Seit ein paar Wochen gehe ich mit Miss Allerliebst freitags ins Mutter-Kind-Turnen. Dort war ich früher bereits mit dem Fräulein Wunder und irgendwie war es so ein bißchen wie nach Hause kommen. Die Leiterin ist mir sehr vertraut, weil sie mich auch Mittwochs bei der Step-Aerobic drillt, das Singen, Tanzen und Turnen sind gleichgeblieben und auch das abschließende Frühstück gibt es noch.
Ein Jahr war ich jetzt nicht dort gewesen und inzwischen gibt es einige Mütter, die so wie ich mit dem zweiten (oder dritten) Kind dort sind. Und wir haben erstaunlich viele Parallelen festgestellt.

Sehr auffällig ist, dass die zweiten wesentlich größere ‚“Feger“ sind, als es die Ersten waren. Wenn ich mal bei uns so gucke … das Fräulein Wunder war immer sehr bedächtig. Sie hat sich zwar auch vieles getraut, hat aber immer erst einmal eine Hand benötigt, die sie beim ersten Mal leitet und unterstützt. Wenn sie dann gesehen hat, dass sie es kann, dann wurde diese Hand meist recht bald nicht mehr gebraucht.
Miss Allerliebst stürzt sich hingegen mit vollem Körpereinsatz in sämtliche brenzliche Situationen, die man sich vorstellen kann. Sie klettert im Turnen die Bank zum Kasten in Windeseile hinauf und wenn ich nicht schnell genug bin, stürzt sie sich dahinter auch direkt alleine in die Tiefe. Das hat sich das Fräulein Wunder gerade mal mit drei Jahren, kurz bevor sie das morgendliche Turnen wegen des Kindergartens verlassen musste, getraut.

Die anderen Zweitmütter bestätigen, dass ihre Zweiten ebenfalls viel aufgeweckter und risikofreudiger seien. Auch sind sie viel selbständiger. Da wo wir früher um unsere Erstgeborenen „herumgegluggt“ sind (und die Zeit auch noch dafür hatten), lassen wir den zweiten Sprössling springen und werfen ab und an mal ein Auge drauf.
Dem Fräulein Wunder war es von kleinauf sehr wichtig, dass ich immer dabei war. Auf dem Boden liegen und mit Spielzeug spielen? Alleine? Undenkbar. Herumkrabbeln und die Welt erobern, ohne dass Mama auf allen Vieren hinterherkraucht? Nie im Leben. Vielleicht ist sie auch deshalb so lange nur an meiner Hand gelaufen, bevor sie sich getraut hat los zu lassen. Und selbst heute noch versucht sie alles, um mich zum Mitspielen zu bewegen.

Miss Allerliebst war da von Anfang an pflegeleichter. Klar, als Baby einfach so herumliegen ohne dass jemand dabei ist, fand sie auch doof. Aber sobald sie sich eigenständig fortbewegen konnte, hat sie sich die benötigte Portion Mama lieber selbstbestimmt abgeholt. So streift Miss Allerliebst heute gemütlich durch den Garten, während ich in der Küche hantiere oder auf der Terrasse sitze. Ich schaue natürlich alle paar Minuten nach ihr und passe auf, dass sie keinen Unfug anstellt. Aber im Großen und Ganzen ist sie erstaunlich unabhängig. Und ab und an kommt sie dann bei mir vorbei, kuschelt kurz, bevor sie weiter auf Entdeckungsreise geht.

Auch bin zumindest ich beim zweiten Kind wesentlich entspannter was so gewisse Vorstellungen und Prinzipien angeht. War es beim Fräulein Wunder noch ein ungeschriebenes Gesetz, dass sie in ihrem eigenen Bett schlafen soll, so durfte Miss Allerliebst von Anfang an erst in ihrem Beistellbett und später in unserer Mitte nächtigen. Ich glaube, das entsprang der Erkenntnis, dass die Kinder sowieso machen was sie wollen, man kann es nicht wirklich ändern.
Das Fräulein Wunder hat zum Beispiel von Anfang an wunderbar alleine in ihrem Bett im Nebenzimmer geschlafen, aber später, als sie größer wurde, hatte sie auch die Phase, in der sie ganz nahe bei uns und um Gottes Willen nicht alleine schlafen wollte. Wir konnten das nicht beeinflussen (es sei denn man ist ein Unmensch und lässt seine Kinder in ihrem Bett schreien, bis sie vor Müdigkeit und Erschöpfung von alleine einschlafen). Und so nehmen wir es bei Miss Allerliebst eben wie es kommt. Ganz entspannt. Sowohl für das Kind, als auch für mich. Man glaubt ja gar nicht, wie verrückt man sich wegen eines solchen Themas machen kann.

Damit einher geht auch das Thema „Wie lange halte ich mein Kind tagsüber auf dem Arm?“. Es gibt Mütter, und dazu tendierte ich beim Fräulein Wunder auch manchmal, die Angst haben, sie könnten ihr Kind „verwöhnen“ wenn es rund um die Uhr auf Mamas Arm verbringt. Niemals nicht würden sich die Kinder daran gewöhnen, irgendwo alleine zu bleiben. Nicht auf Spieldecken, nicht im Bett und später im Kindergarten wird das bestimmt auch ganz furchtbar!
Heute sage ich: Behaltet eure Kinder unbedingt so lange und so nahe bei euch, wie ihr und das Baby das möchtet. Die Zeit, die uns mit Kind auf dem Arm gegönnt ist, ist so extrem kurz. Nach einem Jahr laufen sie schon davon und wollen von stundenlangem Kuscheln nix mehr wissen. Meist ist uns diese Säuglingsphase nur ein, zwei oder drei Mal gegönnt. Das muss man sich mal vorstellen. Nur zwei Mal in seinem ganzen Leben. Zwei Mal ein Jahr, wo wir diese winzigen Lebewesen so nahe bei uns haben und dann niemals wieder. Jede Minute zählt da also. Und wie man jetzt an Miss Allerliebst sieht, hat dieses viele Kuscheln und beieinander schlafen scheinbar nur Positives (zumindest was das Selbstständigsein betrifft) bewirkt.

Natürlich frage ich mich, inwiefern mein Verhalten und meine veränderten Erziehungsmethoden damit zu tun haben, dass „die Zweite“ eben so ist wie sie ist. Oder sind die beiden Mädchen von Grund auf so verschieden, dass ihr Temperament einfach in ihrem Charakter liegt?
Es ist nun mal so, dass man bei zwei Kindern nicht mehr so viel Zeit hat auf jede Befindlichkeit und jeden Pieps einzugehen. Da lässt man sie eben springen und anstatt ihnen hinterher zu hetzen, versucht man noch schnell irgendeinen Teil der immer vernachlässigten Haushaltspflichten zu erledigen.

Ich renne z.B. nicht mehr sofort los, wenn eines der Kinder hingefallen ist oder ich von irgendwo ein Weinen höre. Als Mama hört man ziemlich genau, ob da nun etwas wirklich schlimmes passiert ist (und dann renne ich so schnell wie der Blitz!), oder ob das gerade nur ein normaler Fall von „hingefallen und gleich wieder aufstehen“ ist.
Miss Allerliebst weint dann meist ganz kurz (vermutlich mehr aus Schreck oder weil sie an unserer Reaktion sehen will, ob das jetzt schlimm war, was da eben passiert ist), steht auf und läuft weiter. Das Fräulein Wunder macht gerne ein groooooooßes Drama aus jedem Pieps. Und wehe, sie schürft sich das Knie auch nur ein winziges Bißchen auf! Da muss aber sofort das volle Programm abgezogen werden: Kühlakku, Globolie, Pflaster, halbe Stunde trösten und kuscheln mit Tuch und Schnuller (ja, den sind wir auch noch nicht los, aber hierzu demnächst mal ein gesonderter Beitrag).

Was ich damit eigentlich nur sagen will … nicht nur mir fällt auf, dass die Zweitgeborenen meist viel selbständiger, damit aber auch etwas wilder sind. Und keiner kann sagen, ob das nun Erziehung oder Charakter ist.

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Seit Samstag können wir offiziell verkünden, dass Miss Allerliebst läuft. Zwar noch wackelig, aber sie schafft immerhin Entfernungen von ein paar Metern. Und, das wichtigste überhaupt, wir müssen sie nicht dazu überreden. Wenn sie beispielsweise am Wohnzimmertisch steht und möchte am entgegengesetzten Ende des Raumes etwas haben, dann marschiert sie einfach drauflos.
Das beste daran ist noch, wie sie sich darüber freut. Das breite Grinsen auf ihrem Gesicht und das leise Kichern, so als wollte sie sagen „Siehste Mama. Das hättest Du jetzt nicht erwartet, oder? Ich kann das schon ganz alleine!“. Einfach wundertoll.

Auch wird weiterhin das Essen mit der Gabel kräftig ausgebaut. Bisher hatte sie bei der Breikost immer einen Löffel in der Hand und hat versucht mitzulöffeln. Leider hält sie sowohl den Löffel als auch die Gabel als auch Schaufeln oder ähnliches immer mit dem „Gesicht“ nach unten, so dass alles was nicht kleben bleibt sofort wieder runterflutscht. Versuche, ihr eine andere Methode zu zeigen oder auch einmal die Hand zu führen, scheiterten kläglich. Sie lässt nämlich das Essgerät sofort los, sobald sich eine fremde Hand nähert.
Deshalb klappt es wohl, seit sie mit uns mitisst, mit der Gabel auch so gut. Anfänglich hat sie noch Würstchen, Kartoffeln, Gemüse und anderes mit den Fingern gegessen, nun piekst sie alles fachmännisch mit der Gabel auf. Und da macht es ja nichts, wenn alles mit dem Kopf nach unten hängt.

Überhaupt verdrückt sie momentan Megaportionen, von denen ich keine Ahnung habe, wo sie die hin isst. Gerade letztens ganze zwei (ZWEI!!) lange Bratwürste. Genau so viele wie ihre Schwester übrigens. Und dazu noch ein paar Bratkartoffeln. Karotten mag sie leider nicht so gerne, eigentlich kaum ein Gemüse im gekochten Zustand. Da kommt sie wohl ganz nach dem Fräulein. Rohkost ist dagegen kein Problem. Bei beiden nicht.

Weniger schön ist ihr ausgeprägter Faible für alles, auf das man klettern kann. Angefangen hat es mit dem Hocker im Badezimmer. Der hat zwei kleine Stufen und da hat sie sich gerne in einem unbeobachteten Moment hochgezogen. Inzwischen wird versucht, das Fräulein Wunder morgens beim Zähneputzen lautstark von dort oben zu vertreiben. Wir müssen also den ganzen Tag über aufpassen, dass die Badezimmertür immer geschlossen bleibt, bzw. den Hocker so umlegen, dass keiner mehr hinauf steigen kann.
Auch entert sie sehr gerne die Duschwanne. Leider etwas doof, wenn einer von uns morgens geduscht hat, weil danach dann die liebe Miss Allerliebst von oben bis unten nass ist. Also Bad -> zumachen (klappt natürlich nicht immer).
Als nächstes kommen die Kinderstühle in der Küche dran. Und die Küche abzuschließen würde ich eher unpraktisch nennen. Sie zieht sich an den Tripp-Trapp-Stühlen hoch, stellt sich auf die Sitzfläche und wippt und tanzt als gäbe es so etwas wie einen Abgrund gar nicht. Hier gilt also -> den ganzen Tag nicht aus den Augen lassen.
Von der Couch und den diversen Spielzeugkisten, in die sie gerne klettert, will ich hier gar nicht reden. Was sehr cool ist, ist allerdings, dass sie auf das Schaukelpferd und die Rutschkuh selbständig auf und wieder absteigen kann. Sogar schaukeln und vorwärts fahren kann sie mit den Dingern schon. Leider kippt sie mit der Kuh noch recht häufig um, weil sie das mit dem Lenken noch lernen muss. Wenn man nach links will reicht es eben nicht nur den Körper da hin zu bewegen. Hier gilt also -> immer dabei sein und notfalls auffangen.

Das Fräulein Wunder indessen lernt gerade das Fahrradfahren. Am Samstag vor ihrem Geburtstag sind wir in ein nahegelegenes Fahrradfachgeschäft gefahren und sie durfte sich ihr Fahrrad selbst aussuchen. Wobei sie eine Entscheidung lediglich zwischen zwei Modellen treffen musste. Rein optisch lag natürlich das Prinzessin Lillyfee Fahrrad von Puky ganz weit vorne, allerdings lag es nach dem Fahrtest knapp hinter dem Prinzessin Sternenfee Rad einer anderen Marke (die mir gar nicht bekannt ist, stelle ich gerade fest). In Verarbeitung, Design und Größe (tatsächlich 18 Zoll, weil sie mit den Füßen runter kommt und eine sichere Laufradfahrerin ist) stehen sich die beiden in nichts nach und so ist Prinzessin Sternenfee bei uns eingezogen.
Das Fräulein hat noch auf dem Hof des Fahrradladens, bei der zweiten Testfahrt ihres ach so kurzen Lebens, ganz euphorisch gerufen „Lass mich los Papa, ich kann das alleine,“ dem wir aus Platzgründen erst einmal nicht nachgekommen sind.
Zu Hause zeigte sich aber, dass sie tatsächlich ein Naturtalent zu sein scheint. Beim Aufsitzen braucht sie noch etwas Halt, ansonsten radelt sie aber drauflos, als hätte sie nie etwas anderes getan. Ich bin mächtig, mächtig stolz! Und ich muss neben her joggen, was für mich also auch noch irgendwie einen positiven Effekt hat.

Dass das Fräulein jetzt bereits seit Wochen mehr oder weniger konstant in ihrem eigenen Bett schläft, habe ich auch nicht erwähnt. Ein Traum, im wahrsten Sinne des Wortes.

Und zu guter Letzt kann das Fräulein Wunder bereits ihren Namen schreiben. Selbst das etwas schwierig „J“ in der Mitte schreibt sie inzwischen ganz toll. Jetzt kann sie die Gemälde und Basteleien aus dem Kindergarten selbst mit ihrem Namen versehen und wo ihr Name oder Unterschrift gefragt ist, werden recht fachmännisch die vier Buchstaben hin gemalt. Mutterstolz pur, habe ich doch eine nicht geringe Leidenschaft für das geschriebene Wort.
Miss Allerliebst wird es mit ihrem Namen mal schwerer haben. Sie hat alleine schon drei Buchstaben mehr und dazu auch noch lauter verschiedene. Aber ich bin mir sicher, dass sie auch das mit Bravour meistern wird.

Superhelden Kinder, ich sag’s doch immer wieder. 

RoaslieLiebe Miss Allerliebst,

Du bist ein richtiger Feger. Seit inzwischen bestimmt vier Wochen krabbelst Du wild durch die Gegend und ziehst Dich überall hoch. Am Anfang standest Du noch wie eine Ballerina auf den Zehenspitzen, inzwischen kommst Du immer besser auf den ganzen Fußsohlen zum Stehen. Du weißt auch schon, dass Du nicht einfach loslassen darfst wenn Du wo anders hin willst. Diese Erkenntnis hat Dich allerdings einige blaue Flecke und sogar ein blaues Auge gekostet. Inzwischen weißt Du aber, dass man wieder hinunter auf die Knie gehen muss, bevor man sich weiter fortbewegen kann.
Seit ein paar Tagen läufst Du nun auch schon an meinen oder Papas Händen. Diese neue Fähigkeit macht Dir sichtlich einen riesigen Spaß und so tapperst Du munter drauf los. Ein bißchen siehst Du dabei aus wie Graf Hinkebein, da Du mit dem linken Fuß ganz auftrittst und mit dem rechten nur mit den Zehenspitzen. Auch fängst Du langsam an, Dich an Tischen, Sofakanten oder Stühlen entlang zu hangeln oder auch von der niedrigen Wohnzimmertischkante hinüber zum Sofa zu wechseln. Dies bedarf allerdings einer mächtigen Anstrengung und es dauert noch sehr lange, bis Du Dich traust loszulassen und damit die Stellung zu wechseln.

Bisher warst Du eher ein „Knieer“. Mit dem Popo immer auf dem Boden und die Füße daneben abgewinkelt fandest Du es mörderbequem obwohl es extrem unbequem aussieht. Seitdem Du aber nun selbst herausgefunden hast, wie das mit dem Sitzen geht, erwischt man dich auch immer öfter in dieser Position. Nur tanzen kann man damit weniger gut.

Mittlerweile verspeist Du Brezeln fast wie eine Große. Mit deinen inzwischen vier Schneidezähnen beißt Du sogar schon richtig ab, kaust auf den Felgen und schluckst die matschigen Brocken dann an einem Stück hinunter. Immer wieder lassen wir Dich auch von unserem Essen probieren. Spaghetti magst Du ganz gerne, Kartoffeln auch. Aber so richtig begeistert bist Du davon noch nicht. Du bleibst lieber bei Deinen Gläschen, auch wenn Du hier öfter mal die Bröckchen mit der Zunge wieder nach draußen schiebst.
Du trinkst schon richtig toll aus einem Becher oder Glas, wenn man es Dir an die Lippen führt. Es geht dann zwar trotzdem noch ein bißchen was daneben, aber wir üben ja noch.

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Mein Bruder meinte vor kurzem in einem Gespräch, dass er so furchtbar müde sei. Er könne sich nicht erinnern, wann er das letzte Mal nach acht aufgestanden ist. Er und seine Freundin haben einen noch recht jungen Hund und der fordert eben auch am Wochenende die volle Aufmerksamkeit.

Als Entgegnung lag mir schon auf der Zunge so etwas zu sagen wie: „Stell dich nicht so an, ich bekomme seit Wochen nie mehr als 4 Stunden Schlaf am Stück. Acht Uhr wäre ein Traum!“
Ich hab es dann aber gelassen, denn ich erinnerte mich doch noch ganz gut daran wie das früher war. Ohne Kinder, mit einem Job, der mich ausfüllte, sozialen Verpflichtungen, die gerne auch mal bis in die Morgenstunden dauern konnten und diesem wunderbaren Wochenendgefühl, wenn man weiß, nichts wird stören, man hat so unglaublich viel Zeit um in den Tag hinein zu leben. Aufstehen nicht vor zehn (und dann trotzdem noch müde sein), endlos frühstücken mit einem guten Buch dabei und dann mal sehen, was der Tag so bringt. Da war die Vorstellung von acht Uhr aufstehen doch sehr grausam.

Ich konnte mir vor dem Fräulein Wunder nicht vorstellen, wie ich mit so wenig Schlaf in Zukunft auskommen sollte. Und wie bei so Vielem musst ich feststellen, das alles geht und möglich ist und dass man sich relativ schnell an neue Umstände gewöhnt. Somit erscheint mir ein sechs Stunden Schlaf am Stück schon ganz normal und ausreichend.
Mit Miss Allerliebst stelle ich nun leider auch fest, dass wir in der Vergangenheit vom Fräulein Wunder wirklich verwöhnt worden sind. Das Fräulein schlief recht bald durch bzw. wachte nur einmal in der Nacht auf, sie schlief meist bis acht (Ha!) und dies auch noch friedlich in ihrem Bett.

Ich möchte nicht behaupten, dass Miss Allerliebst eine schlechte Schläferin ist. Ich denke, sie schläft ihrem Alter angemessen. Allerdings, wie oben erwähnt, wussten wir ja bisher gar nicht was „ihrem Alter angemessen“ ist. Wenn meine Käfermamas von Uhrzeiten jenseits der sechs Uhr Marke stöhnten (da gab es auch Phasen mit einer vier auf dem Wecker), bedauerte ich zwar, konnte aber nicht in letzter Konsequenz nachfühlen.

Und nun pendelt sich die Miss so bei sechs Uhr morgens ein. Wenn ich Glück habe, kann ich sie dann noch eine halbe Stunde mit Schnuller und Kuscheln beruhigen, aber meist ist das vergebene Liebesmüh. Außerdem hatten wir heute die zweite Nacht, in der Miss Allerliebst gar nicht zur Ruhe zu kommen schien. Sie schlief bis halb drei, dann wurde sie unruhig und bekam eine Flasche und ab da habe ich das Gefühl, dass wir beide nicht mehr wirklich viel geschlafen haben (was natürlich Unsinn ist, denn eine Stunde hin und wieder dösen/schlafen war zwischendurch bestimmt drin).
Ich versuchte sie nach der Flasche zurück in ihr Bett zu legen. Selbst mit ausgedehntem Kuscheln vorher war dies nicht möglich. Also legte ich mich mit ihr im Arm ins Bett. Sie hat so eine Art, sich zu winden und zu verkrampfen, den Kopf mal nach hinten, dann wieder nach vorne zu werfen, die Arme rudern unkontrolliert auf der Suche nach meiner Hand, die Beine zappeln – das gesamte Bündel Menschlein ist in Bewegung. Die ganze Nacht. Bis heute morgen um viertel nach sieben.
Sie ist heute morgen ausgeruht. Ich fühle mich wie gerädert. Seltsamer Weise aber fiter als an den Tagen, an denen ich mit ihr um sechs aufstehen musste.

Erfahrungsgemäß ist Miss Allerliebst dann eine Stunde bis eineinhalb wach und schläft dann noch einmal eine Stunde. Unter der Woche bringe ich das Fräulein Wunder in den Kindergarten und gehe dann noch eine Runde laufen. Auch heute habe ich mich mit Miss Allerliebst um viertel vor acht auf den Weg ins Feld gemacht, einfach um meinen müden Kopf klar zu bekommen. Denn zu Hause rumzusitzen in dem Zustand ist tödlich.
Wenn ich dann nach einer Stunde wieder nach Hause komme, schläft Miss Allerliebst in ihrem Wagen den Schlaf der Gerechten, was mir die Möglichkeit für eine ganz entspannte Dusche und ein stressfreies Frühstück gibt.

Ich werde jetzt also zusammen mit dem Fräulein Wunder, das hier schon fröhlich plappernd herum rennt, den Tisch decken und ganz gemütlich mit InTouch und Gala mein Frühstück verspeisen (natürlich auch mit dem tollen Mann), während Miss Allerliebst im Garten in ihrem Kinderwagen schlummert.
Schlaf wird definitiv überbewertet. So!

Vor einiger Zeit berichtete ich schon einmal darüber, dass das Fräulein Wunder seit gut einem halben Jahr ein wenig Probleme mit dem Schlafen hat. Alleine einschlafen war nicht möglich und Durchschlafen auch nicht. Zu schön ist es in Mama und Papas Bett.

Für eine gewisse Zeit nehme ich diese Phasen immer gerne so hin. Es gibt für alles einen Grund und wenn das Fräulein Wunder eben für eine gewisse Zeit etwas mehr Zuwendung benötigt, dann soll sie die natürlich auch bekommen.
Doch irgendwann wird es einfach lästig, wenn man jeden Abend an der Seite des Kindleins ausharren muss, bis es entschlummert ist. Ich frage mich dann, ob das wirklich noch notwendig ist, oder ob es so langsam zur Gewohnheit wird. Also musste ein Plan her.

Im Internet fand ich einen Shop, der Aufkleber in sämtlichen Variationen vertreibt und da das Fräulein Wunder im Moment total auf Hello Kitty und Glitzer abfährt, waren die perfekten Aufkleber schnell gefunden.
Als sie mit der Post kamen und ich sie gemeinsam mit dem Fräulein auspackte, leuchteten da auch ein paar Kinderaugen ganz groß und die Begeisterung kannte keine Grenzen. Ich erklärte dem Fräulein also, dass sie, wenn sie abends alleine einschläft, am Morgen einen dieser wundertollen Aufkleber an den Kühlschrank (es standen ein paar Klebeorte zur Auswahl, aber der Kühlschrank war des Fräuleins erste Wahl) kleben dürfe. Diese Vorgehensweise sprachen wir am Tag noch ein paar Mal durch und auch dem Papa und der Oma und der besten Freundin wurde dieses Prozedere vom Fräulein Wunder ausgiebigst erklärt.
Am Abend brachte ich dann das Fräulein wie gewohnt ins Bett. Wir schauten den Sandmann, ich las noch eine Gutenacht-Geschichte vor und sang ihr ein Schlaflied. Danach küsste ich sie, wünschte ihr eine gute Nacht und zog mich aus ihrem Zimmer zurück.

Es versteht sich von selbst, dass das Fräulein Wunder noch drei Mal nach unten kam. Sie habe Durst, sie müsse noch einmal auf die Toilette und Mama solle noch einmal ein Lied singen. Aber danach, welch Wunder, war plötzlich Ruhe eingekehrt. Und kaum hatte das Fräulein am nächsten Morgen die Augen geöffnet, kam bereits ein „Hello Kitty Gitzeraufkleber?“ über ihre Lippen. Voller Stolz wurde also der erste Aufkleber an die Kühlschranktür geklebt.
Am zweiten Abend lief es dann noch besser, denn das Fräulein Wunder schlief sofort ein und durfte am nächsten Morgen mit dem entsprechenden Riesenlob erneut einen Aufkleber kleben.
Dummerweise entdeckte sie am dritten Morgen (nach problemlosen Einschlafen) das Versteck der Aufkleber. Da dies ein Sonntag war, weilten der tolle Mann und ich mit Miss Allerliebst noch im Bett. Als wir aufstanden, konnten wir den inzwischen bunt glitzernden Kühlschrank bewundern, der mit einem stolzen Fräulein Wunder um die Wette strahlte. („Guck mal Mama, hab ich alles alleine geklebt“ ).

Ab da zog natürlich das Argument mit den glitzernden Hello Kitty Aufklebern nicht mehr so wirklich.
„Mama, ich will morgen gar keinen Aufkleber kleben.“
„Das ist in Ordnung mein Kind, aber trotzdem machst du jetzt die Augen zu und ich gehe nach unten.“

Gott sei Dank hatte ich die Stärke, weiterhin durchzuhalten und das Fräulein den Mut, alleine zu bleiben. Seit nunmehr bestimmt vier Wochen schläft sie wieder ohne Händchenhalten ein. Und auch wenn abends von ihr ein halbherziges „Mama, bleib hier“ unter dem Deckenberg hervor genuschelt wird, scheint es für sie in Ordnung zu sein, wenn ich trotzdem gehe.

Nachdem also Phase eins des Plans so toll funktioniert hatte, machte ich mich voller Hoffnung an Phase zwei: Das Schlafen im eigenen Bett.
Auch hierfür besorgte ich Aufkleber. Diesmal Pferde, da das Fräulein Wunder, wenn sie könnte, bereits eine Koppel mit mindestens zwei Ponys hinter dem Haus hätte. Sie steht auf Pferde, hat überhaupt keine Angst vor ihnen und setzt sich selbst auf die höchsten Rösser.
Dazu malten wir beide dann auf ein riesiges Blatt Papier eine Wiese mit Bäumen und Blumen, klebten dieses an ihr Bett und vereinbarten, dass sie jeden Morgen, wenn sie in ihrem Bett geblieben ist, ein Pferd auf die Wiese kleben dürfe. UND wenn alle Pferde des Sets (18 Stück) geklebt sind, würde sich ihr momentan größter Wunsch, der gleich nach einem eigenen Pony rangiert, nämlich ein rosaroter Prinzessin-Lillyfee-Puky-Roller, erfüllen.

Wie gesagt, ich war extrem euphorisch, sah mich schon mit so viel Stunden Schlaf konfrontiert, dass ich es wahrscheinlich gar nicht schaffen würde, so lange die Augen geschlossen zu halten und brachte mit eben diesem Gefühl das Fräulein Wunder ins Bett. Beim Gutenacht sagen meinte sie dann „Mama, wenn ich kein Pferdchen kleben darf, freue ich mich auch.“ Okayyyyy, das war nun nicht die Euphorie, die ich erwartet hatte. „Aber mein Kind, dann lässt der Roller aber auch noch auf sich warten.“ Da kullerten beim Fräulein Wunder bereits die ersten Tränchen und mit zitternder Stimme erwiderte sie „ich wiiihiiill aber gar keinen Roholler hahaben.“ Schluck!

Tja. Diese Gespräch ist nun zwei Wochen her. Bisher kleben ganze zwei Pferde auf der Wiese. Das eine haben wir zu Demonstrationszwecken gleich nach dem Malen da hin geklebt und das andere hat sie sich wirklich verdient, allerdings hat sie da eben „zufällig“ mal durchgeschlafen.

Inzwischen nehme ich es so hin und dränge sie nicht weiter. Denn wenn es selbst ein rosaroter Lillyfee Roller nicht schafft, sie zum Schlafen im eigenen Bett zu bewegen, dann kann ich das mit guten Worten sowieso nicht erreichen. Fortsetzung folgt also.