• Montag habe ich nach neun Jahren wieder einen Termin beim Zahnarzt. Ich schwitze Blut und Wasser und trotzdem fühlt es sich doch nicht so furchtbar an, wie ich das erwartet habe. Der Arzt reißt entsetzt über seine neue Patientin die Augen auf als er hört, wie lange ich nicht zur Vorsorge war und empfiehlt mir gleich ein Röntgenbild zu machen.
    Als er dieses bewundert, ist er nicht gerade begeistert. Er erzählt mir etwas von Zahnreinigung, zwei kleinen Löchern und von meinen Weisheitszähnen, die eigentlich fällig sind. Ich muss die ganze Zeit daran denken, was der tolle Mann mir gesagt hat: „Der Doc sieht aus wie Roger Willemsen und ist genau so beruhigend.“ was mich innerlich grinsen und damit den Termin gut überstehen lässt (wahrscheinlich trägt auch dazu bei, dass der Arzt erstmal nix macht und mir einen neuen Termin gibt).
  • Dienstag morgen frühstücken Miss Allerliebst und ich mit den Geburtsvorbereitungsmädels in einem kleinen, netten Cafe. Danach hole ich direkt das Fräulein Wunder vom Kindergarten ab und bereite in der kurzen Zeit, in der Miss Allerliebst ihren Mittagsschlaf hält, einen Teil meines Krabbelsackgeschenkes für den Abend vor.
    Um drei sind wir bei Ramona zu Käfertreffen. Diesmal ganz gemütlich und entspannt, denn abends treffen wir uns zu unserem alljährlichen Weihnachtsessen mit Krabbelsack. Zu Hause bringe ich die Vorbereitungen für das Wichtelgeschenk noch schnell zum Abschluss, bevor ich in Rekordzeit dusche und dann zum Bus haste.
    Ich verschenke lediglich einen Gutschein des Lokals in dem wir essen (recht teuer aber leeeecker) und gestalte dafür die Übergabe etwas aufwendiger: Eine Schnitzeljagt mit Käfer-Kreuzworträtsel, Suchen auf der Toilette, Rebus-Rätsel und Hinweissuche. Ich bin zufrieden und ziehe selbst Kosmetika und Licht und Liebe. Hach.
  • Niko
  • Mittwoch bin ich um 10.30 Uhr mit meiner Mama bei der Kosmetik und muss dort erfahren, dass meine heißgeliebte Kosmetikerin ihren Job wegen gesundheitlichen Problemen aufgibt. Ich bin untröstlich!
  • Donnerstag Morgen sitze ich bereits um 8.45 Uhr auf dem Untersuchungsstuhl meines neuen Zahnarztes. Eine Helferin nimmt die erste Zahnreinigung meines Lebens vor. Sie ist fast eineinhalb Stunden beschäftigt, während ich „Millionär“ als Hörbuch höre. Ich bin zwar froh, als es vorbei ist, aber so schlimm wie ich mir das ausgemalt hatte, war es auch nicht.
    Abends geht der tolle Mann mit seinen Kollegen was trinken, so dass die Mädels und ich alleine sind. Wir machen uns einen netten Abend, essen gemeinsam und ich bringe die beiden erfolgreich noch vor acht ins Bett.
  • Freitag morgen habe ich einen Termin beim Frisör. Nachschneiden. Kürzer schneiden. Wie auch immer. Miss Allerliebst begleitet mich und will leider nicht, wie geplant, den Termin verschlafen. Also sitzt sie, eingehüllt in meinen Umhang auf  meinem Schoß und beobachtet ganz genau, was meine Frisörin da so treibt.
    Tante Anneliese kommt am Nachmittag zu Besuch, so dass das Fräulein Wunder im totalen Glück ist. Um halb fünf wird sie zudem noch von Opa abgeholt, um mit Oma zum Frisör zu geschickt. Sie sieht danach einfach zum Anbeißen aus.
    Um halb acht werde ich von Kathi abgeholt. Wir fahren nach Speyer, zur Geburtstagsfeier unserer Lieblingssusi. Wir schwelgen in Rotwein und Spaghetti, Susi freut sich sichtlich über die Teekanne mit Stövchen und wir bewundern immer wieder ihre neue Wohnung, die zwar klein ist, aber von ihr toll eingerichtet wurde.
  • Samstag darf ich ausschlafen und so weit ich mich erinnern kann, hängen wir gemütlich zu Hause rum und machen nix bis nicht viel.
  • Sonntag sind wir abends auf der Nikolausfeier des Kleintierzuchtvereins, dem Schwiegerpapa früher einmal angehörte und von dem er jetzt Ehrenmitglied ist. Die Feier zieht sich ein wenig, ich kenne die Leute nur vom sehen und glaube auch, nicht viel Gemeinsamkeiten mit ihnen zu haben. Trotzdem ist es immer wieder interessant. Der Nikolaus kommt schließlich nicht, sondern schickt einen Vertreter aus dem Verein, der den wenigen, anwesenden Kindern eine Tüte Schokolade überreicht. Das Essen lässt leider auch sehr lange auf sich warten, so dass wir erst um neuen nach Hause fahren und das Fräulein Wunder am nächsten Morgen mehr als müde ist.
  • Montagnachmittag besucht uns die Tante des tollen Mannes, des Fräuleins liebste Spielkameradin. Das Lieblingsspiel des Fräuleins ist im Moment „Schule“. Desöfteren höre ich von ihr die Worte „Frau Lehrerin!“ aus dem Wohnzimmer schallen und ein paar Mal geht die Tür auf, damit die „bösen Jungs“ vor die Tür gesetzt werden können.
  • Dienstag probieren wir mit den Krabbelkäfern einen neuen Indoorspielplatz aus. Eltern wie Kinder sind absolut begeistert, auch wenn der Eintritt mit 10,40 Euro für ein Kind und einen Erwachsenen doch recht hoch ist.
    Das Fräulein hüpft zum ersten Mal auf diesem Trampolin, bei dem man sich festschnallen lässt und ist hin und weg. Am liebsten möchte sie gar nicht mehr davon runter.
    Miss Allerliebst macht dort die ersten, richtigen Krabbelschritte ihres Lebens.
  • Am Mittwoch Morgen beginnt im Kindergarten gerade die Yogastunde, als wir ankommen. Das Fräulein Wunder ist neugierig und möchte uuuuuunbedingt mitmachen. Also huschen wir schnell mit in den Turnraum. Ich bleibe noch einen Moment, da das Fräulein bei neuen Situationen erst einmal nicht alleine sein möchte, aber schneller als ich erwartet habe kann ich mich mit einem kurzen Winken verabschieden. Beim Abholen erzählt sie dann ganz begeistert, dass das Yoga ganz toll gewesen wäre und ob ich auch die Feder machen könnte. Angeblich muss man dazu die Hände falten und die Augen schließen. Somit hat mein Kind nun offiziell mehr Erfahrung als ich.
  • Donnerstag sollte eigentlich der Zahnarzt in den Kindergarten kommen, kommt aber nicht. Am frühen Abend bin ich mit meinem Bruder auf der Bank verabredet. Der kommt erst auch nicht. Dann aber doch mit einer viertel Stunde Verspätung. Ein unspektakulärer Tag also.
  • Freitags ist die Geburtstagsfeier meines Papas. Wie jedes Jahr bekommt er einen Kalender geschenkt. Diesmal ist nicht nur das Fräulein Wunder, sondern auch erstmals Miss Allerliebst darauf zu sehen.
    Das Fräulein feiert mit uns bis halb elf, Miss Allerliebst entschlummert immer mal wieder, findet aber schlafen im Kinderwagen, der im Schlafzimmer meiner Eltern steht, nicht sonderlich prickelnd. Auf dem Arm wird es dann besser.
  • Am Samstag haben wir uns endlich mal wieder vorgenommen, einen Ausflug zu machen. Erst nach eins, nachdem Miss Allerliebst ihr Gläschen verschlungen hat, machen wir uns auf den Weg in den Odenwald. Sommerrodelbahn und Tierpark stehen auf dem Programm. Als es an den Heimweg geht, scheinen beide Kinder etwas knatschig, trotzdem riskieren wir noch einen Besuch beim hiesigen Griechen, den beide Kinder und auch wir Eltern mit Bravour meistern.

  • Sonntag Mittag lädt Schwiegerpapa in die Walnuss ein. Das Lokal liegt etwas außerhalb und ist eigentlich für seine selbstgebackenen Kuchen und Torten beliebt. Aber auch zum Mittagessen kann man sich mit Wurstsalat (Schwiegerpapa), Flammkuchen (Fräulein und Patentante) oder Strammen Max (meine Wenigkeit) verwöhnen lassen.
    Anschließend wird das Fräulein noch von der Patentante bespaßt, bis es am Abend müde aber glücklich ins Bett geht.
  • Montag Morgen, halb acht. Ich ziehe dem Fräulein Wunder gerade die Schuhe an, als sie mit Tränchen in den Augen sagt „Mama? Wenn Du tot bist, dann bin ich ganz allein.“
    Ich habe keine Ahnung, woher das plötzlich kommt und frage mich, was da vorher in ihrem Kopf herumgegeistert ist, bis dieser eine Satz hervor kam. Nach dem ersten Schockmoment, in dem ich gar nicht wusste, was ich sagen soll, habe ich versucht zu beschwichtigen. Ich konnte mich allerdings nicht so ganz entscheiden, ob ich nun Richtung „So schnell sterbe ich nicht“ oder „Der Papa ist doch dann auch noch da“ argumentieren soll. Ich glaube, ich habe irgendwie beides verwendet, auch wenn ich mich nicht mehr genau daran erinnern kann.
  • Dienstag haue ich mir den Kopf so dermaßen am Kofferraumdeckel an, dass ich noch eine viertel Stunde später Tränen in den Augen habe und auch heute noch die ordentliche Beule spüre.
  • Mittwoch habe ich das erste Elterngespräch im Kindergarten. Des Fräuleins Erzieherin ist sehr zufrieden. Das Fräulein Wunder ist interessiert, aufmerksam und konzentriert bei der Sache. ABER … sie hängt sich gerne an die Kinder, die das komplette Gegenteil von ihr sind, sprich: die Gruppenstörenfriede und -kasper. Wenn nun also die Erzieherin draußen auf dem Spielplatz zum Aufräumen, Aufstellen und Hineingehen ruft, kichern N und T schon ganz verschwörerisch, winken das Fräulein Wunder zu sich heran und dann verdrücken sich die drei um sich irgendwo zu verstecken.  Wenn das Fräulein hinterher darauf angesprochen wird, kann sie gar nicht verstehen, warum so ein Wirbel gemacht wird. Sie hat sich ja schließlich nur versteckt.
    Ich gebe zu, ich bin ein wenig hin und her gerissen. Auf der einen Seite ist es mir etwas unangenehm, dass das Fräulein negativ auffällt, andererseits bin ich ein klitzekleines bißchen stolz, dass sie sich ein wenig den Rebellen zugewandt hat und eben nicht zu allem Ja und Amen sagt. Womöglich werde ich diese Einstellung noch bereuen.

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