Der November ist bei mir klassisch der Monat, in dem jeder Funke Energie und Unternehmungslust relativ plötzlich erlischt. Ich habe keine Lust auf gar nichts. Am liebsten würde ich mich bis Anfang März in meinem Bett verkriechen, eine Millionen Bücher lesen, unfassbar viele Liter Tee trinken und den Rest der Welt Welt sein lassen.
Natürlich hat der November auch ein paar gute Seiten. Es macht wieder Spaß die Tage im Haus zu verbringen, wieder etwas mehr Gesellschaftsspiele zu spielen, auch mal ne Runde Fernsehen am Nachmittag einzuschieben oder eine Kanne Tee bis zum letzten Schluck heiß zu genießen.
Auf der anderen Seite stirbt meine Lust auf Sport, und die Disziplin beim Essen nimmt rapide ab. Spätestens im Dezember, wenn Plätzchen, Glühwein und Weihnachtsessen beinahe täglich auf dem Plan stehen, ist diese Verbindung tödlich für meine Figur.

Um meine Sportunlust entgegenzuwirken versuche ich wieder regelmäßig zum Sport aus dem Haus zu gehen. Habe ich das Frühjahr und den Sommer über lieber mit meinen DVDs Sport gemacht und war draußen Laufen, so konnte ich mich bereits Ende Oktober nur sehr schwer zu sportlichen Aktivitäten aufraffen. So sank mein durchschnittliches Sportpensum von fünf bis vier Mal die Woche erst auf drei, dann auf zwei und schließlich auf ein ziemlich verkrampftes Mal die Woche. Ich gebe zu, dass mich das inzwischen etwas panisch macht. Total psycho, ich weiß. Und ich weiß auch, dass ich morgens nicht aufwache und plötzlich wieder 90 Kilo wiegen werde. Und trotzdem. Irgendetwas musste passieren.
Also bin ich mittwochs wieder zum hiesigen Turnverein zur Step-Arobic gegangen. Allerdings war nach zwei Mal für dieses Jahr bereits wieder Schluss, da diverse Theaterproben und die Winterferien dazwischen kamen.

Schon länger erzählte mir meine Freundin Ramona von den Kursen, die sie montags in einem Fitnessstudio gibt. Da es sich hierbei um drei Kurse hintereinander handelt (Fatburner-Step, BBP und Yoga) nannte ich das für mich den „Iron Monday“. Und irgendwo in mir stand diese Frage: Könnte ich diese drei Stunden Sportpensum schaffen? Ich bilde mir ja nun ein, einigermaßen trainiert zu sein. Ich strotze jetzt nicht vor Muskeln, aber ich habe eine gewisse Kondition und meine Beine und mein Bauch können inzwischen einiges aushalten. Aber drei Stunden? Das ist schon Hardcore.
Und dann fand ich auf Groupon plötzlich dieses Super-Sonderangebot (6 Wochen für knapp 30 Euro – Guckst du hier) und es war klar, dass ich damit den Iron Monday ausprobieren musste.

Diese Woche war es dann so weit. Ich war echt ein bißchen ängstlich. Angst zu versagen. Angst nicht mithalten zu können. Angst feststellen zu müssen, dass ich eigentlich gar nichts kann und mir die ganze Schufterei bisher nichts gebracht hat. Angst mich zu blamieren.
Aber auch neugierig. Was kann ich wirklich? Wo liegt mein tägliches DVD Training im Vergleich von Schwierigkeitsgrad und erforderlichem Durchhaltevermögen?
Und nicht zuletzt freute ich mich tierisch darauf, zusammen mit Ramona Sport zu machen (die ohne Frage das absolute Fitnesstier ist. Ich bin immer noch total geflasht und demütig).

Pünktlich um 17.30 Uhr stand ich also vor meinem Step. Noch guter Dinge, mehr in freudiger als ängstlicher Erwartung.

Und dann ging es los.
Obwohl ich ja nun seit Jahren im hiesigen Turnverein zur Step Aerobic gehe, lernte ich doch viel Neues. Zum einen, dass es hierbei nicht immer nur um Choreo gehen muss, sondern dass es auch einfach reicht, einen konditionsmäßig komplett fertig zu machen (Fatburner-Step eben). Demnach die Schritte relativ einfach und bekannt, wenn auch manchmal anders benannt, neu das tänzelnde Wechseln auf den Nachbarstep und wieder zurück und vor allem neu das Hochbauen des Step (!).
Mein lieber Herr Gesangsverein. Wenn so ne Stufe mal 40, 50 cm hoch ist (statt 20) und du zwanzig Minuten rauf und runter steigen, hüpfen und tanzen musst, weißt du hinterher auch was du getan hast.
Erfreulicherweise war meine Kondition vollkommen ausreichend. Ich habe geschwitzt wie bekloppt und ordentlich nach Luft gerungen, aber so sollte Sport eben sein und ich empfand es nicht als unangenehm. Meine Beine haben aber schon ganz schön protestiert. Aber alles noch im Rahmen.
Wenn ich jetzt nach Hause gegangen wäre, hätte ich gesagt, es war anstrengend aber hat Spaß gemacht, weil es was Neues war und mich körperlich echt gefordert hat.

Aber ich hatte ja gerade mal ein Drittel geschafft.

Vor Bauch-Beine-Po hatte ich mit am meisten Respekt. Ich weiß, dass bestimmte Muskelpartien bei mir nicht sonderlich gut trainiert sind. Meine Arme können gar nix und selbst gewisse Bein- oder Bauchregionen sind schlechter trainiert als andere.
Und so kam es, dass nach einer Stunde intensiven Treppensteigens im Step die Beine weiter malträtiert wurden. Da fühlen sich deine Oberschenkel sowieso schon wie Pudding an und dann sollst du auch noch ordentlich in die Knie gehen, die Beine heben und strecken und dabei irgendwie aufrecht bleiben und nicht zusammenbrechen.
Ich habe nicht alle Wiederholungen geschafft. Musste zwischendurch öfter absetzen, nach Atem ringen, kreischende Muskeln massieren und Ramona innerlich verfluchen (ich befürchte, ich habe einmal sogar laut „ich hasse dich“ gesagt). Bei ihr sah das alles so einfach aus (die deutsche Jillian Michaels sozusagen). Ich hingegen wollte nur noch sterben.
Tatsächlich hat mich der Kurs ganz schön deprimiert. Ich wollte besser sein. Ich wollte da vielleicht nicht durchspazieren, aber wenigstens würdevoll vor mich hin stöhnen und die Übungen schaffen. Ging halt nicht.
Das ist aber wiederum das, was meinen Ehrgeiz anfacht. Warum ich nächsten Montag wieder dort bin, mich plage, Schmerzen haben und wieder versagen werde. In sechs Wochen will ich da raus gehen und mir sagen „das war jetzt richtig gut“.

Anschließend ein kurze Pause von fünf Minuten und danach zum Yoga auf der Matte ausstrecken. Für das nächste Mal weiß ich, dass ich mir frische Klamotten mitnehmen muss. Denn so verschwitzt zu entspannen ist nicht so ganz der Bringer.
Wobei ich noch etwas unschlüssig bin, ob ich das nächste Mal die Stunde Yoga nicht lieber in der Sauna verbringe. Denn egal wie, Yoga ist trotzdem Sport, zudem noch eher etwas für Menschen, die wesentlich gelenkiger sind als ich. Ich hatte keine Kraft mehr für gewisse Figuren, wackelte rum, weil mein Körper nur noch sehr widerwillig Spannung halten wollte und beim Entspannen am Schluss musste ich aufpassen, dass ich nicht einschlafe.
Ich hatte jedenfalls das Gefühl, dass mein Körper schon lange genug für diesen Abend hatte und mit dem Prinzip Yoga warm zu werden fällt mir sowieso schon immer schwer.

Ich schlief in dieser Nacht wie ein Stein. Am nächsten Morgen (und die nächste zwei bis drei Tage) schmerzten meine Arme, Schultern und Brustmuskeln und dies nur von vielleicht zwanzig Liegestützen. Der Rest des Abends hatte den Fokus eher auf Beine und Bauch und die fühlten sich gut an. Zwar irgendwie schwer und geschafft, aber es tat nichts weh. Das hat mir wiederum sehr gefallen. Das zeigt mir doch, dass mein bisheriges Sportprogramm nicht umsonst war, dass da Muskeln sind, die bereit für noch mehr Anstrengung sind und das auch gut verkraften.

Demnach stehe ich am Montag wieder um 17.30 Uhr vor meinem Step. Mit sehr viel Respekt und der Erwartung, dass ich spätestens bei BBP abkacken werde. Aber das ist in Ordnung. Wie ich auch immer dem Fräulein Wunder sage: „Du kannst nicht erwarten dass du alles nach fünf Minuten perfekt kannst. Manche Sachen muss man üben, üben und nochmal üben. Aber wenn es dann klappt, dann ist das das tollste Gefühl auf der Welt.“

In diesem Sinne ein angenehmes und geruhsames Wochenende. Vielleicht denkt ja der ein oder andere am Montag Abend an mich und sendet mir ein bißchen Muskelkraft. Ich kann sie ganz sicher gebrauchen!

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Ich gehöre ja nun bekanntermaßen zu den spätgebärenden. Ich war bereits 37 als das Fräulein Wunder geboren wurde und stand 8 Wochen vor meinem vierzigsten Geburtstag, als Miss Allerliebst auf die Welt kam. Wenn es nach uns gegangen wäre, wären unsere Kinder bereits viel, viel älter (das Fräulein Wunder wäre heute beispielsweise 15 Jahre alt und keine sechs). Aber man kann sich eben nicht immer alles aussuchen, so wie man es möchte. Und wir sind mehr als glücklich, wie schlussendlich alles gekommen ist.

Ein großer Nachteil, dass wir so spät erst Kinder bekommen haben (neben den ganzen körperlichen), ist auf jeden Fall der, dass die Kinder unserer Freunde alle älter sind als unsere. Und genau das ist bei vielen auch der Grund, warum wir uns heute nicht mehr so oft sehen. Die Interessen sind einfach sehr verschieden.
Wir waren zum Beispiel am Vatertag mit Freunden und deren dreizehnjährigen Tochter im Luisenpark. Im Grunde sind wir Erwachsenen kaum dazu gekommen, uns zu unterhalten, weil unsere Kinder komplett andere Interessen hatten. Während unsere zwei Kleinen den ganzen Tag auf irgendeinem Spielplatz hätten verbringen können, wollte die große Tochter am liebsten in irgendeiner Ecke „chillen“ oder Fußballspielen.

Natürlich habe ich inzwischen auch ganz viele tolle Menschen mit Kindern im selben Alter kennengelernt. Hier stellt sich dann eher das Problem, dass zum Einen jeder bereits sein eigenes Leben und Freundeskreis hat und somit Treffen meist rund um die Kinder geplant werden, was eine Beteiligung der Väter meist grundsätzlich ausschließt. Und zum Anderen müssen sich die Väter, wenn sie sich denn dann irgendwann mal doch bei irgendeinem Event treffen, auch noch verstehen. Damit meine ich, so sehr mögen, dass sie sich vorstellen können, auch mal am Wochenende etwas miteinander zu unternehmen. Das ist in unserm Fall so noch nicht vorgekommen.

Und dann kam der letzte Freitag. Wir waren bei unserem Lieblingsgriechen mit Julia, deren beiden Kindern, einem Kollegen und dessen Kumpel mit ebenfalls zwei Kindern verabredet. Sechs Mädchen im Alter zwischen 3 und 7. Die Tafel war ewig lang, was ich so nur von Familienfeiern kenne.
Ich war mir am Anfang gar nicht so ganz klar darüber, dass dieses Treffen so ganz anders sein würde, als unsere bisherigen. Ich wusste nur, da würden viele Kinder kommen und Erwachsene, die ich ebenfalls sehr mag.
Und, was soll ich sagen? Es war einfach gran-di-os. Gott sei Dank konnten wir draußen sitzen und so tobten die sechs Mädels auf der Wiese quitschvergnügt gemeinsam herum. Die Kleinen wie die Großen. Das hat mich so an meine eigene Kindheit erinnert. Sie spielten Verstecken, Ball und Pferdereiten und waren den ganzen Abend nur zum Essen gesehen.
Wir Erwachsenen genossen den Abend, konnten tatsächlich mehrere Sätze am Stück ohne Unterbrechung von uns geben und fühlten uns so entspannt wie sonst nur, wenn wir alleine ohne Kinder unterwegs sind.

Wir ließen den Abend dann auch noch bei uns zu Hause ausklingen. Die Mädchen bekamen zur Belohnung noch eine Runde Eiskönigin mit Kaktuseis, wir Erwachsenen saßen nebenan in unserem tollen, neuen Esszimmer und ließen uns noch ein Glas Wein schmecken.
Als dann schließlich zum Aufbruch geblasen wurde, war es bereits halb zwölf und alle Kinder waren hundemüde aber glücklich. Das Fräulein Wunder trug ich so wie sie war ins Bett, Miss Allerliebst hat es immerhin noch in den Schlafanzug geschafft.

Das Schöne an diesem Abend war einfach, dass wir keine Kompromisse zwischen Kinderprogramm und Erwachsenen Unterhaltung machen mussten. Jeder war glücklich, zufrieden und entspannt. Die Kinder beim Spielen zu beobachten war einfach wundervoll, auch dass sie sich alle zusammen gefunden haben war toll, denn zwei der Kinder waren den anderen vier unbekannt.

Am Ende waren wir uns alle einig, dass es wirklich ein toller Abend war und wir den unbedingt wiederholen müssen.

Freitagabend

Ich mache mir immer Sorgen, dass ich meinen Kindern mehr zutraue, als sie womöglich können. Je älter die Mädels werden, desto mehr fällt mir das auf. Meist mache ich mir erst hinterher Gedanken, oder auch währenddessen, wenn mir zum Beispiel einfällt, dass es für Miss Allerliebst vielleicht schon noch recht viel ist im großen, zweistöckigen Indoorspielplatz alleine herum zu streifen. Beim Fräulein Wunder wäre mir das in diesem Alter im Traum nicht eingefallen. Andererseits ist die Miss eben ein ganz anderer Charakter und auch als Mutter wächst man ja mit seinen Aufgaben. Und trotzdem … da frage ich mich dann, ob ich nur zu bequem bin, meinem Kind hinterher zu rennen.

Und wenn gute Freundinnen davon erzählen, wie ihr Kind das erste Mal alleine vom Kindergarten oder der Schule nach Hause gelaufen ist, stelle ich fest, dass ich mir da wesentlich weniger Gedanken mache. Während andere außer Sicht des Kindes die ersten paar Mal hinterher gehen (oder auch mit dem Auto fahren) um zu gucken, ob auch alles gut klappt, lasse ich das Fräulein einfach laufen ohne darüber nachzudenken. Und hinterher denke ich „Hätte ich vielleicht auch etwas besser auf mein Kind acht geben sollen? Bin ich verantwortungslos?“

Auf der einen Seite sage ich mir, dass ich meine Kinder doch gute kenne und ich weiß, dass das Fräulein Wunder so umsichtig und aufmerksam ist, dass sie einen Weg selbst mit Straßenüberquerung gut alleine schafft. Oder das Miss Allerliebst so ein Wirbelwind und clever ist, dass sie sich in unbekanntem Gelände zurechtfindet.
Andererseits kann man sich ja nie wirklich sicher sein und so mancher Erwachsener überschätzt sich ja auch mal ganz gerne. Kann ich dem Fräulein also glauben wenn sie sagt, sie schafft das alleine?

Gestern ist sie jedenfalls das erste Mal vom Kindernachmittag ganz alleine nach Hause gelaufen. Irgendwie kam das Gespräch darauf, weil der tolle Mann und ich es von Abholzeiten und wie das dann für Miss Allerliebst ist, hatten. Und das Fräulein fing direkt an vor Stolz und Vorfreude zu strahlen als ihr aufging, dass sie ja eigentlich schon alleine nach Hause laufen kann.
Mein erster Gedanke war dabei Erleichterung. Weil es den Alltag bzw. das Zeitmanagement (zumindest für den tollen Mann, denn ich bin mittwochs ja arbeiten) immens erleichtert. Aber um fünf, als ich wusste, dass sie jetzt losläuft, kamen mir dann doch so ein paar Bedenken. Wenn sie es sich jetzt zum Beispiel anders überlegt hätte, könnte uns niemand bescheid geben, weil dort keiner unsere Telefonnummer hat und wahrscheinlich auch nicht unsere Adresse kennt (das Fräulein hat diesen Kindernachmittag erst das zweite Mal besucht). Und wenn sie unterwegs doch nicht guckt, wenn sie über die Straße muss? Oder plötzlich Angst bekommt? Oder, oder, oder?
Ich war jedenfalls erleichtert, als ich nach Hause kam und das Fräulein war wohlbehalten zu Hause angekommen. Auf meine Frage, wie es war, kam ein etwas genervt wirkendes „Alles gut Mama“, so als hätten schon fünf Leute wissen wollen, wie sie nach Hause gekommen ist.
Damit war das Thema dann im Grunde abgeschlossen.

Beim ins Bett gehen hatten wir dafür nach langer Zeit mal wieder richtig großes Theater. Weder der tolle Mann noch ich wissen so genau, was eigentlich los war, aber sie weinte, heulte und tobte eine gute Stunde am Stück. Auslöser war natürlich irgendetwas, das ihr nicht gepasst hat. Entweder, dass sie heute nicht huckepack nach oben getragen wurde oder ähnliches. Aber sie wollte sich gar nicht beruhigen. Irgendwann zwischendurch erzählte sie mir unter Tränen, dass alle im Kindernachmittag verkleidet gewesen wären und sie als einzige nicht. Ich kann das ganz extrem gut nachempfingen, wie doof sich das anfühlt. Aber selbst mit dieser Empathie konnte ich sie nicht einfangen. Schließlich weinte sie sich in den Schlaf, während ich ihr den Rücken kraulte.

Jetzt frage ich mich natürlich (der tolle Mann wird wahrscheinlich über mein paranoides Hirn den Kopf schütteln), ob das irgendetwas damit zu tun hat, dass sie alleine bei diesem Nachmittag war (alles neu) und dann auch noch alleine nach Hause gelaufen ist (unbedingt von ihr selbst gewollt aber vielleicht doch überschätzt?). Zwischendurch, während sie da so weinend im Sessel hockte, hab ich mich sogar gefragt, ob auf dem Heimweg irgendetwas passiert ist. Vielleicht von jemandem angesprochen oder blöd angemacht worden? Keine Ahnung. Ich neige ja dann dazu, mir die grässlichsten Dinge auszumalen. Kopfkino deluxe. Aber aus ihr bekommt man in dem Moment ja nichts vernünftiges (wenn überhaupt) heraus.

Und so bleibt diese neue Selbstständigkeit schwierig. Ich versuche, meinem Kind zu vertrauen und ihr dies alles zuzutrauen. Und ich versuche mir und meinem Bauchgefühl zu vertrauen. Aber das ist leider nicht immer so leicht.

Frisoer-pola

Seit Samstag können wir offiziell verkünden, dass Miss Allerliebst läuft. Zwar noch wackelig, aber sie schafft immerhin Entfernungen von ein paar Metern. Und, das wichtigste überhaupt, wir müssen sie nicht dazu überreden. Wenn sie beispielsweise am Wohnzimmertisch steht und möchte am entgegengesetzten Ende des Raumes etwas haben, dann marschiert sie einfach drauflos.
Das beste daran ist noch, wie sie sich darüber freut. Das breite Grinsen auf ihrem Gesicht und das leise Kichern, so als wollte sie sagen „Siehste Mama. Das hättest Du jetzt nicht erwartet, oder? Ich kann das schon ganz alleine!“. Einfach wundertoll.

Auch wird weiterhin das Essen mit der Gabel kräftig ausgebaut. Bisher hatte sie bei der Breikost immer einen Löffel in der Hand und hat versucht mitzulöffeln. Leider hält sie sowohl den Löffel als auch die Gabel als auch Schaufeln oder ähnliches immer mit dem „Gesicht“ nach unten, so dass alles was nicht kleben bleibt sofort wieder runterflutscht. Versuche, ihr eine andere Methode zu zeigen oder auch einmal die Hand zu führen, scheiterten kläglich. Sie lässt nämlich das Essgerät sofort los, sobald sich eine fremde Hand nähert.
Deshalb klappt es wohl, seit sie mit uns mitisst, mit der Gabel auch so gut. Anfänglich hat sie noch Würstchen, Kartoffeln, Gemüse und anderes mit den Fingern gegessen, nun piekst sie alles fachmännisch mit der Gabel auf. Und da macht es ja nichts, wenn alles mit dem Kopf nach unten hängt.

Überhaupt verdrückt sie momentan Megaportionen, von denen ich keine Ahnung habe, wo sie die hin isst. Gerade letztens ganze zwei (ZWEI!!) lange Bratwürste. Genau so viele wie ihre Schwester übrigens. Und dazu noch ein paar Bratkartoffeln. Karotten mag sie leider nicht so gerne, eigentlich kaum ein Gemüse im gekochten Zustand. Da kommt sie wohl ganz nach dem Fräulein. Rohkost ist dagegen kein Problem. Bei beiden nicht.

Weniger schön ist ihr ausgeprägter Faible für alles, auf das man klettern kann. Angefangen hat es mit dem Hocker im Badezimmer. Der hat zwei kleine Stufen und da hat sie sich gerne in einem unbeobachteten Moment hochgezogen. Inzwischen wird versucht, das Fräulein Wunder morgens beim Zähneputzen lautstark von dort oben zu vertreiben. Wir müssen also den ganzen Tag über aufpassen, dass die Badezimmertür immer geschlossen bleibt, bzw. den Hocker so umlegen, dass keiner mehr hinauf steigen kann.
Auch entert sie sehr gerne die Duschwanne. Leider etwas doof, wenn einer von uns morgens geduscht hat, weil danach dann die liebe Miss Allerliebst von oben bis unten nass ist. Also Bad -> zumachen (klappt natürlich nicht immer).
Als nächstes kommen die Kinderstühle in der Küche dran. Und die Küche abzuschließen würde ich eher unpraktisch nennen. Sie zieht sich an den Tripp-Trapp-Stühlen hoch, stellt sich auf die Sitzfläche und wippt und tanzt als gäbe es so etwas wie einen Abgrund gar nicht. Hier gilt also -> den ganzen Tag nicht aus den Augen lassen.
Von der Couch und den diversen Spielzeugkisten, in die sie gerne klettert, will ich hier gar nicht reden. Was sehr cool ist, ist allerdings, dass sie auf das Schaukelpferd und die Rutschkuh selbständig auf und wieder absteigen kann. Sogar schaukeln und vorwärts fahren kann sie mit den Dingern schon. Leider kippt sie mit der Kuh noch recht häufig um, weil sie das mit dem Lenken noch lernen muss. Wenn man nach links will reicht es eben nicht nur den Körper da hin zu bewegen. Hier gilt also -> immer dabei sein und notfalls auffangen.

Das Fräulein Wunder indessen lernt gerade das Fahrradfahren. Am Samstag vor ihrem Geburtstag sind wir in ein nahegelegenes Fahrradfachgeschäft gefahren und sie durfte sich ihr Fahrrad selbst aussuchen. Wobei sie eine Entscheidung lediglich zwischen zwei Modellen treffen musste. Rein optisch lag natürlich das Prinzessin Lillyfee Fahrrad von Puky ganz weit vorne, allerdings lag es nach dem Fahrtest knapp hinter dem Prinzessin Sternenfee Rad einer anderen Marke (die mir gar nicht bekannt ist, stelle ich gerade fest). In Verarbeitung, Design und Größe (tatsächlich 18 Zoll, weil sie mit den Füßen runter kommt und eine sichere Laufradfahrerin ist) stehen sich die beiden in nichts nach und so ist Prinzessin Sternenfee bei uns eingezogen.
Das Fräulein hat noch auf dem Hof des Fahrradladens, bei der zweiten Testfahrt ihres ach so kurzen Lebens, ganz euphorisch gerufen „Lass mich los Papa, ich kann das alleine,“ dem wir aus Platzgründen erst einmal nicht nachgekommen sind.
Zu Hause zeigte sich aber, dass sie tatsächlich ein Naturtalent zu sein scheint. Beim Aufsitzen braucht sie noch etwas Halt, ansonsten radelt sie aber drauflos, als hätte sie nie etwas anderes getan. Ich bin mächtig, mächtig stolz! Und ich muss neben her joggen, was für mich also auch noch irgendwie einen positiven Effekt hat.

Dass das Fräulein jetzt bereits seit Wochen mehr oder weniger konstant in ihrem eigenen Bett schläft, habe ich auch nicht erwähnt. Ein Traum, im wahrsten Sinne des Wortes.

Und zu guter Letzt kann das Fräulein Wunder bereits ihren Namen schreiben. Selbst das etwas schwierig „J“ in der Mitte schreibt sie inzwischen ganz toll. Jetzt kann sie die Gemälde und Basteleien aus dem Kindergarten selbst mit ihrem Namen versehen und wo ihr Name oder Unterschrift gefragt ist, werden recht fachmännisch die vier Buchstaben hin gemalt. Mutterstolz pur, habe ich doch eine nicht geringe Leidenschaft für das geschriebene Wort.
Miss Allerliebst wird es mit ihrem Namen mal schwerer haben. Sie hat alleine schon drei Buchstaben mehr und dazu auch noch lauter verschiedene. Aber ich bin mir sicher, dass sie auch das mit Bravour meistern wird.

Superhelden Kinder, ich sag’s doch immer wieder. 

Fahrrad-pola

… und dann stelle ich Miss Allerliebst vor mich auf den Boden und lasse vorsichtig ihre Hände los. Dann locke ich sie. „Komm mein Schatz. Komm zu mir.“ Und das wundertolle Kind macht tatsächlich vier wackelige Schritte in meine Arme, ohne umzufallen. Dann freuen wir uns beide wie Bolle. Miss Allerliebst drückt sich ganz fest an mich und grinst über das ganze Gesicht, ich kann mich gar nicht mehr einkriegen.
Habe dann gleich den tollen Mann angerufen und versuche jetzt, langsam wieder runter zu kommen und das arme Kind nicht zu sehr zu fordern (wegen mir könnte sie jetzt den ganzen Tag vor sich hin laufen).

Bin gerade überwältigt.

Allerliebst