Als ich 39 Jahre alt wurde, war ich davon überzeugt, dass mein Leben die nächsten 50 Jahre ohne weitere besondere Vorkommnisse vorüber gehen würde. Eine eher niederschmetternde Erkenntnis.
Ich war seit fast 20 Jahren mit dem selben Mann zusammen, hatte eine Tochter und wir planten kein weiteres Kind, wir lebten in Eigentum, ich hatte seit der Ausbildung den selben Arbeitgeber und seit Jahren den gleichen Freundeskreis. Alles schien in Stein gemeißelt.

Bereits ein Jahr später gesellte sich zum Fräulein Wunder Miss Allerliebst (ursprünglich nicht geplant, denn wer will schon mit 40 noch einmal Eltern werden), zwei Jahre später trennte sich mein Arbeitgeber von mir. Alles war anders. Nichts schien mehr in Stein gemeißelt.

Mit dem Fräulein Wunder erblühte mein neues, soziales Ich. Und im Laufe der Zeit lernte ich, dass es so etwas wie Stillstand nicht gibt, es sei denn, man möchte dies unbedingt. Und manchmal zwingen einen die äußeren Umstände quasi dazu, seinen Horizont zu erweitern.

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Es gibt Abende, da weiß man schon vorher, dass sie großartig sein werden und gestern war so einer.

Iris hatte zum Geburtstags-Raclette geladen und wir alle – sprich die Krabbelkäfer-Mamas – freuten uns schon seit Tagen darauf.
Wir starteten vollzählig mit sechs Frauen und einem Gläschen Sekt im Stehen, als die Gastgeberin verkündete, sie hätte eine kleine Ansprache vorbereitet. Und dann erklärte sie uns, wie glücklich sie doch sei, noch einmal so tolle Menschen wie uns kennengelernt zu haben und dass das mit uns etwas ganz besonderes wäre und sie hoffe, dass das auch noch ganz, ganz lange so bleibt. Allen Anwesenden stand sofort das Pippi in den Augen und jede von uns hauchte ein ergriffenes „Awwww“ in die Runde, zumal sie uns allen mit ihren Worten aus dem Herzen sprach.

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Ich habe mich nach ewigen Zeiten mal wieder einen Abend an den Computer gestohlen. Ich kehrte der Couch und ihrem verlockenden Ruf nach Entspannung den Rücken, überhörte das eindringliche Wispern meines Buches, das gerade monsterspannend ist (wer noch 20 Euro Weihnachtsgeld übrig hat und auf Endzeitvisionen steht, sollte sich uuuuuuunbedingt „Der Übergang“ von Justin Cronin zulegen. Das beste Buch seit langem!), verabschiedete mich von Dr. House und verkündete dem tollen Mann, dass der Computer heute Abend besetzt sei.

Also schreibe ich heute den wohl letzten Eintrag für dieses Jahr und zwar hintereinander weg, was mir gerade so einfällt. Also erwartet keinen roten Faden, irgendein Thema oder besonders geistreiches Material. Ich bin total aus der Übung.

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Ich hatte gestern ein sehr aufschlussreiches und hilfreiches Gespräch mit einer Freundin. Es ging um Freundschaften und wie schnell ich enttäuscht sein kann, wenn es nicht meinen Erwartungen entsprechend läuft.

Und plötzlich sind da SMSe von Freundinnen, die mich treffen oder mit mir sprechen wollen, mir fällt unser Wellnesswochenende Mitte Oktober wieder ein und der Grillabend am vergangenen Samstag, der meine Perspektiven wieder gerade gerückt hat. Und ich spüre, dass ich mehr will, als immer nur auf diese „besonderen Ereignisse“ zu warten.

Und dann dieser Herzsprungmoment. Ich las einen Namen in einem Forum, den ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr gelesen habe und ich hatte plötzlich das starke Bedürfnis, mich bei dieser Person zu melden. Was ich auch getan habe.
Es gab eine Zeit, da waren sie und ich uns nahe. Wenn wir auch in vielen Dingen sehr verschieden waren. Wir telefonierten sehr viel, schrieben uns Mails und gemeinsame Storys. Ich besuchte sie auch ein paar Mal.

Dann kam der Tag, an dem sie mir verkündete, dass sie heiraten würde und sie sich wünschte, dass ich ihre Trauzeugin sei. Ich war damals schwanger und zum Zeitpunkt der Hochzeit wäre das Fräulein, glaube ich, vier Monate gewesen. Ich hatte Angst davor. Davor, dieses Ereignis mit dem tollen Mann und dem Fräulein zu bewältigen, meine Aufgabe als Trauzeugin richtig auszufüllen, mich mit ihrer gesamten Familie und ihren Freunden konfrontiert zu sehen … einfach aus dem virtuellen Schatten zu treten und plötzlich sichtbar zu sein. Sie kam mir damit viel zu nah – auch eine Erkenntnis, die ich erst viel später wirklich begriff.
Anstatt also definitiv zu sagen „Hör zu, ich kann und möchte das nicht“ , redete ich erst um den heißen Brei herum und meldete mich dann „einfach“ nicht mehr.

Das alles ist jetzt fast zwei Jahre her. Meine Schuldgefühle begleiten mich seitdem jeden Tag. Mal mehr mal weniger intensiv.
Natürlich habe ich mir auch gesagt, dass sie sich, wenn es ihr so wichtig war, mich bei der Hochzeit dabei zu haben, auch hätte melden können. Nachfragen, warum ich schweige. Aber so ein wirklicher Trost war das nie.

Und jetzt ist sie plötzlich wieder da. Wie aus dem Nichts. Ich habe Fotos von ihrer Hochzeit gesehen und sie sieht darauf unglaublich glücklich aus. Ein wirklich seltsamer Moment.

Ich habe ihr eine Nachricht geschickt. Ich wünschte ich wüsste, was mich erwartet. Denkt sie über damals so wie ich? Oder sieht sie die Geschehnisse ganz anders? Ist sie sauer? Hat sie an mich gedacht? Oder bin ich nur noch ein Name im Netz, wie alle anderen auch?
Und was erwarte ich eigentlich? Hauptsächlich wohl so etwas wie ein Ende meiner Grübeleien. Zu wissen wo ich stehe ist mir so unglaublich wichtig. Und dann ist da doch auch ein Wunsch nach Neuanfang.

Und im gleichen Zug schreibe ich an eine andere Person endlich die Mail, die mir schon seit Tagen auf den Nägeln brennt. Und anstatt einfach zu schreiben, dass ich mich freuen würde, sie mal wieder zu sehen, werde ich nostalgisch und merke, wie sehr ich an ihr hänge. Ich gehe sogar so weit, dass ich sie frage, ob wir wohl wieder einen losen Mailverkehr aufnehmen können.

Ich denke an all die Freundschaften, die ich im Laufe meines Lebens hatte und einfach so habe dahinsiechen lassen. Und ich denke an die Mädels, um die ich gekämpft habe (das sind nicht sehr viele). So verbissen und mit dem unbedingten Willen geliebt zu werden. Wie lächerlich!

Im Moment habe ich einfach das Gefühl, etwas tun zu müssen, Feuer wieder zu entfachen, mich mehr zu bemühen, wieder präsent zu sein. Ich habe mich jetzt lange genug mit dem Fräulein ausgeruht. Ich möchte nicht mehr nur eine Familie sein, die abgeschottet vom Rest der Welt existiert. Ich möchte mich wieder öffnen können, aber das erfordert wohl noch ein bischen Arbeit. Stay tuned!

Wenn Du Dich schon Tage vorher darauf freust und Du es kaum erwarten kannst. Wenn Du Dich gleich wie zu Hause fühlst und Du trotz Mordshunger den Spaziergang zum Restaurant genießt. Wenn die Worte nie ausgehen und Du tief über den Tisch gebeugt den Schilderungen lauschst. Wenn Du das Gefühl hast, Du konntest ein bisschen helfen und auch Du wurdest verstanden. Wenn Du die gleichen Sachen denkst, fühlst und sagst. Wenn Du winkst und lachst und den entscheidenden Satz dann doch nicht herausbekommst. Wenn Du den gleichen Rechnungsbetrag hast. Wenn Du unbekümmert über Deine Blähungen sprechen kannst. Wenn Du Dich über ein Geburtstagsgeschenk ganz doll freust und im Kerzenschein Freundinnen-TShirt-Fotos machst. Wenn Du Bilder anschaust und dabei kuschelst. Wenn Du die Zeit vergisst und traurig bist, wenn der Abend vorüber ist.

Dann hattest Du einen wunderschönen Mädchenabend.

Bei meiner Wandlung durch das Netz bin ich durch den Kinderdoc auf das nun folgende Stöckchen aufmerksam geworden. Irgendwann habe ich festgestellt, dass ich die Aufgabe wohl etwas falsch verstanden habe (war ja klar, ne?), aber dieses Stöckchen hat mich endlich dazu gebracht, nach fast zwei Jahren (!) Schreibabstinenz wieder  ein paar Sätze mit Sinn aneinander zu reihen. Ob es gelungen ist, wage ich nicht zu beurteilen.

Demnach also folgende Aufgabe:

1. Suche dir fünf Bücher aus der näheren Umgebung zusammen. Check!

2. Suche folgende Sätze aus diesen Büchern heraus (und ich hätte hier gerne geschummelt, weil die Sätze teilweise so blöd waren, aber ich habe mich brav an die Vorgabe gehalten)

Erster Satz des ersten Buches (Walter Moers – Die Stadt der Träumenden Bücher):
Hier fängt die Geschichte an.

Letzter vollständiger Satz auf Seite 50 des zweiten Buches (D.L. Wilson – Calix):
Sie fragte ihn nach seiner Einschätzung, wie sich eine direkte Nachkommenschaft Jesu auf die Kirche auswirken würde.

Zweiter vollständiger Satz auf Seite 100 des dritten Buches (Michael Winterhoff – Warum unsere Kinder Tyrannen werden):
Jeder dürfte diesen Satz und noch eine Reihe ähnlicher elterlicher Verweigerungsaussagen in seiner Kindheit gehasst und das rapide Ende der eigenen Kindheit herbeigesehnt haben, um endlich hinter die letzten Geheimnisse der Welt gelangen zu können, die Eltern, Großeltern und Lehrer so beharrlich vor einem verbargen.

Vorletzter vollständiger Satz auf Seite 150 des vierten Buches (Dean Koontz – Blutvertrag):
Ihr linker Arm war ein blutiger Stumpf.

Letzter Satz des fünften Buches (P.C. Cast und Christin Cast – House of Night I, Gezeichnet):
Und ich fragte mich, wie ehrlich sie mit sich selbst war …

Check!

3. Bilde aus all diesen Sätzen eine Geschichte. Check!
Und hier habe ich dann versagt, denn eigentlich sollten lediglich die Sätze so aneinander gefügt werden, dass sie irgendeinen Sinn im Ganzen ergeben. Ich aber habe mir gleich eine ganze Geschichte aus den Fingern gesogen. Es lief etwas holprig und das merkt man wohl auch. Immerhin schreibe ich sonst auch keine Kurzgeschichten. Aber lest selbst:

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