Es gibt bestimmte Tage im Jahr, auf die ich mich immer besonders freue. Zum Beispiel auf meinen Geburtstag, den Sommerurlaub, Weihnachten und Silvester und auch das Weihnachtsessen mit meinen Käfermamas.

Die Vorweihnachtszeit ist immer extrem stressig, weil jeder noch irgendwo eine Advents-, Nikolaus- oder Weihnachtsfeier veranstaltet. Jede Woche und jedes Wochenende ist mit Terminen angefüllt, dazwischen muss alles rund um Weihnachtsgeschenke und – feier und der normale Alltagswahnsinn bewältigt werden.
Normalerweise sind in dieser Zeit Abendtermine für mich tödlich, da mir damit zusätzlich noch wertvolle Stunden Schlaf entzogen werden. Von daher versuche ich zumindest das tunlichst zu vermeiden.

Für unser alljährliches Käferessen nehme ich dies allerdings sehr gerne in Kauf.

Schon Wochen vorher – eigentlich bereits das ganze Jahr über – beschäftigt mich der Gedanke an das Wichtelgeschenk. Bereits im achten Jahr beschenken wir uns so gegenseitig. Jeder besorgt eine Kleinigkeit im Wert von 10 Euro, verpackt es ansprechend und mit viel Liebe und stopft es dann am Abend im Lokal in den großen Krabbelsack. Natürlich ist es bei Strafe verboten die Geschenke der anderen vorher auszuspionieren. Keiner darf gucken, wenn das Geschenk im Sack versenkt wird, denn man soll ja später vollkommen unbedarft eines der bunten Päckchen heraus ziehen.

Genauso wichtig wie das Wichtelpräsent, ist die Wahl des richtigen Lokals. Dieses eine Mal im Jahr soll es sehr festlich und kulinarisch lecker sein. Im Laufe der Zeit haben wir schon ein, zwei Mal ein neues Restaurant ausprobiert.
Dieses Jahr waren wir das zweite Mal im Restaurant Weingärtner. Ein kleines, uriges Lokal mit hervorragender Küche, leckersten Weinen und himmlischen Desserts.

Leider konnte Steffie dieses Jahr nicht dabei sein, so dass wir „nur“ zu siebt den Abend bestritten. Ein Teil von uns sind alte Hasen in der Käfergemeinschaft, ein anderer ist in den letzten zwei Jahren neu dazu gestoßen.
Zuerst wurde geherzt und gedrückt, danach an der festlich gedeckten Tafel Platz genommen und während schon die ersten Gespräche in Gang kamen wurde bereits äußerst interessiert die kurze aber feine Getränke- und Speisekarte inspiziert.
Der richtige Wein war schnell gefunden, das Essen war ein bißchen schwierig, da ich abwägen musste, ob ich lieber ein teureres Hauptgericht, oder lieber ein etwas günstigeres Essen, dafür aber mit Dessert wählen sollte.

Schlussendlich wurde es dann tatsächlich ein Salat mit marinierter Hähnchenbrust. Und was sich hier zwar eher unspektakulär anhört, war am Ende aber sowas von lecker, dass ich nicht hätte mit irgendjemandem tauschen wollen (nicht einmal mit Iris‘ Rumpsteak, was echt was heißen will).
Abgesehen von den leckeren, knackigen Blattsalaten mit eher konservativer Vinaigrette, gab es dazu auch Hummus mit einer leckeren Soße, Quinoa mit Kokosmilch und Hähnchenbrust mit schwarzem Kümmel in Chilli-Mango Marinade. Ein absoluter Traum!
Zum Nachtisch gönnte ich mir dann noch einen Himbeerbrownie, der oben eine Schicht aus verschiedenen Kernen und Saaten hatte, mit selbstgemachtem Eis in dem Schokostückchen waren. Ich liiiiebe Schockostückchen im Eis. *Sabbermodus aus*

Ich schätze, in der Zeit zwischen Begrüßung und Beendigung des Nachtisches unterhielten wir das gesamte Lokal. Da es recht eng dort ist, vermischen sich die Gespräche von den Nachbartischen mit den eigenen und so wird man unweigerlich gerne mal etwas lauter beim Reden.
Und wir behandelten alle Themen, die man sich so vorstellen kann. Selbst Fußball wurde kurz mal angeschnitten. Bei manchen unserer Erzählungen bekamen unsere Tischnachbarn sicherlich rote Ohren, bei anderen rollten sie wahrscheinlich mit den Augen, aber Alles in Allem hat uns niemand mit Essen beworfen oder uns des Lokales verwiesen.
Im Gegenteil: Als wir schließlich den Krabbelsack hervor holten, wollten einige unserer Sitznachbarn sich gerne zu uns gesellen und ebenfalls ein Geschenk aus dem Sack ziehen. Tja, Pech gehabt!

Und dann ging es los. Reihum griff jeder tief in den riesigen Sack und zog mal ein großes, mal ein kleineres Päckchen daraus hervor (wir hatten auch schon Päckchen, die waren so groß, dass sie oben aus dem Sack heraus geschaut haben).

Mit einer der schönsten Aspekte dieser Tradition ist auch das Erraten des jeweiligen Schenkers. Bereits bei der genauen Inspektion des Geschenkpapieres, der Verzierung, der Schleifchen und dem Grad der korrekten Faltung und Verklebung, werden Tipps abgegeben, wer wohl was darin verpackt hat. Und wie immer trifft man sehr oft genau ins Schwarze, aber manchmal liegt man auch total daneben.
Mein Geschenk wurde zum Beispiel in geschlossenem Zustand jemand ganz anderem zugeordnet, was mich ein bißchen gefreut hat, wenn ich auch nicht sagen kann wieso und warum das überhaupt wichtig ist.

Anschließend folgt das hingebungsvolle Auspacken. Natürlich immer schön nacheinander und unter genauster Beobachtung der gesamten (Tisch)Gesellschaft. Jedes Geschenk wird mit überraschten Ahhhhs und Ohhhhs quittiert, es wird reihum an Duschgels, Badezusätzen und Tees gerochen, es werden bisher unbekannte Gegenstände bestaunt und ihre Handhabung diskutiert, da werden Bilder von vergangenen Events betrachtet und in Erinnerungen geschwelgt und am Ende stellen wir immer wieder fest, dass wie durch Zauberhand jeder genau das Geschenk gezogen hat, das ganz genau zu ihm passt. Jedes Jahr wieder ein absolutes Wunder.

Und so sitzen wir da. Lachen, Erzählen, Trinken, hören aufmerksam zu, erteilen Ratschläge und drücken unser Mitgefühl aus. Wir lächeln uns an, haben strahlende Augen und schwelgen in Erinnerungen. Wir zelebrieren und wir genießen diesen Abend. Weil er uns gehört und wir uns und unsere Freundschaft hier und heute feiern. In exklusivem Rahmen, wie es sich gehört, mit kleinen Geschenken, die unterstreichen, wie gut wir uns kennen und wie sehr wir uns schätzen. Und weil es nach wie vor nicht alltäglich ist, dass man Menschen trifft mit denen man sich so tief verbunden fühlt und denen man nach acht Jahren immer noch so nahe ist.

Advertisements

Ich weiß, ich bin spät dran. Eigentlich wollte ich mir die Arbeit auch gar nicht machen, aber dann las ich vor Kurzem den Jahresrückblick 2014, der mich an so viele schöne Dinge erinnert hat, dass ich mich einem Rückblick für 2016 nicht entziehen konnte. Here we go.

Januar

Gleich zu Beginn des Jahres ließ sich das Fräulein Wunder sehr spontan Ohrringe stechen. Den Wunsch danach hatte sie schon länger, aber wir vertrösteten sie immer darauf, dass sie das entscheiden dürfe, wenn sie ein Schulkind sei.
Beim ersten Anlauf im Oktober vergangenen Jahres überlegte sie es sich noch beim Juwelier anders, doch im Januar fasste sie den Entschluss vor dem Schaufenster und wenig später prangten zwei wunderschöne blaue Blümchen an ihrem Ohr. Und sie war sooooo tapfer!

Leider vernahm die Geschichte keinen sehr schönen Verlauf. Am Anfang war alles wunderbar, doch dann entzündete sich das rechte Ohrläppchen. Wir säuberten ab da jeden Tag das Ohr und schmierten es vorsichtig mit Desinfektionsmittel ein. Ganz langsam wurde es besser.
Dann verkündete sie eines Tages, dass sie den Stecker des rechten Ohrrings verloren hätte. Man muss dazu sagen, dass das Fräulein Wunder niemanden mehr an irgendetwas heran lässt, wenn sie dort Schmerzen hat oder irgendwelche befürchtet. Es war mir also nicht so ganz möglich, das Ohr zu kontrollieren. Fest stand, dass der Stecker weg war, sich der Ohrring im Ohr drehen aber nicht herausziehen lies. Nach tagelangem Hin und Her ließ ich das Fräulein Wunder und ihr Ohr schließlich in Ruhe. Es war nicht entzündet, der Ohrring saß fest an Ort und Stelle und war nicht festgewachsen, denn man konnte ihn ja drehen.
Schließlich verlor sie den Ohrring im Dezember im Schwimmbad. Und wenig später stellten wir fest, dass der vermisste Stecker immer noch IN ihrem Ohr steckte. Und auch hier durfte ich nur rudimentär nachsehen und schon gar nicht an dem Ohr herumdoktern um zu sehen, ob ich den Stecker vielleicht so entfernen könnte. Wobei mir dies auch ziemlich unwahrscheinlich erschien. Er hatte sich im Ohrläppchen sozusagen häuslich nieder gelassen. Ich sah mich schon einen Termin beim Chirurgen machen, damit er das Teil herausschneiden kann, als das Fräulein eines Abends triumphierend ins Wohnzimmer gestürmt kam und verkündete „Ich hab’s geschafft!“ und uns stolz den Stecker präsentierte. Große Freude auf allen Seiten.
Inzwischen trägt sie keine Ohrringe mehr und möchte auch keine neuen. Ich bin erleichtert.

Februar

Zu Fastnacht hatte das Fräulein Wunder ihren ersten großen Auftritt mit ihrer Jazztanzgruppe im Turnverein. Sie war mächtig aufgeregt und anschließend total stolz.

Auch ich war dieses Jahr mit meinen Mädels an Fastnacht wieder unterwegs. Diesmal nicht direkt am schmutzigen Donnerstag wie bisher in Bürstadt, sondern diesmal zwei Orte weiter. Unser Thema dieses Jahr war „Froschkönig“. Ich bestellte hoch motiviert einen grasgrünen Petticoat im Internet und stellte leider erst hinterher fest, dass dieser aus China kommt und erst ein paar Tage nach der Faschingsveranstaltung geliefert wird.
Also kaufte ich mir grünen Tüll und begann mit der Hand das Ganze irgendwie zusammen zu nähen. Zwei Tage vor der Veranstaltung kam dann doch noch das Paket aus China. Heureka!

frosch

 

Tatsächlich hatte ich zu diesem Zeitpunkt wieder einmal einige Kilos zugelegt und ich fühlte mich den ganzen Abend extrem unwohl. Deshalb gibt es auch leider kein besseres Bild als nebenstehendes von mir.

Nach diesem Abend entschloss ich mich dazu, wieder etwas für meine Figur zu tun. Es dauerte zwar erst einmal zwei Wochen, bis ich wieder auf dem richtigen Weg war, aber schlussendlich kam ich dann doch bei meinem altbewährten WeightWatchers an.
Seit dem letzten Mal vor etwa 10 Jahren hat sich das Programm komplett verändert, auch wenn es natürlich im Kern gleich geblieben ist: Lebensmittel werden in Punkte kategorisiert und man darf nur eine bestimmt Punktezahl am Tag essen. 10 Kilo sollten es mindestens werden, 15 wären noch besser.

 

 

 

(mehr …)

Als ich 39 Jahre alt wurde, war ich davon überzeugt, dass mein Leben die nächsten 50 Jahre ohne weitere besondere Vorkommnisse vorüber gehen würde. Eine eher niederschmetternde Erkenntnis.
Ich war seit fast 20 Jahren mit dem selben Mann zusammen, hatte eine Tochter und wir planten kein weiteres Kind, wir lebten in Eigentum, ich hatte seit der Ausbildung den selben Arbeitgeber und seit Jahren den gleichen Freundeskreis. Alles schien in Stein gemeißelt.

Bereits ein Jahr später gesellte sich zum Fräulein Wunder Miss Allerliebst (ursprünglich nicht geplant, denn wer will schon mit 40 noch einmal Eltern werden), zwei Jahre später trennte sich mein Arbeitgeber von mir. Alles war anders. Nichts schien mehr in Stein gemeißelt.

Mit dem Fräulein Wunder erblühte mein neues, soziales Ich. Und im Laufe der Zeit lernte ich, dass es so etwas wie Stillstand nicht gibt, es sei denn, man möchte dies unbedingt. Und manchmal zwingen einen die äußeren Umstände quasi dazu, seinen Horizont zu erweitern.

(mehr …)

Das hier ereignete sich bereits am Dienstag, aber ich bin leider erst heute dazu gekommen, es aufzuschreiben.

Das Fräulein Wunder hatte einen Termin beim Arzt, was mich morgens immer etwas unter Druck setzt. Aufstehen, Anziehen, Frühstücken, Zähneputzen, das alles dauert sowieso immer schon eeeeeewig, aber diesmal kam es mir noch länger vor. Und natürlich wurde auf meine Aufforderungen und Fragen Null Komma Null reagiert.
So kam es, dass ich irgendwann wutentbrannt des Fräuleins hingebungsvoll gebautes Lego vom Vortag mit lautem Gezeter packte und mit Schwung in die Lego-Box beförderte, wobei natürlich alles kaputt ging (absichtlich). Nicht wirklich eine meiner Glanzleistungen, das war mir sofort klar, und ich schämte mich danach auch ganz furchtbar. Ich entschuldigte mich etwas später und versuchte den Morgen noch so gut wie es ging zu retten, aber das Fräulein weinte natürlich bitterlich und erklärte wiederholt, ich sei doof und blöd und überhaupt kaum zu ertragen. Miss Allerliebst war auch nur durch gutes, mehrmaliges Zureden dazu zu bringen, sich anzuziehen und so fühlte ich mich bereits müde und erschöpft, als ich die Miss bei meinen Eltern ablieferte.

Nach dem disaströsen Start dieses Tages hatte ich eigentlich nicht mehr damit gerechnet, dass daraus noch etwas Gutes werden könnte.

Wir fuhren also ins Krankenhaus zur Vorbesprechung des OP-Termins des Fräulein Wunders, bei der die Drähte in ihrem Arm entfernt werden sollen. Bis wir dort ankamen, war der Vorfall vom Morgen Gott sei Dank vergeben und vergessen. Das Fräulein Wunder war nämlich viel zu nervös. Ich erklärte ihr zwar noch gefühlte 100 Mal, dass sich der Arzt heute lediglich ihren Arm noch einmal ansehen und wahrscheinlich noch eine Röntgenaufnahme folgen würde, aber so ganz glaubte sie mir wohl nicht. Zu frisch waren noch die Erinnerungen an den Sturz und den anschließenden Krankenhausaufenthalt.
Doch der Arzt und die Arzthelferinnen waren alle so nett und da gab es ja so viel zu spielen, dass die Ängste schnell vergessen waren. Für Untersuchung und Röntgen benötigten wir etwa eineinhalb Stunden, die wie im Flug vergingen. Mit einem OP-Termin bereits für die nächste Woche (ich hatte eigentlich mit irgendwas Ende Februar, Anfang März gerechnet) verließen wir schließlich um elf die Praxis. Zu spät um das Fräulein noch in den Kindergarten zu bringen.

Also beschlossen wir, dass wir in die Stadt fahren und endlich ihre Milchzahndose aussuchen würden. Gesagt. Getan. In unserem Lieblingsspielzeugladen wurden wir schnell fündig. Leider entschied sich das Fräulein Wunder für eine nicht ganz so hübsche Metalldose von Lillifee. Ich hätte ja diese wunderschönen Holzdosen … uhm … naja.
Danach war Kaffeetrinken angesagt bzw. für mich gab es einen Chai-Tea-Latte und für das Fräulein einen Kindercapuccino (Milchschaum mit Kakaopulver oben drauf). Wie wir da so auf dem Sofa saßen, an unseren heißen Getränken nippten und uns unterhielten, durchrieselte es mich so richtig wohlig. Da waren wir. Meine große Tochter und ich in trauter Zweisamkeit. Hat man ja leider auch nicht so oft. Als hätte das Fräulein meine Gedanken erraten schmiegte sie sich plötzlich an mich und meinte ganz leise. „Jetzt sind wir hier, nur wir beide. Das ist toll, oder? Nur wir zwei.“ Hach!
Anschließend gingen wir noch eine Kleinigkeit essen. Alles war so richtig entspannt und gemütlich. Ohne Hektik, ohne, dass ich von irgendetwas abgelenkt war. Es war einfach herrlich. Sollten wir definitiv öfter machen.

Danach fuhren wir schnell nach Hause, zogen uns um und fuhren dann gleich weiter nach Heddesheim um mit den Käfern Schlittschuh zu laufen. Ich war bestimmt vor bald 20 Jahren das letzte Mal auf Schlittschuhen gestanden, das Fräulein Wunder noch nie, aber sie freute sich wie blöd darauf. Denn die Eiskönigin läuft ja schließlich auch Schlittschuh!
Und sie hat das absolut prima gemacht. Mit taten nach einer Stunde die Füße so dermaßen weh, dass ich aus den Schlittschuhen raus musste, aber bis dahin war das Fräulein Wunder schon so sicher mit ihrem Pinguin unterwegs, dass sie mich gar nicht mehr brauchte.

Schlittschuh

Nebenbei kam ich dann auch noch dazu, die neusten Neuigkeiten mit meinen Käfer-Mamas auszutauschen. Der Nachmittag endete mit einem Süßigkeitengelage in dem kleinen Aufwärm-Raum. Das müssen wir unbedingt noch einmal machen. Das Fräulein Wunder war jedenfalls hin und weg und über zwei Stunden ununterbrochen auf dem Eis.

Doch irgendwann ging auch der Nachmittag zu Ende und wir machten uns auf den Heimweg. Zu Hause trafen wir bereits den tollen Mann an, der fragte, wann denn dieses „Schul-Ding“ eigentlich sei, woraufhin mir siedendheiß einfiel, dass auch noch der Info-Abend in der Schule für die Eltern der Schulanfänger heute stattfinden sollte. Also nichts wie zu meinen Eltern, Miss Allerliebst abgeholt und meinem Vater erklären, dass er heute Abend auch noch Babysitten muss.
Nach einem kurzen Abendbrot war dann auch schon Aufbruch angesagt.

Der Info-Abend war wirklich interessant. Zudem macht es das ganze so viel realer. Mein Kind wird noch dieses Jahr in die Schule gehen! Nichts mehr mit spontanen Mittagen in der Stadt, nix mit „mal eben zu Hause bleiben damit Mama ausschlafen kann“. Stattdessen Hausaufgaben und wieder ein Schritt weg vom Kleinkind hin zum selbstständigen Kind, das die Eltern nur noch sporadisch braucht. Hmpf.

Als wir nach Hause kamen, waren die Kinder bereits eingeschlafen und so saßen wir noch bis Mitternacht mit meinem Vater zusammen, tranken, redeten und lauschten seinen Anekdoten „von früher“.
Ich war schlagkaputt und fiel schließlich totmüde ins Bett.
Keine zehn Minuten später stand das Fräulein Wunder an meinem Bett. Also wieder raus, das Fräulein wieder ins Bett gebracht, nochmal eingecremt und eine gute Nacht gewünscht. Und dann schlief ich wie ein Stein bis zum nächsten Morgen.

Glück ist Musik.
Laute, mitreißende, gute Live-Musik. Die Hitze in einer Halle, der Bass, der in deinem Magen wummert, die vielen Stimmen, die sich zu einer vereinen. Die ersten Gitarrenakkorde, die den Song bereits erahnen lassen. Die ersten gesungenen Worte meines Lieblingsliedes. Lang vermisste Melodien und Worte, Gitarren- und Schlagzeugsolos. Dieses besondere Vibrieren der Luft, das Gefühl von Gemeinschaft und des Eins-Seins. Die Texte, die sich in meiner Kehle ohne mein Zutun formen. Mein Mund bewegt sich von alleine, singt lauthals den Text mit, den er schon davor unzählige Male, mal laut und mal leise, mitgesungen hat. Die unbändige Freude über genau den Song zu richtigen Zeit am richtigen Ort.

Glück sind die Menschen, mit denen ich es teile.
Verschwitze Körper, die sich aneinander drücken. Arme, die sich um meine Schulter legen. Blicke, die mir genau im richtigen Moment begegnen. Das gemeinsame Erleben von Musik, von Gemeinschaft, von Leben. Nähe, Verständnis, Miteinander.
Und das auch mit Menschen, die gar nicht anwesend sind. Die in diesem Moment nur durch eine unsichtbare Leitung mit mir verbunden sind. Denen ich mich nahe fühle, obwohl ich mit ihnen an diesem Abend nicht viel mehr als ein paar Bilder und Smilies austausche.

Glück ist meine Familie.
Das Gefühl von Nach-Hause-Kommen. Das ruhige Atmen meines Mannes und meiner Kinder in der Dunkelheit. Der Vorfreude, am nächsten Tag alles mit ihnen teilen zu können. In Wort UND Bild. Die Geborgenheit und Sicherheit, die ich hier erfahre und der Gewissheit, immer einen Platz zu haben. Meinen Platz. Der Ort, an den ich gehöre.

Gerade bin ich glücklich. Sehr glücklich. Und müde. Und es war sooooo toll. Erneut! Danke.

Gestern weilten wir zum wöchentlichen Käfertreffen bei Ramona zu Hause. Das ist auch der Ort, an dem uns die letzten Jahre der Nikolaus besucht hat.

Nun ist das Fräulein Wunder ja sehr ordnungsliebend. Nicht unbedingt beim Aufräumen, aber bei Abläufen und Regeln schaut sie immer ganz genau hin. Und so bemerkte sie während des Treffens irgendwann, dass jemand einige Jacken auf das Geländer, das zum Keller hinunter führt, gelegt hatte. Das ging ja nun wirklich nicht!

„Mama,“ meinte das Fräulein Wunder also „die dürfen ihre Jacken da gar nicht hinlegen, oder? Ich meine … die können doch da runter in den Keller fallen.“
„Da hast du schon recht,“ antwortete ich ihr „aber selbst wenn sie runter fallen würden, könnte man ja die Treppe runter gehen und sie wieder rauf holen.“ Ich dachte, damit würde ich sie vielleicht etwas beruhigen. Stattdessen entgegnete sie total entrüstet „Aber da wohnt doch der Nikolaus! Das geht nicht.“

Tatsächlich zieht sich der Nikolaus unten im Keller immer um und muss dann seinen schweren Geschenkesack die recht enge Wendeltreppe herauf schleppen.

Die Welt durch die Augen eines Kindes. Immer wieder faszinierend.

Ein Gewitter mit Sturm zieht über dem Biergarten auf. Schwarze Wolken türmen sich über uns auf, der Wind beginnt in den Bäumen um uns herum zu rauschen. Eilig packen wir unsere sieben Sachen zusammen, bezahlen die Rechnung und hasten zu viert mit sechs Kindern (leicht hysterisch bis aufgedreht) über den gekiesten Platz, eine Treppe hinauf und in den rettenden Gastraum.

Draußen fallen die ersten, dicken Tropfen, die sich rasend schnell zu einem ordentlichen Sturm ausweiten.
Drinnen sitzen vier Gäste, die von zwei Bedienungen umsorgt werden, an der Theke steht ein Mann in weißem Hemd, der scheinbar hier irgendetwas zu sagen hat.
Ich bekomme erst im Nachhinein mit, dass wir wohl gefragt wurden, wieviele wir wären und dies in keinem sehr höflichen Ton. Da wir alle buchstäblich durch den Wind sind, die aufgeregten Kinder erst einmal beruhigen wollen und überhaupt etwas planlos weil gehetzt sind, können wir erst einmal keine genauen Angaben über unsere Anzahl machen und möchten uns stattdessen erst einmal an den größten Tisch im Raum zurück ziehen. Dies scheint nicht wirklich erwünscht zu sein, wird uns aber auf unsere Nachfrage, ob sie noch ein Nebenzimmer hätten, in das wir uns zurückziehen sollen, schließlich doch gewährt.

Es folgt lautes Stühlerücken, aufgeregtes Kindergeschrei, das Fräulein weint, weil sie Angst vor dem Sturm hat, alle wollen unbedingt mal nach draußen gucken, was da genau passiert und wir Mamas versuchen so nebenbei uns zu sortieren, überprüfen, ob wir alles mitgenommen haben, dass jeder einen Platz findet und holen die Kinder so langsam aber sich wieder etwas runter.

Ruhe kehrt indes natürlich nicht ein. Das geht mit sechs Kindern kaum. Zumal das Restaurant nicht wirklich riesig und noch ziemlich aufgeheizt ist.  Es wird Spielzeug aus den Taschen gekramt, die Kinder dazu angehalten, ihre Getränke (noch aus dem Biergarten) auszutrinken und sich einigermaßen ruhig auf ihre Stühle zu setzen. Miss Allerliebst ist allerdings nicht auf einem Stuhl zu halten. Interessiert streift sie durch den Gastraum (mit mir im Schlepptau) und guckt sich die wenigen Gäste an.

Schließlich wird es dann wohl einem der Gäste zu viel. Laut schimpfen steht er auf. „Das ist doch wohl die Höhe. Wir sind hier doch nicht auf dem Spielplatz!“ meckert er mit bitterbösem Blick, schnappt sich seinen Teller und zieht in die hinterste Ecke des Lokals um. Mit einem Pulsschlag von 180 schweige ich. Leider.
Ich kann kaum in Worte fassen, wie sehr ich mich noch immer über diesen Mann ärgere. Leider weiß ich aber auch nicht so recht, was ich dazu hätte sagen sollen. Ich wäre keinesfalls sachlich geblieben und das bringt uns ja schließlich auch nicht weiter. Trotzdem ärgere ich mich immer noch, dass ich nicht wenigstens irgendetwas gesagt habe. Ob er uns wirklich in den Sturm hinaus schicken will, nur damit er in Ruhe essen kann zum Beispiel. Oder dass wir nicht geplant hatten, ihn hier überfallartig bei seinem Mittagessen zu stören. Am liebsten hätte ich ihm allerdings ein paar Schimpfworte an den Kopf geknallt oder ihm die herzallerliebste Miss Allerliebst auf den Hals gehetzt.
Stattdessen haben wir unsere Kinder noch einmal ermahnt, etwas leiser zu sein, unsere Getränke so schnell wie möglich ausgetrunken und sind dann, als der Sturm nachgelassen hatte, durch den anhaltenden Regen mit Kindern und Gepäck zu unseren Autos gehastet.
Ich schätze, wir waren etwa 15 bis 20 Minuten in diesem Gastraum. In dieser Zeit kam keine Bedienung an unseren Tisch, wurden wir nicht gefragt, ob wir etwas trinken möchten und hat auch sonst niemand (außer diesem einen Gast) mit uns gesprochen.

Auf dem Parkplatz fing uns immerhin noch eine Angestellt ab und erklärte uns, dass die Ausfahrt durch einen umgestürzten Baum blockiert sei und wir deshalb über den Rheindamm fahren sollen. Eigentlich ist der nur für Fahrradfahrer und Fußgänger. Mein Pulsschlag kam also auch da nicht zur Ruhe.

Tatsächlich ist dies eine der ganz wenigen Situationen bisher, in denen ich und meine Kinder vollkommen unerwünscht waren. In diesem Ausmaß habe ich es, glaube ich, sogar noch nie erlebt. Natürlich erntet man ab und an mal einen bösen Blick, wenn die Kinder all zu laut sind. Aber das kann ich übersehen. Ich kann sie nunmal nicht festbinden und knebeln. Selbstverständlich versuchen wir auch immer, ein kinderfreundliches Umfeld zu finden, wenn wir irgendwo hingehen und außerdem wissen sich meine Kinder in der Öffentlichkeit durchaus zu benehmen. Trotzdem sind und bleiben es Kinder.
Aber immer kann man eben diesen Situationen, in denen kinderlose auf Familien treffen, auch nicht aus dem Weg gehen. Will ich auch gar nicht. Wer seine Ruhe haben will, soll zu Hause bleiben oder ausdrücklich gekennzeichnete „kinderfreie Zonen“ aufsuchen. Und das gibt es. Ein Restaurant in unserer Nähe warb kürzlich mit „bitte beachten Sie, dass unser Biergarten für die Kleinsten zu klein ist.“ Und auch wenn ich so etwas diskriminierend finde und noch zu klären wäre, wie klein oder groß die Kleinsten denn nun sein dürfen um das Lokal betreten zu dürfen, weiß ich da wenigstens, woran ich bin und  kann es von vornherein meiden.

Womöglich bin ich mit dieser Einstellung intolerant. Aber ich finde, dass Kinder zu unserer Gesellschaft dazu gehören und so lange sie niemandem auf dem Tisch herum tanzen, gehören sie genau so geduldet wie laute Seniorengruppen, die sich bei Bier, Schnaps und Weinschorle über ihre Krankheiten austauschen. So!