Als ich 39 Jahre alt wurde, war ich davon überzeugt, dass mein Leben die nächsten 50 Jahre ohne weitere besondere Vorkommnisse vorüber gehen würde. Eine eher niederschmetternde Erkenntnis.
Ich war seit fast 20 Jahren mit dem selben Mann zusammen, hatte eine Tochter und wir planten kein weiteres Kind, wir lebten in Eigentum, ich hatte seit der Ausbildung den selben Arbeitgeber und seit Jahren den gleichen Freundeskreis. Alles schien in Stein gemeißelt.

Bereits ein Jahr später gesellte sich zum Fräulein Wunder Miss Allerliebst (ursprünglich nicht geplant, denn wer will schon mit 40 noch einmal Eltern werden), zwei Jahre später trennte sich mein Arbeitgeber von mir. Alles war anders. Nichts schien mehr in Stein gemeißelt.

Mit dem Fräulein Wunder erblühte mein neues, soziales Ich. Und im Laufe der Zeit lernte ich, dass es so etwas wie Stillstand nicht gibt, es sei denn, man möchte dies unbedingt. Und manchmal zwingen einen die äußeren Umstände quasi dazu, seinen Horizont zu erweitern.

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Ich mache mir immer Sorgen, dass ich meinen Kindern mehr zutraue, als sie womöglich können. Je älter die Mädels werden, desto mehr fällt mir das auf. Meist mache ich mir erst hinterher Gedanken, oder auch währenddessen, wenn mir zum Beispiel einfällt, dass es für Miss Allerliebst vielleicht schon noch recht viel ist im großen, zweistöckigen Indoorspielplatz alleine herum zu streifen. Beim Fräulein Wunder wäre mir das in diesem Alter im Traum nicht eingefallen. Andererseits ist die Miss eben ein ganz anderer Charakter und auch als Mutter wächst man ja mit seinen Aufgaben. Und trotzdem … da frage ich mich dann, ob ich nur zu bequem bin, meinem Kind hinterher zu rennen.

Und wenn gute Freundinnen davon erzählen, wie ihr Kind das erste Mal alleine vom Kindergarten oder der Schule nach Hause gelaufen ist, stelle ich fest, dass ich mir da wesentlich weniger Gedanken mache. Während andere außer Sicht des Kindes die ersten paar Mal hinterher gehen (oder auch mit dem Auto fahren) um zu gucken, ob auch alles gut klappt, lasse ich das Fräulein einfach laufen ohne darüber nachzudenken. Und hinterher denke ich „Hätte ich vielleicht auch etwas besser auf mein Kind acht geben sollen? Bin ich verantwortungslos?“

Auf der einen Seite sage ich mir, dass ich meine Kinder doch gute kenne und ich weiß, dass das Fräulein Wunder so umsichtig und aufmerksam ist, dass sie einen Weg selbst mit Straßenüberquerung gut alleine schafft. Oder das Miss Allerliebst so ein Wirbelwind und clever ist, dass sie sich in unbekanntem Gelände zurechtfindet.
Andererseits kann man sich ja nie wirklich sicher sein und so mancher Erwachsener überschätzt sich ja auch mal ganz gerne. Kann ich dem Fräulein also glauben wenn sie sagt, sie schafft das alleine?

Gestern ist sie jedenfalls das erste Mal vom Kindernachmittag ganz alleine nach Hause gelaufen. Irgendwie kam das Gespräch darauf, weil der tolle Mann und ich es von Abholzeiten und wie das dann für Miss Allerliebst ist, hatten. Und das Fräulein fing direkt an vor Stolz und Vorfreude zu strahlen als ihr aufging, dass sie ja eigentlich schon alleine nach Hause laufen kann.
Mein erster Gedanke war dabei Erleichterung. Weil es den Alltag bzw. das Zeitmanagement (zumindest für den tollen Mann, denn ich bin mittwochs ja arbeiten) immens erleichtert. Aber um fünf, als ich wusste, dass sie jetzt losläuft, kamen mir dann doch so ein paar Bedenken. Wenn sie es sich jetzt zum Beispiel anders überlegt hätte, könnte uns niemand bescheid geben, weil dort keiner unsere Telefonnummer hat und wahrscheinlich auch nicht unsere Adresse kennt (das Fräulein hat diesen Kindernachmittag erst das zweite Mal besucht). Und wenn sie unterwegs doch nicht guckt, wenn sie über die Straße muss? Oder plötzlich Angst bekommt? Oder, oder, oder?
Ich war jedenfalls erleichtert, als ich nach Hause kam und das Fräulein war wohlbehalten zu Hause angekommen. Auf meine Frage, wie es war, kam ein etwas genervt wirkendes „Alles gut Mama“, so als hätten schon fünf Leute wissen wollen, wie sie nach Hause gekommen ist.
Damit war das Thema dann im Grunde abgeschlossen.

Beim ins Bett gehen hatten wir dafür nach langer Zeit mal wieder richtig großes Theater. Weder der tolle Mann noch ich wissen so genau, was eigentlich los war, aber sie weinte, heulte und tobte eine gute Stunde am Stück. Auslöser war natürlich irgendetwas, das ihr nicht gepasst hat. Entweder, dass sie heute nicht huckepack nach oben getragen wurde oder ähnliches. Aber sie wollte sich gar nicht beruhigen. Irgendwann zwischendurch erzählte sie mir unter Tränen, dass alle im Kindernachmittag verkleidet gewesen wären und sie als einzige nicht. Ich kann das ganz extrem gut nachempfingen, wie doof sich das anfühlt. Aber selbst mit dieser Empathie konnte ich sie nicht einfangen. Schließlich weinte sie sich in den Schlaf, während ich ihr den Rücken kraulte.

Jetzt frage ich mich natürlich (der tolle Mann wird wahrscheinlich über mein paranoides Hirn den Kopf schütteln), ob das irgendetwas damit zu tun hat, dass sie alleine bei diesem Nachmittag war (alles neu) und dann auch noch alleine nach Hause gelaufen ist (unbedingt von ihr selbst gewollt aber vielleicht doch überschätzt?). Zwischendurch, während sie da so weinend im Sessel hockte, hab ich mich sogar gefragt, ob auf dem Heimweg irgendetwas passiert ist. Vielleicht von jemandem angesprochen oder blöd angemacht worden? Keine Ahnung. Ich neige ja dann dazu, mir die grässlichsten Dinge auszumalen. Kopfkino deluxe. Aber aus ihr bekommt man in dem Moment ja nichts vernünftiges (wenn überhaupt) heraus.

Und so bleibt diese neue Selbstständigkeit schwierig. Ich versuche, meinem Kind zu vertrauen und ihr dies alles zuzutrauen. Und ich versuche mir und meinem Bauchgefühl zu vertrauen. Aber das ist leider nicht immer so leicht.

Ich habe das riesengroße Glück, dass der tolle Mann ein hervorragender Papa ist. Alleine seine Anwesenheit entspannt mich im Umgang mit den Kindern. Nicht nur, dass er sich gerne und viel um sie kümmert, er ist auch immer wieder ein guter Ratgeber, da er viele Alltagssituationen aus einem anderen Blickwinkel sehen kann und mich damit wieder auf den Boden der Tatsachen zurück holt wenn ich mal wieder mit meiner Ich-bin-eine-schlechte-Mutter-meine-Kinder-werden-mich hassen-Phase abhebe.
Es macht mich demnach durchaus ein bißchen nervös, wenn er so wie das vergangene Wochenende nicht bei uns sein kann.

Vor mir lag also ein ganzes, langes Wochenende mit Kindern, aber ohne Mann.

Vorab sei zu sagen, dass ich weiß, dass das hier Jammern auf hohem Niveau ist. Es gibt ganz viele Alleinerziehende Mütter, die Tag und Nacht alleine für ihre Kinder verantwortlich sind. Und es gibt auch solche, die (vorübergehend) ohne Papa mit mehr Kindern alleine klar kommen und dabei noch großartige Spendenaktionen ins Leben rufen und täglich bloggen. Respekt! Da ist ein Wochenende ohne Mann natürlich Pipifax.
Und trotzdem. Drei Tage ohne Unterstützung wollen organisiert sein. Außerdem hatte ich mir vorgenommen, unser Mädelswochenende ganz entspannt anzugehen und es für uns drei zu einem besonderen Erlebnis zu machen. Alltag kann schließlich jeder und den haben wir sonst auch genug.

Freitags gehe ich mit Miss Allerliebst immer turnen. Danach schläft sie, so dass das Einkaufen später stattfinden musste. Wir holten also das Fräulein Wunder vom Kindergarten ab und fuhren gleich weiter in den nächsten Supermarkt. Wir kauften alles, was man für ein Mädelswochenende so brauchen kann: Jede Menge Süßigkeiten, Joghurts in rauen Mengen (die Kinder könnten sich eigentlich nur davon ernähren) und natürlich noch ein paar gesunde Vitamine für zwischendurch. Zum Abendessen hatte sich das Fräulein Chicken-Nuggets mit Pommes, Pizza und Spaghetti gewünscht. Auch dafür wanderte alles in den Einkaufswagen. Außerdem gab es obendrauf noch zwei Pakete Eis: Twister für die Mädels, Magnum-Mandel für mich.
Am Nachmittag besuchte uns Onkel Andreas. Während die Kinder im Hof Fußball spielten und danach noch eine Runde im Trampolin hüpften, konnten wir mal wieder ein wenig quatschen. Danach gab es heißen Kakao, Kaffe und Tee mit Quarkbällchen für alle (wobei das Fräulein und ich die Bällchen ganz alleine gefuttert haben, willkommen auf meiner Hüfte).
Das Abendessen war schnell gerichtet. Nuggets und Pommes in den Ofen und dabei mal gucken, was so auf KIKA läuft. Das Programm von 18.00 bis 19.30 Uhr hat uns das gesamte Wochenende begleitet. Man darf sich gerne darüber streiten, ob essen vor dem Fernseher gesund ist (ist es wohl leider nicht), aber das gehört zu einem richtigen Mädelswochenende eben dazu. Nach dem kleinen Nick, Lauras Stern, dem Sandmann und Yakari (Miss Allerliebst singt den Titelsong einfach allerliebst) ging es dann ins Bad und anschließend ins Bett.
Auch dies klappt mittlerweile hervorragend. Während ich dem Fräulein noch eine Geschichte vorlese, räumt die Miss die Bücher aus den Regalen und guckt sie sich an. Danach Gutenachtkuss für das Fräulein, noch zwei Seiten Buch angucken mit der Miss und um halb neun schliefen beide friedlich.

Samstagmorgen war der Besuch eines Indoorspielplatzes geplant. Wir waren nicht ganz so früh, wie ich beabsichtigt hatte. Irgendwie dauerte das Aufstehen, Anziehen und Frühstücken etwas zu lange. Aber schließlich stürmten wir um 11 Uhr dann doch die Halle.
Bis auf drei oder vier Ausnahmen wären sämtliche – also ALLE – Tische für Kindergeburtstage dekoriert. Das ließ schlimmes ahnen. Gott sie Dank waren nur einige wenige schon vormittags besetzt. Um kurz nach eins wurde es dann langsam richtig voll und der Lärmpegel stieg ins Unermessliche. Bis dahin hatten wir drei sämtliche Höhen erklettert, riesige Türme gebaut, die Kinder hatten sich auf den Trampolinen schwindelig gehüpft (für mich die einzigen Minuten um zu Atem zu kommen, man ist ja leider nicht mehr die jüngste) und waren mit wehenden Haaren erst die Schlitten- und dann die blaue Rutsche gerutscht. Mit glühenden Wangen packte ich die Kinder ins Auto und fuhr nach Hause.
Miss Allerliebst schlief auf der Rückfahrt erwartungsgemäß ein. Ihre Schlafenszeit war schon um mindestens eine Stunde überschritten und so ein Indoorspielplatzbesuch schlaucht ungemein. Leider bekam ich sie nicht vom Auto ins Bett, wie es eigentlich geplant war. Nun gut. Zehn Minuten Mittagsschlaf mussten einfach reichen.
Nachmittags besuchten wir dann die Oma das erste Mal gemeinsam im Krankenhaus. Auf die Leukämie-Station dürfen Kinder erst ab 14 Jahren, aber da die Blutwerte im Moment sehr gut sind, konnten wir uns mit ihr und Opa im Café treffen. Wir verdrückten riesige Eisbecher (widererwartend bekam Opa rein gar nichts von seinen Enkelinnen ab) und verließen Oma um kurz nach fünf.
Auf dem Heimweg hielten wir dann an der ortsansässigen Pizzeria und besorgten unser Abendessen. Das Fräulein Wunder war sichtlich fasziniert davon, wie hier die Pizza gebacken wird, Miss Allerliebst interessierte sich mehr für die Spielautomaten.
Wieder versüßten uns Sandmann und Co. den Abend. Miss Allerliebst erlebte Yakari allerdings nicht mehr, da sie verständlicher Weise hundemüde ins Bett fiel (auch wenn ich dafür doch noch etwas Überzeugungsarbeit leisten musste).
Zwanzig nach Acht schaltete ich zu Liam Hemsworth und Natalie Portman und torkelte danach direkt Richtung Bett.

Der Sontagmorgen lief extrem entspannt. Wir hatten erst am Nachmittag den nächsten Termin. Die Kinder sprangen nach dem Aufstehen erst einmal in die Badewanne, während ich das Bad mal wieder ordentlich putzte. Danach Frühstück, Wäsche (das Fräulein hatte tatsächlich am Morgen die letzte Unterbuxe aus dem Schrank angezogen *räusper*) und ein bißchen Aufräumen. Um halb zwölf ging Miss Allerliebst ohne zu murren ins Bett. Während das Fräulein Olympia guckte (sie liebt Wintersport, ich kann dem gar nichts abgewinnen), konnte ich mal wieder in Facebook stöbern und mich durch diverse Spielchen klicken.
Um zwei Uhr stand dann Lieblingssusi vor der Tür und wir fuhren gemeinsam mit dem Zug den Papa auf der Erlebnis Motorrad-Messe besuchen. Abgesehen davon, dass die Parkplätze hoffnungslos überfüllt waren, hatte die Zugfahrt auch noch den Effekt, dass die Kinder auf dem Weg vom Bahnhof zur Messehalle rennen und springen konnten, während Susi und ich uns auf den neusten Informationsstand brachten. Sehr entspannt und mal wieder bitter nötig.
Das Fräulein Wunder freute sich wie Bolle, den Papa zu sehen, hatte sie doch bereits beim Frühstück bemerkt, dass sie den Papa vermisste. Sie wollte dann auch lieber bei ihm bleiben, als mit uns eine Runde durch die Halle zu drehen. Diesen Part empfand ich dann tatsächlich als etwas anstrengend. Schön war, dass ich meine Kollegen und die Kollegen meines Mannes traf, anstrengend, dass die Miss alles anfassen und bestaunen wollte, aber Motorräder für tausende von Euro dafür nicht unbedingt geeignet sind.
Später dann mit dem Zug wieder nach Hause, Spaghetti kochen und uns von Yakari ins Bett winken lassen.

Heute ist Montag. Ich genieße den ruhigen Vormittag. Und die Gewissheit, dass der tolle Mann heute Abend nach Hause kommt. Er hat seine Kinder auch vermisst und schon einen Ausflug geplant (ich arbeite heute Nachmittag).

Alles in allem war dieses Wochenende also anstrengend aber trotzdem extrem entspannt und erlebnisreich. Nicht zu letzt auch, weil das Fräulein Wunder schon ein so großes Mädchen ist und mich unterstützt hat, wo es nur ging. Wir hatten keinen einzigen Streit an diesem Wochenende, wir haben viel gelacht, miteinander geredet und erlebt. Und auch wenn mir heute doch ein wenig die Knochen weh tun, habe ich dieses Wochenende doch genossen. Ich schließe mit einem großen PUH und einem ebenso großen HACH :-).

Der tolle Mann und das kranke Fräulein liegen auf der Couch und schauen sich eine Dokumentation über den Orient-Express an.

TM: Siehst Du, das sind Reisfelder.
FW: Reisfelder?
TM: Ja. Da wächst Reis. Unter Wasser sozusagen. Die weißen Körner, die Du so gerne isst.

Das Fräulein Wunder überlegt kurz.

FW: Und wo wachsen Spätzele?

Ja, wir leben noch. Die Tage sind angefüllt mit jeder Menge Aktivität und neuen Dingen. In den letzten Wochen haben wir zwei Junggesellenabschiede, einen Polterabend und eine Hochzeit erlebt und meinen 40 + 1 Geburtstag im großen Rahmen mit ca. 70 Leuten gefeiert. Inzwischen planen wir die Aktivitäten für die nächste Hochzeit Ende Juli.

Ich habe angefangen, montags und mittwochs jeweils zwei Stunden am Nachmittag wieder zu arbeiten. Und das auch noch beim Arbeitgeber meines Mannes. Aber da er nach Hause kommt um die Kinder zu übernehmen und ich dann erst losfahre, laufen wir uns dort (noch)  nicht über den Weg.
Vielleicht ist dies der Anfang einer neuen Berufsaussicht. Da mein derzeitiger Arbeitgeber meinen Arbeitsplatz am Ende des Jahres nach Mönchengladbach verlegt und ich damit arbeitslos sein werde, kann das ja nie schaden. Und ich glaube wir sind jetzt in einem Alter, in dem es nichts negatives ist, im gleichen Betrieb zu sitzen. Nur im selben Raum wollte ich nicht unbedingt sein. Ein bißchen Freiheit ist  schon noch notwendig. Aber wie gesagt, bis jetzt ist das ja sowieso nicht der Fall.

Miss Allerliebst ist ein Ausbund an Energie und Einfallsreichtum. Überall wo sie ihre Fingerchen nicht haben soll, steckt sie sie garantiert hinein. Nachdem wir eine Zeit lang Ruhe hatten, hat sie wieder angefangen sämtliche Schränke auszuräumen. Dabei geht sie inzwischen sehr systematisch vor. Erst wird der Süßigkeitenschrank angepeilt, danach der Spielzeug- und Malschrank ihrer Schwester und wenn der auch tabu ist, dann geht es an die Spielesammlungen im Schrank daneben. Mir ist vorher noch nie aufgefallen, dass wir nur ein einziges Schrankfach in Regionen haben, an die sie nicht heran kommt.
Außerdem klettert sie überall hinauf und hinein. Und das mit Hingabe und vollkommen unerschrocken. Da sie für ihr Leben gerne rutscht, scheut sie sich auch nicht vor den ganz hohen Spielgeräten. Nachdem sie inzwischen die Technik beim Hinaufklettern von Leitern raus hat, ist sie da nicht zu halten. Noch kann sie sich beim Hinunterrutschen nicht bis ganz unten in einer aufrechten Sitzposition halten, aber das ist ihr schnurzpiepegal. Egal ob die hohe Rutsche im Kindergarten, die noch höhere Rutsche bei unserem Lieblingsspanier oder die kleine Kinderrutsche in unserem Garten – von jeder stürzt sie sich kamikazemäßig und mit lautem Juchu-Geschrei hinunter.
Auch gerne zum Klettern genommen werden die Trip-Trap Stühle. Der ihrer Schwester ist dabei ja beinahe schon langweilig, weil der diesen „Babybügel“ gar nicht hat und sie somit gar nicht so weit klettern muss, um sich hinsetzen bzw. hinstellen zu können.
Kürzlich fand ich sie stehend in unserem Waschbecken (!) vor. Wir hatten vergessen den Kinderschemel vor dem Waschbecken weg zu stellen. Von diesem kletterte sie also ins Becken, zog sich am Spiegel in die Höhe und begutachtete alles, was dort auf der Ablage lag. Mein Herz!
Dann der eisige Schreckmoment, als sie mit ihrer Schwester draußen im Garten weilte und ich sie nicht mehr wieder fand. Ich musste nur kurz nach drinnen auf die Toilette und als ich wieder raus kam, war Miss Allerliebst verschwunden. Das Fräulein und ich suchten das gesamte Gelände ab, ohne Erfolg. Ich hatte bereits Horrorszenarien von vorbeikommenden Männern, die mein kleines Baby einfach mitgenommen hatten, als wir sie quietschvergnügt und vor sich hin glucksend in der Garage im Fahrradanhänger fanden. Hölle!
Jeder, der Miss Allerliebst länger als, sagen wir mal eine Stunde erlebt, stellt unweigerlich fest, dass das Kind keine Sekunde still sitzen kann. Immer ist sie auf dem Weg zum nächsten Abenteuer, experimentiert, probiert aus und erlebt jeden Minute vom Tag irgendwelche aufregenden Dinge.
Dabei ist sie (meistens) so wundervoll ausgeglichen und anschmiegsam, dass das die viele Aufregung mehr als wett macht. Immer wieder kommt sie an, schmiegt sich an mein Bein, verlangt auf den Arm oder den Schoß genommen zu werden um dann kurz aber intensiv zu kuscheln. Sie ruft auch öfter mal ganz laut „Maaamaaaa“ (auch wenn damit im Moment auch noch Papa gemeint sein kann) wenn sie meint, mich jetzt doch mal kurz für irgendetwas zu brauchen.
Ruhe und Konzentration setzen bei ihr im Moment dann ein, wenn sie im Sandkasten sitzt und unermüdlich Sand in einen Eimer schippt, oder irgendwo Wasser in der Nähe ist. Die Tage, an denen es so heiß war, waren von daher für mich ein wahres Geschenk. Während ich im Liegestuhl mit einer netten Zeitschrift saß, vergnügten sich das Fräulein und Miss Allerliebst stundenlang im Planschbecken und im Sandkasten (immer schön abwechselnd. Von paniert zu sauber und wieder zurück).

Überhaupt, das Fräulein Wunder. Sie ist so wahnsinnig groß geworden! Und das meine ich nicht nur körperlich (sie ist weiterhin eine der Größten in ihrer Altersklasse. T-Shirt-Größe 122, falls das jemandem was sagt), sondern auch geistig. Sie scheint meist unerschütterlich in sich zu ruhen. Sie zieht ihr Ding durch und das immer mit Bedacht. Sie kann plappern wie ein Wasserfall. Von morgens bis abends. Und sie ist eine wundervolle große Schwester. Sie küsst und herz Miss Allerliebst, hilft ihr, wo sie nicht weiter kommt, fängt sie unten an der Rutsche auf und macht mit ihr ganz viel Quatsch. Gerne verstecken sie sich gemeinsam und auch wenn ihr lautes Gekicher sie meist sofort verrät, tue ich immer so, als könnte ich sie nicht finden, was einen erneuten Heiterkeitsausbruch zur Folge hat.
Morgens wird immer zu erst festgestellt, ob denn noch Sommer ist. Wenn man nämlich eine lange Hose und eine Jacke für den Kindergarten anziehen muss, ist logischerweise kein Sommer mehr.
Im Kindergarten angekommen ist es für sie immer noch etwas schwer, sich von mir zu trennen, aber wenn ich sie dann direkt in die Obhut einer Erzieherin übergebe, ist auch das in Ordnung. Neulich traf ich sie auf dem Rückweg vom Einkaufen. Die ganze Kindergartegruppe hatte einen Ausflug zum nahegelegenen Spielplatz gemacht und als ich die Meute auf mich zukommen sah, befürchtete ich schon, dass das Fräulein eventuell nicht mehr bei ihrer Gruppen bleiben sondern mit mir kommen wolle. Doch sie winkte mir lediglich grinsend zu und marschierte mit ihrem Kumpel N. an der Hand weiter. Hach, meine Große.
Erwähnte ich schon, dass sie den ganzen Tag redet? Und sie singt. „Ich hab ein Haus, ein kunterbuntes Haus … “ oder „Es lebte einst ein Ritter, der Klipp von Klapperbach … “ oder „Uh, uh, Gangma Style“ und, und, und.
Sie guckt mit ihrem Papa seit neustem „Witzvideos“, liebt Duschen und Baden und kann sich dabei schon selbst die Haare waschen und abspülen. Sie schreibt ihren Namen und malt Häuser und Menschen und Blumen und Wolken und Bäume. Sie sieht laut der letzten Vorsorgeuntersuchung wie ein Adler und hört wie ein Luchs. Und sie fährt leidenschaftlich gerne Fahrrad, auch wenn das mit dem Anfahren noch nicht so wirklich klappt.
Sie ist meine Große. Meine Erstgeborene. Und wird dies auch immer bleiben. Hach.

Und so vergeht die Zeit: Mit Familienausflügen, inzwischen wieder gerne mit dem Fahrrad und Anhänger, mit Treffen mit der Clique, durchgefeierten Nächten, verbummelten Nachmittagen, Besuchen von diversen Architekten (hierzu hoffentlich bald ein gesonderter Eintrag), neuen Aufgaben und Unternehmungen. Es läuft sozusagen. Und das ziemlich gut. Ich wünschte nur, ich hätte viel öfter Lust zum Bloggen.

Nach so viel Gejammer im letzten Post, jetzt auch einmal anders.

Heute war des tollen Mannes Geburtstag (an dieser Stelle einen herzlichen Glückwunsch auch an Finn!). Nach einem eher unerquicklichen vergangenen Abend ein traumhafter Start in den neuen Tag um halb zehn. Beide Kinder waren gut gelaunt, wir kuschelten noch etwas in den Federn, lasen „Conni im Kindergarten“ und besprachen den Tag.
Danach folgte Anziehen. Beide Mädels wurden heute herausgeputzt, an dem Ehrentag ihres Herrn Papas. Das Fräulein im Rock, Miss Allerliebst im Kleidchen. Danach gemütlich Bild für Papa malen und dann ab zu Oma und Opa.

Mein Zeitmanagement war heute perrrrrfekt. Um vier war ich mit allem fertig (um fünf wurden die Gäste erwartet): Einkaufen, aufräumen, saugen, Bolognese Soße kochen und Tisch für die Gäste richten. Um zwanzig nach vier lag ich in der Badewanne, als der tolle Mann nach Hause kam. Frisch und nach Erkältungsbad riechend konnten wir dann um fünf die ersten Gäste (Opa mit Fräulein und Miss Allerliebst) begrüßen.

Die Kinder waren extrem ausgeglichen, fanden die ganze Aufregung mit den vielen Gästen total klasse und haben einen ganzen Berg Spaghetti verdrückt. Natürlich riss sich jedes Familienmitglied darum, die Kinder zu bespaßen, so dass die Versorgung der Gäste ein Kinderspiel war. Sogar in Ruhe essen konnten der tolle Mann und ich, etwas, das wir seit gefühlten vier Wochen nicht mehr getan haben.

Um acht brachte ich schließlich Miss Allerliebst ins Bett. Und was soll ich sagen? Nachdem sie die Nacht davor zum Tag gemacht hatte, war sie heute nach zehn Minuten fest entschlummert und hat sich bis jetzt nicht gerührt.
Im Hintergrund liest der tolle Mann dem Fräulein Wunder gerade eine Gute-Nacht-Geschichte vor, nachdem sie von sich aus die Unordnung von Miss Allerliebst aufgeräumt hat und mich fragte, ob sie mir irgendetwas helfen könne. Sie hat mit uns erzählt, gelacht und geschmust und ist sowas von umgänglich, dass ich das Gefühl habe, ich habe ein ganz neues Kind vor mir. Gott, wie ich sie liebe!

Nachdem alle Gäste gegangen waren schließlich beim Spülen das hier aus meinem iPod:

(Bitte die Frise von Nick nicht beachten und AJ in gelben Hosen ist wohl auch grenzwertig, aber dieses Lied … das ist Vergangenheit, Wohlfühlen und Nach-Hause-Kommen) Hach. Das Leben ist schön.

Willkommen in der Hölle im Lazarett. Letzte Woche Mittwoch fühlte ich mich bereits nicht besonders. Der Hals tat weh und ich musste für meine Verhältnisse recht viel husten. Aber sch*** drauf! Ich werde nie krank und die Kinder waren an dem Tag so anstrengend gewesen, dass ich mir meine Stunde Sport am Abend nicht nehmen lassen wollte.
Tja. Am nächsten Morgen war mein Kopf so groß wie ein Haus, mein Hals schmerzte gotterbärmlich und ich hustete mir die Seele aus dem Laib. Also Fräulein Wunder in den Kindergarten gebracht und Miss Allerliebst bei der Oma geparkt. Danach zum Arzt und dann ab nach Hause auf die Couch. Nebenher ging der Heizungsmensch noch ein und aus, während ich so dahinsiechte. Bis Sonntag lag ich mehr oder weniger flach mit allem was dazu gehört. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so krank gewesen bin.
Der tolle Mann weilte währenddessen auf einer Motorradmesse seines Verlages. Das heißt, er ging morgens früh aus dem Haus und kam abends spät zurück. Also war hier keinerlei Unterstützung möglich.
Ich habe keine Ahnung wie Menschen ohne Familienanschluss so etwas hinkriegen aber ich bin mehr als dankbar, dass meine Eltern jederzeit da sind und sich kümmern. Danke! Danke! Danke!

Die Nasen der beiden Kinder liefen ja schon eine ganze Weile. Aber sonntags raffte es dann das Fräulein Wunder mit Fieber und Husten dahin. Miss Allerliebst hatte ich am Nachmittag wieder mit nach Hause genommen, da sie auch ein wenig kränklich wirkte und da ist Mama einfach die beste Medizin. Das Fräulein verschlief währenddessen drei Stunden des Nachmittags auf Omas Couch um dann von Opa in Decken gewickelt am Abend gebracht zu werden. Mit Fiebersaft brachte ich sie dann zur Ruhe und früh ins Bett, Miss Allerliebst war da eigentlich noch guter Dinge.

Dienstag war das Fräulein Wunder zwar leidlich erholt, nun stieg aber bei Miss Allerliebst das Fieber. Bei mir schwoll mittlerweile die Nase zu und mein Kopfweh wollte auch nicht weggehen. Keine gute Voraussetzungen um heiter und gelassen zwei kranke Kinder zu betreuen. Miss Allerliebst dämmerte eigentlich den ganzen Tag auf meinem Arm vor sich hin, das Fräulein Wunder war Gott sie Dank gesundheitsmäßig wieder relativ fit, allerdings psychisch recht angegriffen. Jede Kleinigkeit führte zu größeren Diskussionen.
Mittwoch fuhr ich dann mit beiden Kindern zum Kinderarzt. Diagnose bei beiden: Erkältung. Außer ab und an einem fiebersenkenden Mittel und Nasentropfen wurde nichts verschrieben. Da hatte ich mir ein bißchen mehr erhofft.

Ab Donnerstag hatte der tolle Mann Urlaub, was das ganze ein wenig erleichterte. Sein Standardspruch lautet das ganze Wochenende schon: „Das nächste Mal gehe ich lieber arbeiten.“ Das Fräulein Wunder ist eine tickende Zeitbombe und flippt wegen jeder Kleinigkeit vollkommen aus. Freitag (also gestern) war ich mit ihr noch einmal beim Kinderarzt (nachdem ich am morgen noch einmal bei meinem Hausarzt wegen dem doofen Schnupfen vorsprach), da sie über schlimme Ohrenschmerzen klagte. Klar dass unser Kinderarzt bereits im Osterurlaub weilte und wir zur Vertretung mussten, was zusätzliche Wartezeiten bedeutete. Gott sei Dank hatte ich noch diesen Artikel von Mama-Miez im Kopf, so dass ich dem Fräulein die Zeit bis dahin mit ein wenig Paracetamol-Saft erträglicher machen konnte. Ergebnis: Das Ohr ist etwas rot, aber noch nicht richtig schlimm. Paracetamol und Nasentropfen sollten es die nächsten Tage richten.

Miss Allerliebst hat unterdessen mal Fieber und mal keins, ist aber die ganze Zeit wahnsinnig anhänglich und piensig. Das bedeutet, dass ich kaum einen Schritt ohne Kind auf dem Arm machen kann. Abends kann sie nicht schlafen und weint viel und lange und wenn sie dann schläft, dann nur in meinem Arm und auch dann nur sehr, sehr unruhig, so dass mein bißchen Schlaf nicht wirklich zählt. Außerdem hat sie seit gestern Abend am ganzen Oberkörper und im Windelbereich so kleine, rote Punkte, von denen ich keine Ahnung habe, was das sein soll. Nicht, dass ich mir schon genug Sorgen mache. Ich ringe heute eigentlich schon den ganzen Tag mit mir, ob ich nicht doch lieber zum Notdienst fahren soll oder bis Montag warte. Aber eigentlich verhält sie sich auch nicht anders als die letzten Tag. Hauptsache auf meinem Arm. Hach.

Tagsüber also weint, schreit oder keift entweder die Eine oder die Andere oder gleich Beide und der Gedanke an Flucht ist dem tollen Mann und mir des öfteren bereits durch den Kopf geschossen.

Es sind einfach so Tage, an denen man sich wirklich fragt, warum man nochmal Kinder haben wollte und wie schön man es doch noch frei und kinderlos hatte.
Und dann schmiegt sich Miss Allerliebst mit ihren Fusselhaaren an mich und plappert leise vor sich hin oder das Fräulein Wunder kuschelt sich an mich und erklärt mir, dass ich die beste Mama der Welt sei und schon weiß ich es wieder. Fünf Minuten Seligkeit, bevor alles wieder von vorne losgeht.

Und deshalb sollte ich mir dieses Foto wirklich ganz groß irgendwo aufhängen, damit ich das Wichtigste nicht in dem ganzen Tohuwabohu vergesse:

Buaeh