, dass sie den ganzen Tag nur strampeln möchte, was mit diesen, durch die Schiene Tag und Nacht angewinkelten Beinen nicht wirklich funktioniert.
Also einigten wir uns auf breites Wickeln für die nächsten Wochen (Miss Allerliebst bekommt zusätzlich zu der vorhandenen Windel noch eine weitere verkehrt herum angezogen). Zur Kontrolle reicht der Besuch beim Kinderarzt und da in ein paar Wochen sowieso die nächste U-Untersuchung ansteht, ist das alles nun wunderbar geregelt.

Als kleine Belohnung (hauptsächlich für mich, das gebe ich zu), fuhr ich nach dem Termin mit Miss Allerliebst in ein nahegelegenes Einkaufszentrum. Wenn die Kinder noch so klein sind, ist es wirklich ein bißchen wie Urlaub wenn man einfach nur mit dem Kinderwagen herumschlendern kann. Da trinkt man hier mal einen Chai Latte Tea während Miss Allerliebst die Flasche bekommt, löst dort mal einen Gutschein ein oder lässt sich ausgiebig beraten, ohne dass man ständig gucken muss, wo denn nun das große Kind abgeblieben ist.
Und so erstand ich relativ schnell ein paar superbequeme Laufschuhe (warum sind eigentlich Jogging-Schuhe immer super peppig-bunt und Walking-Schuhe überwiegend trist grau-schwarz?) und ein paar günstige T-Shirts für meine aus der Form geratene Figur. Nach dem bereits erwähnten Chai Latte begab ich mich dann in ein bekanntes, schwedisches Bekleidungsgeschäft und shoppte dort munter Klamotten im Ausverkauf für meine beiden Töchter.
Schwer beladen begab ich mich nach gut einer halben Stunde an die Kasse. Zu diesem Zeitpunkt war Miss Allerliebst ein wenig quängelig und so nahm ich sie auf den Arm, stellte den Kinderwagen an einer Säule ab (damit er an der Kasse nicht im Weg herum steht) und stellte mich an der relativ kurzen Schlange an.
Ich schätze, ich habe den Kinderwagen für etwa fünf bis zehn Minuten aus den Augen gelassen. Und wenn ich auch zugeben muss, dass ich einfach ungeheuer naiv und – sagen wir es ruhig wie es ist – manchmal absolut dämlich und gedankenlos bin, so gibt das doch niemandem das Recht, einfach so den wundervollen kleinen rosa Elefanten aus Miss Allerliebst Kinderwagen zu klauen!
Und ich dachte mir noch so, als ich mich zur Kasse wandte um zu bezahlen, dass ich den Elefanten vielleicht lieber in den Fußraum unter die Decke schieben und ihn nicht so offensichtlich im Wagen liegen lassen sollte. Aber das war nur so ein flüchtiger Gedanke, der kam und ging wie ein feiner Lufthauch. Vielleicht rege ich mich auch gerade deshalb so sehr darüber auf.

Es ist eine Sache jemandem, der so doof ist wie ich, etwas zu klauen, weil er nicht richtig auf seinen Kram aufpassen kann. Auch wenn auch das nicht rechtens ist, wäre ich dabei wahrscheinlich eher sauer auf mich, als auf den Dieb.
Aber einem kleinen Kind sein Spielzeug weg zu nehmen, finde ich einfach skandalös. Und dabei geht es mir nicht um die zehn Euro, die dieses kleine Stück Plüsch gekostet hat. Moralisch rangiert so ein Vergehen in der untersten Schublade. (Mein Herzschlag ist schon wieder auf 180, pfh!).
Jedem, dem ich von der Sache erzählt habe ist der Meinung, das müsste ein Kind gewesen sein, der den Elefanten genommen hat. Aber irgendwie glaube ich das nicht. Zum Einen müsste dieses Kind schon recht groß gewesen sein um so in den Wagen gucken zu können, dass es den Elefanten sieht und damit würden hier die gleichen Moralwerte gelten, wie bei einem Erwachsenen. Zum Anderen sind mir zu dieser Zeit kaum Kinder aufgefallen. Da waren hauptsächlich Mütter mit Kinderwägen so wie ich, oder gänzlich ohne Begleitung.

Gott, ich bin immer noch so stinkig! Natürlich habe ich, als ich zu Hause war, gleich ein neues Ersatzexemplar des Elefanten bestellt und diesen, da könnt ihr sicher sein, werde ich hüten wie meinen Augapfel.

Die Welt ist schlecht. So!

Schwiegerpapa ist bereits 74 und ziemlich kautzig (vorsichtig ausgedrückt). Ich könnte Geschichten erzählen …

Gestern Abend kam er mit einem Schriftstück zu uns rüber und erklärte, dass sein Versicherungsmensch da gewesen wäre und ihm erzählt hätte, er müsse den Antrag für die Rechtschutzversicherung unterschreiben, damit er einen Nachweis habe, dass er Schwiegerpapa besucht hat. Um jegliche Bedenken von Schwiegerpapa zu zerstreuen strich er diverse Passagen des Vertrages durch und versicherte ihm mehrmals, dass alles in Ordnung sei.
Als ich den Durchschlag dann genau durchlas stellte ich fest, dass dieser Versicherungsfutzi auf der ersten Seite mal ganz frech „Eine Vertragsverlängerung um 5 Jahre wird gewünscht“ angekreuzt hatte.

So. Und nachdem sich jetzt vielleicht noch andere Menschen darüber ein kleines Bißchen aufgeregt haben, kommt jetzt noch der Clou an der ganzen Geschichte: Der Versicherungsmensch war mal mit des tollen Mannes Schwester verlobt! Gehörte also eine zeitlang sozusagen zur Familie. Wie schräg ist das denn? Da kommt dieser … dieser Widerling in das Haus seines ehemaligen Schwiegerpapas und dreht dem mal so nebenbei eine Vertragsverlängerung an um Provision zu kassieren. Ich könnt kotzen!

In einem meiner letzten Blogeinträge habe ich unter anderem dieses Statement abgegeben:

Um es noch einmal zu verdeutlichen: Wir sind sechs FRAUEN. Und nicht nur das. Wir sind auch noch sechs MÜTTER. Meiner Erfahrung nach ist es schwierig diese gemeinsam in einen Raum zu bekommen, ohne das unterschwellig ein gewisser Neid, Schadenfreude, Ausgrenzung, Grüppchenbildung oder Gehässigkeiten aufkommen. Ich gebe es nur ungern zu, aber das hat leider durchaus mit unserer weiblichen Natur zu tun, traurig aber wahr.

Ich möchte mich nun an dieser Stelle als das Biest outen, das ich in Gedanken durchaus bin. Ich habe eine gewisse Auffassung davon, wie das Fräulein groß werden soll und habe für manche Einstellungen von anderen Müttern wenig bis gar kein Verständnis. Und ich möchte hier auch nicht so tun als ob.
Natürlich wünschte ich, ich hätte mehr von Ghandi oder Mutter Theresa, aber manchmal muss ich innerlich einfach die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und mir denken „Bitte?!?“.

Eines von vielen Beispielen ereignete sich gestern. Ich hatte mich mit zwei meiner Montagskrabbelkolleginnen (nicht zu verwechseln mit meinen Krabbelkäfermamas) für einen Nachmittagsspaziergang verabredet. Dies tue ich u.a. auch aus o.g. Grund erst seit kurzem. Ich bin mir auch noch nicht so ganz sicher, ob ich dabei gern gesehen bin, denn wenn ich nicht anrufe, werde ich nicht eingeladen (vielleicht haben die schon durchschaut, was für ein Biest ich sein kann, wer weiß?). Aber das nur am Rande.

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