Was ein Tag! Welch ein Abend! Ich bin ja nun ein recht regelmäßiger Konzertgänger, aber so etwas wie gestern habe ich wirklich noch nie erlebt. Aber von vorne.

Bereits im November letzten Jahres verschaffte mir die liebe Ramona eine der ersten Karten für das Robbie Williams Konzert in der Commerzbank Arena in Frankfurt. Ich zögerte damals wegen des doch recht hohen Preises (100 Euro sind echt ein Brett), aber schließlich fehlte mir der werte Herr noch in meiner Muss-ich-einmal-im-Leben-live-gesehen-haben-Liste und so griff ich schlussendlich zu.

Die Monate vergingen und Ruck Zuck war es plötzlich Juli und das Konzert stand vor der Tür.

Ramona ist eine fleißige Robbie-Konzerte Besucherin. Der Plan war, sehr früh los zu fahren um einen möglichst guten Platz weit, weit vorne zu ergattern. Neuerdings ist es auf großen Konzerten nämlich wohl Usus, dass für den vorderen Bereich (zwischen Bühne und erstem Wellenbrecher)  Bändchen vergeben werden, so dass einmal drin auch für immer drin bedeutet. Bei manchen Konzerten kann man diese Bändchen für viel Geld im Vorfeld erwerben, bei diesem Robbie Konzert musste man nur einer der ersten und schnell genug sein. Als sie deshalb vorschlug, gleich nachdem wir die Kinder am Morgen in Schulen und Kindergarten untergebracht haben los zu fahren, war ich sofort dabei. Das hatte schon so ein bißchen was aus meiner Boyband-Zeit. Auch wenn ich mir noch nicht vorstellen konnte, durch eine Arena auf die Bühne zu zu rennen.
Ein wenig Sorgen machte ich mir dann auch wegen des Wetters. Bis zu 35 Grad. Knallesonne. Ist normalerweise nicht so das Wetter, bei dem ich mich pudelwohl fühle. Andererseits … sechs Stunden im Regen vor dem Stadion zu sitzen wäre sicherlich auch nicht schön.

Also fuhren wir um halb zehn fröhlich und voller Vorfreude los Richtung Frankfurt. Dort angekommen stellten wir fest, dass der Parkplatz am Stadion tatsächlich erst um zwölf Uhr öffnet. Die Alternativen waren also, gut eineinhalb Stunden vor der geschlossenen Schranke in der Hitze zu warten oder in einer kleinen, versteckten Ecke im Wald (wahrscheinlich) verbotswidrig zu parken.
Wir entschieden uns für letzteres und das war unser großes, großes Glück, wie sich recht bald heraus stellen sollte.

In nicht einmal zehn Minuten waren wir dann zum Eingang gelaufen und dort erwartete uns eine doch recht überschaubare Menge an Menschen. Da hatte ich mir ehrlich gesagt wesentlich mehr erwartet.

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Die Musik und ich haben eine lange und sehr bewegte Beziehung. Eigentlich von Anfang an. Von der ersten Dschingis Khan Schallplatte bis hin zum letzten The Weeknd Album, das ich mir kürzlich im iTunes-Store gekauft habe.

Die jüngeren unter Euch wissen vielleicht gar nicht mehr wie das war, als man Musik tatsächlich nur im Laden kaufen konnte. Erst als Schallplatten, dann auf CD.
Das waren noch Zeiten, als ich regelmäßig durch WOM, ProMarkt oder später MediaMarkt und Saturn streifte und mich durch die unzähligen CDs wühlte. Anfangs musste man noch zu einer zentralen Theke gehen, die CDs entweder von einem Angestellten oder selbst in einen Player einlegen und konnte dann in die einzelnen Scheiben hinein hören.
Später wurde das bereits digitalisiert und man suchte sich eine Station mit Kopfhörer, wo man die Barcodes der CDs unter einen Scanner hielt und dann die einzelnen Titel kurz angespielt bekam. Ganze Nachmittage habe ich so in diesen Läden verbracht, bevor ich stolz mit einem oder mehreren (meistens mehreren) Alben nach Hause ging.

Damals war auch MTV gerade stark im Kommen. Ich kann mich noch erinnern, wie wir teilweise SMS hin und her geschickt haben um ja nicht die Premiere eines neuen Linkin Park Videos zu verpassen.
Überhaupt. Das Tauschen von Musik war damals noch etwas aufwendiger als heute. Heute ziehe ich die mp3-Daten auf nen Stick und alles ist gut (oder Dropbox oder, oder). Damals haben wir noch ganze CDs gebrannt und teilweise per Post an geliebte Menschen verschickt.

Dann die Zeit, als ich meine Freizeit im Internet und dem Backstreet Boys Universum verbrachte. Das Suchen von Musik, die man nicht im Laden kaufen konnte. Die teilweise grottenschlechten Mitschnitte von Konzerten oder Pre-Versionen von irgendwelchen Songs. Damals begann sich die Musik im World-Wide-Web heimisch zu fühlen. Ich entdeckte die Möglichkeit, aus YouTube-Videos mp3 zu erstellen. Myspace war total im Kommen und eröffnete ganz neue Musikmöglichkeiten.

Heute gibt es Amazon-Music und Spotify und noch so vieles mehr. Musik ist überall sofort verfügbar und das zum großen Teil kostenlos. In meinen Anfangszeiten un-vor-stell-bar.

Und nun standen sie da. Meine heißgeliebten CDs. Bestimmt über 300 Stück. Mit etlichen verbinde ich eine besondere Geschichte, habe sie durch die Gegend geschleppt, im Auto gehört, in den Walkman eingelegt, auf der Arbeit über Kopfhörer konsumiert und letztendlich nach und nach alle in meine virtuelle Bibliothek eingespielt.
Sie verstaubten und wurden nur noch angerührt, wenn ich die Kinderzimmer aufräumte und sie in den rosafarbenen Kinder-CD-Player legte. Aber schön sahen sie im Regal aus. Das immerhin.

Irgendwann muss man sich einfach von gewissen Dingen trennen. Sie nehmen Platz weg und werden einfach nicht mehr in ausreichender Weise gewürdigt. Zudem ist das ja totes Kapitel, auch wenn selbst mir klar ist, dass man mit gebrauchten CDs heute kein Vermögen mehr verdienen kann.

Trotzdem meldete ich mich bei Momox an und tippte einen Nachmittag lang Barcodes ein. Von meiner umfangreichen Sammlung wollte Momox weniger ankaufen, als gedacht. Ein paar Überraschungen gab es trotzdem.
Im Normalfall liegt bei diesen Portalen der Ankaufspreis einer CD bei etwa 15 – 25 Cent (ja, hier darf gerne eine Runde geweint werden). Wahrscheinlich ist das irgendwie ne Masche, denn sobald der Rechner über einen Euro pro CD anzeigt, gibt das einen kleinen Glücklichkeitskick. Haben die echt geschickt gemacht.
Zwei Ausnahmen gab es in meiner riesigen CD Sammlung. Den höchsten Preis mit sagenhaften 14,00 Euro erzielte … *bitte kurz überlegen, für welche CD ihr so viel Geld ausgeben würdet* … *Trommelwirbel* … *wohlgemerkt im Ankauf, ihr wollte ja damit auch noch etwas Geld verdienen* …. *Trommelwirbel* … Der Soundtrack zum letzten Einhorn. Ungelogen!!
Den zweithöchsten Preis – von 11,00 Euro konnte ich mir immerhin ein bißchen erklären – wurde für Musicology von Prince geboten.
Soviel dazu.

Ich brachte also heute ein gut 16 Kilo schweres Paket zur Post (kostenloser Versand, immerhin) und freue mich nun auf eine Summe jenseits der 100 Euro, die hoffentlich demnächst auf mein Konto eingeht.

Blieb also der erschreckend große Rest. Obwohl ziemlich klar ist, dass ich wahrscheinlich darauf sitzen bleibe, habe ich heute diese CDs gesammelt als Pakete in Ebay eingestellt.

(Hier nur zwei Beispielen von sechs)

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Und mir blutet das Herz. Da sind wirklich Scheiben dabei, zu denen ich sozusagen eine persönliche Beziehung habe. Die mir wichtig und teuer sind. Und jetzt werden sie vielleicht (hoffentlich) von jemandem gekauft, der sie womöglich nicht zu schätzen weiß. Hach.

Es ist ja nicht so, dass die Musik für mich verloren geht. Natürlich habe ich vor dem Versand geprüft, ob auch schön alles in meiner Musikbibliothek eingespielt ist. Und ich habe gestern und heute ganz viel Musik gefunden, an die ich schon lange nicht mehr gedacht habe und die ich mir jetzt nach und nach wieder zu Gemüte führen werde. Ich neige ja dazu, mir ganz lange immer die gleichen Bands und Alben anzuhören, weil ich sie gerade ganz toll finde. Dabei fallen etwas sperrige Sachen wie Tool, I Mother Earth oder Marilyn Manson schonmal unter den Tisch.
Aber auch gefälligere Alben wie Groove Guerilla, Patricia Barber, Dredge oder Silje Neergard tauchten wieder in meinem Fokus auf. Und, und, und.

An dieser Stelle also der dringende Aufruf, Euch mal wieder mit Eurer Plattensammlung zu beschäftigen. Egal ob analog oder digital. Blast den Staub von der Musik und gebt ihr die Aufmerksamkeit, die sie verdient! Ihr werdet es nicht bereuen.

Und wenn ihr meint, dass ihr noch ein bißchen Nachschub gebrauchen könnt. Oder Inspiration. Oder einfach eine neue Musikperspektive. Dann schaut doch einfach mal bei Ebay vorbei und unterstützt damit nicht nur die Unsterblichkeit der Musik, sondern auch den Claudia-Maaß-Pfingsturlaub-Fonds. Meine Robbie Williams Konzert-Karte hat ja freundlicherweise bereits Momox übernommen.

In diesem Sinne gehabt Euch wohl und liebt die Musik, so wie sie Euch.

Der Ein oder Andere weiß, dass ich bekennender Backstreet Boys Fan bin. Heutzutage beschränkt sich das eher auf das gelegentliche Hören ihrer Musik und das Verfolgen ihrer Posts auf Facebook und Instagram.
Vor einigen Jahren sah das allerdings noch anders aus. Da hat sich mein kompletter Alltag mehr oder weniger um die Jungs gedreht. Hauptsächlich in Form von Internetforen, Mails und Chats mit anderen Fans und natürlich das Schreiben und Lesen von Fanfictions.

Als dann über Facebook die Ankündigung kam, dass der Dokumentarfilm von und über die amerikanischen Jungs in die Kinos auch in Europa kommt, war klar, dass ich ihn sehen muss.

Erst schien es so, als müsse ich nach Heilbronn fahren, da der Film nicht überall gezeigt wurde und auch nur an einem bestimmten Tag (gestern) lief, dann aber war das CinemaxX in Mannheim mit in der Liste und ich war glücklich. Kurzentschlossen bekundete der tolle Mann, dass er mich begleiten würde und schon waren zwei Karten geordert.

Gestern also dann das Ereignis. Ich hatte totales Magenkribbeln. Irgendwie war das aufregender als zu einem Konzert zu gehen.

Das Publikum entsprach dann auch nicht so wirklich den sonstigen Konzertbesuchern. Tatsächlich waren viele Pärchen da und viele hippe Mädels mittleren Alters (so wie ich, ha, ha). Ich summte bereits vor Filmbeginn die BsB-Melodien mit, es wurden Fotos der Jungs mit Fans gezeigt (einen Teil kannte ich schon von Facebook) und niemand schien so wirklich in Vorfreude zu schwelgen wie ich.
Auch während und nach dem Film kam nirgendwo so wirklich Stimmung auf.

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(Übrigens ist der Filmtitel gleichzeitig ein Song aus dem neuen Album. Von AJ und Kevin für ihre Kinder geschrieben.)

Der Film war dann einfach grandios. Und das sage nicht nur ich als „Hardcore-Fan“, sondern auch der tolle Mann, der bekanntermaßen mit der Gruppe gar nix anfangen kann, der aber der Meinung ist, dass er einen gutgemachten Film über eine Band gesehen hat. Informativ, interessant und niemals langweilig.

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Es ist so schwer zu beschreiben wie es sich anfühlt, das alles zu sehen. Es ist wie eine Reise in eine andere Zeit. Plötzlich ist da dieses „Fan-Gefühl“ wieder da. Das Gefühl mehr zu sehen oder zu erleben als einen gutgemachten Dokumentarfilm, sondern in diese Welt einzutauchen.
Ich habe im Laufe meines Fan-Daseins diese fünf Kerle ganz gut kennengelernt. Ich habe eine Zeit lang sicherlich jeden Artikel gelesen, jedes Foto gesehen und jeden Fitzel verschlungen, den es irgendwo im Internet zu finden gab. Und das war wohlgemerkt vor der Zeit von Twitter, Facebook und Co., die heute sämtliche Neuigkeiten schön verpackt mit Schleifchen konsumfähig servieren. Damals hatten Foren und eigene Websides Hochkonjunktur. Und damit war eine Community geschaffen, die alles aus dem, für heutige Verhältnisse fast schon begrenzten Internet heraussaugten und wo jedes Gerücht und jeder Erfahrungsbericht von anderen Fans auf Herz und Nieren geprüft und durchdiskutiert wurde.
Wie gesagt, ich kannte die Geschichten der Jungs, wusste wie sie reden, sich bewegen, wer witzig, wer nachdenklich ist, welcher etwas langsamer spricht, wer wann seine Eltern verloren hat, welches Kindheitstrauma wer mit sich herum trägt und, und, und.
Und trotzdem war dieser Film überraschend und interessant und natürlich auch eine wundervolle Reise in die Vergangenheit (und ich fragte mich des öfteren, wie ich AJ mit dieser Frisur wirklich toll finden konnte).

Trotzdem dass sie schon so lange in diesem Business sind, ließen sie den Zuschauer sehr nahe an sich herankommen. Gleich zu beginn Kevins Tränen als er vor dem Haus seiner Eltern darüber sprach, wie er die Auffahrt herauf kam und sein krebskranker Vater die Tür öffnete, Brians Angst um seine Stimme, die manchmal einfach wegbleibt und die doch das einzige ist, was ihn ausmacht. Howies Bekenntnis, wie sehr er darunter gelitten hat, immer im Hintergrund zu stehen, AJs Trick, wie er die Frauen herumgekriegt hat und die Anekdote mit seinem Kumpel auf der Bowlingbahn („Und dann habe ich ein bißchen in das Glas gekotzt und es dann getrunken.“ „Nein, ich habe in das Glas gekotzt und du hast es dann getrunken.“ „Ach echt?“ Ha, ha). Seine Drogenabhängigkeit wurde nur gestreift, was ich gut und passend fand. Und dann Nick, der beim Besuch seiner alten Schule in Tränen ausbricht und darüber spricht, wie schlimm seine Kindheit war und wie sehr er die Momente genossen hat, wenn er auf einer Bühne stand, weil dort alles gut war und er endlich gesehen wurde. Die ganze Geschichte mit Lou Perlman, der Besuch in seiner alten Villa und der Schmerz über den Verrat, der bei allen fünfen nach so vielen Jahren noch so tief sitzt. Und, und, und. So viele Begebenheiten und Ereignisse verpackt in einem sehr unkitschigen, erwachsenen Gewand. Einfach toll.

Und dann war da natürlich noch die Musik. Jede Phase, jedes Album, jedes Konzert wurde mit, teilweise uralten Liveaufnahmen unterlegt, man sah die fünf bei der Aufnahme des aktuellen Albums, dem ersten, dass sie ganz alleine federführend herausgebracht haben. Das erste Mal (nach 20 Jahren!), dass ihnen keiner hineinredete. Und sie jammten und sangen und spielten und waren einfach großartig (gut, hier spricht sicherlich ein wenig die Fanbegeisterung aus mir).
Und dann wieder dieser private Mäuscheneinblick hinter die Kulissen und Fassaden, den ich mir früher so oft gewünscht hatte. Nick und Brian, die sich über einen Konferenztisch hinweg anschreien, dabei aber brutal ehrlich sind und Kevin, der so wahnsinnig ruhig geschlichtet und versucht hat, die Parteien herunter zu holen. Und das erste Mal in mir die Frage, wie die Jungs eigentlich die Jahre ohne ihn ausgekommen sind.
Vielleicht war auch das der Grund, warum über drei Alben überhaupt nicht gesprochen wurde (gut, bei Never Gone war er noch dabei …). Gerade die zwei Alben, die ich eigentlich am meisten mag (Never Gone und Unbreakable) blieben vollkommen unerwähnt. Der einzige, wirkliche Wehrmutstropfen an dem ganzen Abend.

Aber dafür eine Acoustic-Live-Session am Ende. Live aus dem Dominion Theater in London.

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Die Vorstellung, dass jetzt alle Kinozuschauer in ganz Europa das selbe Bild sehen, war sehr gänsehautig. Und die Jungs im schwarzen Anzug lediglich mit Gitarren als Begleitung war auch ein Traum.
Der tolle Mann bekam zu diesem Zeitpunkt etwas Panik. Ob er sich jetzt eine Stunde die Musik anhören müsse, denn wegen der Musik sei er ja schließlich nicht hier.
Leider waren es nur zwanzig Minuten, gefühlte drei.
Und danach ein Gefühl wie damals. So voller Energie und Glückseligkeit. Besser und viel, viel mehr, als ich es von den letzten Konzerten mitnehmen konnte. Ab jetzt also nur noch so ;).

Den Film gibt es, glaube ich, bereits bei iTunes zu kaufen. Ich würde mir wünschen, dass die Live-Session auch noch irgendwie den Weg dahin findet. Dann würde ich mich definitiv für einen Kauf entscheiden.

Ich schließe mit einem großen Hach und würde am liebsten heute Abend gleich wieder ins Kino gehen. Diesmal vielleicht mit ein paar Gleichgesinnten, die mitklatschen, wenn es angebracht ist und mitgrölen, hüpfen und sich freuen. Nicht nur nach innen.

Und wer sich jetzt zumindest mal den Trailer angucken mag, der bekommt so einen ganz kleinen aber sehr, sehr guten Eindruck, was und wie dieser Film genau ist. Danke für Eure Aufmerksamkeit.

  • In der letzten Woche haben wir gleich zwei Mal Urlaub gebucht. Grundsätzlich mag ich das Planen von Urlauben nicht. Es macht mir keinen Spaß mich durch das WorldWideWeb zu wühlen oder Kataloge zu wälzen um nach dem für uns passenden Angebot zu schauen. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich vorher gar nicht genau sagen kann, was ich wirklich will.
    Und so übernimmt der tolle Mann meist die undankbare Aufgabe, verbringt Abende und Nächte damit geeignete Angebote zu sichten und sie mir dann zu präsentieren. Und meist ist mir dann irgendein Aspekt des Ganzen nicht genehm. Der hat es also auch nicht gerade leicht mit mir.
    Und dennoch: Für dieses Jahr haben wir urlaubsmäßig richtig toll zugeschlagen. Nach Fastnacht fahren wir mit den Kindern in den Thüringer Wald in ein Hotel mitten im Schnee (hoffentlich) und einem Schwimmbad und leckerer Halbpension und hoffentlich ganz viel Erholung und Familienplüsch.
    Im Sommer hingegen besteigen wir das erste Mal als Familie ein Flugzeug. Nach etlichem Hin und Her und der Feststellung, dass zwei von drei Reisebüros, die wir zur Planungsunterstützung herangezogen haben, unseren doch eher geringen Ansprüchen nicht gerecht wurden, haben wir 10 Tage Andalusien gebucht. In einem Family-Club-Hotel mit AllInclusiv (Alkohol erst ab 10.30 Uhr, ich hoffe, wir überleben das), Poollandschaft, Poolbar, Kinderbetreuung, Sandstrand vor der Tür und Sevilla und Gibraltar in Reichweite. Ich freu mich wie ein Schnitzel. Denn warum auch immer, ist so eine Pauschal-Flugreise ein noch unerfüllter Traum von mir. Ich bin demnach schwer gespannt.
  • Bereits Anfang Januar habe ich wieder mit meinem Shred-Programm begonnen. Nachdem ich im Dezember nur noch gefuttert und nix mehr sportmäßig getan habe (am letzten Abend tatsächlich eine ganze Tafel Schokolade, das habe ich, glaube ich, schon seit Jahren nicht mehr gegessen), war das dringend nötig.
    Heute morgen habe ich den 3. Tag von Level 3 absolviert und bin erschüttert, wie brutal dieses Level ist. Irgendwie hatte ich das vergessen (oder verdrängt). Das ist also nur hinterher schön. Währenddessen stöhne und schnaufe ich, leide Schmerzen und schwitze mehr, als in den beiden vorangegangenen Leveln zusammen.
    Verblüfft hat mich, dass ich diese eine spezielle Übung (deren englischen Namen ich natürlich nicht weiß), bei der man sich im Liegestütz auf seine Hanteln stützt und dann abwechselnd erst die Hantel und dann das Bein hebt, bei meinem ersten Trainingsdurchgang im September nie geschafft habe und sie heute, ich möchte fast sagend spielend, bis zum Schluss durchhalte. Wo auch immer diese Muskeln in meinem Allerwertesten herkommen mögen: Herzlich Willkommen.
    Und wie schon das letzte Mal bin ich absolut begeistert, was dieses Training mit meinem Körper macht. Ich habe mich diesmal nicht gemessen. Ich schätze, weil es mich zu sehr deprimiert hätte nach der Fresserei im Dezember festzustellen, wie sehr ich mir meinen Körper „verhunzt“ habe. Aber ich habe ja Augen und einen Spiegel und das alleine ist diesmal absolut ausreichend.
    Ich spiele sogar ernsthaft mit dem Gedanken, mir für den Sommerurlaub einen (oder mehrere) Bikini zu kaufen. Heftig, ich weiß.
  • Die Kinder sind in letzter Zeit extrem ausgeglichen und lieb zu einander. Mir geht jedes Mal das Herz auf, wenn sie gemeinsam spielen. Meist kommt das Fräulein Wunder vom Kindergarten nach Hause und fragt dann Miss Allerliebst „Wollen wir Pferde/Eiskönigin/Autos/Fillys/Lego spielen“ und von Miss Allerliebst kommt dieses wie selbstverständliche „Jaha“ und dann sind die zwei für eine gute Stunde beschäftigt und man hört keinen Mucks. Eine Phase, ich weiß, aber eine gute. Die muss man ja auch mal erwähnen.
  • Der tolle Mann weilt dieses Wochenende auf der „Erlebnis Motorrad Messe“ und so gestalten wir drei Mädels unsere Tage alleine. Freitag waren wir Schwimmen. Es ist so schön zu sehen, wie sehr die beiden das Wasser lieben. Durch die Schwimmflügel habe ich auch keine Bedenken mit beiden im Wasser zu sein. Sie hüpfen und schwimmen und lassen sich treiben und genießen einfach die Schwerelosigkeit. Gegen Ende haben wir dann gemeinsam die Wasserrutsche entdeckt und ab da gab es kein Halten mehr.
    Am Anfang bin ich noch mit Miss Allerliebst auf dem Schoß gerutscht, aber irgendwann erklärte sie dann sie sei ja ein „großes Mädsen“ und könne jetzt alleine rutschen. So cool! Ich saß also dann irgendwann nur noch unten am Beckenrand und wartete darauf, dass die beiden unversehrt von der Rutsche wieder ausgespuckt wurden. Es folgten unzählige Ermahnungen auf dem nassen Schwimmbadboden nicht zu rennen (die tatsächlich nach dem 100.000 Mal und etlichen beinahe-Ausrutschern Wirkung zeigten), bevor sie wie der Blitz die Treppe rauf huschten um sich erneut in die Tiefe zu stürzen.
    Miss Allerliebst hörte man immer schon von weitem, weil sie freudig vor sich hin schrie, das Fräulein Wunder machte das eher würdevoll leise. Aber wie sie da so Hand in Hand davon dackelten war wirklich herzerwärmend.
  • Miss Allerliebst hat sich indes angewöhnt, sich unter der Woche, wenn das Fräulein Wunder im Kindergarten weilt, so ab elf in ihr Kinderzimmer zurückzuziehen. Nicht selten verkriecht sie sich nach einer Weile mit einem guten Hörspiel in ihr Bett und schläft dabei ein, aber manchmal verbringt sie auch einfach nur zwei Stunden spielend (was auch immer sie dann tut, ich bin ja nicht dabei) und wenn ich nicht ab und an nach ihr sehen würde könnte man meinen, sie sei gar nicht da. Ein Traum!
    Das Fräulein Wunder wurde hochoffiziell zu ihrer ersten Kinderfreizeit über Ostern eingeladen. Drei Übernachtungen in einer Jugendherberge mit täglichem Programm und Ausflügen. Noch ist ihr das alles zu viel und zu lang und zu unheimlich, aber alleine, dass sie persönlich mit einer handgeschriebenen Karte eingeladen wurde, macht sie stolz wie Oskar. Und mich auch. Hi,hi.
  • Auch wenn ich es auf Facebook bereits kundgetan habe, möchte ich doch nicht versäumen auch hier darauf hin zu weisen, dass der tolle Mann mich zu der Kinovorstellung der Backstreet Boys Dokumentation „Show ‚em what you’re made of“ begleiten wird.
    Am Anfang dachte ich ja, es wäre ein Scherz als er meinte, er würde mitkommen (weil ich vorher etwas rumgepienst hatte, dass ich wahrscheinlich niemanden finden würde, der sich das mit mir ansehen möchte, da die Freundinnen, die bei dem Thema ähnlich verrückt sind wie ich, zu weit weg wohnen). Aber inzwischen hat er mich davon überzeugt, dass er nicht etwa deshalb mitgeht, um sich über das alles lustig zu machen, sondern um diesen ganzen Hype und damit auch mich etwas besser verstehen zu können (wird er wahrscheinlich nicht, aber die Geste zählt :D). Ich weiß nur noch nicht, wie ich das verkraften soll, wenn AJ auf der großen Leinwand vor mir erscheint, ich ihn anschmachten will und mir dann klar wird, dass mein Mann neben mir sitzt. Es wird auf jeden Fall für uns beide eine ganz neue Erfahrung.
  • Wir bangen immer noch um den Kindergartenplatz ab April für Miss Allerliebst. Im Moment herrscht akuter Personalmangel in der Einrichtung und somit wird es wohl schwierig werden, die Miss noch unterzubringen. Leider. Oder auch nicht, wie man es nimmt. Ich bekomme dadurch die Gelegenheit, noch etwas länger zu Hause zu bleiben, was ich (so mal ganz im Vertrauen ;)) nicht das schlechteste finde.
    Eine Mail an die Agentur für Arbeit zwecks Termin, weil ja dann auch meine Elternzeit enden würde und ich auf Jobsuche gehen muss, blieb bisher unbeantwortet. Fängt ja schonmal gut an. Das ist noch so ein Thema, das mir etwas im Magen drückt und das ich unbedingt angehen muss.
  • In dieser Woche haben wir das Fräulein Wunder offiziell in der Schule angemeldet. Mich beschleicht dabei immer so ein gemischtes Gefühl. Auf der einen Seite ist es großartig zu sehen, wie groß und selbstständig das Fräulein bereits ist. Sie traut sich inzwischen so viel zu und ist sowas von bereit die nächste Stufe zu erklimmen und ein richtiges Schulkind zu werden. Für sie ist es definitiv eine gute Sache in die Schule zu kommen.
    Aber gleichzeitig ist da eben dieses Gefühl des Loslassen (müssen) und damit natürlich auch wieder ein Stückchen weniger Beschützenkönnen. Noch dazu verkompliziert so ein Schulbesuch natürlich auch die Freizeitgestaltung. Ich schrieb ja bereits über meine Bedenken.
    Gott sei Dank bin ich ja so ein Mensch, der Dinge ganz gut auf sich zukommen lassen kann. Zumindest das Thema Schule bereitet mit (noch) keine schlaflosen Nächte.

Hach, einmal angefangen fallen mir so viele Dinge ein, die kürzlich passiert sind. Ich hoffe, ihr seid vor Langeweile noch nicht eingeschlafen.

  • Am Mittwoch zum Beispiel, waren die Mädels wie immer im Chor. Von halb drei bis drei singen die Kindergartenkinder, danach eine halbe Stunde die Grundschulkinder und anschließend findet bis fünf ein Kindernachmittag statt. Da wird dann gebastelt oder gespielt oder sonstige, tolle Sachen gemacht. Das Fräulein Wunder hatte sich schon ein paar Mal überlegt, dass sie da gerne hingehen möchte, aber das würde dann bedeuteten, dass sie noch eine halbe Stunde (ohne Schwester oder Mama) singen und danach auch noch alleine zu diesem Kindernachmittag muss. Bisher schreckte sie davor noch zurück.
    Diesen Mittwoch verkündete sie dann nach der halben Stunde Singen, sie würde jetzt dann doch noch bleiben, mit den Großen weitersingen und anschließend in den Kindernachmittag gehen. Ich war total verblüfft, erklärte ihr, wie cool das sei und wie toll ich das fände, hakte aber noch einmal nach, ob ihr bewusst sei, dass ich jetzt mit Miss Allerliebst nach Hause müsse, weil ich zur Arbeit muss. Ja, ja, alles kein Problem. Und dann schob sie noch nach „Die machen nämlich heute im Kindernachmittag Pizza!“ und grinste von einem Ohr zum Anderen. Hach, das ist meine Tochter! Essen zieht einfach immer.
  • Abschließend hier noch der Zwischenstand von unserem Anbau: Wir haben eine neue Decke in der Küche, alle Wände und Decken sind verputzt, die Elektrik ist installiert (bis auf den einen Rolladen, der nachgeliefert wurde und die Dunstabzugshaube, die irgendwann aus Versehen abgeklemmt wurde), die Fußbodenheizung funktioniert inzwischen perfekt und letzte Woche wurde auch die Decke außen über der Treppe in den Garten gedämmt, damit endlich der Boden im Schlafzimmer oben abtrocknen kann.
    Jetzt fehlen also noch die Böden und die Türen. Nächste Woche werden noch ein paar Reste verputzt, die Böden kommen (hoffentlich) nach unserem Urlaub und dann können wir Mitte März (da hat der tolle Mann dafür Urlaub genommen) alles verputzen (Dekorputz), streichen und umräumen.
    Mittlerweile ist die Behelfslösung so sehr Alltag geworden, dass es mir ganz normal vorkommt. Ich schätze, an den vielen Platz, den wir am Ende im Wohnzimmer wieder haben werden, muss ich mich dann erst wieder gewöhnen. Und ich freue mich tatsächlich darauf, am Ende alles endlich wieder richtig zu putzen und nicht mehr diesen feinen Staub überall zu haben.
    Ein Ende ist also in Sicht. Halleluja.

Nach so viel Gejammer im letzten Post, jetzt auch einmal anders.

Heute war des tollen Mannes Geburtstag (an dieser Stelle einen herzlichen Glückwunsch auch an Finn!). Nach einem eher unerquicklichen vergangenen Abend ein traumhafter Start in den neuen Tag um halb zehn. Beide Kinder waren gut gelaunt, wir kuschelten noch etwas in den Federn, lasen „Conni im Kindergarten“ und besprachen den Tag.
Danach folgte Anziehen. Beide Mädels wurden heute herausgeputzt, an dem Ehrentag ihres Herrn Papas. Das Fräulein im Rock, Miss Allerliebst im Kleidchen. Danach gemütlich Bild für Papa malen und dann ab zu Oma und Opa.

Mein Zeitmanagement war heute perrrrrfekt. Um vier war ich mit allem fertig (um fünf wurden die Gäste erwartet): Einkaufen, aufräumen, saugen, Bolognese Soße kochen und Tisch für die Gäste richten. Um zwanzig nach vier lag ich in der Badewanne, als der tolle Mann nach Hause kam. Frisch und nach Erkältungsbad riechend konnten wir dann um fünf die ersten Gäste (Opa mit Fräulein und Miss Allerliebst) begrüßen.

Die Kinder waren extrem ausgeglichen, fanden die ganze Aufregung mit den vielen Gästen total klasse und haben einen ganzen Berg Spaghetti verdrückt. Natürlich riss sich jedes Familienmitglied darum, die Kinder zu bespaßen, so dass die Versorgung der Gäste ein Kinderspiel war. Sogar in Ruhe essen konnten der tolle Mann und ich, etwas, das wir seit gefühlten vier Wochen nicht mehr getan haben.

Um acht brachte ich schließlich Miss Allerliebst ins Bett. Und was soll ich sagen? Nachdem sie die Nacht davor zum Tag gemacht hatte, war sie heute nach zehn Minuten fest entschlummert und hat sich bis jetzt nicht gerührt.
Im Hintergrund liest der tolle Mann dem Fräulein Wunder gerade eine Gute-Nacht-Geschichte vor, nachdem sie von sich aus die Unordnung von Miss Allerliebst aufgeräumt hat und mich fragte, ob sie mir irgendetwas helfen könne. Sie hat mit uns erzählt, gelacht und geschmust und ist sowas von umgänglich, dass ich das Gefühl habe, ich habe ein ganz neues Kind vor mir. Gott, wie ich sie liebe!

Nachdem alle Gäste gegangen waren schließlich beim Spülen das hier aus meinem iPod:

(Bitte die Frise von Nick nicht beachten und AJ in gelben Hosen ist wohl auch grenzwertig, aber dieses Lied … das ist Vergangenheit, Wohlfühlen und Nach-Hause-Kommen) Hach. Das Leben ist schön.

Frau Elbkind ist mir zuvor gekommen, denn auch ich möchte hier Werbung für den tollen Belgier Gotye und sein Album Making Mirrors machen.

Natürlich wurde auch ich von der Single „Somebody that I used to know“ in Gotyes Bann geschlagen. Er klingt einfach ein wenig anders als dieser ganze Rihanna-LadyGaga-DavidGuetta-Einheitsbrei, der mir gerade das Radiohören ziemlich verleidet.

Und auch das Album ist ähnlich gelungen wie die erste Singleauskopplung. Gotye zeigt hier eine sehr große Bandbreite seiner Singer- und Songwriterqualitäten. Jeder Song klingt anders, scheint aus einer anderen Ecke seiner Inspiration zu kommen. Bläser, Orgel, dazwischen mal wieder die Gitarre, auch mal ein wenig Funk`n Soul oder beinahe ätherische Klänge mit einem Hauch Simon & Garfunkel. Der Mann scheint sich überall zu Hause zu fühlen.

Also eine unbedingte Kaufempfehlung von mir.

Zwei Alben, die ich jedem unbedingt ans Herz legen möchte:

Jonathan Jeremiah – A Solitary Man

Hier gefunden und auf Grund der Rezension sofort auf iTunes erstanden.

Incubus – If not now, when?

Sie sind wieder da! Zugegeben wesentlich poppiger als bisher (wobei ich mal behaupten würde, dass bereits Light Grenades nicht mehr so rocklastig war wie A Crow left of the murder), dafür aber nicht weniger intensiv.
Ich liebe die Stimme von Brandon Boyd und auf diesem Album zeigt er wirklich sehr eindringlich was er kann.