Unsere kleine Räubertochter ist inzwischen fünf Jahre alt. Letzte Woche hatte sie ihre Vorschuluntersuchung und somit wird sie ab September ein Vorschulkind sein. Noch ein Jahr, bevor auch sie den Schutz des Kindergartens verlässt und in die große weite Welt hinaus zieht.

Ich weiß noch, dass ich mir beim Fräulein Wunder mehr Sorgen darum gemacht habe, wie sie sich sozial in der Schule zurecht finden wird, als darüber, dass sie vielleicht mit dem Schulstoff Probleme haben könnte. Bei ihr war irgendwie klar, dass ihr das Schulische leicht fallen wird.
Bei Miss Allerliebst habe ich kein richtiges Gefühl, in welche Richtung auch immer. Ich glaube, dass sie besser mit der Umstellung Kindergarten/Schule zurechtkommen wird. Ich glaube auch, dass sie ebenfalls wissbegierig, lernwillig und furchtbar schlau ist. Sie schreibt bereits seit einer Weile ihren Namen, fängt jetzt an im Zehnerbereich zu rechnen, Buchstaben zu erkennen und sie liebt Fehlersuchrätsel. Aber ich kann sie mir (noch) nicht in der Schule vorstellen, wo man aufpassen und sitzen bleiben muss und nicht mehr so viel spielen kann wie früher.

Nach wie vor ist sie ein echter Haudrauf und Wirbelwind. Und auch immer noch meine Kleine. Mein Baby. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass sie die letztgeborene ist, oder daran, dass sie sehr gerne kuschelt und einfach so allerliebst sein kann. Wenn ich in ihr hübsches Gesicht mit den großen, braunen Augen und den (inzwischen wieder) kurzen Haaren blicke, ist das Baby, das sie einmal war, noch nahe unter der Oberfläche. So schutzbedürftig und voller Vertrauen in sich und ihre Umwelt.
Vielleicht wird sie für mich immer mein Baby bleiben, auch wenn die Zeit kommt, in der sie das (und wahrscheinlich auch mich) hassen wird.

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Das Fräulein Wunder ist inzwischen acht Jahre alt. ACHT! Bald beendet sie das zweite Schuljahr und freut sich schon auf die dritte Klasse. Nun ja … erst einmal auf die Ferien natürlich.
Die Schule läuft für das Fräulein nach wie vor problemlos. So ein bißchen ist die Realität zwar auch bei ihr angekommen –  so gibt es Tage, an denen sie so gar keine Lust hat, in die Schule zu gehen („Mama, ich habe Bauchweh/Kopfweh/mit ist schlecht“). Das liegt aber wahrscheinlich eher am frühen Aufstehen, als an der Schule an sich. Aber im Großen und Ganzen ist sie doch mit Feuereifer bei der Sache.
Im letzten Elterngespräch bestätigte uns auch ihre Lehrerin, dass das Fräulein sich sehr gut eingefunden hat (was am Anfang etwas schwierig war, da das Fräulein Wunder die Angewohnheit hat, etwas Neues erst einmal mit Argusaugen zu beobachten. Die ersten Wochen hat sie wohl kaum einen Ton von sich gegeben und konnte oder wollte auch auf Nachfrage der Lehrerin nicht sagen, warum sie gerade ein Sturm-Wolken-Gewitter-Gesicht macht). Auch hätte sie bereits einen sehr großen Wortschatz und wäre eines der wenigen Kinder, das sich bei einem Vortrag vorne an der Tafel zu den Mitschülern wendet und frei erzählen kann. Sie hat sogar den Vorlesewettbewerb in ihrer Klasse gewonnen und tritt nun nächste Woche zum Regionalentscheid an. Absoluter Mutter- und Fräuleinstolz.
Nach wie vor liegt ihr Deutsch eher als Mathe. Wobei es bei Mathe einfach manchmal etwas länger dauert, bis es klick macht. Aber wenn, dann kann sie es ganz sicher anwenden. Sie ist ein Kind der Logik und wenn das erst einmal sitzt, ist der Rest ein Klacks.
Die ordentlichste ist mein Kind nicht, aber das überrascht mich nun auch nicht sehr. Hefte und Ordner sehen immer aus, wie gerade durch einen Schredder gezogen und auch die Schrift lässt an manchen Stellen zu wünschen übrig (erst war es der Radierer, jetzt ist es der Tintenkiller der täglich gefühlte 1.000 Mal zum Einsatz kommt).
Auch steht sie sich manchmal selbst mit ihrem stark ausgeprägten Ehrgeiz im Weg. Ein Test, bei dem sie nicht die volle Punktzahl erhält, ist total „verhauen“ und wenn sie beim Antolin-Programm (ein Leseprogramm, bei dem Kinder ein Buch lesen und hinterher am Computer Fragen dazu beantworten müssen) nicht 100 % schafft, ist sie auch schwer geknickt. Da gibt es manchmal auch Tränen, wenn sie eine Matheaufgabe nicht schnell genug versteht und ist dann gedanklich total blockiert, so dass wir dann eine Pause machen und 20 Minuten später die Aufgabe ohne größere Probleme rechnen können.
Da wünsche ich ihr ein wenig mehr Gelassenheit in der Zukunft, denn so unproblematisch wie in der Grundschule, wird die restliche Schulzeit womöglich nicht verlaufen.

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Nach wie vor ist es für mich unvorstellbar, dass das Fräulein Wunder nächstes Jahr in die Schule gehen soll.
Als sie noch ein Baby war empfand ich die Kinder, die mit den viel zu großen Schulranzen auf dem Rücken an mir vorbei gingen, immer als riesig. Damals konnte ich mir nicht vorstellen, wie es wohl sein würde ein Kind in diesem Alter zu haben.

Heute sehe ich das Fräulein an und bin verwundert, wie groß sie schon ist. Körperlich, aber auch geistig. Sie hat ihre ganz eigene Sicht der Dinge, ist so selbstständig geworden. Der Radius, in dem sie sich ohne mich bewegt, wird immer größer. Und ich kann das erstaunlicherweise relativ gut zulassen.
Auf Spielplätzen, Indoorspielplätzen und in Restaurants ist sie ihr eigener Herr. Natürlich behalte ich sie grob im Auge, aber wenn sie mal kurz vor die Tür möchte, auf dem Spielplatz durchs Gebüsch stromert oder in irgendeiner Kletterburg verschwindet, mache ich mir keine Gedanken mehr. Das hat viel mit Vertrauen zu tun. Ich weiß, dass sie (meistens) bedächtig und vernünftig ist, dass sie zu mir kommt, wenn es Probleme gibt und dass sie eben alleine zurecht kommt.
Immer häufiger kommt von ihr nun auch der Wunsch alleine in den Kindergarten oder zur Oma zu laufen. Und ich lasse sie auch. Zum Kindergarten muss ich allerdings dann irgendwann hinterher gehen, weil sie das Tor nicht alleine öffnen kann und darauf, dass irgendwann jemand kommt, der es für sie öffnet, möchte ich mich natürlich nicht verlassen.
Zur Oma geht sie alleine und mittlerweile brauche ich auch keine Rückmeldung mehr, dass sie gut angekommen ist (es handelt sich auch nur um eine Strecke von maximal 500 Metern).

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Das Fräulein ist sehr interessiert an Worten und Zahlen. Sie schreibt schon sehr lange ihren Namen und ab und an kommen weitere Worte wie Oma, Opa, Papa und Mama dazu. Wobei sie hierbei noch ein wenig Anleitung benötigt. Sie zählt bis 30 oder 40, kann im zehner Bereich rechnen, wobei sie hier an Fingern abzählt. Ich finde das alles erstaunlich. Wie selbstverständlich für sie dieser Wissensdurst ist, wie spielerisch sich das Lernen in ihren Alltag einfügt und wie interessiert sie an allem ist.
Die Lieblingserzieherin meinte vor kurzem auch, das Fräulein sei ein richtiges Schulkind. Sie sei konzentriert, interessiert und macht bei Allem begeistert mit.

Dieses Jahr hat sich das Fräulein Wunder dazu entschieden, beim Krippenspiel in der Kirche mitzumachen. Sie ist mit Abstand die Jüngste dort, wollte aber unbedingt eine Sprechrolle. Ich platze jedes Mal vor Stolz, weil sie so mutig ist. Ihren Text hat sie in Null Komma Nix gelernt (unfassbar, wie aufnahmefähig diese kleinen Kindergehirne noch sind), sie steht zwischen den vielen „Großen“ und obwohl sie sehr schüchtern und zurückhaltend ist macht sie ihre Sache ganz toll.
Jeden Mittwoch besuchen wir jetzt den Chor um die Lieder für das Stück zu lernen. Ich war ja schon immer der Meinung, dass sie am Singen mindestens genau so viel Spaß hat wie am Turnen und so wird der Chor am frühen Mittwoch Nachmittag wohl auch über Weihnachten hinaus ein fester Termin bleiben. Selbst Miss Allerliebst ist mit Hingabe dabei. Absolut herzig die zwei.
In zwei Wochen ist nun eine Krippenspielübernachtung geplant. Freitag Nachmittag Probe und danach gemeinsames Abendessen, eine Nachtwanderung und dann eben die Übernachtung im Gemeindehaus. Am nächsten Morgen gemeinsames Frühstück und erneute Probe. Das Fräulein Wunder sagt ganz selbstverständlich, sie macht da mit. Ich bin noch nicht so ganz davon überzeugt, dass sie wirklich dort bleibt wenn ich spät am Abend nach Hause gehe. Aber sie hat mich schon so oft überrascht, dass das wohl abzuwarten bleibt.

Die Aussicht, ab nächstes Jahr durch die Schule noch mehr zeitlich eingeschränkt zu sein, behagt mir nicht sonderlich. Mal ganz abgesehen davon, dass wir dann nur noch in den Ferien in Urlaub fahren können, wenn es voll und teuer ist, kann sie auch nicht so einfach mal einen Tag zu Hause bleiben, weil irgendetwas ansteht. Hausaufgaben, frühes Aufstehen, Verpflichtungen … auf das alles habe ich keine große Lust. Das Fräulein Wunder freut sich hingegen auf die Schule. Ich glaube, für sie ist das, als könne sie jeden Tag mit einem Rätselheft verbringen. Die Herausforderung reizt sie, ein Hinweis darauf, dass sie tatsächlich ganz langsam dem Kindergartenalter entwächst.

Ich wünsche ihr, dass sie die Schule als etwas Tolles erlebt. Dass sie gerne hin geht, ihre Freundschaften behält und neue schließt und mutig in die Zukunft voraus geht. Meine kleine Große. Ich bin so unfassbar stolz, vermisse aber gleichzeitig mein Baby, das sie einmal war. Wahrscheinlich wird das auch immer so bleiben.

Miss Allerliebst ist inzwischen 2 1/2 Jahre alt und ein echter Wirbelwind. Sie ist zudem unerschrocken und dickköpfig, was beides dazu führt, dass die Worte „Nein!“ und „Ich!“ (für „Das mache ich. Alleine!“) momentan die häufigsten Wörter in ihrem Sprachgebrauch sind.
Man kann sich vorstellen, dass dies einiges an Nerven kostet. Nerven und Geduld. Ob es nun um’s Schuheanziehen, Brotschmieren oder ins Auto Einsteigen geht: Miss Allerliebst möchte das gefälligst alleine bewältigen. Und wenn das 20 Minuten dauert, dann dauert es eben so lange. Die Alternative wäre ein schreiendes, um sich tretendes und auch mal spuckendes Kind, das brüllt wie am Spieß. (Das Spucken hat sie übrigens von ihrer Schwester abgeguckt. Nachdem klar war, dass der tolle Mann und ich das sowas von gar nicht leiden können, ist dies das ultimative Mittel um uns zu zeigen wo der Hammer hängt).

Auf der anderen Seite ist es aber absolut großartig, ihre neue Selbständigkeit mit anzusehen. Wenn sie sich morgens wie selbstverständlich anzieht oder sich die gewünschten Dinge selbst holt (Becher, Teller, Apfel usw.) oder auf dem Spielplatz im Kletterbaum verschwindet und erst nach einer halben Stunde zerzaust aber glücklich wieder auftaucht, dann puckert das Mutterherz wie verrückt vor Stolz.
Auch ist sie wie selbstverständlich mit den „Großen“ unterwegs. Meist hat das Fräulein Wunder nichts dagegen, wenn ihre Schwester mit ihr und ihren Freunden durch die Gegend zieht. Da passiert es immer häufiger, dass wir Käfermamas an einem Käfernachmittag ganz in Ruhe unseren Tee trinken und Waffeln essen können, während sämtliche Kinder im Garten herumtoben oder gemeinsam das Kinderzimmer meiner Mädels auseinandernehmen.

Die Krönung war dann vor kurzem ein Besuch in einem dieser Indoorspielplätze. Miss Allerliebst wollte alleine rumräubern und ich habe sie gelassen. Wenn ich auch den gesamten Nachmittag über nervös herum hibbelte und immer wieder nach ihr gucken ging (natürlich so, dass sie es nicht merkt). Wirklich entspannt war es für mich nicht. Trotzdem hat sie das mit Bravur gemeistert. Zum einen genießt sie in ihrem Alter noch einen gewissen Welpenschutz bei den anderen Kindern und zum anderen weiß sie sich durchzusetzen und zu helfen. Wenn auch nicht immer laut oder mit Nachdruck, aber doch so, dass sie entweder das bekommt, was sie will, oder großmütig auf etwas verzichtet, weil es ihr sowieso nicht wichtig genug ist. Zudem hat sie einen guten Orientierungssinn (nicht von mir!) und so fand sie bei Problemen jederzeit den Tisch, an dem wir saßen und konnte sich ein wenig Trost abholen.

Indoor

Auch vor den Fahrgeschäften auf der Messe hat sie Null Respekt. Ob nun Kinderkarussell, Kettenkarussell oder Ponyreiten – das kann sie alles alleine oder zusammen mit ihrer großen Schwester und da soll bitte keiner mehr dabei stehen und ihr Händchen halten. Sie ist ja schon groß (und abwechselnd ein großes Pferd oder eine große Katze oder ein großes Pony).

Pferd

Sie ist sogar schon nachts weitgehend trocken, was ich total verblüffend finde, da das beim Fräulein Wunder ja so eeeeewig gedauert hat. Morgens ist die Windel vollkommen ausgedörrt und wenn ich die Miss irgendwie aufs Klo bekomme, dann verschwindet das gesamte Pipi der Nacht (klingt nach nem guten Filmtitel, hi, hi) auch dahin, wo es hingehört. Aber eben nur, wenn die Miss will. Denn aufs Klo gehen ist momentan ziemlich uncool. Im Sommer konnte sie noch an keiner Toilette vorbei gehen, ohne sofort die Hosen runterzulassen, inzwischen ist das gar kein Thema mehr. Natürlich lasse ich sie. Hat ja überhaupt keinen Zweck sie zu irgendetwas zu drängen. Wobei ich morgens schon versuche sie irgendwie mit Locken, Bestechen, Singen oder Buchlesen aufs Klo zu bekommen. Ist doch doof sie zu wickeln und fünf Minuten später wieder eine frische Windel anziehen zu müssen. Inzwischen bin ich von Höschenwindeln wieder auf die „normalen“ umgestiegen, da das einfach bequemer zum Wickeln ist. Der nächste Sommer kommt bestimmt.

Ich bin jedenfalls immer wieder fasziniert, wie unterschiedlich meine beiden Mädels sind. Und wie sehr sie unser Leben bereichern und verändert haben. Manchmal ist es wirklich richtig anstrengend, wenn an einem Tag nur die Fetzen fliegen und Geschrei von morgens bis abends herrscht oder nichts so läuft, wie es soll (oder ich gerne hätte) oder die beiden Hüpfer vollkommen am Rad drehen und die Bude zerlegen.
Miss Allerliebst weiß allerdings, wie man sich in Null Komma Nix wieder einschleimt. Einmal feste drücken, ein „Büdde, Büdde Mamaaaa“ mit Klimperwimpern und Heiligenscheinblick und schon hat sie mich wieder voll im Sack und ich kann ihr nicht mehr böse sein.

Dieses Gefühl von Familie, dass wir vier zusammengehören egal was kommt, das ist so herzerwärmend und gibt mir ein Gefühl von Sicherheit und Beständigkeit, dass ich in bestimmten Momenten Gänsehaut bekomme, weil ich spüre, dass es genau so sein soll und ich dort bin, wo ich hin gehöre.

Liebste Miss Allerliebst,

GebAllerliebst1ich denke desöfteren darüber nach, dich umzutaufen. Vielleicht in „kleine Hexe“, „Rabauke“ oder  auch „Teufelchen“ ( und sind wir mal ehrlich, das „chen“ könnte man durchaus auch weg lassen ;-)).

Es ist einfach unglaublich, was du dir immer wieder einfallen lässt. Und Manches entdeckt man erst beim zweiten Hinsehen. So hast du zum Beispiel festgestellt, dass es gar keinen Ärger gibt, wenn du Tische, Stühle und Bänke nur von unten bemalst, denn das können Mama und Papa ja gar nicht sehen.
Auch weißt du ganz genau, dass du Mama oder Papas Handy nicht einfach so stibitzen sollst. Du tust es natürlich trotzdem, verziehst dich aber damit dann ganz schnell unter die Eckbank. Wenn du uns nicht sehen kannst, können wir dich schließlich auch nicht sehen.
Genau so ziehst du dich gerne da aus, wo wir dich nicht sehen können. Kaum drehen wir uns um oder lassen dich unbeobachtet ins nächste Zimmer, reißt du dir mit Hingabe Hose, Socken und Windel vom Leib. Gerne werden dann mal kleine Stinkerhaufen in die Ecke gesetzt oder du rennst fröhlich kichernd und singend bei 7 Grad halbnackt durch den Garten.

Du bist vollkommen angstfrei wenn es darum geht, deiner großen Schwester nachzueifern. Wenn ihr gemeinsam in der Zweimann-Schaukel draußen schaukelt, bekomme ich regelmäßig einen Herzinfarkt. Deine Schwester schaukelt so hoch, dass es dich von der Sitzbank hebt. Und du lachst, als gäbe es nichts schöneres auf der Welt.
Wenn du könntest, würdest du deiner Schwester bereits in sämtliche Wipfel der umstehenden Bäume folgen. Gott sei Dank fehlen noch ein paar Zentimeter, bis du auf die unteren Äste klettern kannst, aber ich weiß schon jetzt, dass ich dann keine ruhige Minute mehr haben werde.
Rutschen und Klettergerüste können demnach für dich nicht hoch genug sein. Gerne lässt du dich vom höchsten Punkt herunter hängen und springst dann ab (wie bei deiner Schwester gesehen) oder du stehst oben auf der Rutsche, wo ich dich nicht mehr erreichen kann und winkst mir ausgelassen zu.

Gerade weil du alles und jedes ausprobierst, holst du dir täglich irgendwelche Schrammen oder blaue Flecken. Doch du bist (Gott sei Dank) überhaupt nicht wehleidig. Fällst du hin, stehst du meist sofort wieder auf und weiter gehts bei deinen wildern Abenteuern. Passiert es dann doch mal, dass du dir ernsthaft weh tust, kommst du zu mir gelaufen und lässt dich ausgiebig trösten. Feste drücken, auf die „Wunde“ pusten und zum Abschluss einen Kuss darauf drücken ist das Mindeste. Aber dann ist auch wieder alles gut und du räuberst weiter.

Fremde sind dir sehr suspekt. Wenn du ihnen nicht aus dem Weg gehen kannst, ignorierst du sie einfach. Du schaust sie einfach nicht an und reagierst auf keinerlei Annäherungsversuche.
Schönes Beispiel hierfür war deine letzte Vorsorgeuntersuchung beim Kinderarzt. Du hast keine einzige Träne vergossen, nicht einmal geschrien oder gemeckert. Du hingst einfach auf meinem Arm, hast dem Arzt den Hintern entgegen gestreckt und alle Untersuchungen über dich ergehen lassen. Selbstredend, dass du dich auch dem Messen und Wiegen komplett verweigert hast. Da half weder Überredung noch Bestechung.

Überhaupt hast du einen wahnsinnigen Dickschädel. Du bist nicht etwa nachtragend oder sensibel wie deine Schwester, sondern eher klar und direkt. Wenn du etwas nicht willst, bringt dich nichts und niemand dazu. Gerne werden dann auch – um wirklich klar zu stellen was du gerade von der Situation hältst – irgendwelche Gegenstände in greifbarer Nähe durch die Gegend geworfen. Gerne auch mal der eigenen Schnuller, was dann wieder Gemecker nach sich zieht, weil du den ja dann doch gerne behalten möchtest.
Du gibst klar zu verstehen, dass du zum Beispiel die Hose selbst anziehen möchtest, dass du dein Brot alleine schmieren willst und dass du lieber den rosa statt den blauen Ball mitnehmen möchtest. „Nein“ ist auf jeden Fall eines deiner Lieblingswörter.

Das mit dem Sprechen klappt auch immer besser. Immer mehr Wörter schleichen sich in deinen Sprachgebrauch. Manchmal von heute auf morgen, so dass wir uns manchmal fragen, wo das Wort jetzt wieder her kam. Manchmal habe ich den Eindruck, dass du noch nicht wirklich verstehen kannst, wofür dieses ganze Sprachending gut sein soll, denn zur Verdeutlichung, was du jetzt genau willst, werden doch meistens Gesten und „Nein“ oder „Ja“ eingesetzt.
Du singst mit Leidenschaft, auch wenn man nur ganz selten ein Wort davon versteht und du plapperst gerne vor dich hin. Auch schreien kannst du ganz toll. Gerne zusammen mit deiner Schwester, dass beinahe die Fensterscheiben zerspringen. Daran habt ihr beide einen unbändigen Spaß.

Überhaupt. Ihr zwei. Ein Herz und eine Seele. Meistens. Dann spielt ihr gemeinsam ganz versunken oder räubert durch die Gegend. Niemals nimmst du dir etwas zu essen, ohne dass du auch etwas für deine Schwester mitnimmst. „Aja“ verkündest du dann und rennst los, um es dem Fräulein Wunder zu bringen. Alles was du hast, teilst du gerne.
Auch Quatsch macht ihr beide viel und ausgiebig. Meistens endet das zwar in irgendeiner Schweinerei, aber ihr beide habt euren Spaß. Ihr könnt von Jetzt auf Nachher über Dinge in haltloses Gekicher und Gelächter ausbrechen, von denen wir Erwachsenen keinen blassen Schimmer haben. Deine große Schwester ist einfach deine größte Heldin und alles was sie tut, musst du auch ausprobieren. Wenn sie etwas nicht isst, isst du es auch nicht, selbst wenn es dir schmeckt. Gott sei Dank ist das nicht immer so, denn Käse, Gemüse, Kartoffeln und Soßen finden viel öfter den Weg in deinen Mund, als in ihren.
Mit genau so viel Inbrunst, wie ihr euch liebt, könnt ihr euch auch streiten. Wenn ich nicht dazwischen ginge, würdet ihr euch täglich mindestens einmal prügelnd auf dem Boden wälzen. Ich weiß, dass das dazu gehört, aber aus der Sicht eines Elternteils ist das manchmal ganz schön anstrengend.

Doch so sehr du auch Rabauke und Freigeist bist, so sehr brauchst du auch die Nähe. Wenn Papa oder ich kommen oder gehen, werden wir jedes Mal mit Küsschen und Umarmung begrüßt oder verabschiedet. Du schmust und kuschelst für dein Leben gern, schnurrst dann beinahe wie eine Katze und drückst dich ganz eng an mich.
Zum Einschlafen brauchst du nach wie vor ein paar kuschelige Elternarme um dich herum und wenn du nachts aufwachst, ziehst du meist in das elterliche Bett um. Dann hebst du die Decke an, rollst dich in meinen Armen zusammen und schläfst dann da wie ein warmes, weiches Kuschelkissen ruhig bis zum nächsten Morgen (oder bis mir der Arm einschläft).
Du liebst das Küssen. Egal, ob du zwei Kuscheltiere in der Hand hast, die sich mit lauten Schmatzgeräuschen küssen, oder du mir deinen Teddy zum Kuss entgegenstreckst oder selbst Küsse verteilst. Beim An-, Ausziehen oder Wickeln streckst du mir gerne deine Füße oder den Bauch zum Küssen entgegen.
Was das betrifft, bist du wirklich allerliebst und man kann dir unmöglich lange böse sein, wenn du einen mit deinen großen Kulleraugen ansiehst, den Mund zu einem Küsschen spitzt oder mein Gesicht in beide Hände nimmst und „Mamaaa“ schnurrst. Hach.

Du bist schon so wahnsinnig groß. Kürzlich konnten wir sogar mit dir Essen gehen, ohne dass Papa oder ich dauernd mit dir herumrennen mussten. Du findest Ruhe im Bilderbuch anschauen oder im Sandkasten. Du liebst das Trampolinspringen und Schaukeln. Du spielst mit den Schleichtieren wie eine Große, lässt sie rennen und springen und reden und sich küssen. Du bist eine Puppenmama, ziehst die Puppen gerne aus (das Anziehen übernehme noch ich) und fährst sie im Buggy durch die Gegend. Du liebst Quark sowohl in der süßen als auch deftigen Variante und isst manchmal lieber nen Apfel oder Rohkost als Würstchen. Du hast es faustdick hinter den Ohren und stellst dich dabei auch noch sehr geschickt und clever an.

Du bist meine Kleine, die eigentlich nicht mehr so wirklich klein ist. Mein über alles geliebtes Schmusekind und meine genau so sehr geliebte dreckverschmierte Räubertochter.

Liebste Miss Allerliebst,

es wird mal wieder Zeit zu berichten, was sich in Deinem Leben gerade so tut.

Du bist nach wie vor ein quirliges, fröhliches und unglaublich neugieriges Persönchen. Den ganzen Tag bist du in Bewegung, kletterst dabei überall hoch oder drunter, musst alles genauestens untersuchen und jedem Geräusch nachgehen.
Du liebst es im Badezimmer auf den kleinen Vorsprung zu klettern, so dass deine Nase gerade über das Fensterbrett reicht, und hinaus zu gucken. Wenn draußen ein Müllauto oder ähnliches zu hören ist, gibst du nicht eher Ruhe, bevor ich dich hochgehoben habe und du aus dem Schlafzimmerfenster hinaus auf die Straße gucken kannst. Auch die Kinder gegenüber auf dem Spielplatz werden so gerne unter die Lupe genommen.

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Liebste Miss Allerliebst,

letztes Jahr um diese Zeit hatte ich noch keine Ahnung, dass ich Dich noch an diesem Abend in den Armen halten würde. Abends um kurz nach elf warst Du schließlich da. Ein kleines Bündel. So entspannt. So perfekt. So überaus allerliebst.

Seitdem ist so viel passiert. Du bist wahnsinnig gewachsen, so wohl äußerlich, als auch im Geiste. Aus dem Winzling ist ein Kleinkind geworden, das bereits seine eigene Persönlichkeit entwickelt und aus unserer Familie nicht mehr weg zu denken ist.

Ich habe gerade gestern das Fräulein Wunder gefragt, ob sie sich daran erinnern kann wie es ohne Dich war. Ich glaube, sie hat sich gedacht „Mama macht wieder Quatsch“, denn genau so, wie ich mir nicht mehr vorstellen kann, dass wir früher nur zu dritt waren, kann sie sich auch nicht mehr an eine Zeit ohne Dich erinnern. Ein Jahr ändert so viel.

Stichwort Persönlichkeit: Die hast Du und das bereits sehr ausgeprägt. Du weißt genau was Du willst und wie Du es willst. So musst Du zum Beispiel beim Essen immer Deinen eigenen Löffel in der Hand halten, um selbst in Deinem Brei oder Essen herumrühren und ihn Dir ab und an in den Mund stecken zu können. Das ist Dir ganz, ganz wichtig. Ohne Löffel in der Hand verweigerst Du die Nahrungsaufnahme.
Still sitzen oder liegen, zum Beispiel beim Essen oder Wickeln, findest Du total überbewertet und so möchtest Du spätestens nach dem letzten Bissen aus Deinem Stuhl heraus oder beim Wickeln Dich erst gar nicht hinlegen. Und wenn Dir etwas nicht passt, dann kannst Du das ganz klar und sehr vehement äußern. Du brüllst dann alles zusammen und je nach dem wie ungehalten Du bist, kann das auch sehr schrill und unfassbar laut werden.
Aber auch genau so sehr suchst Du die Nähe von mir oder Deinem Papa. Dann kommst Du angekrabbelt und streckst die Arme aus, damit wir Dich hochnehmen und dann schmiegst Du Deinen Kopf an meinen Hals oder die Schulter und bist für einen kurzen, köstlichen Moment ganz still. Du fühlst Dich so wunderbar kuschelig an. Dein weiches Haar, deine kleinen Hände, deine zarte Haut. Alles an Dir ist zum Aufessen und am allerliebsten mag ich Deine kleinen süßen Füße mit den winzigen Zehen, die ein bißchen wie Perlen auf einer Schnur aussehen. Wenn ich sie küsse oder daran knabbere, kicherst Du wie verrückt und mein Herz weitet sich, bis es kurz vorm Platzen steht.

Sehr aufgebracht wirst Du auch, wenn man Dich daran hindert, den Inhalt eines Schrankes oder einer Schublade zu untersuchen (was ich am Tag gefühlte 5 Millionen Mal tue, denn, wie bereits erwähnt, bist Du ein Ausräumtalent). Zielsicher suchst Du Dir genau die Schränke aus, an Die Du nicht heran sollst, weil sich darin Glas oder die Malutensilien Deiner Schwester befinden. Die Schublade mit den Tuppersachen oder Deine Spielzeugkiste findest Du hingegen meist uninteressant.

Direkt nach dem Aufstehen ziehst Du eine Spur der Verwüstung durch das Haus. Das fängt bei meinen Socken und Schals an, geht weiter mit dem Schrank, in dem sich Eure Windeln und Unterwäsche befinden und wenn ich nicht aufpasse, schiebst Du auch noch die Schiebetüren unseres Schrankes auf und räumst meine Pullover und T-Shirts aus. Bevor wir also überhaupt richtig aufgestanden und angezogen sind, hast Du einen Teil Deiner „Arbeit“ bereits erledigt.
Wenn wir dann nach unten gehen, stürzt Du Dich sofort auf die Schubladen in der Küche und die Kiste mit dem Altpapier. Danach ist im Flur die Kiste mit den Mützen, Schals und Handschuhen dran, bevor Du Dich im Wohnzimmer dem Spielschrank Deiner Schwester und meiner CD-Sammlung widmest. Und dies alles auch gerne mehrmals am Tag, wenn ich so blöd bin und ab und an hinter Dir aufräume.

Es ist wahnsinn, wie Du immer mehr mit uns kommunizierst. Seit gut zwei Wochen zeigt Dein Zeigefinger überall hin und Du plapperst dazu wild drauflos. Wir wissen also jetzt schneller, ob Du etwas zu trinken oder essen möchtest, oder ob Dich nur irgendein Spielzeug oder Gegenstand auf dem Tisch interessiert.

Auch zeigst Du mir draußen gerne Dinge, die Dich faszinieren. Es geht noch nicht so weit, dass Du ein „Da!“ oder ähnliches formulierst, trotzdem weiß jeder, was gemeint ist.

Mittlerweile kannst Du sehr sicher frei stehen, auch wenn Du es selten von Dir aus machst. Meist passiert das, wenn es Dir nicht bewusst ist, wenn Du zum Beispiel etwas aus Deiner Spielkiste herausfischst und den Gegenstand dann mit beiden Händen untersuchst. Oder wenn ich Dich kurz irgendwo abstellen muss, weil ich beide Hände brauche. Allerdings gehst Du dann relativ schnell runter auf die Knie, dies aber sehr bewusst und langsam, Du lässt Dich also nicht einfach fallen.
Gestern hast Du sogar Deine ersten, freien Schritte getan. Allerdings scheint Dir das noch etwas unheimlich zu sein, was ich durchaus verstehen kann. Immerhin ist dies ein weiterer Schritt in die Unabhängigkeit und man weiß ja nie, wie weit Mama sich dabei entfernt.

Musik findest Du ganz toll und damit auch jedes Spielzeug, dass irgendwelches Düdelü von sich gibt. Du wippst dann enthusiastisch in den Knien oder mit dem Kopf und versuchst mitzusingen. Auch das Tanzen auf meinem Arm genießt Du sichtlich.

Momentan haben wir sogar was Essen und Schlafen betrifft einen sehr schönen Rhythmus. Immer noch trinkst Du morgens zwei Flaschen Milch, allerdings haben wir inzwischen von Pre-Nahrung auf Kuhmilch umgestellt und das absolut problemlos. Du schläfst dann so gegen halb elf, elf etwa eine Stunde, manchmal sogar länger und bist dann fit bis zum Nachmittag. Beim Mittagessen isst Du manchmal schon das mit, was das Fräulein und ich essen, oder bekommst doch noch ein Gläschen. Allerdings neigt sich die Gläschenära wohl langsam dem Ende zu, denn du findest das Essen auf unseren Tellern meist wesentlich spannender.
Leider bist Du kein Fan von Wurst- oder Käsebrot. Du knabberst gerne an einem trockenen Stück Brot oder Brötchen und auch ein Stückchen Wurst geht ab und an, aber ein ordentliches Frühstück, so dass wir Deine zweite Flasche damit ersetzten könnten, ist das leider auch nicht.
Dafür liebst Du im Moment Bananen. Da diese aber im Moment das Nachmittagsgläschen ersetzen und ich Dir ungerne zwei Bananen pro Tag geben möchte (das erschwert die Verdauung, wenn Du verstehst …) fehlt mir da noch eine Alternative. Aber auch das wird sich finden.
Schließlich schläfst Du nachmittags so gegen vier meist noch mal eine halbe Stunde und gehst dann so gegen halb acht, acht ins Bett und dies im Moment recht unkompliziert und schnell.
Weiterhin schläfst Du in meinen Armen ein, ich beobachte allerdings in letzter Zeit, dass Du manchmal noch verschlafen zu mir hoch blinzelst, wenn ich dich ins Bett lege. Trotzdem höre ich dann, wenn ich das Zimmer verlasse, keinen Mucks mehr von Dir. Das wäre früher unmöglich gewesen. Mal sehen, wie sich das in den nächsten Wochen entwickelt.

Somit wünsche ich Dir heute, an Deinem Ehrentag alles erdenklich Liebe und Gute zum Geburtstag. Auf dass Du weiterhin so wunderbar wächst und Deinen eigenen Weg gehst, dass Du Dein Leben mit Leidenschaft und Freude genießt, dass Du immer so neugierig und aufgeschlossen bleibst und dabei nie Dich selbst aus den Augen verlierst. Ich wünsche Dir jede Menge Liebe und Zärtlichkeit auf Deinem Lebensweg und dass immer jemand für Dich da ist, der Dich begleitet, beschützt und unterstützt. Ich werde es auf jeden Fall immer tun. Du, mein Herzmädchen.

MissColllage

(Hier der erste Geburtstag des Fräulein Wunders zum Nachlesen)