Und dann stehen wir da im Märchenparadies. Zwischen Mini-Eisenbahn, Boxautos, reitenden Hexen und Wackelfahrrädern. Das Telefon klingelt und die Verbindung ist mehr als schlecht. Aber das Wichtigste kommt an, bevor das Netz ganz zusammen bricht. Gleich darauf liegen wir uns weinend und lachend in den Armen.

Wenn morgen bereits gestern ist, ist alles viel, viel leichter.

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Manche Stichtage sollten einfach nicht bekannt sein. So wie man nicht wissen möchte, wann genau man stirbt, so verhält sich das in meinem Fall auch mit gewissen anderen Wahrheiten.
Andererseits kann ich es wiederum kaum erwarten. Fluch und Segen zu gleich und ich weiß wirklich nicht, ob ich diesen ganzen Zinober tatsächlich noch einmal mitmachen möchte. Bis zu drei Spritzen am Tag, ständig unter PMS leiden (was in diesem Fall mehr den tollen Mann und das Fräulein Wunder betrifft), diese Ungewissheit, der Druck, den ich mir selber mache, die Frage, ob es wirklich richtig und sinnvoll ist, was wir da tun …

Morgen also. Von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt ist alles drin. Ich wünschte, ich hätte niemals in diese Situation kommen müssen.

Ich habe in letzter Zeit festgestellt, dass ich hier nur sehr selten über die Dinge schreibe, die mich wirklich bewegen. Über den Krankenhausaufenthalt des Fräuleins zum Beispiel, oder den bösartigen Knoten in der Brust meiner Mutter, oder die Bilder der LoveParade, die mich in meinen Träumen verfolgen, oder über das Gefühl, dass mein Leben an den Ecken langsam anfängt zu bröckeln und ich noch nicht weiß, wie ich das aufhalten soll, oder darüber, dass mein Leben scheinbar so langweilig ist, dass es hier sowieso niemanden interessiert.
Nur mal so: Wir waren gerade eineinhalb Wochen im Urlaub. Hätten Sie’s gewusst?

Und somit bleibt die Frage, ob dieser Ort überhaupt noch einen Sinn und Zweck hat.

Es hat einen Grund, warum Geheimnisse geheim sind. Also warum kommt ihr alle zu mir und erzählt mir Dinge, die ich gar nicht wissen will? Habt ihr schon einmal darüber nachgedacht, dass genau diese Geheimnisse meine Welt komplett verändern? Dass ich vielleicht gezwungen sein könnte, mit diesen Informationen irgendetwas anzufangen? Nein? Das dachte ich mir.
Ich weiß, im Grunde könnt ihr nichts dafür, denn schließlich verratet ihr mir Geheimnisse eines anderen. Derjenige ist der eigentlich Schuldige an meinem Dilemma, und das meine ich bar jeder Ironie oder Sarkasmus. Denn hätte er sein Geheimnis nicht so lange für sich behalten, würde jetzt nicht alles einstürzen wie ein Kartenhaus.
Also vielen Dank auch.

Manchmal geschehen seltsame Dinge, die mich vermuten lassen, dass es im Universum doch mehr gibt, als unser kleines, unbedeutendes Häufchen Erdenbewohner.

Mir hat heute nämlich ein sehr lieber Mensch gesagt, dass er mich mag.

Diese Tatsache an sich ist ja nun schon sehr außergewöhnlich. Und nein, das meine ich diesmal ganz frei von jeglichen meiner vielen Komplexen.

Schließt einfach mal die Augen und überlegt, wann euch jemand, der nicht euer Partner oder ein Familienangehöriger ist, so etwas gesagt hat. Eben. Das hört man heutzutage leider nicht sehr oft. Ich selbst sage es zu mir nahestehenden Menschen eher selten (den tollen Mann mal ausgenommen).

Hinzu kommt in diesem speziellen Fall, dass ich mich seit einer geraumen Weile frage, wo ich in gewissen, menschlichen Konstellationen stehe. Und ja, dies ist durchaus ein Aspekt meiner seltsamen und meist unnötigen Komplexe.

Mir ist wichtig zu wissen, was mein Gegenüber von mir denkt. Nicht unbedingt in Wort und Bild, aber doch so gefühlsmäßig. Langweile ich ihn eher? Findet er mich doof? Anstrengend? Lächerlich? Lieb? Nett? Vertrauenswürdig? Unterhaltsam?

Und wo stehe ich in einer Gruppe? Gehöre ich zum „harten Kern“? Zu den „Anführern“ oder „Mitläufern“? Stehe ich mitten im Geschehen oder passieren die wirklich wichtigen Dinge ohne mich? Haben andere aus dieser Gruppe außerhalb des normalen Rahmens Kontakt untereinander? Und wenn ja, warum ich nicht?

Diese Liste ließe sich endlos weiterführen. Bis ins kleinste Detail. So Sachen denke ich wenn ich im Bett liege und nicht schlafen kann, nachdem das Fräulein nachts um halb drei wach wurde und glücklich um vier wieder eingeschlafen ist.

Wenn ich wieder normal bin weiß ich natürlich, dass es vollkommen egal ist, wo genau wer steht und was die Menschen über mich denken. So lange ich dabei bin und mir keiner offen sagt, dass ich mich bitte zum Teufel scheren soll, ist alles im grünen Bereich. So lange habe ich Spaß und das ist schließlich alles was zählt.

Wenn dann aber wie aus heiterem Himmel all meine nächtlichen Fragen mit einem Satz beiseite gewischt werden, dann ist dies trotzdem wie Weihnachten und Geburtstag zusammen. Meine manchmal schlotternden Knie werden plötzlich auf festen Grund gestellt und ich fühle mich wieder sicher in meiner Umgebung und in meiner Haut.

Und ja, ich habe diesen Menschen auch sehr gerne, habe aber vor lauter Rührung und Verblüffung nicht die richtigen Worte rausgekriegt. Das wird aber nachgeholt.

Würde ich euch auch empfehlen. Einfach mal jemandem sagen, wie gern ihr ihn habt. Ihr könnt damit ungeahnte Glücksgefühle auslösen.